Now Playing: Shift - Pump

 

Am nächsten Tag fuhr ich nach dem Frühstück mit Iwamoto-san ein wenig durch die Gegend. Er zeigte mir alles und ich muss sagen, dass die Gegend wirklich extrem idyllisch ist, aber auch ebenso abgeschieden. Ohne Fahrzeug kann man hier überhaupt gar nichts machen. Da ich extrem ungesprächig und niedergeschlagen wirkte, merkte Iwamoto-san, dass ich nicht so richtig zufrieden war.

gequalt.jpg

Mein Lächeln wirkt nicht so richtig ehrlich.

 

Ein gutes Rezept gegen Kälte sei aber Arbeit, und da hat er Recht. Nachdem ich einen kompletten Misthaufen von einem Ort zum anderen geschafft hatte, war ich richtig platt. Auf den Fotos kann man ja die Größe erkennen; das war schon ein Brocken Arbeit. Ziemlich platt und müde ging ich dann zum Abendessen, was sehr lecker war. Ein großer Teil meines Interesses an Japan gilt auf jeden Fall der heimischen Küche, und zumindest hier wurde ich nicht enttäuscht. Alles oishikatta! Danach durfte ich zum ersten Mal ein traditionelles japanisches Bad nehmen, ofuro genannt. Als Gast darf man immer zuerst ins Bad, danke für diese Ehre. Man wäscht sich vor dem Bad, entfernt alle Seifenreste und steigt dann in einen Zuber, der je nach Gusto mit mehr oder weniger apokalyptisch heißen Wasser gefüllt ist. In meinem Fall war es mehr apokalyptisch heiß. Ich konnte es wirklich nicht ansatzweise aushalten, was für Gelächter sorgte.

ofuro.jpg

Ofuro.

 

Zumindest wurde mir dadurch warm und ich ging, mit einigen Yebisu Bieren gefüllt, ins Bett, um abermals so gut wie nicht schlafen zu können. Ich war dermaßen abgefuckt, dass ich wirklich schon hinschmeißen wollte, zumal mich das Röcheln von Obaasan wirklich fertig machte. Egal, ich wollte mich durchbeißen. Übrigens nahm ich auch mein Zimmer etwas unter die Lupe, und anhand der Fotos könnt ihr sehen, dass die Haus-kami, die hier angebetet werden, Super Mario und Luigi sind. Das fand ich cool.

lolkami.jpg

Die lol-kami.

 

Am nächsten Tag ging es dann direkt weiter mit der Roboterarbeit. Dieses Mal durfte ich mehrere Tonnen Reis von Ort A nach Ort B schaffen. Spätestens da war klar, was für Arbeiten ich in der nächsten Zeit machen würde. Betrachtet man das ganze unter dem Aspekt des Trainings, dann ist das ein gutes Bootcamp. Gesagt, getan, danach wurde Erde beseitigt, bis obenhin mit Wasser vollgesogene Paletten weggeschafft, ein wenig eingekauft in der nächsten Stadt, Masuda, und noch ein Café aufgesucht. Dieses wurde von einem sehr netten Japaner betrieben, der 2 Jahre in der Türkei lebte, und daher auch ein Café im türkischen Stil eröffnete. Ich musste ihn allerdings erst davon überzeugen, dass nicht alle Deutschen das türkische Volk hassen. Ich hatte das Gefühl, das Schlimmste ein wenig überstanden zu haben und konnte abends auch ein bisschen schlafen. Am nächsten Tag schüttete es wie blöde und ich musste den gesamten Tag hindurch ewig lange Schläuche in Stücke schneiden. Hört sich besser an, als es beim Räumen der Fall war, aber war es nicht. Mein Handgelenk wurde übelst dick und ich denke, dass ich damit noch Spaß haben werde…nicht.

fubar.jpg

F.U.B.A.R.?

 

Es machte mir außerdem zu schaffen, dass kaum mit mir geredet wurde, und so fasste ich den Entschluss, möglichst schnell nach einer anderen Stelle zu suchen, denn eigentlich erwartete ich als Gegenleistung für meine harte Arbeit nur, dass ich Japanisch sprechen kann und mir Dinge gezeigt und erklärt werden. Gesagt, getan, als nächstes kann und werde ich nach Nikkô gehen, wo ich zwar Computerarbeit machen muss und ein bissl mit der Videokamera rumspielen werde, es noch kälter als in Nijo ist, aber wenigstens die Zimmer beheizt sind, weil es ein Hotel ist. Abends trank ich Iwamoto-san am „welcome fire“ dafür aus Rache die ganze Flasche teuren shôchû weg hehe. Pech, aber war lecker und betrunken kann man immer und überall schlafen haha. Iwamoto-san hat aber kapiert, dass ich nicht zufrieden war, weil ich nach den Fahrplänen in Richtung Nikkô fragte, und so wurde sich ab dem nächsten Tag mehr Mühe gegeben. Seitdem ist es besser geworden, es wurde mehr mit mir geredet und scheinbar meine Roboterarbeit gewürdigt. Mein Handgelenk wurde allerdings immer dicker und schmerzte, hinzu kommt, dass ich weiterhin der Überzeugung bin, eine angebrochene Rippe zu haben (Hallo Fred :D). Mittlerweile war ich aber ein wenig zufriedener als vorher, nur obaasan macht mir immer noch zu schaffen, da es nicht einfach ist, jemanden zu sehen, auf den der Sensenmann wartet. Weiter ging es mit den alltäglichen Räumarbeiten, teilweise sogar unterstützt durch einen Bagger, den ein Freund von Iwamoto-san steuerte. Der war übrigens enorm witzig und nett, allerdings verstand ich kaum ein Wort, als die beiden auf den lokalen Dialekt umschalteten und sich in Rage redeten. Dafür gab es unglaublich leckere mochizuki, die auf dem hibachi gegrillt wurden, dazu shôchû. Schade übrigens, dass ich nicht ein wenig Bagger oder LKW fahren durfte, denn das hätte erstens Spaß gemacht, und zweitens hätte der kleine LKW von Iwamoto-san noch eine funktionierende Tür, sowie die Scheune ein heiles Dach. Iwamoto-san fuhr nämlich rückwärts los, ohne vorher die Tür geschlossen zu haben. Selbige quittierte die Berührung mit der Wand durch spontane Kaltverformung des Metalls. Der Kumpel im Bagger lachte noch drüber, fuhr dann los und rasierte mit dem Schaufelarm schön die Dachrinne des Scheunendachs weg. Da hatte ich dann meinen Spaß als lachender Dritter. Joar, so ging jetzt die Zeit rum. Am Donnerstag werden wir, auf meinen Wunsch hin, einen Tempel besuchen, dessen schöner Garten vom berühmten Maler Sesshû entworfen wurde. Ich bin schon gespannt und freue mich darauf, endlich mal etwas anderes zu sehen. Als Tipp an dieser Stelle noch 2 Filme, die ich mir nachts ansah: „Daremo shiranai (Nobody Knows)“ , „Reign over me“.

Hinterlasse einen Kommentar