Archiv für März 2008
Geschrieben von: admin in Allgemein
Now Playing: The Legend Of Zelda - A Link To The Past - Overworld
Heute war ein Ausflug in die Stadt, die von 1185-1333 Hauptstadt Japans war, angesagt: Kamakura. Schon früh ging es los, so dass Yvonne und ich zum ersten Mal die morgendliche Rush-Hour mitbekamen. Das war schon ein merkwürdiges Bild, dass sich uns beiden da bot. Ein Zug hielt an, und es kam ein nicht enden wollender Strom von Menschen heraus. Es war nicht mehr möglich, den Bereich zu passieren…wie ein reißender Strom aus Fleisch, der den Weg abschnitt. Wir mussten also warten, bis die Leute weg waren, aber immerhin resultierte das in einem „guten“ Foto

Das war so heftig, so etwas habe ich echt noch nicht gesehen. In Shinjuku herrschte überall Chaos, deswegen fiel das nicht auf, aber dieser einzelne Strom, der sich aus dem Zug wälzte…unglaublich.
In Kamakura angekommen, besorgten wir uns erstmal eine Karte mit all den Schreinen und Tempeln, die es in Kamakura zu besichtigen galt – und das sind einige! Obwohl es in Kamakura deutlich mehr Tempel als Schreine zu sehen gibt, war das erste Ziel ein Schrein, nämlich der Tsurugaoka Hachimangu, der Hachiman, dem Gott des Krieges, gewidmet ist. Kein Wunder, ist doch Kamakura als die Hauptstadt der Krieger bekannt, die seinerzeit die Macht im Land übernahmen. Krieger=Samurai. Schon der Weg zum Hachimangu ist toll, er beginnt nämlich mit einem torii, an das sich eine sehr lange Allee anschließt, aber es wird wohl noch ein paar Wochen dauern, bis hier alles in voller Blüte steht.

Yvonne und ich beim Posedown vor dem torii, hinter dem sich die Allee zum Hachimangu befindet.

Hach ja, wenn das doch mal alles in voller Blüte gestanden hätte. Aber ich will nicht meckern, es sah auch so schon toll aus. Wenn ich Glück - und Zeit - habe, dann werde ich das noch sehen können.
Nachdem man ein weiteres torii passiert hat, ist man schon auf dem Gelände des Hachimangu. Direkt rechts gab es den John-Woo-Nebenschrein. Huh? John Woo? Ist es natürlich nicht, sondern ein Benzaiten-Schrein, aber es sah so aus, als wenn dort zwei weiße Tauben verehrt würden. Es waren am Ende zwei weiße Vasen, aber dank fehlender Brille sah ich da etwas anderes. Außerdem waren hier auf dem torii und in den Bäumen ausschließlich weiße Tauben, während auf dem Rest des Schreingeländes graue Tauben waren. Schon komisch, ist dieser Schrein doch einem Mitglied der Minamoto Familie gewidmet, deren Familienfarbe Weiß ist, wie ihr auch an den Fahnen sehen könnt. Zufall? Und wieder gilt: seltsam, aber so steht es geschrieben!

Im John-Woo-Schrein. Es waren doch keine Tauben…meine Brille hat durchaus ihre Existenzberechtigung, auch wenn ich die sehr oft negiere.

Viele weiße Tauben tummelten sich dort.

Weiß ist die dominierende Farbe in diesem Schrein.
Überhaupt, Tauben! Waren die im Sensoji noch unerwünscht, so gab es hier sogar Verkaufsstände mit Taubenfutter. Da versteh‘ einer die Japaner! Schade, ich hatte mich schon auf ein weiteres, lustiges Warnschild gefreut. Die Anlage des Hachimangu ist weitläufig und sehr schön, aber besonders hat mir der riesige Gingkobaum gefallen, der bereits über 1000 Jahre alt ist. Zum ersten Mal durfte ich zudem eine Shinto-Zeremonie beobachten. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es ging um Babys, die dort in irgendeiner Weise von einem Shinto-Priester gereinigt wurden.

Das ist der Stamm des gewaltigen Gingko-Baums im Hachimangu.

Das ist die Treppe, die zum Hauptgebäude des Hachimangu führt. Links neben der Treppe befindet sich das Monster von Gingko-Baum.
Allzu lange verweilten wir aber nicht, weil es zu viel in Kamakura zu sehen gibt. Yvonne und ich hatten ein günstiges Zwei-Tage-Ticket gekauft, aber selbst zwei Tage sind noch knapp bemessen, wenn man die vorgeschlagenen Tempel und Schreine auf den Wanderwegen zu Fuß erkunden möchte. Angeblich bieten diese Wanderwege aber ein Postkartenmotiv nach dem anderen, die schönsten in ganz Kanagawa! Nach dem urbanen Overkill in Tokyo war das auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung. Gesagt, getan. Ein Tempel nach dem anderen konnte auf der Karte als besucht markiert werden. Ungefähr 70 Tempel und Schreine gibt es im Kerngebiet Kamakuras zu sehen. An dieser Stelle will ich nur die bemerkenswertesten herauspicken. Der Engakuji, einer der fünf bedeutendsten Tempel der Rinzai- Schule in Kamakura, hat mir am besten gefallen, denn ich habe dort das Triforce gefunden!

Yay, ich hab’s!

Nicht schlecht, oder?
\0/ Das ist natürlich nicht das Triforce, sondern das Wappen der Hôjô, eine der mächtigsten Familien Japans zu der Zeit des Kamakura-Shogunats, die zugleich Bauherren des Tempels waren.
Weitere Highlights waren der Tokeiji, der besonders durch seinen Garten zu überzeugen wusste, sowie der Meigetsuin. Wir sind wirklich viel gelaufen, aber haben eigentlich nur einen Bruchteil Kamakuras gesehen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, ne? Ich habe einige Fotos in die Galerie gepackt und mit Erklärungen versehen. Neues gibt es auch von der WWOOF Front zu berichten: ein Host aus Miurakaigan, ein kleiner Ort in Kanagawa, ist nur ca. 30 Minuten von Kamakura entfernt, ca. 70 Minuten von Tokyo Shinagawa Station. Kurze Stippvisiten in Kamakura dürften da also drin sein.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Obwohl ich gestern bereits in Asakusa war, hat Yvonne mich überzeugt, heute noch mal dorthin zu gehen, denn sie wollte sich dort mit zwei Freundinnen treffen und das Kinryu-no-mai, den Tanz des goldenen Drachen, anzuschauen. An jedem 18. März und 18. Oktober eines Jahres findet dieser Tanz statt. Der Legende nach erschienen an einem 18. März 1000 Pinien neben dem Tempel (Die Statue von Kannon, die am 18. März 628 von zwei Fischern gefunden wurde, ist der Grund für den Bau des Tempels gewesen). Nach 3 Tagen stieg ein goldener Drache vom Himmel herab, verschwand in den Pinien, und wurde nie wieder gesehen. Heute wird dieser Tanz aufgeführt, um an jene Ereignisse zu erinnern und das Bild Kannons der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gut, dass Yvonne davon wusste, sonst hätte ich das verpasst! Der erste Programmpunkt des heutigen Tages war aber der Yushima Tenmangu, ein weiterer, sehr berühmter Schrein Tokyos. Dort sind zwei Gottheiten eingeschreint, unter anderem Sugawara no Michizane, der als kami des Lernens gilt und daher besonders von Schülern oder Studenten verehrt bzw. um Beistand angerufen wird, wenn Prüfungsphasen oder Aufnahmetests für Universitäten anstehen. Generell wird er für Erfolg bei Prüfungen aller Art oder für Erfolg im Arbeitsleben angerufen.

Der Eingang des Yushima Tenmangu.

Me @ posedown.

Im Innern des Yushima Tenmangu. Die Holzbretter, die ihr dort seht, werden ema genannt. Sie kauft man für 500-1000 Yen im Schrein, schreibt seine Wünsche nieder, und hängt sie anschließend dort auf. Natürlich habe auch ich das gemacht:

Mein ema.

Hier habe ich durch Zufall ein Ema von Miki Ando entdeckt, eine japanische Weltklasse-Eiskunstläuferin, die darum bat, bei den olympischen Spielen in Turin den 4-fach Salchow zu schaffen. Sie wurde am Ende 15…und mein Wunsch? Hmmmm…
Wenn ich das als Omen betrachten möchte, dann sollte ich mir Sorgen machen, denn meine Schuhe fingen an zu zicken. Ehrlich gesagt, das ist kein Wunder, denn nach den zig Kilometern, die sie jeden Tag hinter sich bringen mussten, kann man schon mal aus dem Leim gehen. Im 100 Yen Shop um die Ecke konnte ich aber Sekundenkleber kaufen, mit dem ich die Schuhe schnell wieder repariert hatte.

Mit den geflickten Schuhen ging es dann wieder in Richtung Asakusa, wo wir vor dem Kaminarimon die beiden Freundinnen von Yvonne trafen. Die beiden redeten nur Chinesisch, weshalb ich nicht besonders viel verstand. Aber sie waren ziemlich lustig und es wurde kräftig herumgealbert. Plötzlich fühlte ich mich komisch…die drei Mädels lachten immerzu und veräppelten mich…da stieg in mir der Hass auf! Seht, was dann passiert ist:
Video: Das Monster in mir! (13 MB)
Nein, Scherz beiseite. Wir hatten viel Spaß und die drei waren good company. Hier noch ein paar Eindrücke von der Nakamise. Ach ja, Swantje und Esme, für euch bin ich wieder auf Männerjagd gegangen. Selbstverständlich erfolgreich:
Video: Männer. (21 MB)
Video: Buntes Treiben auf der Nakamise (9 MB)
Und noch ein Bild:

So, was ich für euch nicht alles mache!
Aber ich war ja nicht gekommen, um Männer zu fotografieren, sondern um den Tanz des goldenen Drachen zu sehen. Mittlerweile hatten sich ziemlich viele Leute vor dem Hauptgebäude des Tempels versammelt. Zum Glück gehöre ich hier aber zu den großen Menschen, deshalb hatte ich keine Probleme, auch aus den hinteren Reihen etwas zu sehen und ein paar Fotos bzw. Videos zu machen. Ich fand den Tanz und die anschliessende Prozession natürlich toll….endlich erlebte ich so etwas mal live.


Die Videos sind zwar etwas länger, aber es lohnte sich meiner Meinung nach. Nach dem Tanz wurde der Drache in einer Prozession die Nakamise herunter getragen, dann in den Demboin gebracht, und nach einiger Zeit fand das Ganze noch ein Mal statt. Den Drachen konnte man nach dem Tanz berühren, was Glück bringen soll. Die meisten wollten ihn am Kopf berühren, und plötzlich waren die Japaner nicht mehr so zurückhaltend, sondern da wurde gedrängelt und geschubst, was das Zeug hielt. Wenn es um den Segen der Götter geht, dann steht die Freundlichkeit nun mal hinten an. Wiederum war mir meine “Größe” hier eine Hilfe, denn die Hand, die in der Mitte den Kopf berührt, ist meine

Video: Tanz des Drachen. (43 MB)
Video: Prozession durch die Nakamise (9 MB)
Video: Prozession durch die Nakamise mit mir in der ersten Reihe! (44 MB)
Gomen, Swantje und Esme, aber dieses Mal habe ich versucht, einen anständigen Typen für euch zu erhaschen:

Okay? Der war einer der Anführer der Prozession.
Mit dem Ende der Prozession kam schon der Moment des Abschiedes von den beiden lustigen Freundinnen. Schade eigentlich.

Winke, winke!
Yvonne und ich sind zu Fuß einen großen Umweg nach Hause gegangen, weil wir noch mehr von der Stadt sehen wollten. Schöner Tag mit neuen, noch schöneren Eindrücken.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Für heute hatte ich mir vorgenommen, dem alten Tokyo einen Besuch abzustatten. Wenn Japaner von dem Zentrum Tokyos sprechen, dann meinen sie meistens nicht Shinjuku oder die Ginza, sondern den Teil Tokyos, der Shitamachi genannt wird und der die Region im Norden bzw. Nordosten von “Central Tokyo” bezeichnet. In diesem sehr alten Viertel stellt der Sensoji, der älteste und wichtigste Tempel Tokyos, die Hauptattraktion dar. Genau den habe ich mir angeschaut. Zunächst machte ich aber einen Abstecher auf die andere Seite des Sumida, denn dort befindet sich die Zentrale von Asahi Breweries, der zweitgrößte Bierbrauer und Softdrinkproduzent Japans. Weil der Konzern genau weiß, wodurch er so erfolgreich geworden ist, hat er der Zentrale die Form eines Bierglasses verpasst.

Das ist die Zentrale von Ashai Breweries. Links befindet sich das Bürogebäude, während rechts daneben sich die Asahi Beer Hall (Asahi Flamme d’Or) breit macht. Das goldene Ungetüm auf dem Gebäude wurde von Philippe Starck entworfen und soll eine Flamme sein, die das glühende Herz von Asahi symbolisieren soll. Die meisten, mich inklusive, sehen Parallelen zu einem güldenen Haufen Kot
Dennoch ist der Komplex beeindruckend und vor allem größer, als es aus der Entfernung den Anschein hat. Sei’s drum, ich überquerte den Fluß wieder, ging ein paar Meter die Straße hinauf und siehe da: schon war ich mitten im Getümmel. Direkt rechts neben der Straße befindet sich das berühmte Kaminarimon, das den Eingang zum Tempelgelände markiert. Das beliebteste Motiv dürfte sein, sich unter der riesigen Laterne fotografieren zu lassen. Ich habe mir das mal gespart, weil ich keine Lust hatte, jemanden zu fragen. Yvonne war ja heute noch in Hakone.

Kaminarimon bedeutet soviel wie “Donnertor”; die beiden Statuen, die man leider aufgrund des Gitters, das vor ihnen aufgespannt wurde, nicht richtig sehen kann, sind Raijin, Gott des Donners (links), und Fujin, Gott des Windes (rechts).

Fujin.

Raijin.
Die wirken ganz schön bedrohlich. Aufgehalten haben sie mich trotzdem nicht, deshalb befand ich mich danach direkt auf der Nakamise, der Straße, die zum Hauptgebäude des Sensoji führt. Entlang der Nakamise gibt es viele kleine Geschäfte, die traditionelle Süßigkeiten oder Reiscräcker (senbei), Kleidung, aber auch billigen Tand verkaufen, wie ihr den Bildern und Videos entnehmen könnt. Wenn man kurz abseits der Nakamise in die kleinen Parallelstraßen geht, dann stößt man auf viele Geschäfte, die deutlich höherwertige Waren verkaufen, allerdings macht sich das auf dem Preisschild bemerkbar.

Die Nakamise vom Kaminarimon aus gesehen.

Na, wer will ein cooles T-Shirt kaufen?
Video: Gedränge auf der Nakamise (11 MB)
Video: Ninja-Kostüme und anderer Kram (9 MB)
Nachdem ich ein leckeres Softeis verköstigt hatte, ging ich weiter die Nakamise entlang, betrat durch das Hôzômon, das innere Tor, den inneren Tempelbereich, wo ich mich mit Rauch einrieb. Das macht man, weil man sich davon Gesundheit verspricht.
Video: Ich reibe mich mit Rauch ein (10 MB)

Man reibt sich mit Rauch ein.

Das Hauptgebäude des Sensoji.
Das Hôzômon ist ziemlich groß, aber wie die meisten Gebäude hier lediglich ein Nachbau, da im Krieg alles weggebombt wurde. Zur Geschichte des Sensoji könnt ihr hier oder hier etwas lesen. Also, mit Rauch habe ich mich fleissig eingerieben, bevor ich das Tempelgelände weiter erforschte. Gebetet habe ich ganz artig, dazu wie immer ein paar Yen springen lassen, vielleicht mögen ja auch Gottheiten Blackjack und Nu…oh, neee…das sage ich doch nicht. Direkt östlich des Hauptgebäudes des Sensoji befindet sich der Asakusa-Schrein, in dem die Gründer des Sensoji verehrt werden. Gegegege = Geld gegeben, geklatscht, gebetet. Lustig waren da die zwei Mädels, die mir stolz ihren Fang, eine unglaublich dicke Katze, präsentierten.

Nyaaa, nyaaaa.
An diesem Tag habe ich mir nicht so richtig viel angeschaut. Ich habe die Atmosphäre hier sehr genossen, da alle gut gelaunt wirkten, der kleine Garten westlich des Sensoji sehr idyllisch war, und das Bummeln durch die vielen kleinen Geschäfte viel Spaß gemacht hat. Wer Souvenirs sucht, der wird hier mit Sicherheit fündig werden, sei es ein Handybändchen für 200 Yen oder ein Schwert für 1 Million Yen. Mein Herz wurde an diesem Tag aber wieder von einem Warnschild gestohlen:

Die multilinguale Taube mit dem batsu-Schild war großartig, die Pagode aber ebenfalls sehr idyllisch gelegen:

So, das war es auch schon für heute. Viel Spaß noch mit der Galerie.
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