Archiv für 2. April 2008

…in Japan, das ist hier die Frage. Mein Visum läuft am 29.04. aus, also bleibt gar nicht mehr so viel Zeit. Für Deutsche besteht die Möglichkeit, das Touristenvisum verlängern zu lassen, und zwar einmalig um weitere 90 Tage. Kinder, über 60 Tage bin ich schon hier. Die Zeit wartet auf niemanden, nicht wahr? :-D Ehrlich gesagt, ich war nicht sicher, ob ich weitere 90 Tage hier bleiben möchte, aber, unter dem once-in-a-lifetime Aspekt gesehen, wäre es nicht gut, jetzt schon die Rückreise zu planen. Ich will zumindest die Hochzeit von Christian und Shiho in Japan miterleben. Für eine Verlängerung des Visums muss ich zur zuständigen Einwanderungsbehörde, die sich in meinem Fall in Yokohama befindet. Also, hin da! Bei der Einwanderungsbehörde war der Teufel los. Rappelvoll war der Laden, den ich irgendwie als Flirtbörse empfehlen kann, haha. Ein paar weitere Dinge sind mir aufgefallen, z.B. das tolle Video, das auf neue Bestimmungen hinweist, die bei der Einreise nach Japan gelten. Es müssen alle 10 Fingerabdrücke abgegeben werden, zudem werden weitere biometrische Daten über das Gesicht aufgenommen. In dem Video echauffierten sich Schauspieler in vielen Sprachen und Klischeefiguren, z.B. der dicke Ami mit rotem Bumskopf, die dunkelhäutige Amerikanerin mit altmodischer Bill-Cosby-Ehefrau-Frisur, der Araber mit Vollbart und Turban, oder auch der listig wirkende chinesische Geschäftsmann, über diese neuen Bestimmungen bei der Einreise. Natürlich nur so lange, bis ihnen in dem Video erklärt wurde, dass das alles zur eigenen Sicherheit sei, denn der Terror lauert überall! Deswegen sind ja auch alle „on the special alert“, „for the protection against terrorist“, hahaha. Großartig, ich liebe es. Toll finde ich, dass Deutsch nicht dabei war, dafür aber Chinesisch, Portugiesisch, Spanisch, Koreanisch, Arabisch usw. Daraus kann man immer so toll auf mögliche Feindbilder schließen. Deutsche sind also harmlos, deshalb konnte ich auch mit der knappen Angabe, dass ich sightseeing in Japan machen möchte, in Kombination mit der Zahlung von 4000 Yen, weitere 90 Tage Aufenthaltsrecht bekommen. Damit habe ich eine Menge mehr Optionen. So, was tun, wenn ich schon mal in Yokohama, der zweitgrößten Stadt Japans, bin? Lonely Planet sagt, dass man in Chinatown gewesen sein muss. Ich bin leicht zu beeinflussen (nicht), also galt wieder: hin da! Das war auch im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, denn ich musste nur kurz die Straße überqueren, um dort anzukommen.

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Ni hao! Wo zai Yokohama @ posedown.

 

Wenn ich schon mal in Chinatown bin, dann will ich auch chinesisch essen gehen. Die Auswahl an Restaurants ist unüberschaubar, ich habe einfach eins der vielen genommen, die ein günstiges Lunchmenü bieten. Meine Wahl fiel auf „Tung Fat“. Der Laden hatte einen ganz eigenen, herben Charme, so wie Angela Merkel, aber doch anders. Ich glaube, dass hier versucht wurde, den Charme des Shanghai der 20er oder 30er Jahre einzufangen, also sollte alles leicht mondän wirken. Dumm nur, dass der Zahn der Zeit, oder vielleicht direkt das ganze Gebiss der Zeit, hier ordentlich genagt hat. Alles war ein wenig heruntergekommen und eine Patina des Alters hatte sich unaufdringlich, aber auch unbarmherzig über alles gelegt.

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Toll fand ich, dass ich, neben einem Paar an einem anderen Tisch, der einzige Gast war. Nicht so toll fanden die Bedienungen, dass ich nur das Lunchmenü haben und nicht teuer à la carte bestellen wollte. Ich wurde schön unfreundlich bedient, was ich ja gar nicht haben kann. Wenn man ein Angebot macht, dann muss man damit rechnen, dass Leute das annehmen. Wenn das nur 3 Leute machen, die zudem noch 10 Minuten vor Ende der Mittagszeit das Angebot in Anspruch nehmen, tja, was soll ich sagen, ist halt so, da muss man mir nicht pampig kommen. Das Essen war okay, nichts besonderes, aber um mich herum fingen die zwei Bedienungen an, die Tische umzudekorieren, vermutlich für das Abendessen. Dazu wurde beherzt mit Utensilien um sich geworfen, um möglichst keine Atmosphäre, oder gar Ruhe, aufkommen zu lassen, was auch die Leute am Nachbartisch wunderte. Gut, dann eben anders, denn ich habe Zeit. Ich habe mir so lange neuen Tee, der umsonst war, bringen lassen, bis ich das Wort „Yasmin“ schon nicht mehr hören konnte. Ich fand mich lustig, die haben das wohl anders gesehen.

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Den Schalk im Nacken :-)

Gestärkt, belustigt, und mit gereinigten Nieren, habe ich mich dann weiter in Chinatown umgeschaut. Es hat mir ganz gut gefallen, weil es eine eigene Atmosphäre hat, irgendwie relaxter als die Umgebung. Zwei Tempel habe ich mir noch angeschaut, dazu noch ein paar Geschäfte.

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So sieht es in Chinatown aus.

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Das ist der aufwändig verzierte Kanteibyo.

Danach ging ich noch zum Seaside Park, denn, Yokohama ist eine Hafenstadt! Der Park war schön und es gab einige interessante Dinge zu sehen, aber am besten fand ich einen Typen, der eine Mischung aus Komik und Artistik vorgeführt hat. Eine halbe Stunde habe ich mir den Spaß angeschaut und auch noch zwei Videos für euch gemacht.

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Video: Wow. Das war ganz schön hoch! (5 MB)
Video: Jetzt auch noch mit Feuer (6 MB)

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Ein Kunstwerk namens “ISO20″.

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Die Skyline von Yokohama.

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Der Marine Tower, eine weitere von Yokohamas Sehenswürdigkeiten.

Damit habe ich nur einen Bruchteil Yokohamas gesehen, aber ich musste mich auf den Heimweg machen, da die Oma das Abendessen für uns kochen wollte. Saudumm wie ich bin, stieg ich aber in den falschen Bus in Miurakaigan, was ich viel zu spät geschnallt habe. Da befand ich mich dann schon hier:

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Richtig, im Nirgendwo! Über meine eigene Schusseligkeit wurde ich dann auch fast ohnmächtig vor Wut:

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Rrrrrrraaaaah!

Der nächste Bus zurück sollte erst in 40 Minuten kommen, also machte ich mich zu Fuß auf den Weg zurück zu Iijimas. Als ich in einer Autowerkstatt nach dem schnellsten Weg zur Küste fragte, machten sich die Jungs erstmal ordentlich lustig über den komischen Ausländer, der zu später Stunde hier herumlief. Mein Weg zurück führte mich mitten durchs Nirgendwo. Kein Licht, keine Häuser, nichts. Auf halbem Weg kam einer der Typen aus der Werkstatt mit seinem obercoolen Toyota Supra und hat mich mitgenommen. Er war sogar so nett, mich direkt vor der Haustür abzuliefern. Das Abendessen habe ich trotzdem verpasst, aber “macht ja nix”, ne, fla? ;-)

Attention, gallery ahead!

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