Archiv für Februar 2008
Geschrieben von: admin in Allgemein
Now Playing: Shai Hulud - Set Your Body Ablaze
So heute war eigentlich ein schlechter Tag, weil ich dank des mit Sicherheit entzündeten Handgelenks keine schweren Arbeiten machen konnte, was mir die Bande hier ein wenig übel nahm, glaube ich. Nachdem ich zum x-ten Mal gefragt wurde, ob meine Hand denn wirklich schmerzen würde, platzte mir der Kragen, und ich bot Iwamoto-san an, gleich morgen früh weg zu sein, wenn er mit meiner Arbeit nicht zufrieden sei. Nein, nein, er wolle nur fragen, ich solle doch ruhig 3 Wochen bleiben. Klar, er will ja auch noch einiges wegräumen, und nachdem ich erfuhr, dass z.B. der Franzose vor mir immer erst gegen Mittag aufstand, und noch später anfing, zu arbeiten, war klar, dass er Interesse daran haben muss, dass ich hier bleibe. Ich suchte dennoch vor seinen Augen nach anderen Angeboten im Internet, deshalb wurde ich heute Abend ins onsen eingeladen. Das war auch enorm gut…würde ich gerne in Deutschland haben! Danach bekam ich noch unglaublich leckeres Essen, nihonshû, Bier und Kekse. Sofort war ich am lächeln und zufrieden…was für eine billige Nutte ich doch bin haha.

Cheap whore.
Allerdings sieht man auf dem Foto, dass es mir insgesamt schon mal besser gegangen sein muss.

Gesund?
Ein weiteres Problem tat sich bezüglich Nikkô auf. Dort sind es momentan -6°C, und obwohl das ein Hotel ist, ist dort nur der Gästebereich beheizt. Bei mir im Zimmer gäbe es nur eine elektrisch beheizte Decke, nicht mal einen Heizapparat. So gerne ich auch ein knallharter Bursche wäre, aber wtf, WTF, W-T-F!, ich kann nicht bei Minustemperaturen im Zimmer sein. Das bekomme ich nicht hin. Deswegen habe ich neue Hosts auf Okinawa angeschrieben, mal schauen ob das etwas bringt. So oder so werde ich nicht mehr lange hier bleiben, nicht zuletzt dank der Unterstützung durch meine Familie…mûgen na Dank an euch alle! Gut, nun werde ich noch mein Bier weghauen, vorher aber noch einen Filmtipp abgeben: „Charlie Wilson’s War“.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Now Playing: Shift - Pump
Am nächsten Tag fuhr ich nach dem Frühstück mit Iwamoto-san ein wenig durch die Gegend. Er zeigte mir alles und ich muss sagen, dass die Gegend wirklich extrem idyllisch ist, aber auch ebenso abgeschieden. Ohne Fahrzeug kann man hier überhaupt gar nichts machen. Da ich extrem ungesprächig und niedergeschlagen wirkte, merkte Iwamoto-san, dass ich nicht so richtig zufrieden war.

Mein Lächeln wirkt nicht so richtig ehrlich.
Ein gutes Rezept gegen Kälte sei aber Arbeit, und da hat er Recht. Nachdem ich einen kompletten Misthaufen von einem Ort zum anderen geschafft hatte, war ich richtig platt. Auf den Fotos kann man ja die Größe erkennen; das war schon ein Brocken Arbeit. Ziemlich platt und müde ging ich dann zum Abendessen, was sehr lecker war. Ein großer Teil meines Interesses an Japan gilt auf jeden Fall der heimischen Küche, und zumindest hier wurde ich nicht enttäuscht. Alles oishikatta! Danach durfte ich zum ersten Mal ein traditionelles japanisches Bad nehmen, ofuro genannt. Als Gast darf man immer zuerst ins Bad, danke für diese Ehre. Man wäscht sich vor dem Bad, entfernt alle Seifenreste und steigt dann in einen Zuber, der je nach Gusto mit mehr oder weniger apokalyptisch heißen Wasser gefüllt ist. In meinem Fall war es mehr apokalyptisch heiß. Ich konnte es wirklich nicht ansatzweise aushalten, was für Gelächter sorgte.

Ofuro.
Zumindest wurde mir dadurch warm und ich ging, mit einigen Yebisu Bieren gefüllt, ins Bett, um abermals so gut wie nicht schlafen zu können. Ich war dermaßen abgefuckt, dass ich wirklich schon hinschmeißen wollte, zumal mich das Röcheln von Obaasan wirklich fertig machte. Egal, ich wollte mich durchbeißen. Übrigens nahm ich auch mein Zimmer etwas unter die Lupe, und anhand der Fotos könnt ihr sehen, dass die Haus-kami, die hier angebetet werden, Super Mario und Luigi sind. Das fand ich cool.

Die lol-kami.
Am nächsten Tag ging es dann direkt weiter mit der Roboterarbeit. Dieses Mal durfte ich mehrere Tonnen Reis von Ort A nach Ort B schaffen. Spätestens da war klar, was für Arbeiten ich in der nächsten Zeit machen würde. Betrachtet man das ganze unter dem Aspekt des Trainings, dann ist das ein gutes Bootcamp. Gesagt, getan, danach wurde Erde beseitigt, bis obenhin mit Wasser vollgesogene Paletten weggeschafft, ein wenig eingekauft in der nächsten Stadt, Masuda, und noch ein Café aufgesucht. Dieses wurde von einem sehr netten Japaner betrieben, der 2 Jahre in der Türkei lebte, und daher auch ein Café im türkischen Stil eröffnete. Ich musste ihn allerdings erst davon überzeugen, dass nicht alle Deutschen das türkische Volk hassen. Ich hatte das Gefühl, das Schlimmste ein wenig überstanden zu haben und konnte abends auch ein bisschen schlafen. Am nächsten Tag schüttete es wie blöde und ich musste den gesamten Tag hindurch ewig lange Schläuche in Stücke schneiden. Hört sich besser an, als es beim Räumen der Fall war, aber war es nicht. Mein Handgelenk wurde übelst dick und ich denke, dass ich damit noch Spaß haben werde…nicht.

F.U.B.A.R.?
Es machte mir außerdem zu schaffen, dass kaum mit mir geredet wurde, und so fasste ich den Entschluss, möglichst schnell nach einer anderen Stelle zu suchen, denn eigentlich erwartete ich als Gegenleistung für meine harte Arbeit nur, dass ich Japanisch sprechen kann und mir Dinge gezeigt und erklärt werden. Gesagt, getan, als nächstes kann und werde ich nach Nikkô gehen, wo ich zwar Computerarbeit machen muss und ein bissl mit der Videokamera rumspielen werde, es noch kälter als in Nijo ist, aber wenigstens die Zimmer beheizt sind, weil es ein Hotel ist. Abends trank ich Iwamoto-san am „welcome fire“ dafür aus Rache die ganze Flasche teuren shôchû weg hehe. Pech, aber war lecker und betrunken kann man immer und überall schlafen haha. Iwamoto-san hat aber kapiert, dass ich nicht zufrieden war, weil ich nach den Fahrplänen in Richtung Nikkô fragte, und so wurde sich ab dem nächsten Tag mehr Mühe gegeben. Seitdem ist es besser geworden, es wurde mehr mit mir geredet und scheinbar meine Roboterarbeit gewürdigt. Mein Handgelenk wurde allerdings immer dicker und schmerzte, hinzu kommt, dass ich weiterhin der Überzeugung bin, eine angebrochene Rippe zu haben (Hallo Fred :D). Mittlerweile war ich aber ein wenig zufriedener als vorher, nur obaasan macht mir immer noch zu schaffen, da es nicht einfach ist, jemanden zu sehen, auf den der Sensenmann wartet. Weiter ging es mit den alltäglichen Räumarbeiten, teilweise sogar unterstützt durch einen Bagger, den ein Freund von Iwamoto-san steuerte. Der war übrigens enorm witzig und nett, allerdings verstand ich kaum ein Wort, als die beiden auf den lokalen Dialekt umschalteten und sich in Rage redeten. Dafür gab es unglaublich leckere mochizuki, die auf dem hibachi gegrillt wurden, dazu shôchû. Schade übrigens, dass ich nicht ein wenig Bagger oder LKW fahren durfte, denn das hätte erstens Spaß gemacht, und zweitens hätte der kleine LKW von Iwamoto-san noch eine funktionierende Tür, sowie die Scheune ein heiles Dach. Iwamoto-san fuhr nämlich rückwärts los, ohne vorher die Tür geschlossen zu haben. Selbige quittierte die Berührung mit der Wand durch spontane Kaltverformung des Metalls. Der Kumpel im Bagger lachte noch drüber, fuhr dann los und rasierte mit dem Schaufelarm schön die Dachrinne des Scheunendachs weg. Da hatte ich dann meinen Spaß als lachender Dritter. Joar, so ging jetzt die Zeit rum. Am Donnerstag werden wir, auf meinen Wunsch hin, einen Tempel besuchen, dessen schöner Garten vom berühmten Maler Sesshû entworfen wurde. Ich bin schon gespannt und freue mich darauf, endlich mal etwas anderes zu sehen. Als Tipp an dieser Stelle noch 2 Filme, die ich mir nachts ansah: „Daremo shiranai (Nobody Knows)“ , „Reign over me“.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Now Playing: Liferuiner - You have A Body Like an Hourglass, And A Face That Could Stop Time
Nach einer reichlich rasanten Fahrt, die der Busfahrer mit einer Mischung aus Mut, Können, aber auch einem gehörigen Anteil an Leichtsinn bzw. Wahnsinn, 35 Minuten schneller als geplant absolvierte, kam ich in Masuda an. Auf dem Weg dorthin sah ich viel von der wunderschönen Landschaft Japans, viele kleine Dörfer, ein paar kleinere Städte, und als es hinauf in die Berge ging, schneite es sogar wüst und überall wiesen Schilder auf die suripu-Gefahr hin, was aber den Busfahrer nicht zu stören schien. Selbst meine japanischen Mitfahrer konnten angesichts des wüsten Tempos nicht schlafen, und das will etwas heißen, denn Japaner können sonst scheinbar immer und überall schlafen. Von Masuda aus dauerte es noch eine halbe Stunde bis zu meinem Gastgeber. Nach einem netten Plausch mit dem Busfahrer, der die guten Straßen Deutschlands lobte und die eigenen zu Recht verfluchte, holte mich mein Host, Iwamoto-san, ab. Ich fand ihn nett, er mich wohl auch, aber direkt nach der Ankunft folgte die erste Ernüchterung. Gerade angekommen, wurden mir die Ehefrau, die Oma und die Schwiegertochter vorgestellt. Soweit, so gut, nur dass keiner einen Ton sagte. Mir wurde dann auch nach ein paar allgemeinen Fragen mein Raum gezeigt, sowie die Zeitabläufe klar gemacht, allerdings alles auf Englisch, weil der Typ dachte, dass ich ihn nicht verstehen könne. Mir wurde gesagt, was ich alles nicht machen darf, z.B. nicht mit den Füßen in Richtung des Haus-kami liegen, nicht 2 Mal mit heißem Wasser das Gesicht spülen, da Kerosin teuer sei, nicht länger als 23 Uhr wach sein, usw. Daraufhin wurde ich relativ barsch mit einem „bis morgen“ ins Bett geschickt. Ernüchterung pur. Aber der Hammer war mein Raum. Während der auf den Fotos ordentlich aussieht, was er auch ist, war/ist er aber unglaublich kalt.

Mein Zimmer.
6°C habe ich da nachts, den Heizapparat darf ich nicht laufen lassen, weil das Kerosin teuer ist, er bei zu langem Betrieb in Flammen aufgehen kann und weil ich so oder so durch den CO2-Ausstoß den Morgen nicht erleben würde (kein Witz). Habt ihr schon mal versucht, bei 6°C zu schlafen? Mein Futon war ok, dazu halt ein paar Klamotten angezogen und schon war es schön cozy am Körper, aber mein Kopf war aus Eis. Also habe ich noch Handtücher und meinen Mantel über meinen Kopf gelegt. Aber das Stück um die Nase muss frei sein, da ich sonst nicht schlafen kann. Diese eine Partie wurde so kalt, dass ich genau so wenig schlafen konnte. Hinzu kam, dass im Zimmer nebenan die Oma liegt, die leider Lungenkrebs hat, und zwar unheilbar in einem fortgeschrittenen Stadium. Die lebt wirklich nur noch, um wach zu werden, unter Schmerzen zu essen, und um die gesamte Nacht zu röcheln und zu husten. So leid sie mir tut, so wenig kann ich schlafen, wenn jemand im Raum nebenan sich zu Tode hustet. Die erste Nacht verbrachte ich also vollkommen ohne Schlaf, mir war arschkalt im Gesicht, ich war unglaublich enttäuscht, weil ich mich auch nicht sonderlich willkommen fühlte, sondern mich direkt als Arbeiter empfand, der hier für umsonst die harten Sachen machen darf. Mit einer Mischung aus Spannung und Entsetzen wartete ich also auf den nächsten Tag, aber eigentlich war mein Gedanke nur WTF?!

WTF?! Das Original vom ersten Abend.
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