Archiv für 15. Februar 2008

Und schon der nächste Eintrag!

Mittlerweile habe ich mich an den Ablauf hier gewöhnt. Ich könnte bestimmt schneller und besser arbeiten, aber ich stelle immer dumme Fragen oder mache absichtlich etwas falsch, damit Ken nicht auf die Idee kommt, mich alles alleine machen zu lassen, was er nur allzu gerne machen würde. Ideen hat der Mann viele, aber kosten dürfen sie auf keinen Fall etwas und am allerbesten wäre es, wenn er nichts zu deren Umsetzung beitragen müsste. So nicht, Freundchen. Das war es auch schon mit der Arbeit. Obwohl sie den größten Teil der Zeit einnimmt, erzähle ich lieber von den anderen Sachen, die ich so mache. Heute zeigte Ken Dana und mir die direkte Umgebung. Die Lodge liegt auf einer Anhöhe, schön eingebettet in eine kleine Wohnsiedlung am Rande des Waldes. Von der Lodge aus sind es nur 5 Minuten Fußweg zu einem Onsen, was sehr praktisch ist. Dort gibt es auch ein Restaurant, in dem fast ausschließlich heimische Bewohner zu Gast seien, angeblich ein Geheimtipp. Im Gegensatz zu dem Onsen habe ich das aber noch nicht ausprobiert. Ein paar Hundert Meter den Berg hoch liegen die Kirifuri Falls, die ihr auf dem Foto sehen könnt.

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Kirifuri Falls.

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Dana, ich, und grimmige Kälte. Ich fand alles super, Dana ist aber ein verwöhntes Großstadtmädchen, deshalb rannte sie nach dem Foto wieder zum Auto, geniale Landschaft hin oder her. Es war saukalt und wer mit dem Begriff Windchill nichts anfangen kann, der kann sich hier auf der zugigen Aussichtsplattform damit vertraut machen.

Die Landschaft hier ist so unglaublich schön und idyllisch, dass es mich jedes Mal wieder beeindruckt, wenn ich mich umschaue. Wie schön muss es hier erst während der Kirschblütenzeit oder im Herbst sein. Wer weiß, vielleicht bin ich zur Kirschblüte noch hier.

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Ja, so sieht es in Nikko aus.

Nach dem Abstecher zu den Kirifuri Falls machte ich mich zum ersten Mal auf den Weg zum Schrein- und Tempelgelände, für das Nikko so berühmt ist. Direkt vor dem Gelände kann man die Shinkyo bewundern, die der Legende nach aus zwei Schlangen erzeugt wurde, als der Priester Shoto den Fluss überqueren wollte.

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Shinkyo.

Nachdem ich sie ausreichend bewundert hatte und fotografische Experimente mit Spiegelungen betrieben hatte, schaute ich mir einen Teil des Schrein- bzw. Tempelgebietes an, für das Nikko weltweiten Ruhm genießt und das Weltkulturerbe ist. Die Schönheit der Anlagen ist schwer in Worte zu fassen. Man sollte das eigentlich mal gesehen haben, aber das trifft ja auf so viele Sachen zu. Sowohl die Architektur an sich, die Holzarbeiten, die Art der Einbettung in die Natur, als auch die Natur, sind für sich genommen schon sehr beeindruckend. Das Zusammenspiel ist allerdings Atem beraubend, zugleich beruhigend. Man kommt sich beinahe so vor, als wäre man ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurück gereist. Großartig.

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<3

Die Tempel und Schreine schließen um 16 Uhr ihre Pforten für die Besucher, deshalb lohnte es sich nicht, den Eintritt für die drei größten und bekanntesten Schreine bzw. Tempel zu bezahlen. Nach dem kurzen Abstecher zum Tempelbereich ging ich noch in ein kleines Restaurant. Eine sehr mütterliche Japanerin reagierte auf die Frage, wo ich denn eine Apotheke finden könne, mit einer Spontandiagnose meines Handgelenkes, das durch eine falsche Bewegung wieder bös’ angeschwollen war. Relativ unsensibel drückte und knetete sie daran rum, rief sogleich in einer Apotheke an und kündigte die Ankunft eines Ausländers an, der Probleme mit seiner Hand habe. Alles sehr freundlich, aber da mir die Omi zu Hitze anstatt Kühlung als Behandlung riet, nahm ich vom Besuch der Apotheke, trotz 1000 domo arigatou gozaimashita,  lieber Abstand. Stattdessen tat ich gar Profanes, indem ich meine Wäsche wusch. Die dabei enstandene Langeweile vertrieb ich mir mit fotografieren.

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Waschsalon.

Abends nach der Arbeit lernte ich tatsächlich noch eine Japanerin kennen, Tomoko, die aus einem Ort in der Nähe von Sapporo stammt und hier in Nikko zu Besuch war. Der Abend wurde ziemlich lang und der faule Boss schloss die Rezeption ab. Tomoko hatte ihren Schlüssel nicht, was ihr erst vor ihrem Zimmer auffiel. Da war ich schon in meinem Zimmer, aber anstatt zu klopfen oder sich sonst irgendwie bemerkbar zu machen, legte sie sich auf die Couch in der Lobby und deckte sich mit Zeitungen (!) zu. Die Arme war ziemlich durchgefroren am nächsten Morgen.

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Tomoko und ich. Zu dem Zeitpunkt war sie noch gut gelaunt :)

Insgesamt gesehen hatte ich das Gefühl, an einem sehr netten Platz angekommen zu sein. An die fiese Kälte hatte ich mich gewöhnt. Mittlerweile macht es mir nichts mehr aus, bei 6 Grad im Zimmer zu schlafen oder mir morgens mit Eiswasser den Kopf zu waschen. Ganz anders ging es Dana, die meinte, sich bei der Kälte nicht umziehen zu können, so dass sie einfach 5 Tage lang die gleichen Klamotten trug und sich alleine deshalb schon auf eine Rückkehr nach Tokyo freute. Sie hat es übrigens auch geschafft, nicht eine der Sehenswürdigkeiten zu sehen, weil sie lieber die ganze freie Zeit in Cafés verbrachte :D. Sie ist der Meinung, dass sie sich lieber Menschen als Gebäude ansieht. Sie hat eh ein paar interessante Ansichten, ist zudem ein böses Mädchen; an ihr können gleich mehrere Bodhisattvas ihr Gesellenstück machen. Sie tourt mittlerweile schon seit ein 8 Jahren als Sprachlehrerin quer durch Asien, wobei ihre Motivation dafür ungewöhnlich ist. Sie hatte die härtesten rassistischen Vorurteile gegenüber Asiaten und wollte überprüfen, ob diese gerechtfertigt waren. Also probierte sie das aus und “now the asians are my people! I love them!”. Irgendwie komisch, aber auch irgendwie interessant, dass sie dennoch den Schritt gewagt hat und seit so langer Zeit unterwegs ist. Wenn ich an diesem Ort die Gelegenheit bekomme, öfter Japanisch zu sprechen und mein Arbeitspensum heruntergeregelt wird, dann werde ich hier sicher eine Weile bleiben.

 

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