Ich gebe es zu…ich bin wirklich nicht gut darin, eine zweite Chance zu geben, auch wenn ich es will. Wenn ich eine gebe, dann bin ich negativ voreingenommen. Nicht die beste Voraussetzung für eine Reise nach Tokyo, um erneut eine Psytrance-Party zu besuchen. Der erste Versuch im ZEPP Tokyo beim Konzert von Astrix & Friends scheiterte ja kläglich, aber ich hatte mir fest vorgenommen, noch einen Versuch zu unternehmen und herauszufinden, warum Japan unter den großen Psytrance-Acts so einen guten Ruf genießt. Wie schon angekündigt, spielte ich mit dem Gedanken, zum Nagisa Music Festival zu gehen, ein 2-tägiges Open Air Festival vor dem Gebäude von Fuji TV im Stadtteil Odaiba. Das Nagisa ist kein reines Psytrance-Festival, sondern eine Plattform für diverse Musikgenres, von denen Psytrance nur am zweiten Tag, Sonntag, vertreten war. Das Line-Up war interessant und vom Preis her war es auch ok, 3500 Yen für den gesamten Tag, der schon um 9 Uhr mit dem Einlass begann und bis 20 Uhr dauern sollte. Ich legte also meinen freien Tag auf Sonntag, damit ich schon früh nach Tokyo gehen konnte, womit ich Mut zum Risiko bewies, denn die Wettervorhersage war nicht so richtig rosig…für ein Open Air Festival nicht unwichtig.
Am Sonntagmorgen war das Wetter auch bescheiden, was meiner Motivation, mich aufzuraffen, nicht zuträglich war. Toll war auch, dass die anderen das gesamte Brot weggegessen hatten, danke! Naja, drei Dosen Bier hatte ich gekauft, also her mit dem flüssigen Brot. Im Zug nach Tokyo war meine Laune auf dem Tiefpunkt angelangt, als es draußen ordentlich zu regnen begann. 45% Regenwahrscheinlichkeit, natürlich hatte ich Pech. Auf meinem MP3-Player lief Gabriel Burns – übrigens so etwas wie das „24“ oder „Lost“ der Hörspiele, also wahnsinnig gut und spannend - ich hatte wirklich Lust, mit der Yamanote Linie im Kreis zu fahren und weitere Folgen zu hören, weil es so unfassbar spannend ist. Danke an dieser Stelle übrigens an dich, Torsten
Ich entschied mich aber doch für die Reise mit der Monorail nach Odaiba. Der Anblick der futuristischen Skyline ist irgendwie immer eine Reise wert und da die Monorail gut besucht war, hoffte ich auf ein volles Festival. Denkste. In Odaiba angekommen, bot sich mir nach 4 Minuten Fußmarsch dieser Anblick:
Zuerst Fuji TV. Sehr schön, wirklich ein imposanter Bau und deutlich größer, als er auf Fotos bisher auf mich gewirkt hat.
Na großartig! Da tobt ja der Bär! Im Convenience-Store neben dem Gelände versammelten sich wenigstens schon mehrere Leute und kauften ordentlich ein.
Vielleicht waren mehr Leute im Convenience-Store als auf dem Festival
Ich kaufte mir auch zwei Bier und einen 2-Cup Sake, mit denen im Gepäck ich mich zum Eingang aufmachte. NACHDEM ich mir das Ticket gekauft hatte, wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich weder Speisen noch Getränke mit auf das Gelände nehmen dürfe…grrr. Die hatten mittlerweile so viele Flaschen, Dosen, onigiri und was weiß ich was um die Ecke gesammelt, dass sie damit einen eigenen Convenience-Store hätten eröffnen können. Aus Geiz traf ich eine schlechte Entscheidung: ich habe die zwei Bier und den Sake komplett vor dem Einlass getrunken…eine der schlechteren Ideen meines Lebens, wie sich allzu bald herausstellen sollte. Ich schlenderte über das Festival und „bestaunte“ die ziemlich schlecht besuchten Stände und die gähnende Leere vor den meisten Bühnen.
Haha! Die Ambient-Bühne. Weitere Eindrücke der Leere in der Galerie.
Vor lauter Frust hatte ich aber etwas Wichtiges vergessen: essen. Auf der Soll-Seite stand bis dahin 5 Bier und der Sake, aber auf der Haben-Seite lediglich ein Yamazaki pan, also herrschte ein starkes Ungleichgewicht. Dieses abstrakte Ungleichgewicht wurde innerhalb sehr kurzer Zeit zu einem sehr konkreten Ungleichgewicht, und zwar in meinem Kopf. Ich verließ das Festivalgelände und wollte zu dem Convenience-Store, aber auf dem Weg dorthin wurde mir auf einem großen Parkplatz ziemlich schwummerig. Als ich wieder aufwachte, lag ich zwischen zwei Autos und wusste erstmal nicht so richtig, wo ich war. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich bewusstlos war. Ich muss ein paar Minuten da gelegen haben und meine Schulter schmerzte. Eine ordentliche Schürfwunde habe ich mir zugezogen, also muss ich wohl mehr oder weniger ungebremst auf den Boden geknallt sein. Macht ja nix, denn die Narbe wird hervorragend zu der Narbe auf der anderen Schulter, vom Rennradsturz im letzten Jahr, passen…unter dem Symmetriegedanken eine gute Sache, oder, Judith? Erst als ich am Abend wieder in meinem Zimmer war, bemerkte ich, dass ich mir auch den Kopf aufgeschlagen hatte. So sah das aus:
Also, nicht nachmachen. Mit leckeren onigiri im Magen war ich aber wieder guter Dinge und die Uhr zeigte ja gerade erst 12:20 an. Um 12:30 würde B-55 live auftreten! Der Wiedereintritt ins Festivalgelände gestaltete sich aber nicht einfach, denn mit dem Stempel kann man nicht wieder zurück, was mir auch niemand gesagt hatte. Der Securitymensch, ein Bodybuilder-Türke (kein Witz, er kommt aus der Türkei, lebt seit 5 Jahren in Japan), machte mir gehörig Stress und ließ sich erst nach längerer Diskussion davon überzeugen, dass ich den Eintritt gezahlt hatte. Zum Glück hatte ich meine Tasche an der Garderobe abgegeben und konnte ihm so beweisen, dass ich heute schon auf dem Gelände war. Bei der Gelegenheit ergab sich übrigens noch die Möglichkeit, als Security zu arbeiten, ich solle doch einfach mal über die Webseite bei der Firma vorstellig werden lolol. So, bis dahin war das ja ein Tag zum Wegschmeißen, nicht wahr? Aber dann ging es los:
Zuerst habe ich mir kurz Uni feat. Shake angeschaut, aber das Bessere ist des Guten Feind, und deshalb musste ich weg von der Main Stage, hinüber zur Psytrance Stage. Das Set von B-55 war schon ein richtiger Hammer, außerdem war ich überrascht, dass auf einmal so viele Leute da waren. Scheinbar sind die alle während meiner 10 Minuten Ohnmacht gekommen hehe. Ist ja auch egal, Hauptsache sie waren da, ne? Die Stimmung war jetzt schon geil und im Gegensatz zur Party im ZEPP gingen die Leute schon gut ab.

B-55 war echt genial…ich habe absolut keine Ahnung, warum so ein Kracher schon so früh “verheizt” wurde. Videos habe ich dieses Mal zuhauf gemacht. Also, anschauen und ruhig Spott über mir ausschütten ^^.Video: Uni feat. Shake (11 MB)
Video: B-55 yeah! (10 MB)
Video: Wolle, der Technohonk! (7,5 MB)
Video: Geil, wie das abging! (6 MB)
Nach B-55 kam Mura, der leichtes Spiel mit der Menge hatte. Von 15 Uhr bis 15.30 war tatsächlich „clean up time“, in der gemeinsam der Müll gesammelt wurde. Abgefahren, aber natürlich sehr löblich und wahrlich im Sinne der Goa Ideale. Als nächstes war EVP an der Reihe, und der hat mir am besten gefallen. Genau wie Error Corrective, eine meiner Lieblingsbands, ist EVP auf Wildthings Records, und, was das Beste ist, die machen ihrem Namen alle Ehre. Der Stil wandelte sich stark in Richtung Dark Psychedelic, also genau mein Ding. Das hört sich dann so an und schaut so aus:
So wie der sollten alle DJs hinterm Pult abgehen.
Video: Darkpsy regelt einfach. BOOOOM! (6 MB)
Splifnick im Anschluss daran hat das Tempo wieder etwas heruntergeschraubt und mit persönlich nicht so gut gefallen, aber der Platz wurde immer voller.
Video: Es wird voller… (7,5 MB)
Allmählich wurde es dunkel. Ursprünglich war Psytrance/Goa eine Musikrichtung, die Open Air Events während des Tages feierte, aber mir persönlich gefällt es im Dunkeln x Mal besser, denn die Lightshows machen die Partys imho viel, viel besser. Ab 18:30 oder so hat Tulio ein sooo geiles Set aufgelegt, dass die Stimmung absolut auf dem Höhepunkt war. Leute rasteten aus, tanzten wie wild, was in der Kombination mit der coolen Lightshow in der Umgebung Odaibas das Ganze zu einem Erlebnis werden ließ. Vermutlich können nur die wenigsten von euch damit etwas anfangen, aber schaut euch die Videos an:
Video: Odaiba leuchtet (6 MB)
Video: Die Stimmung auf dem Höhepunkt. Was für eine geile Party! (18,5 MB)
Mann, war das gut. Geht doch, GEHT DOCH!!! Damit war das Festival für mich beendet…die letzte halbe Stunde wollte habe ich nicht mehr mitgemacht, weil ich nicht mit den Massen in die Bahnen gequetscht sein wollte. Von den anderen Bühnen habe ich nur beim Verlassen des Geländes noch etwas gesehen. Überall war es recht voll, aber ich bereue es sicher nicht, den ganzen Tag an der Psytrance Stage verbracht zu haben. Müde, aber ziemlich zufrieden ging ich dann zurück zum Bahnhof. Um den Tag „rund“ werden zu lassen, musste selbstverständlich noch ein Problem her, da der Tag ja auch problematisch begonnen hatte
Ich habe es geschafft, das Geld, das ich für die Rückfahrt in der Tasche meiner Hose hatte, zu vertanzen. Es muss irgendwie aus der Tasche gefallen sein, was mir bei der in diversen Festivals und Partys erprobten Carhartt noch nie passiert war. Damn, ich hing jetzt in Shinagawa fest. Die ATMs waren schon geschlossen, also konnte ich auch kein Geld mehr abheben. Als ich mein Leid dem Bahnmitarbeiter klagte, meinte der, dass es kein Problem sei, ich könne morgen zahlen. Wie geil ist das denn? Ich bekam eine Fahrkarte nach Miurakaigan, meldete mich dort bei dem Bahnmitarbeiter (nachdem ich im Zug eingeschlafen und bis zur Endhaltestelle gefahren war, somit wieder zurück musste), der meine Personalien aufnahm und die Sache war geritzt.
Wieder in meinem Zimmer angekommen entdeckte ich, wie oben schon erwähnt, dass ich mir den Kopf wohl bös angeschlagen haben musste, aber das machte jetzt auch nichts mehr. Das Blut war schön versickert und verdickt, also kein Problem. Als ich am nächsten Tag um 6 Uhr wieder arbeiten musste, habe ich mich schon fitter gefühlt, aber es war okeh. Weil ich erzählte, dass ich zu Techno getanzt hatte, war ich natürlich wieder gay für die Farmerbanausen, genauso wie ich durch das Benutzen von Handcreme und durch das Treiben von Sport sukoshi gay bin, aber als ich die Fotos und Videos gezeigt hatte, meinten alle „tanoshi souda!“. Da nickte ich nur und meinte „tanoshikatta“. Das war es auch!







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16. April 2008 an 19:06
PARTY HARD
find ich echt lustig das die handcreme und sport gay finden, bekloppte reisköppe.
gut das du endlich ma feier-japaner erlebt hast und auch gut das mit dem kopf alles ok ist.
da ich bei der arbeit bin hab ich den html befehl nich hier, wäre cool wenn du das mit edit machen könntest

17. April 2008 an 05:47
hehe, sehr lustiges gif!
Ja die Bauerntölpelei geht mir auch gehörig auf den Sack. Manchmal sind die einfach nur dumm
17. April 2008 an 19:43
Oh man! Du machst Sachen… Ich als ausgewiesener Crashpilot stellen nun die Frage, wie war das Ohnmächtig sein? Ist echt strange, aber sollte jeder mal erlebt haben, nicht wahr? Dieser Tokyo Tag erinnert mich ein wenig an meine beiden Trips nach Japan, denn dort ging es immer nur ums Shoppen und eben auf Partys zu gehen. Bin froh, dass Dir weiter nichts passiert ist und Du nicht von ein paar Otto´s ausgeraubt wurdest, als Du nicht bei Sinnen warst. Aber das Dich keiner geweckt hat… fast wie in Deutschland, da läßt man auch alle liegen, die so auf dem Weg rumliegen…
18. April 2008 an 03:13
Hey Mozart-san,
du bist ja wirklich vom Pech verfolgt, wenn es um das Verlieren von Dingen geht. Ich erinnere mich da an deinen Ring und die Uhr beim Static-X Konzert (Rock am Ring)!!! Deine Rückfahrt ist wieder “typisch asiatisch”, oder? Später zahlen? Diese Freundlichkeit muss ich hier in Deutschland mal verlangen *lol*
Und deine Ohnmacht!! Auch wieder so’ne heftige Geschichte!!! Sag mal, hast du alle krassen Erlebnisse alle für dich gepachtet
Ich bin natürlich wie die anderen froh, dass dir nichts schlimmeres passiert ist und du nicht beklaut wurdest!!! Puh…hast du einen guten Schutzengel!!
Hau rein, Bursche!!!
18. April 2008 an 08:35
Das mit der Ohnmacht war komisch. Ich weiß nur noch, dass mir schwindelig wurde, dann nichts mehr. Ich glaube, dass mich niemand gesehen hat, denn auf dem Parkplatz war nicht viel los und ich lag zwischen den Autos.
Hehe, das mit der Uhr ist aber wirklich schon arg lange her, Jörg. Aber ein bissl Recht hast du schon hehe. Ach ja, ich habe bei den Links mal Hae-Rins Blog hinzugefügt. Viel Spaß!
18. April 2008 an 16:34
http://www.acapela-group.com/Greetings/1-b84b2219639e1