Now Playing: Keith Jarrett - The Köln Concert - Part 1 (excerpt)
Hey. Gerade noch in Osaka, dann schon in Tokyo. Der Bus, genannt “Dream”, lieferte mich am Bahnhof Ueno ab, allerdings war ich nur mässig erholt, denn mit Schlafen ist in dem Bus nix gewesen. Was mich an den japanischen Straßen so unglaublich nervt, ist, dass sie diese Rinnen haben, die quer über die Straße führen und bei starkem Regen Aquaplaning vorbeugen sollen. Jedes Mal, wenn der Bus über eine solche Fuge fuhr, oder eher polterte, schepperte der ganze Bus wie blöde. Dream? Wohl eher nicht. Von Tokyo habe ich nicht viel gesehen, weil der Bus die gesamte Zeit die Gardinen verschlossen hatte. Tokyo Main Station und Ueno habe ich gesehen, wo ich dann auch umsteigen musste, um die Tobu Line nach Nikko zu bekommen.
Dream und ich.
Anstatt mit JR fährt man dann im günstigsten Fall mit der Tobu Line nach Nikko. Ich bekam dann auch einen netten Zug, allerdings nervten die Durchsagen so kolossal, es war echt der Wahnsinn. Nach jedem Halt wurde sich bedankt, dass man mit dem Tobu Line Express Nummer bla bla, von bla bla, über bla bla, nach bla bla fährt, dass der Zug 6 Wagen hat, von Nummer 1 beginnend fortlaufend nach 6 durchnummeriert, wo das Restaurant ist, dass die Türen nur in Wagen 2 und 5 geöffnet werden, dass man verdächtige Personen wegen Terrorgefahr bitte melden soll und so weiter. Das ganze auf Japanisch und stark Akzent belastetem Englisch. Kegelclubs von Frauen gibt es übrigens auch in Japan, denn ein paar Frauen, die sich mit alkoholischen Mischgetränken vergnügten, fuhren mit dem gleichen Zug nach Kinugawa. Wie ihre deutschen Pendants, fielen auch sie durch übermäßig lautes Lachen auf, was ich mit lauter Musik über den mp3-player zu übertonen versuchte.
Angekommen.
In Nikko angekommen, fühlte ich mich eigentlich auf Anhieb wohl. Ein schnuckeliger Bahnhof, nette Leute an der Information, dazu lauter kleine Geschäfte vor dem Bahnhof, und ringsherum die Berge. Wirklich nett. Der Taxifahrer, der mich zur Lodge brachte, beschwor direkt die alte Verbundenheit zwischen Japan, Italien und Deutschland herauf und bestand darauf, dass man (Deutsche) doch im Falle eines Konfliktes mit China wieder zur Seite stehen möge. Ich sicherte ihm meine Unterstützung zu, deshalb kostete die Fahrt anstatt 700 Yen auch gar nichts :D.
Lodge.
So, das ist also mein neues Zuhause für die nächsten Wochen. Begrüsst wurde ich von: niemand. Es war niemand zu sehen und erst nach längerer Zeit tauchte Zenryu, ein Zen-Buddhismus Mönch der Soto Schule und Mitbesitzer der Lodge, auf. Zenryu war sehr nett, ebenso die Amerikanerin Dana, die für eine Woche meine Kollegin sein sollte. Mit wurde für den ersten Tag freigegeben, allerdings wurde ich auch zur Eile gedrängt, da heute freier Eintritt im Edo Wonderland war! Ich konnte gerade noch meine Koffer in die Ecke stellen, schon wurden Dana und ich zur Bushaltestelle gebracht. Edo Wonderland ist eine Art Freizeitpark, der vollmundig “The real Japan!” versprach. Gut, denn deswegen war ich ja auch gekommen. Wenn Edo Wonderland das wahre Japan ist, dann sollte man aber Angst haben, denn es würde bedeuten, dass es an jeder Ecke schlechte Geisterbahnen, nicht funktionierende Maschinen, Menschen mit blauen Perücken, schiefe Häuser, Getränkeautomaten und andere Merkwürdigkeiten gibt. Das mit den Getränkeautomaten stimmt sogar. Edo Wonderland ist ein Park, der ausländischen Touristen eher das Japan der “Kung-Fu -Filme” bieten will. Überall laufen Menschen in Kostümen und Perücken rum, die Edo-zeitliches Feeling vermitteln sollen. Es gibt einen kleinen Fluss, an dem ein Samurai eine Kata mit einem Schwert vollführt, Frauen in Kimonos laufen durch die Gegend und es gibt viele traditionelle, Edo-zeitliche Dinge wie Nyan-Chan, das Katzen-Maskottchen des Parks, Geisterbahnen, Labyrinthe, Bogenschießplätze, Merchandisestände mit Handybändchen, sowie viele andere Attraktionen. Die Hälfte der “Attraktionen” war geschlossen und irgendwie hatte keiner der Angestellten so richtig Lust, etwas zu machen. Das coolste war eigentlich, dass es zwei Shows gab, eine Ninja-Show und eine Show mit “traditionellem” japanischen Theater. Da aber insgesamt vielleicht 10 Besucher im Park waren, wollte wohl niemand seine Show aufführen, weshalb uns die Ninja Jungs zu der Show der Frauen schicken wollten, und umgekehrt. Danas und meine Entscheidung führte dazu, dass die Ninjas arbeiten mussten. Es war eigentlich auch eine nette Show mit guter Choreographie und Akrobatik. Die Jungs hatten es schon drauf. Dana und ich haben uns dann noch ein paar Sachen angeschaut, aber das mit Abstand beste Ding war das schiefe Haus, das durch seine Konstruktionsweise die eigene Wahrnehmung und das Gleichgewichtsgefühl beeinflusst.
Smooth Criminal!
Dana hatte auch ihren Spaß, der allerdings eher durch Spott und Schadenfreude zustande kam. Ich tat mich auch schwer, Edo Wonderland zu verteidigen und so alberten wir nur durch den Park, während wir über viele der Sachen ätzende Kritik austauschten. Wenn ich bedenke, dass man normalerweise 4500 Yen Eintritt hätte zahlen müssen…au weia. Meiner Meinung nach ist der Park nicht sonderlich empfehlenswert, aber vielleicht ist es im Sommer ja auch besser, wenn alles funktioniert und man mehr machen kann. So kam es wir ein wenig vor wie bei den Simpsons.
Edo Wonderland.
Nyan-chan, Dana, ich.
Immer Ärger mit Ninjas.
Hahaha…die Maschine ist nicht kaputt, nein, sie ist geschlossen.
Nach Edo Wonderland verschlug es Dana und mich nach Kinugawa, wo wir ein wenig am Bahnhof rumhingen, bevor es in die Lodge zurückging. Dana ist übrigens sehr nett und vor allem lustig. Eigentlich hat sie nur Unfug im Kopf und tourt seit Jahren als Englischlehrerin durch die Welt, bzw. durch Asien.
Zur Lodge: Meine Arbeit besteht darin, für die Gäste das Frühstück und das Abendessen zu kochen, ein bißchen beim Aufräumen der Zimmer zu helfen, neue Sachen für die Website zu planen, Fotos zu machen, PCs einzurichten, sowie an der Rezeption die Gäste zu betreuen. Hört sich nach Arbeit an und ist es auch. Leider reiste der Mönch Zenryu bereits am zweiten Tag ab, um für zwei Monate in den Staaten zu meditieren. Leider, weil der zweite Chef, Ken, zwar ein sehr netter Typ ist, aber KOMPLETT chaotisch veranlagt ist. Er hat so keinen Plan, dass mir die Worte fehlen. Ein Beispiel: er wollte von mir, dass ich lauter Sachen für seiner Webseite mache. Er hatte aber sämtliche Passwörter und Zugangsdaten für alle möglichen Accounts vergessen, so dass wir gemeinsam rätseln mussten, welche Daten es hätten sein können. Nach erfolgreichem Rätselraten stellte sich heraus, dass einer meiner Vorgänger dies schon alles gemacht hatte, Ken aber über ein halbes Jahr nicht mehr auf seine eigene Website geschaut hatte. Dann erzählte er mir, wie wichtig es sei, dass man immer alles genau planen müsse, damit die Übersicht nicht verloren ginge. Gesagt, nicht getan. Er hatte scheinbar an einem Tag keine Lust gehabt und deshalb auch keine Reservierungen bearbeitet. Am nächsten Tag kommen dann lauter Leute zu mir an die Rezeption, wollen ihre Zimmer beziehen, während ich aber von nichts Bescheid weiss. Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich dann ewig erzählen müsste, aber als bestes Beispiel: habt ihr gelesen, dass ich für die Gäste kochen soll? Hallo? Kann ich kochen? Ich kann denen einen schönen Drink Metabolic Ultramatrix von ironbody.de anrühren, mehr aber auch nicht. Wie auch immer, die Rezepte wurden mir gezeigt und bereits am zweiten Tag sollte ich den Chefkoch machen, weil mein Chef sich als hochgradig allergisch gegenüber Arbeit zeigte.
Ich mache Zen-Dinner.
So richtig schnell bin ich bei der Zubereitung zwar nicht, aber es hat hingehauen und den Gästen geschmeckt. Mit etwas Übung wird das schon werden. Was mir an der Arbeit wirklich gefällt ist der Dialog mit den Gästen, da die meisten wirklich sehr sympathisch sind. Australier, Amis, Koreaner, Japaner, Inder…eine kunterbunte Mischung. Wenn ich dann abends gegen 23 Uhr mit der Arbeit fertig bin, dann setze ich mich meistens noch zu ihnen und man quatscht ein bißchen. Der Nachteil dabei ist, dass kaum Japaner dabei sind, was wiederum wenig Konversation in der Landessprache bedeutet. Was soll’s, wenigstens kann ich hier mein Handgelenk, das immer noch hinüber ist, ein wenig zur Ruhe kommen lassen.
Dana und ich verköstigten nachts auch noch das ein oder andere Bier und insgesamt fühlte ich mich wohl, auch wenn abzusehen war, dass Ken zu faul ist und auf mich viel Arbeit zukommen würde, wenn ich dies zulassen würde.










Einträge (RSS)