Now Playing: Liferuiner - You have A Body Like an Hourglass, And A Face That Could Stop Time

 

Nach einer reichlich rasanten Fahrt, die der Busfahrer mit einer Mischung aus Mut, Können, aber auch einem gehörigen Anteil an Leichtsinn bzw. Wahnsinn, 35 Minuten schneller als geplant absolvierte, kam ich in Masuda an. Auf dem Weg dorthin sah ich viel von der wunderschönen Landschaft Japans, viele kleine Dörfer, ein paar kleinere Städte, und als es hinauf in die Berge ging, schneite es sogar wüst und überall wiesen Schilder auf die suripu-Gefahr hin, was aber den Busfahrer nicht zu stören schien. Selbst meine japanischen Mitfahrer konnten angesichts des wüsten Tempos nicht schlafen, und das will etwas heißen, denn Japaner können sonst scheinbar immer und überall schlafen. Von Masuda aus dauerte es noch eine halbe Stunde bis zu meinem Gastgeber. Nach einem netten Plausch mit dem Busfahrer, der die guten Straßen Deutschlands lobte und die eigenen zu Recht verfluchte, holte mich mein Host, Iwamoto-san, ab. Ich fand ihn nett, er mich wohl auch, aber direkt nach der Ankunft folgte die erste Ernüchterung. Gerade angekommen, wurden mir die Ehefrau, die Oma und die Schwiegertochter vorgestellt. Soweit, so gut, nur dass keiner einen Ton sagte. Mir wurde dann auch nach ein paar allgemeinen Fragen mein Raum gezeigt, sowie die Zeitabläufe klar gemacht, allerdings alles auf Englisch, weil der Typ dachte, dass ich ihn nicht verstehen könne. Mir wurde gesagt, was ich alles nicht machen darf, z.B. nicht mit den Füßen in Richtung des Haus-kami liegen, nicht 2 Mal mit heißem Wasser das Gesicht spülen, da Kerosin teuer sei, nicht länger als 23 Uhr wach sein, usw. Daraufhin wurde ich relativ barsch mit einem „bis morgen“ ins Bett geschickt. Ernüchterung pur. Aber der Hammer war mein Raum. Während der auf den Fotos ordentlich aussieht, was er auch ist, war/ist er aber unglaublich kalt.

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Mein Zimmer.

6°C habe ich da nachts, den Heizapparat darf ich nicht laufen lassen, weil das Kerosin teuer ist, er bei zu langem Betrieb in Flammen aufgehen kann und weil ich so oder so durch den CO2-Ausstoß den Morgen nicht erleben würde (kein Witz). Habt ihr schon mal versucht, bei 6°C zu schlafen? Mein Futon war ok, dazu halt ein paar Klamotten angezogen und schon war es schön cozy am Körper, aber mein Kopf war aus Eis. Also habe ich noch Handtücher und meinen Mantel über meinen Kopf gelegt. Aber das Stück um die Nase muss frei sein, da ich sonst nicht schlafen kann. Diese eine Partie wurde so kalt, dass ich genau so wenig schlafen konnte. Hinzu kam, dass im Zimmer nebenan die Oma liegt, die leider Lungenkrebs hat, und zwar unheilbar in einem fortgeschrittenen Stadium. Die lebt wirklich nur noch, um wach zu werden, unter Schmerzen zu essen, und um die gesamte Nacht zu röcheln und zu husten. So leid sie mir tut, so wenig kann ich schlafen, wenn jemand im Raum nebenan sich zu Tode hustet. Die erste Nacht verbrachte ich also vollkommen ohne Schlaf, mir war arschkalt im Gesicht, ich war unglaublich enttäuscht, weil ich mich auch nicht sonderlich willkommen fühlte, sondern mich direkt als Arbeiter empfand, der hier für umsonst die harten Sachen machen darf. Mit einer Mischung aus Spannung und Entsetzen wartete ich also auf den nächsten Tag, aber eigentlich war mein Gedanke nur WTF?!

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WTF?! Das Original vom ersten Abend.

 

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