Now Playing: Days In Grief - Gratitude
Huch! Endlich mal wieder ein Update, was? Um euch auf den neuesten Stand zu bringen: ich bin aus der Lodge abgehauen und hatte deshalb keinen I-Net Access mehr. Mehr oder weniger spontan bin ich mit Yvonne, einer anderen WWOOFerin, die für ein Jahr Austauschstudentin hier in Japan ist, durchgebrannt, aber nicht im romantischen, sondern eher im frustrierten Sinn. Ken, einer der Eigentümer der Lodge, hat in den letzten Tagen und Wochen nach und nach sein wahres Gesicht gezeigt, und das ist kein schönes. Die vereinbarten 6 Stunden Arbeit pro Tag beliefen sich am Ende auf 12 Stunden, manchmal sogar mehr, weil er z.B. einfach mal 1,5 Tage in Tokyo verbrachte und wir, d.h. Suzuka, Yvonne und ich, den gesamten Laden geschmissen haben. Kens Faulheit, sein Egoismus, seine Gleichgültigkeit, und nicht zuletzt seine Unverschämtheit, ließen in mir eine ordentliche Portion Wut hochkochen, was in einen handfesten Streit mündete. Er fragte mich nach einem Tag, an dem ich beim Frühstück geholfen, an der neuen Webseite gearbeitet, Holz geholt, an der Rezeption gearbeitet und beim Dinner geholfen hatte, mir im Gegenzug die Heizung gestrichen wurde (Kerosin zu teuer), der Kaffee gestrichen wurde (zu teuer, ich solle Instantkaffee nehmen) und ich keine Pause hatte, ob es denn noch lange mit der Webseite dauern würde. Er wolle nämlich Yvonne, die bereits ihre frühere Abreise bekannt gegeben hatte, bitten, an ihrem freien Tag (ihr erster) die Webseite ins Chinesische zu übersetzen. Ich sagte ihm, dass das nicht möglich sei, weil es nichts zu übersetzen gäbe, woraufhin er mir Widerworte gab und mir tatsächlich die Pistole auf die Brust setzen wollte. Ich riet ihm, im Allgemeinen besser die Fresse zu halten, wenn er keine Ahnung hat, und sagte ihm, da er vom Umgang mit Technik, Computern, und insbesondere von der Anlegung von Webseiten nicht die geringste Ahnung hat, dass nun ein perfekter Moment sei, die Fresse zu halten. Besonders gut tat daran, dass die Gäste in der Lobby alles mitbekommen hatten. Leider misslang es mir, mit dieser Äußerung einen Rausschmiss zu provozieren. Ken hatte den Streit selbstverständlich nicht als Signal zum Nachdenken verstanden, sondern setzte den von ihm eingeschlagenen Kurs am nächsten Tag fort. Dass der zu nichts führen würde, war klar, und da fällt mir nur ein:
Genau so ist Ken bei mir auf Grund gelaufen.
Yvonne und ich entschlossen uns dazu, hier abzuhauen, ihm aber auf jeden Fall einen Denkzettel zu verpassen. An dem Tag war die Lodge ausgebucht und somit eine Menge Arbeit vorhanden. Während einer Pause, in der wir beide unsere Wäsche in der Stadt wuschen, schauten wir uns nach einem billigen ryokan um und fanden dann auch schnell eins. Ruck-zuck ging das dann: Check-in, Wäsche geholt, zurück zur Lodge, um das Gepäck zu holen. Als wir dann mit unseren Koffern wortlos an ihm und den Gästen vorbei die Lodge verlassen wollten, schaute Ken ganz schön dumm aus der Wäsche. Wo wir denn hin wollten, was denn los sei, bla bla. Die Antwort passte ihm ganz und gar nicht. Ich sagte nur, dass er sich mal die Mails durchlesen solle, was unsere Vereinbarung gewesen war, wie die Regeln der WWOOF Organisation aussehen, und wie sich die Wirklichkeit in der Lodge darstellte. Vielleicht würde er dann begreifen können, warum wir abhauen. Ach ja, viel Spaß noch mit dem vollen Haus und der Zubereitung des Abendessens, des Frühstücks und beim Säubern. Sayonara, Ken, altes Haus!
Sayonara, Lodge!
Das tat gut. Auf dem Weg in die Stadt trafen wir eine der anderen Mitarbeiterinnen, die Ken zum Teil abbestellt hatte, weil ja jetzt die WWOOFer die Arbeit gemacht haben. Ai-chan brachte uns zum ryokan, lästerte ordentlich über Ken ab, und kam später überraschender Weise noch mal mit Yumiko vorbei, um sich von uns zu verabschieden. Es gab Süßigkeiten, Obst, Bier… Ai und Yumiko sind zwei echte Goldstücke, die ich auf jeden Fall vermissen werde. Damit endete das Kapitel Nikko Park Lodge für Yvonne und mich. Die nächsten Tage würden wir mit Sightseeing und der Suche nach neuen Aufenthaltsmöglichkeiten verbringen. Aber zuerst mal haben wir uns auf unsere neu gewonnene Freiheit ein Essen im Ramen-Restaurant auf der anderen Straßenseite gegönnt


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