
Now Playing: Penta – Time Jump
Nun ist es also soweit. Ich bin im Land der aufgehenden Sonne angekommen. Nach 1,5 Tagen Ôsaka sitze ich jetzt im Bus nach Masuda; die Fahrt wird ungefähr 7 Stunden dauern. Damit habe ich genug Zeit, meine bisherigen Eindrücke ein wenig zu beschreiben. Nachdem es viel zu lange gedauert hat, dass ich endlich mal den Schritt nach Japan gemacht habe, ging es am Ende umso schneller. Gerade noch in Köln gewesen, dann der Umzug nach Meschede, und kurz darauf saß ich bereits im Flieger nach Ôsaka. Das alles ging so schnell, dass ich nicht nur durch die Zeitverschiebung (Japan = +8 Stunden) den Eindruck hatte, einen Zeitsprung zu machen. Doch der Reihe nach. Vorsicht: ausführliche Beschreibung!
Meine Ma, sowie meine beiden Brüder, begleiteten mich zum Flughafen Frankfurt und bis zum Check-In. Obwohl mir der Abschied von meiner Familie, meinen Freunden und Deutschland schwer fiel, lenkten mich unmittelbar danach neue Erfahrungen ab. Da ich ja noch nie geflogen war (jaja, außer mit Teilen, ne Andi? ;)), wurde ich durch die doch sehr ausführliche Kontrolle beim Check-In überrascht. Dachte ich mir bei bisherigen Körperkontrollen immer, dass ich ja ohne Weiteres ein Messer zwischen den Beinen hätte verstecken können, so hätte ich das bei dieser Kontrolle sicher nicht gekonnt. Nach der Musterung das zweite Mal, dass mir ein Typ an die Nüsse griff. Nachdem ich für ungefährlich befunden wurde, durfte ich mich auf den Weg zum Flieger machen, wo mich nach dem ersten Moment der Freude – wirklich hübsche Stewardessen – auch schon der erste Moment des Schreckens erwartete. Mein Sitznachbar war ein dermaßen klassischer Klischee-Sextourist, dass ich schon nach der versteckten Kamera Ausschau halten wollte. Glatze, dick, feinstes Bauarbeiter-Dekolleté, leicht schwitzend, Goldkette über der behaarten Brust. Leider entpuppte der Typ sich auch als außerordentlich gesprächig, sodass ich mir anhören musste, dass er aus dem Elsass käme, bereits zum 25. Mal nach Thailand flöge und dort ja alles kenne, natürlich nicht wegen der Frauen hinführe, denn er sei ja auch auf Kuba gewesen – ihm gefielen die Frauen dort besser – sondern einzig und alleine des Landes wegen flöge. Ein Schelm, wer Böses denkt. Eigentlich war er ja nett, aber er redete in einem derartig stark akzentuierten Deutsch-Französisch, dass mir das Zuhören einiges an Konzentration abverlangte. Zum Glück war der Flieger nicht stark gebucht und ich konnte mir nach dem Schließen der Tür einen anderen Platz suchen. Der Flug an sich war ziemlich cool und die Beschleunigung beim Start doch beeindruckend. Zwar nicht so schnell wie mit dem Moped, aber schon cool. Während des Fluges beschäftigte ich mich mit dem Entertainment-System an Bord, das einige nette Filme bot. „The Invasion“ mit Nicole Kidman ist übrigens ein übelst schwaches Remake des Klassikers „Invasion Of The Body Snatchers“. „Balls Of Fury“ dagegen fand ich recht amüsant und ich musste einige Male im Flieger lachen, weshalb Thailand-Theo auch neugierig nachfragte. Der Service bei Qatar Airways ist wohl ziemlich gut, weshalb ich auch fleißig Drinks bestellte. Zwischendurch auftretende Turbulenzen führten aber dazu, dass sich mein schönes Glas Vodka einfach auf und davon machte. Naja, konnte ja ein neues bestellen. Dann der Anflug auf Doha. Supergeil sah das aus dem Flugzeug aus, da es bereits dunkel geworden war und sich ein schönes Lichtermeer bot. 20°C war es dort, also richtig angenehm. Dummerweise hatte ich mein Handy im Flieger gelassen, aber die extrem schroffen und latent aggressiv wirkenden Flughafenmitarbeiter haben es tatsächlich geschafft, es wieder aufzutreiben. Glück gehabt. Der Flughafen an sich ist die pure Langeweile, es gibt dort einfach gar nichts, außer zwei sehr schlechten „Restaurants“, einen unglaublich überteuerten Duty-Free-Shop, sowie viele Ninjas. Nach vergeblichen Schlafversuchen ging es dann weiter in Richtung Ôsaka. Dieses Mal bekam ich einen Fensterplatz zugewiesen und saß zudem alleine. Nachdem die – noch viel hübscheren Stewardessen – bemerkt hatten, dass außer mir nur noch ein weiterer westlich aussehender Mann im Flugzeug saß, ansonsten nur Japaner und Araber, sparte man sich dann auch die Durchsagen auf Englisch. Egal, Vodka dabei und ein paar Dokus geschaut sowie ein bissl gezockt, schon war die Zeit um, Touchdown in Ôsaka.
Video: Touchdown! (4 MB)

Nix los in Doha!
Yay, zum ersten Mal in Japan! Der Flughafen war irgendwie vollkommen leer, so als wolle niemand nach Japan, außer den Japanern selber. Nachdem ich auch hier „for the protection against terrorist“ (O-Ton) gefilzt wurde, ging es weiter mit dem Express-Bus in Richtung Ôsaka Bahnhof. Eine knappe Stunde dauert die Fahrt über den Express-Highway, und entlang der Strecke sieht man nichts, außer Beton, Beton, Stahl, Beton, ein wenig Glas, und Rost. Ich habe nicht so viele Fotos schießen können aus dem fahrenden Bus, aber es sieht zu einem großen Teil wirklich so aus wie in Wesseling oder Godorf, nur eine Nummer grösser. Irgendwann tauchten die ersten Wohnhäuser bzw. Wohnblocks auf, aber ich habe nur „OMG! Wer hat das so gebaut?!“ gedacht. Ôsaka hat WWII nicht gut vertragen. Nachdem alles weggebombt wurde, wurde beim Aufbau eher auf Zweckmäßigkeit (wenn überhaupt) geachtet, aber für das europäische Auge muss das zwangsläufig eher chaotisch wirken. Dazu wurden die Express-Highways, die quasi ein System von Brücken darstellen, wie riesige Schlangen durch die Stadt gehämmert, um Gebäude, über Gebäude, durch Gebäude…sehr abgefahren. Wenn da Godzilla mal durchlaufen sollte, dann wüsste bestimmt niemand, wie man das wieder aufbauen sollte.

Ey, keiner will nach Japan! KIX without people!
Als ich dann mit dem Bus an der Hankyû Station angekommen war, wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen. Da stand ich mitten im Zentrum Ôsakas, einen mäßig detaillierten Stadtplan und 30kg Gepäck in der Hand. Ortszeit war jetzt ca. 17 Uhr, also war RICHTIG Betrieb auf den Strassen, Gehwegen und im Bahnhof. Von jetzt auf gleich waren lauter Japaner, wilde Geräusche, Ansagen und Durchsagen, extrem viele und an sich extreme visuelle Reize, um mich herum, und nachdem ich gemerkt hatte, dass ich mit meinem Gepäck mal so richtig im Weg stand, habe ich mich erstmal an den Rand gestellt und mir alles angeschaut, um die Eindrücke sacken lassen. Krass, krass, krass habe ich nur gedacht. Auf dem Weg zum Hotel habe ich so viele Sachen fotografieren, anschauen oder nutzen wollen, dass ich mich fast ein wenig überfordert fühlte. Wenn ich jedes Mal, wenn mich ein Mann, der Reklame für irgendetwas machte, anschrie, eine abgefahrene Werbung meine Aufmerksamkeit verlangte, eine Arcade lockte, oder eine unglaublich hübsche Japanerin vorbeiging, den Kopf ruckartig gedreht hätte, dann hätte ich mir nach ungefähr einer Sekunde das Genick gebrochen.

Ohatsu Tenjin, ein Schrein mitten in Osaka und zufällig direkt in der Nähe meines Hotels. Offiziell heisst er Tsuyu-Tenjinsha. In der Edo-Zeit war dies ein “beliebter” Platz für unglücklich Verliebte, die dann gemeinsam hier Selbstmord begingen. Chikamatsu Monzaemon schrieb deshalb das Drama “Sonezaki Shinju”, und machte diesen Schrein dadurch recht berühmt.
Diese Reizüberflutung sorgte auch dafür, dass ich mein Hotel zunächst nicht fand, da ich das Schild im Gewirr der Leuchtreklamen übersehen hatte. Ein freundlicher Polizist aus einer Police Box unmittelbar neben dem Hotel half mir dann aber weiter. Überhaupt sind bisher tatsächlich alle Menschen extrem nett und hilfsbereit gewesen. Da können sich die lustigen Rheinländer, die ja auch angeblich keinen alleine lassen, mal eine dicke Scheibe von abschneiden. Check-In im Hotel, rauf auf mein Zimmer, Ruhe. Das Zimmer war soweit ok, aber nach einer kurzen Dusche musste ich schnell wieder raus und die Gegend erkunden. Mein Hotel liegt zum Glück in einer Gegend, in der sich das Vergnügungszentrum der Kita-Region Ôsakas befindet. Was sich da abspielt, das ist in etwa so, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber es dann zu erleben ist dann doch etwas anderes. Unzählige Restaurants, Imbisse, Pachinko-Hallen, Videospiele, Bars, Geschäfte, Clubs, etc. drängen sich dicht an dicht, dazwischen unzählige Japaner, und dazwischen ich. Es herrscht dort ein solches Ausmaß an audio-visuellen Reizen…hihi. Die Läden betreiben so etwas wie Überlebenskampf, nur die lautesten und flashigsten überleben da wohl. Geil, geil. Muss man gesehen haben, kann man eigentlich nur schwer beschreiben. Nach knapp 2 Tagen ohne Schlaf forderten 2 Bier trotz スタミナうどん ihren Tribut und ich musste ins Bett.