Jaja…
Naja, ganz so schlimm ist es doch nicht, aber dennoch: heute hat es nur geregnet.
Eigentlich war für heute der zweite Tag in Kamakura angesagt, aber es regnete ununterbrochen, was mich dazu veranlasste, den gesamten Tag im warmen Hotel zu verbringen, während Yvonne sich in die regnerische Kälte wagte. Natürlich bereute sie das, wie sich später herausstellen sollte. Ich quatschte den ganzen Tag in der Hotellobby mit den Leuten, die dort arbeiten, oder mit anderen Gästen. Von denen fielen die Engländer sehr unangenehm auf, da sie dem Klischeebild entsprachen: tumb, laut, aggressiv und latent – oder auch offen – unhöflich. Zwei von denen waren Brüder und Kampfsportfans, was auch der Grund für deren Aufenthalt in Japan war, denn in Japan sind Mixed Martial Arts (MMA) Events ziemlich populär. Der größere der beiden Vollspaten ist Kickboxer und wirkte so, als wenn er den einen oder anderen Tritt zu viel vor den Kopf bekommen hatte. Selten habe ich so eine nerv tötende Unterhaltung führen müssen. Aber es gab ja auch nette Leute, die sich dann des Abends auch alle zu einer kleinen „Party“ in der Hotellobby versammelten. Yusuke, ein Typ, der früher in dem Hotel gearbeitet hatte, kommt wohl jeden Donnerstag dorthin, um mit seinem Freund Shinpei, der immer noch dort arbeitet, in der Lobby zu trinken. Ein paar Fotos habe ich davon gemacht, wie ihr sehen könnt. Es war ein ziemlich spaßiger Abend, oder eigentlich eine Nacht, denn bis 3 Uhr oder so haben wir gesoffen. Yusuke war so voll…hehe. Er tat allen leid, weil er am selben Tag um 6 wieder aufstehen und zur Arbeit gehen musste. Aber er sagte, dass er sich nicht beschweren wolle, denn immerhin habe er zwei Tage im Monat frei, während seine Freunde keinen Tag frei hätten, haha. Total verrückt!
Nao, eine Frau, die auch in dem Hotel arbeitet, outete sich als Psytrance-Fan, als sie meine Musik vernahm. Sie weiß auch, wo man Informationen über Parties findet, nämlich bei Mixi, dem myspace Japans. Sehr gut! Wenn ich also tanzen gehen will, dann weiß ich ab jetzt, wo ich schauen muss. Der Finne,Tuomo, ist ein leidenschaftlicher Autotuner und hat die Jagd nach Autoteilen mit einem Besuch bei seiner japanischen Freundin verknüpft. Schön, dass sich auch dieses Klischee bestätigt. Finnen sind verrückt nach Autos, zeigen kaum eine Regung im Gesicht, und können trinken wie ein Loch. Was Tuomo in sich geschüttet hat, ohne das geringste Anzeichen von Trunkenheit, das war schon bemerkenswert.
Der Grieche, Panakos, hielt mich für zu spontan und leicht verrückt, weil ich noch kein Rückflugticket nach Deutschland habe. Das sagte er, nachdem er in Harajuku von irgendeinem Typen angesprochen wurde, ob er denn nicht gerne ein Tattoo hätte. Gesagt, getan. Er hat sich seinen Namen in Katakana auf den Unterarm tätowieren lassen. Okeh, aber ich bin spontan, nee is’ klar. Wo wir bei Tattoos sind: Guy, der Schotte, ist eigens für ein Tattoo nach Japan gereist. Er studiert Design irgendwo in Schottland, hat all sein Geld zusammengekratzt, um sich bei einem bekannten Japaner ein klassisches Motiv stechen zu lassen. Nach der 4-stündigen ersten Sitzung war sein Arm so geschwollen, dass er in der Bahn fast umgekippt wäre. Dass sein Tattoo nicht unbedingt auf Bewunderung bei den japanischen sarariman stieß, dürfte klar sein
Wer war noch da? Ach ja, ein “Pärchen” aus den USA, wobei der Typ eher hard-gay war. Die beiden sind totale Fashionista und der Typ hat mal eben an einem Tag 1000$ in Harajuku gelassen. Trotzdem ist er ‘ne Wurst und labert Stuss
Fotos habe ich an die nicht verschwendet, denn dafür hätte ich mein schönes Asahi aus der Hand legen müssen, was ich nicht wollte.
Jo, das war der Tag…die Entspannung tat gut und der Abend war witzig, bis auf die Engländer-Spassten, aber Idioten gibt es halt auch in Japan!

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