Von Elfen, Bergen, Seen, Romanen…und Arschlochkindern.
Geschrieben von: admin in AllgemeinNow Playing: Carbon Based Lifeforms - Or Plan B
Wo soll ich anfangen? Ok, mache ich es der Reihe nach. Die Elfen: eigentlich ist es nur eine, nämlich Judith aus Soest. Lustig, oder? Die Welt ist wirklich manchmal so klein! Da wohnt man lange Zeit nur relativ wenige Kilometer auseinander und wo trifft man sich? In Nikko, Japan. Judith ist angehende plastische Chirurgin, frech, lustig, schlau, hübsch und - wie der Englisch sprechende Mensch sagt - good company. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich eine neue Nase verpassen zu lassen, dem würde ich sie empfehlen, denn sie hat zwar keinen Orientierungssinn, kann aber wohl operieren :-). Sie ist außerdem eine exzellente Touristin, hat sie doch, dank eines straff organisierten Reiseplans, viel von Japans klassischen Sehenswürdigkeiten bereist. Für drei Tage war sie auch hier in Nikko; drei Tage, in denen sie eher zum Team als zu den Gästen gehörte. Warum sie die Elfe in meiner Erzählung ist? Nun, sie hat etwas Cate Blanchett-esques (eine schöne Wortschöpfung?) an sich, daher bot sich der Vergleich mit der Elfe an.
Cate…ach doch nicht, Judith, ich.
Da in den letzten Tagen nicht so viel in der Lodge los war, haben Ken, Judith, Suzuka und ich einiges zusammen unternommen. Dabei kommen die Berge und Seen ins Spiel, denn wir haben gemeinsam eine Tour zu den benachbarten Seen und Bergen unternommen. Wie schon beim Toshogu fällt es mit schwer, das Gesehene zu beschreiben, denn auch wenn die Schreine sehr beeindruckend waren, Mutter Natur setzt noch mal einen drauf. Die Landschaft um Lake Chuzenji, Lake Yunoko, Senjogahara, die Wasserfälle und die heißen Quellen von Yumoto ist so schön, dass ich für mich persönlich sagen kann, die bisher schönsten Gegenden meines Lebens gesehen zu haben. Jeder Blick aus dem Fenster des Autos war ein Postkartenmotiv, mit einem unwirklich blauen Himmel, der ohne eine einzige Wolke einen intensiven Kontrast zum Rest der Landschaft bot, die unter einer mehr oder weniger dicken Schneeschicht verborgen war. Obwohl der Frühling und der Herbst hier die Zeiten mit den meisten Besuchern sind, hat die karge Schneelandschaft ihren ganz eigenen, sehr besonderen Reiz. Die Fotos können das sicher nicht ansatzweise wiedergeben, aber schaut sie euch trotzdem an :-).
Nantaiyama, ich.
Nachdem wir uns den Berg mit vielen Serpentinen hochgearbeitet hatten, konnten wir schon einen kleinen Blick auf den Chuzenji erhaschen, aber zuerst wurde der Kegon Wasserfall angeschaut, die Hauptattraktion der Gegend.
Schön, gell? Im Winter muss er eigentlich am schönsten sein, da sich dieser Eisring um ihn herum bildet.
Danach ging es zum See. Ständig sagte einer von uns, wie wahnsinnig schön es doch hier sei, und jedes Mal hatte derjenige Recht!
Chuzenji.
Video: Lake Chuzenji (4,5 MB)
Wir haben uns die drei bekanntesten Wasserfälle angeschaut, den Kegon Wasserfall, den Ryuzu und den Yudaki Wasserfall, einer schöner als der andere. Mir persönlich hat der Yudaki am besten gefallen, auch wenn der Kegon der berühmteste ist.
Ryuzu.
Yudaki.
Am oberen Ende des Yudaki liegt der Yunoko See und verdammt noch mal, das war das kälteste, was ich bisher erlebt habe. Über den See pfeift in der Regel ein Wind, der seinen Namen auch verdient und mir innerhalb kürzester Zeit die Hände in Eisklumpen zu verwandeln trachtete. Boah, Handschuhe haben doch eine Existenzberechtigung!
Yunoko, Eiswind. Nicht im Bild: Eiswind.
Video: Frostattacke am Yunoko! (3 MB)
Nach dem Yunoko fuhren wir zu den nahe gelegenen heißen Quellen von Yumoto. Wiederum wunderschön gelegen, aber durch den starken Schwefelgeruch nicht jedermanns Sache. Wären wir früher in Yumoto gewesen, dann hätten wir noch die Eisskulpturen bewundern können, die dort ausgestellt wurden. Das außerordentlich gute Wetter der letzten Tage/Wochen hat aber Wirkung gezeigt und somit einen Großteil der Figuren abgetaut. Machte aber nichts, wir waren auch so noch hingerissen. Auf dem Weg zurück nach Nikko fuhren wir wieder am Senjogahara Feld vorbei, eine große Ebene mitten in den Bergen. Auf dessen Geschichte will ich nicht zu sehr eingehen, aber Ken meinte, dass wenn man den 2,5-stündigen Spaziergang zu den heißen Quellen gemacht habe, dann sei dies das einzige, das man jemals von Nikko in Erinnerung behalten werde, weil es so unvergleichlich schön sei. Ich glaube ihm. Als wir Nikko beinahe erreicht hatten, sahen wir auf einmal wilde Affen, für die Nikko ebenfalls berühmt ist. Die kleinen Racker laufen frei herum, sind nicht ungefährlich und machen den Bauern in der Gegend sicherlich weit weniger Freude, als den Touristen. Ich sprang schnell aus dem Auto und wollte ein paar Fotos machen, als einer der munteren Gesellen über die Straße rannte und ein Weibchen auf dem Brückengeländer rannahm! Affen stehen wohl auf Sex mit Nervenkitzel!
Affe vor der Rammelei.
Video: Komm her, du kleiner Affe! (5 MB)
Damit hätte ich das auf der to-do-Liste von Nikko auch abgehakt: Affen gesehen! Sehr gut, ich bin ein guter Tourist. Elfen, Berge, und Seen habe ich euch erklärt, als nächstes sind die Romane an der Reihe. Es geht eigentlich nicht so sehr um Romane, vielmehr um eine Romanfigur, genauer gesagt um Naoko aus “Naokos Lächeln”, geschrieben von Japans vielleicht bekanntestem Schriftsteller, Murakami Haruki. In vielen der von Murakami beschrieben Charaktere finden sich Apathie, Melancholie, Sehnsucht nach Liebe, das Gefühl der Verlorenheit, aber auch innere Schönheit und verborgene Lebensfreude wieder. Wie das Abziehbild einer typischen Murakami Figur wirkt auf mich Suzuka, die eigentlich nur zwei Tage in der Lodge bleiben wollte. Im Gegensatz zu den anderen Gästen war sie sehr still und wirkte von Anfang an leicht neben der Spur, irgendwie depressiv, aber auch sehr nett. Ken und ich haben versucht, sie an unseren Aktivitäten zu beteiligen, da wir uns wirklich Sorgen um sie machten. Sie taute auf, wurde gesprächiger, und verlängerte ihren Aufenthalt Tag um Tag. Nach einer Woche entschloss sie sich, hier in der Lodge einen Homestay-Aufenthalt zu machen. Krass, oder? Die Melancholie, die sie ausstrahlt, passt eins zu eins auf eine Figur Murakamis. Ich hätte vermutlich auch andere Fotos von ihr machen können, aber die hier entsprechen zu gut ihrer Ausstrahlung
Sie spricht sehr höfliches, filigranes Japanisch, entschuldigt sich für alles, hat - soweit ich das bisher einschätzen kann - ein sehr gutes Herz und fühlt sich einsam. Das ist wohl auch der Grund, weshalb sie hier bleibt. In den Momenten, in denen wir gemeinsam etwas unternommen haben, und z.B. Fuong, ein anderer Gast, offen auf sie zugegangen ist, in denen blühte sie auf und verlor ihre Melancholie. Ich glaube, dass es für sie nur gut sein kann, wenn sie noch ein wenig bei uns bleibt.
Elfen, Seen, Berge, Romane, jetzt fehlt nur noch das Arschlochkind. Der kleine Scheisser aus Amerika, der 6-jährige Declan, hatte mir die M3DS Karte natürlich gezockt! Seine Großeltern haben sich bei mir gemeldet, weil sie die Karte in seiner Jackentasche gefunden haben. Hoffentlich hatte der Arsch des Penners ordentlich Kirmes, denn verdient hätte er es.
Ansonsten bin ich abends mit der Bande, wie ihr auf den Fotos sehen könnt, noch in das ein oder andere Restaurant gegangen. Selten hat mir übrigens ein Cheeseburger so gut geschmeckt wie hier in Japan. Ich brauchte wahrscheinlich mal eine Abwechslung vom japanischen Essen. Die Nächte waren recht kurz, da lange getrunken und Filme geschaut wurde, darunter auch mein Lieblingsfilm:
Oh mein Gott, wie großartig. Diesen Film werde ich immer und immer und immer wieder sehen können.
An dieser Stelle möchte ich auch noch symbolisch eine Tapferkeitsmedaille an Judith verleihen, die sich “The King Of Kong” mit angeschaut hat. Respekt! Nach Judith setzte sich die Invasion der Deutschen fort, dieses mal durch Moni und Sarah aus Stuttgart. Sie könnt ihr im folgenden Video sehen, das ich auf der Party des lokalen Kinderfußballklubs bei uns in der Lodge gemacht habe.
Video: Party! (12 MB)
Die Japaner, allen voran Ai und Yumihiko, haben übrigens Spaß daran gefunden, mich “Mozart” zu rufen, weil sich keiner Wolfgang merken kann. Auf der Party habe ich auf jeden Fall oft “Mozart! Shochu!” gehört, was eine Aufforderung zum Trinken war. Am Ende des Abends wurde ich mehrfach zum Armdrücken herausgefordert, aber nur ein 52-jähriger (!) ehemaliger Eishockeyspieler entkam mit dem linken Arm einem crushing defeat, wenn auch nicht der Niederlage an sich hihi. Insgesamt war das eine sehr lustige Woche, was man auf den Fotos auch sehen kann, oder?
Am Sonntag nach der Party sah es allerdings wüst aus, denn enorm starke Winde hatten sich spontan dazu entschlossen, über Japan hinweg zu toben. Auch Nikko wurde nicht verschont; die Lodge ebenfalls nicht. Es hatte einen Stapel Brennholz, das zugehörige Dach, diverse Laternen und anderes Inventar davon geweht, so dass aufräumen angesagt war. Das war auf jeden Fall der heftigste Sturm, den ich je erlebt habe.
War wüster als es aussieht.
Insgesamt also eine Woche, die reich an interessanten und schönen Erlebnissen war. Daher auch der lange Eintrag














Einträge (RSS)
29. Februar 2008 an 03:32
Hey Moart…hehehe.
Die Arcor Adresse benutz ich kaum, deswegen bin ich auch erst heute hier gelandet.
Wie ich sehe ist dir lustiges und nicht so lustiges widerfahren.
Hoffe dir gehts gut da drüben und du geniesst es dort zu sein.
Klasse Fotos hast du von Nikko und den Bergen…sehr schoooeeen.
Bei mir gehts auch endlich am Montag los…bin mal gespannt.
Gibt bald auch einen Blog, schick dir dann den link.
Pass gut auf dich auf.
Gruss,
Giraffe
29. Februar 2008 an 04:39
alien2?
ich kapiers ich!
schneetotoro hat aber mein herz!
und bei der geschichte mit dem mädel kann man nur

sagen!
29. Februar 2008 an 06:25
Hahaha sehr gut. Btw., du musst Bilder mit < img src="url" > einbinden, ohne Leerstelle zwischen den Klammern
29. Februar 2008 an 06:27
Ach was gibt es an Aliens nicht zu verstehen? Der kam im Fernsehen und ist halt der Hammer!
29. Februar 2008 an 19:19
Du solltest mit dem Emo-mädchen und dem Affen ein Team ala TKKG bilden und mit einem Moped quer durch Japan brausen und Kriminalfälle lösen.
29. Februar 2008 an 19:35
hehe
das is ne super idee!
und aliens ist großartig!
ich war nur unsicher ob es WIRKLICH der film ist, peinlich aber wahr!
29. Februar 2008 an 19:41
Super tolle Bilder !!! Schön das es dir wieder besser geht und du jetzt vorläufig erstmal eine gute Unterkunft hast.
@bosssystem: you made my day. Ich kann nicht mehr vor lachen
29. Februar 2008 an 19:52
Ha! More drama ahead! Ich habe mir für euch den Arsch gebrochen und war jetzt 2 Mal im Krankenhaus, heute allerdings erfolglos, da meine Lieblingsärztin - oder überhaupt irgendein Orthopäde - nicht da war. Naja, morgen ist ja auch noch ein Tag.
Freut mich übrigens, dass euch der Blog gefällt. Andi, geiles Bild. Ich werde jetzt auch Zeit haben, endlich mal ein paar persönliche Mails zu schreiben. Außer Filme schauen kann ich momentan nichts machen.
1. März 2008 an 10:37
Hallo Mozart!!!
Ich habe auch endlich deinen Blog entdeckt (dem surfschweden sei dank *g*)
Nach deinem schlechten Start freut es mich, dass es dir jetzt besser geht und du viel spaß hast!!!
Aber was ist mit dem Eintrag “Arsch gebrochen” und “Krankenhaus” zu verstehen *shocking*
Der Blog, die Bilder und die Videos sind unglaublich gut!! Muss mich echt zusammenreißen nicht all zu neidisch zu werden
Für dich freut es mich natürlich… Du hast ja auch lange darauf gewartet!!! Bin gespannt wie es bei dir weiter geht…
Grüsse aus deiner alten Heimat
Jörg
1. März 2008 an 10:40
P.S.
@ bosssystem: Dein Eintrag ist spitze!!! Hatte voll den Lachflash bekommen!!!
Dachte schon, ich wär darauf hängen geblieben
1. März 2008 an 11:08
Hey Jörg, cool dass du die Addy bekommen hast. Danke für die Komplimente! Sollen wir raten, wer Bosssystem ist? Ich tippe auf Sebi oder Luki
1. März 2008 an 17:20
he he… Schwer zu sagen!!! Du kennst Sebi und Luki besser als ich
Es könnte jeder der beiden sein… Vielleicht bilden sie auch ein Tag-Team und überlegen sich zusammen lustige Kommentare *lol*