Now Playing: Punjab Kabab House - Waterburn
Naja, alle Japanologen werden mich natürlich sofort zum rituellen Selbstmord auffordern, aber ich war nur auf der Suche nach einem schmissigen Titel für meinen Blogeintrag. König kann man nicht sagen, aber Shogun Tokugawa Ieyasu ist mit Sicherheit eine der herausragendsten Figuren der japanischen Geschichte, und eingeschreint ist er im Toshogu, der bekanntesten aller Sehenswürdigkeiten Nikkos. Ich will gar nicht zu viel darüber erzählen, auch keine Begriffsdefinitionen wälzen, denn das wurde an anderer Stelle, z.B. hier schon besser gemacht. Bleibt mir nur zu sagen, dass ich enorm beeindruckt war und bin, denn die Kunstfertigkeit, mit der diese Anlage in relativ kurzer Zeit geschaffen wurde, ist überaus bemerkenswert. Der Detailreichtum der Holzarbeiten ist überwältigend, daher hat sich Nikko auch zu einem Zentrum für kunstvolle Holzschnitzereien entwickelt. Heutzutage kann man im Nikko Woodcarving Center viele einmalige Exponate bestaunen, aber auch selbst Hand anlegen. Nein, nicht an sich selbst, sondern man kann sich unter Anleitung selbst an Schnitzereien versuchen, was übrigens kostenlos ist. Nur der Holzblock in der gewünschten Größe muss bezahlt werden. Am meisten beeindruckt im Toshogu haben mich übigens zwei Dinge. Zu einem der weinende Drache, nakiryu, den man leider nicht fotografieren durfte. Wenn ihr den Besuch auch mal machen wollt, dann nehmt auf jeden Fall sehr dicke Socken mit, am besten gleich ein oder zwei Extrapaare. Denn natürlich darf man das Gebäude nicht mit Schuhen betreten, was in Gesellschaft von Väterchen Frost nicht so angenehm ist.

Der weinende Drache. Weinend übrigens deshalb, weil das Schlagen von zwei Holzstäben durch die besondere Akustik wie ein Weinen klingen soll. Beurteilen kann ich das aber nicht, weil ich mit einer großen Gruppe koreanischer Pubertierender durch den Saal geschleust wurde, die Lärm machen mussten. Ich hätte den einzigen Satz, den ich auf Koreanisch kann, anwenden sollen: Joo gul lae? Ist aus einer Komödie und bedeutet “Willste sterben?”. Dana, das verrückte Huhn, hat das zu zwei koreanischen Gästen gesagt, die kein Wort Englisch oder Japanisch sprachen. Haha die haben vielleicht blöd geglotzt :-D.
Zurück zur zweiten Sache, die mich besonders beeindruckt hat: das Grab von Tokugawa Ieyasu, okusha hoto. Der Aufstieg dorthin ist durch die vielen steilen Treppen beschwerlich, damals war halt “barrier-free environment” noch ein Fremdwort. Aber so muss das auch sein, wenn man in solch honorige Gesellschaft treten möchte. Für schwächliche Omis oder hochhackig besohlte Japanerinnen ein Problem, aber nicht für I’ve-turned-my-body-to-steel-Schrö. Übrigens half ich den Omis, nicht den heissen und staksenden Frauen. Ob ich dafür bei Ieyasu einen Stein im Brett habe?
King, ich.
Toshogu war also der Hammer, und bestimmt werde ich ihn mir noch mal anschauen. Dana ist übrigens schon nicht mehr in Nikko, was schade ist, da sie lustig war und spaßige, wenn auch böse, Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen wusste. Für die Zukunft muss ich mir etwas einfallen lassen, sonst verbringe ich zu viele Stunden in der Lodge. Eine kleine Geschichte am Rande. Wir hatten als Gäste eine Familie aus den USA, zwei Großeltern mit ihren beiden Enkelkindern, Declan und was-weiß-ich-wie-die-Schwester-hieß. Der 6-jährige Shortie Declan spielte Nintendo DS, weshalb ich ein wenig mit ihm quatschte. Er wollte wissen, wieviele Spiele ich habe. Meine Antwort, 1900, verdutzte ihn. Ich zeigte ihm also die M3DS Karte, kopierte ihm Tony Hawk und Pokemon, damit er etwas zu tun hatte. Dass er ein frecher Bengel ist, merkte ich nach wenigen Minuten, weil der Balg immerzu tönte, dass er ja das Spiel schon so gut könne. “Oh I am really good at that game!”. Eine Herausforderung in Super Mario Kart bescherte dem kleinen Frechdachs einen ordentlichen Dämpfer…crushing defeat kann ich da nur sagen. Aber lol, ist ja nur 6 Jahre alt. Danach ging es aber los. Ich redete ein wenig mit den Großeltern, da sah ich aus dem Augenwinkel, dass Declan an meinem DS rumfingerte. Er hatte tatsächlich die Super Mario Kart Module ausgetauscht, weil er meins haben wollte! Naja, das habe ich noch mal als Scherz abgetan. Als der Zeitpunkt der Abreise nahte, wollte ich meine M3DS wieder haben, aber Declan gab vor, sie verloren zu haben. Mir war klar, dass er sie klauen wollte, deshalb nahm ich ihn zur Seite und redete ein ernstes Wort mit ihm - zwecklos. Die Großeltern entschuldigten sich x Mal und wollten ihr Gepäck in den Staaten noch mal untersuchen. Den kleinen Asi hätte ich nur zu gern übers Knie gelegt oder 5 Minuten lang geschüttelt, da der Fall für mich sonnenklar war. Ehrlich gesagt, ich glaube, dass die Großeltern das auch wussten. Was soll’s, ich bin nicht Jack Bauer, die kleine Ratte ist kein Terrorist, und deshalb kann ich auch nicht mit einem Bohrer in seinem Schulterblatt meine M3DS zurückfordern.


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