Archiv für April 2008
Geschrieben von: admin in Allgemein
Waaaas? Schon wieder Kamakura? Aller guten Dinge sind drei, und da Kamakura noch genug Gründe für weitaus mehr als drei Besuche liefert, fuhr ich an meinem freien Tag wieder dorthin, um noch die letzten Ziele, die ich mir als Muss ausgesucht hatte, zu besichtigen. Die Voraussetzungen waren perfekt: strahlender Sonnenschein vor zunächst obszön blauem Himmel, dazu konnte ich dieses Mal mit dem 125er Roller von Benoit fahren. Der macht immerhin 110 km/h, die ich dann auch meistens gefahren bin, was mich zu einer Art japanischem Ghost Rider werden lässt, weil alle nur 50 fahren - mehr ist halt nicht erlaubt. Für mich besteht die größte Gefahr dabei, dass ich vor Langeweile Sekundenschlaf bekomme und spontane Kaltverformung von Metall und Menschenmaterial verursache, deshalb ist es besser, konstant 100 zu fahren. Zudem war es mitten in der Woche, also waren vermutlich nur normal viele Touristen unterwegs. Als ich die Hauptstraße in Richtung Hachiman-gu entlang fuhr, bot sich mir ein sehr cooles Bild: im Zentrum von Kamakura gibt es auf dem Weg zum Hachiman-gu auf der rechten Seite eine ziemlich große Schule, die Unter-, Mittel- und Oberschule beherbergt, und zwar nur für Mädchen. Die hatten wohl so etwas wie einen Ausflug, keine Ahnung, aber die verließen alle gleichzeitig die Schule und marschierten in einer schier endlosen Zweierreihe entlang der Hauptstraße, so weit das Auge reichte (und ich hatte meine Brille auf!). So viele Sailor Moons habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen. Bilder gibt es davon nicht, weil ich nicht pervers genug bin bzw. sich in dieser Richtung einfach kein Fetisch bei mir ausgebildet hat, der es rechtfertigen würde, auf einer teilw. sechsspurigen Straße anzuhalten, in der Tasche nach dem Fotoapparat zu kramen und dann Fotos zu machen. Tschüss Sailor Moons also, willkommen, Kencho-ji. Der war nämlich mein erstes Ziel. Der Kencho-ji ist der wichtigste der fünf großen Zen-Tempel in Kamakura. Die Arbeiten an ihm wurden 1253 fertiggestellt, mit ursprünglich sieben Hauptgebäuden und 49 Subtempeln, aber durch mehrere Feuer im 14. und 15. Jahrhundert wurden die meisten von ihnen zerstört. Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten in der Tokugawa-Zeit wurde ein großer Teil wiederhergestellt, so dass es momentan 10 Subtempel gibt und die Hauptgebäude vorhanden sind. Direkt nachdem man den Tempel durch das Eingangstor, Somon, betreten hat, fällt einem das riesige Sanmon, das Haupttor, ins Auge.

Das Somon.

Das Sanmon.
Über 30 Meter an Höhe misst die Holzkonstruktion…ein ganz schöner Brummer. Der Legende nach hat ein Tanuki (eine Art Marderhund, vom Äußeren einem Waschbär ähnlich) beim Bau geholfen, indem er sich in einen Mönch verwandelt hat, um die Freundlichkeit, mit der die Mönche dem Tanuki begegnet waren, zu belohnen. Deshalb wird das Tor auch heute noch Tanukimon genannt. Direkt dahinter, nicht minder eindrucksvoll, stehen die gewaltigen Wachholder, über 700 Jahre alte Bäume, die Nationalschätze Japans sind, ebenso wie die Tempelglocke Bonsho, die 1255 fertiggestellt wurde. Geläutet wird sie nicht mehr, dafür ist sie zu fragil.

Die Bäume sind Nationalschätze Japans.
Die Butsuden und Hatto gehören zu den größten buddhistischen Holzkonstruktionen in Ostjapan, wobei mir vor allem die Hatto mit dem riesigen Deckengemälde gefallen hat. Die Hojo, die Haupthalle, hätte ich eigentlich gar nicht fotografieren dürfen, aber da ich alleine war, habe ich es einfach gemacht. Immer diese beschissenen Ausländer! Bemerkenswert ist, dass die gesamte Hojo, wie das Somon auch, vom Hanju Zanmai-in Tempel in Kyoto Stück für Stück hierher verfrachtet wurde. In der Hojo wird Shake Nyorai verehrt und sie wird auch oft Ryuo-den genannt, was so viel wie Drachenkönig-Halle bedeutet. Direkt dahinter befindet sich der Garten, der vom Zen-Meister Muso Kokushi designt wurde. Aber genug gelabert, schaut euch die Bilder an.

Butsuden.

Der Eingang zur Hatto.

Das Deckengemälde in der Hatto.

Hojo…

…und der Garten hinter der Hojo.
Auf dem großen Tempelgelände befindet sich noch der Hanso-bo, der Schutzschrein des Kencho-ji. 1890 wurde der Hanso-bo vom Hoko-ji in Shizuoka aus nach Kamakura verfrachtet. Der Weg zum Hanso-bo führt über 250 Treppen hinauf auf einen kleinen Berg, der auch zugleich der Ausgangspunkt für die geplante Wanderung war.

Auf dem Weg zum Hanso-bo…

…kann man viele karasu-tengu bewundern.

Hanso-bo.

Wieder so ein endgeiles ema. Rocketpunch!
Ein Wanderweg führt nämlich von hier aus zum Zuisen-ji, ein entlegener Tempel, der nicht so bekannt ist, weil er eben sehr abgelegen ist, aber durch seinen tollen Garten eine Reise wert sein soll. Auf dem Wanderweg, der 1 Stunde und 50 Minuten dauern soll, kann man angeblich auch die schönsten Aussichten in ganz Kanagawa bewundern. Auf geht’s in den Sleepy Hollow Wald!



Wanderweg ist entweder stark übertrieben, oder ich habe eine andere Vorstellung von Wanderwegen. Meine Vorstellung von Wanderwegen sieht so aus: ein Weg, meist mit Kies bedeckt oder aus festgetretenem Boden bestehend, mit der einzigen Heimtücke in Form der ein oder anderen Wurzel, die mal alle paar Hundert Meter aus dem Boden lugt. Vielleicht sind noch die Mülltonnen an den Rastplätzen gefährlich, weil dort Wespen nisten…die hasse ich nämlich. Der Weg in Kamakura gestaltete sich aber so: ich sah in manchmal gar nicht. Teilweise habe ich nur noch gerätselt, wohin ich jetzt wohl gehen soll, denn der Weg ist vollkommen unbefestigt, führt über Moos bewachsene und somit aalglatte Steinhaufen, mit stellenweise ordentlichen Höhenunterschieden. Merke: Puma Speedcat lookalikes aus China sind keine Wanderschuhe! Auf die Klappe gelegt habe ich mich auch ein Mal, aber Spaß gemacht hat es tierisch und was die Aussicht betrifft, gelogen wurde da nicht. Wunderschöne Panoramen boten sich mir. Somit ist diese Wanderung für den Kamakura-Besucher stark zur Nachahmung empfohlen.

Auf dem Ohirayama, der höchste Punkt Kamakuras, stieß ich auf einen Gebäudekomplex, der sich als Golfclub entpuppte. Auf mich machte die Anlage aber eher den Eindruck eines Altersheims mit angeschlossenem Golfplatz. Eine Armee alter bis sehr alter Menschen fuhr mit Golfwagen im Schneckentempo durch die Gegend, oder spielte Golf in einer Geschwindigkeit, die mich an die Sequenzen in „Der 6-Millionen-Dollar-Mann“, der alten Serie mit Lee Majors, erinnerte. Ach ja, kennt ihr das, dass wenn ihr irgendwo hergeht, jemand entweder kurz vor oder hinter euch mit exakt derselben Geschwindigkeit geht? Mir geht das immer tierisch auf die Nüsse und ich denke mir dann „verdammt geh entweder schneller oder langsamer!“. Von den fünf Leuten, die ich auf dem langen Weg getroffen habe, ging tatsächlich einer vor mir mit exakt derselben Geschwindigkeit. Das war so ein Opa, der mit Trainingsanzug und Handtuch im Nacken wohl Walking als Sport gemacht hat. Der lief die ganze Zeit vor mir, drehte sich immer um und fühlte sich bestimmt verfolgt. Als er einen Zahn zulegte, bin ich auch schneller gegangen, denn das ist wie beim Rennrad fahren…der Mann vor einem ist immer der Lance, und in mir kommt dann der Jan zum Vorschein. Irgendwann gab Opi auf und blieb stehen, strafte mich mit einem gehässigen Blick und ließ mich passieren. Sorry Opa, meine Melatoninproduktion war sicher schon mal höher, aber die 30 Jahre machen dann doch einen Unterschied.
Gut gut, Erster! Der Zuisenji war genial, als wäre die Redewendung „klein, aber fein“ für ihn gemacht worden. Der Garten ist berauschend schön und zusammen mit der coolen Katze war ich der einzige Gast dort. Zeit für ein Picknick und um in der Sonne zu pennen.



Der Zuisenji!


Mein Kumpel und ich chillen im Zuisenji in der Sonne.
Danach ging ich zu Fuß zurück zum Kencho-ji, machte dabei noch Abstecher zum Kamakura-gu Schrein, zum Grab von Minamoto no Yoritomo und noch mal zum Hachiman-gu.

Das Grab von Minamoto no Yoritomo.
Zeit, mal ein paar Worte über Kamakura im Allgemeinen zu verlieren. Kamakura ist die Stadt, die mir bisher am besten in Japan gefallen hat. Kulturell hat sie enorm viel zu bieten…der Teil, den ich bisher gesehen habe, ist der kleinere Teil dessen, was die Stadt vorzuweisen hat. Der Strand von Kamakura oder der in den benachbarten Orten Zushi und Hayama ist ziemlich schön – nicht umsonst hat der Tenno dort eine seiner Residenzen. Die Wohnviertel in Kamakura, besonders die um den Zuisenji herum, sind extrem idyllisch, sehen aber auch nach Geld aus. Man kann hier gut ausgehen, denn das Angebot der Restaurants und Cafés ist toll und sehr vielfältig, auch internationale Küche ist hier gut vertreten. Wenn man genug von der Idylle hat, kann man jederzeit in den Zug hüpfen und ist in kurzer Zeit in Tokyo oder Yokohama…mehr Stadt brauch der Mensch eigentlich nicht. Dennoch, für mich ist jetzt die Zeit gekommen, mich nach etwas neuem umzuschauen. Mal sehen, was ich als nächstes machen werde…Kyoto wäre mein Wunschziel als WWOOFer, aber das Angebot an Stellen ist dort nicht so berauschend. Vielleicht schiebe ich einen Kurztrip nach Sapporo ein, um Yvonne dort zu besuchen, aber das wird sich alles in den nächsten Tagen entscheiden. Eine Reise mit dem Roller nach Sapporo wäre zwar sehr cool, aber würde ungefähr 5 Tage dauern (über 1000 km für die einfache Strecke), und obwohl ich jetzt noch 3 Monate Aufenthaltsrecht in Japan habe, habe ich das Gefühl, dass die Zeit knapp wird. Kommt Zeit, kommt Rat. Ansonsten hat mich momentan der DS im eisernen Griff, alles die Schuld von…

…Puzzle Quest! Warum habe ich bloß damit angefangen?
Haut rein!
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Japan, das Land der aufgehenden Sonne. Ich stehe zwar jeden Morgen früh auf, so gegen 5:30 Uhr…halt! So ganz korrekt ist das nicht, denn eigentlich werde ich geweckt, weil Opa Iijima um diese Zeit draußen auf dem Hof mit der Arbeit beginnt und sich dabei so ganz und gar keine Mühe gibt, leise zu sein. Aber trotz der Frühe habe ich noch keinen Sonnenaufgang in Japan gesehen. Dafür einen schönen Sonnenuntergang. Bei einer erneuten Entdeckungsreise in die Umgebung von Miurakaigan habe ich ein paar schöne Fleckchen entdeckt. Es macht ziemlich viel Spaß, mit dem Roller einfach los zu fahren und zu sehen, wo man am Ende landet. Mit ganz viel Glück bin ich am Ende des Tages in Misaki und danach in Jogashima gelandet. Mann, war das schön da. Die Stadt Misaki an sich ist nichts Besonderes, aber wenn man ein bisschen weiterfährt und sich die 200Yen Mautgebühr für die Brücke nach Jogashima gönnt (von mir wollten sie kein Geld haben…die Dame hat einfach gelächelt und mich durchgewunken), dann wird man dafür reich entlohnt. Die Sonne wirkte schon so Atem beraubend, dass ich mir schnell Dosenkaffee und Süßigkeiten im nächsten Convenience-Store gekauft habe, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Eine exzellente Entscheidung, wie sich herausstellte. Was soll ich dazu sagen…schaut euch die Fotos an! Ich saß da und dachte: bliss.

Der Hafen von Misaki. Eigentlich ist er nichts Besonderes, aber wie so oft im Leben gilt auch hier: ins richtige Licht gerückt, sieht alles ganz anders aus.

So sah der Sonnenuntergang von meinem Plätzchen auf Jogashima aus.


Traumhaft war das. Für solche Dinge verliert man mit der Zeit das Auge, habe ich den Eindruck. Anstatt mir im Fernsehen irgendeine der lähmend langweiligen Shows über japanisches Essen anzuschauen, fahre ich 20 Minuten mit dem Roller und bekomme dafür das hier serviert. Es dürfte keine Zweifel geben, was die lohnendere Alternative ist.
Weitere Eindrücke von anderen Fahrten rings um Miurakaigan gibt es noch in der Galerie. So sieht es z.B. bei nicht so gutem Wetter aus:


Auch das hat seinen Reiz. Vielleicht liegt es daran, dass ich in Japan bin und so lange darauf gewartet habe, aber vielleicht habe ich auch nur das Auge bzw. die Wertschätzung dafür wiedergefunden. Um noch eine Eventualität mit ins Spiel zu bringen, vielleicht ist es gar nicht so schlecht, mal offline zu sein
Was gab es sonst noch? Ach ja, ein neuer WWOOFer ist ins Haus geschneit, Boat sein Name. Natürlich ist das nicht sein richtiger Name, aber den kann ich mir auch nicht merken… ich kann ihn ja nicht mal korrekt aussprechen. Thailänder ist er, 25, hat Übersetzer für Japanisch studiert und auch als solcher für Panasonic Thailand gearbeitet. Ein lustiger Typ, der zudem sehr gut kochen kann. Sein grünes Curry war unglaublich. Für die Japaner war es vor allem unglaublich scharf…sie konnten es nicht essen. Umso besser für mich, denn ich durfte alles essen. Aber Boat blieb nur für 10 Tage, an deren Ende es ein Abschieds-BBQ für ihn im Flower Garden gab. Wie immer eine nette Veranstaltung, feucht-fröhlich wie üblich, und am Ende durfte ich auf dem gemeinsamen Marsch nach Hause den Rettungsanker für zwei volltrunkene Mädels spielen, die mich mal in die eine, mal in die andere Richtung gezerrt haben.

Boat.
An einem weiteren schönen Tag habe ich es übrigens gewagt, den Sommer offensiv zu begrüssen, indem ich auf die Idee kam, im Meer zu schwimmen. Das war kalt, aber extrem erfrischend. 8 Minuten oder so habe ich es ausgehalten…das Wasser war so kalt, dass ich bei Tauchversuchen die Luft nicht anhalten konnte

Erfrischt!
Trotz der Kälte habe ich mich großartig gefühlt. Die Leute, die am Strand Muscheln gesammelt haben, sahen aber so aus, als hätten sie schon die Ambulanz rufen wollen. “Hilfe, ein verrückter Ausländer rennt ins Meer!”.
Also, geht schwimmen, Leute.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Ich gebe es zu…ich bin wirklich nicht gut darin, eine zweite Chance zu geben, auch wenn ich es will. Wenn ich eine gebe, dann bin ich negativ voreingenommen. Nicht die beste Voraussetzung für eine Reise nach Tokyo, um erneut eine Psytrance-Party zu besuchen. Der erste Versuch im ZEPP Tokyo beim Konzert von Astrix & Friends scheiterte ja kläglich, aber ich hatte mir fest vorgenommen, noch einen Versuch zu unternehmen und herauszufinden, warum Japan unter den großen Psytrance-Acts so einen guten Ruf genießt. Wie schon angekündigt, spielte ich mit dem Gedanken, zum Nagisa Music Festival zu gehen, ein 2-tägiges Open Air Festival vor dem Gebäude von Fuji TV im Stadtteil Odaiba. Das Nagisa ist kein reines Psytrance-Festival, sondern eine Plattform für diverse Musikgenres, von denen Psytrance nur am zweiten Tag, Sonntag, vertreten war. Das Line-Up war interessant und vom Preis her war es auch ok, 3500 Yen für den gesamten Tag, der schon um 9 Uhr mit dem Einlass begann und bis 20 Uhr dauern sollte. Ich legte also meinen freien Tag auf Sonntag, damit ich schon früh nach Tokyo gehen konnte, womit ich Mut zum Risiko bewies, denn die Wettervorhersage war nicht so richtig rosig…für ein Open Air Festival nicht unwichtig.
Am Sonntagmorgen war das Wetter auch bescheiden, was meiner Motivation, mich aufzuraffen, nicht zuträglich war. Toll war auch, dass die anderen das gesamte Brot weggegessen hatten, danke! Naja, drei Dosen Bier hatte ich gekauft, also her mit dem flüssigen Brot. Im Zug nach Tokyo war meine Laune auf dem Tiefpunkt angelangt, als es draußen ordentlich zu regnen begann. 45% Regenwahrscheinlichkeit, natürlich hatte ich Pech. Auf meinem MP3-Player lief Gabriel Burns – übrigens so etwas wie das „24“ oder „Lost“ der Hörspiele, also wahnsinnig gut und spannend - ich hatte wirklich Lust, mit der Yamanote Linie im Kreis zu fahren und weitere Folgen zu hören, weil es so unfassbar spannend ist. Danke an dieser Stelle übrigens an dich, Torsten
Ich entschied mich aber doch für die Reise mit der Monorail nach Odaiba. Der Anblick der futuristischen Skyline ist irgendwie immer eine Reise wert und da die Monorail gut besucht war, hoffte ich auf ein volles Festival. Denkste. In Odaiba angekommen, bot sich mir nach 4 Minuten Fußmarsch dieser Anblick:

Zuerst Fuji TV. Sehr schön, wirklich ein imposanter Bau und deutlich größer, als er auf Fotos bisher auf mich gewirkt hat.

Na großartig! Da tobt ja der Bär! Im Convenience-Store neben dem Gelände versammelten sich wenigstens schon mehrere Leute und kauften ordentlich ein.

Vielleicht waren mehr Leute im Convenience-Store als auf dem Festival
Ich kaufte mir auch zwei Bier und einen 2-Cup Sake, mit denen im Gepäck ich mich zum Eingang aufmachte. NACHDEM ich mir das Ticket gekauft hatte, wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich weder Speisen noch Getränke mit auf das Gelände nehmen dürfe…grrr. Die hatten mittlerweile so viele Flaschen, Dosen, onigiri und was weiß ich was um die Ecke gesammelt, dass sie damit einen eigenen Convenience-Store hätten eröffnen können. Aus Geiz traf ich eine schlechte Entscheidung: ich habe die zwei Bier und den Sake komplett vor dem Einlass getrunken…eine der schlechteren Ideen meines Lebens, wie sich allzu bald herausstellen sollte. Ich schlenderte über das Festival und „bestaunte“ die ziemlich schlecht besuchten Stände und die gähnende Leere vor den meisten Bühnen.

Haha! Die Ambient-Bühne. Weitere Eindrücke der Leere in der Galerie.
Vor lauter Frust hatte ich aber etwas Wichtiges vergessen: essen. Auf der Soll-Seite stand bis dahin 5 Bier und der Sake, aber auf der Haben-Seite lediglich ein Yamazaki pan, also herrschte ein starkes Ungleichgewicht. Dieses abstrakte Ungleichgewicht wurde innerhalb sehr kurzer Zeit zu einem sehr konkreten Ungleichgewicht, und zwar in meinem Kopf. Ich verließ das Festivalgelände und wollte zu dem Convenience-Store, aber auf dem Weg dorthin wurde mir auf einem großen Parkplatz ziemlich schwummerig. Als ich wieder aufwachte, lag ich zwischen zwei Autos und wusste erstmal nicht so richtig, wo ich war. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich bewusstlos war. Ich muss ein paar Minuten da gelegen haben und meine Schulter schmerzte. Eine ordentliche Schürfwunde habe ich mir zugezogen, also muss ich wohl mehr oder weniger ungebremst auf den Boden geknallt sein. Macht ja nix, denn die Narbe wird hervorragend zu der Narbe auf der anderen Schulter, vom Rennradsturz im letzten Jahr, passen…unter dem Symmetriegedanken eine gute Sache, oder, Judith? Erst als ich am Abend wieder in meinem Zimmer war, bemerkte ich, dass ich mir auch den Kopf aufgeschlagen hatte. So sah das aus:


Also, nicht nachmachen. Mit leckeren onigiri im Magen war ich aber wieder guter Dinge und die Uhr zeigte ja gerade erst 12:20 an. Um 12:30 würde B-55 live auftreten! Der Wiedereintritt ins Festivalgelände gestaltete sich aber nicht einfach, denn mit dem Stempel kann man nicht wieder zurück, was mir auch niemand gesagt hatte. Der Securitymensch, ein Bodybuilder-Türke (kein Witz, er kommt aus der Türkei, lebt seit 5 Jahren in Japan), machte mir gehörig Stress und ließ sich erst nach längerer Diskussion davon überzeugen, dass ich den Eintritt gezahlt hatte. Zum Glück hatte ich meine Tasche an der Garderobe abgegeben und konnte ihm so beweisen, dass ich heute schon auf dem Gelände war. Bei der Gelegenheit ergab sich übrigens noch die Möglichkeit, als Security zu arbeiten, ich solle doch einfach mal über die Webseite bei der Firma vorstellig werden lolol. So, bis dahin war das ja ein Tag zum Wegschmeißen, nicht wahr? Aber dann ging es los:
Zuerst habe ich mir kurz Uni feat. Shake angeschaut, aber das Bessere ist des Guten Feind, und deshalb musste ich weg von der Main Stage, hinüber zur Psytrance Stage. Das Set von B-55 war schon ein richtiger Hammer, außerdem war ich überrascht, dass auf einmal so viele Leute da waren. Scheinbar sind die alle während meiner 10 Minuten Ohnmacht gekommen hehe. Ist ja auch egal, Hauptsache sie waren da, ne? Die Stimmung war jetzt schon geil und im Gegensatz zur Party im ZEPP gingen die Leute schon gut ab.
 B-55 war echt genial…ich habe absolut keine Ahnung, warum so ein Kracher schon so früh “verheizt” wurde. Videos habe ich dieses Mal zuhauf gemacht. Also, anschauen und ruhig Spott über mir ausschütten ^^.Video: Uni feat. Shake (11 MB)
Video: B-55 yeah! (10 MB) Video: Wolle, der Technohonk! (7,5 MB) Video: Geil, wie das abging! (6 MB)
Nach B-55 kam Mura, der leichtes Spiel mit der Menge hatte. Von 15 Uhr bis 15.30 war tatsächlich „clean up time“, in der gemeinsam der Müll gesammelt wurde. Abgefahren, aber natürlich sehr löblich und wahrlich im Sinne der Goa Ideale. Als nächstes war EVP an der Reihe, und der hat mir am besten gefallen. Genau wie Error Corrective, eine meiner Lieblingsbands, ist EVP auf Wildthings Records, und, was das Beste ist, die machen ihrem Namen alle Ehre. Der Stil wandelte sich stark in Richtung Dark Psychedelic, also genau mein Ding. Das hört sich dann so an und schaut so aus:

So wie der sollten alle DJs hinterm Pult abgehen. Video: Darkpsy regelt einfach. BOOOOM! (6 MB) Splifnick im Anschluss daran hat das Tempo wieder etwas heruntergeschraubt und mit persönlich nicht so gut gefallen, aber der Platz wurde immer voller. Video: Es wird voller… (7,5 MB)
Allmählich wurde es dunkel. Ursprünglich war Psytrance/Goa eine Musikrichtung, die Open Air Events während des Tages feierte, aber mir persönlich gefällt es im Dunkeln x Mal besser, denn die Lightshows machen die Partys imho viel, viel besser. Ab 18:30 oder so hat Tulio ein sooo geiles Set aufgelegt, dass die Stimmung absolut auf dem Höhepunkt war. Leute rasteten aus, tanzten wie wild, was in der Kombination mit der coolen Lightshow in der Umgebung Odaibas das Ganze zu einem Erlebnis werden ließ. Vermutlich können nur die wenigsten von euch damit etwas anfangen, aber schaut euch die Videos an:
Video: Odaiba leuchtet (6 MB) Video: Die Stimmung auf dem Höhepunkt. Was für eine geile Party! (18,5 MB)
Mann, war das gut. Geht doch, GEHT DOCH!!! Damit war das Festival für mich beendet…die letzte halbe Stunde wollte habe ich nicht mehr mitgemacht, weil ich nicht mit den Massen in die Bahnen gequetscht sein wollte. Von den anderen Bühnen habe ich nur beim Verlassen des Geländes noch etwas gesehen. Überall war es recht voll, aber ich bereue es sicher nicht, den ganzen Tag an der Psytrance Stage verbracht zu haben. Müde, aber ziemlich zufrieden ging ich dann zurück zum Bahnhof. Um den Tag „rund“ werden zu lassen, musste selbstverständlich noch ein Problem her, da der Tag ja auch problematisch begonnen hatte
Ich habe es geschafft, das Geld, das ich für die Rückfahrt in der Tasche meiner Hose hatte, zu vertanzen. Es muss irgendwie aus der Tasche gefallen sein, was mir bei der in diversen Festivals und Partys erprobten Carhartt noch nie passiert war. Damn, ich hing jetzt in Shinagawa fest. Die ATMs waren schon geschlossen, also konnte ich auch kein Geld mehr abheben. Als ich mein Leid dem Bahnmitarbeiter klagte, meinte der, dass es kein Problem sei, ich könne morgen zahlen. Wie geil ist das denn? Ich bekam eine Fahrkarte nach Miurakaigan, meldete mich dort bei dem Bahnmitarbeiter (nachdem ich im Zug eingeschlafen und bis zur Endhaltestelle gefahren war, somit wieder zurück musste), der meine Personalien aufnahm und die Sache war geritzt.
Wieder in meinem Zimmer angekommen entdeckte ich, wie oben schon erwähnt, dass ich mir den Kopf wohl bös angeschlagen haben musste, aber das machte jetzt auch nichts mehr. Das Blut war schön versickert und verdickt, also kein Problem. Als ich am nächsten Tag um 6 Uhr wieder arbeiten musste, habe ich mich schon fitter gefühlt, aber es war okeh. Weil ich erzählte, dass ich zu Techno getanzt hatte, war ich natürlich wieder gay für die Farmerbanausen, genauso wie ich durch das Benutzen von Handcreme und durch das Treiben von Sport sukoshi gay bin, aber als ich die Fotos und Videos gezeigt hatte, meinten alle „tanoshi souda!“. Da nickte ich nur und meinte „tanoshikatta“. Das war es auch!
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