Archiv für Mai 2008

Märchenland? In letzter Zeit ist hier nicht sonderlich viel passiert…Arbyte halt, ne? An meinem freien Tag habe ich mich dieses Mal auf den Weg nach Mitaka gemacht, ungefähr 20 Minuten mit der Chuo-Linie von Shinjuku aus entfernt. Mitaka? Nie gehört? Ich auch nicht. Aber vielleicht hat der ein oder andere ja schon mal etwas von Studio Ghibli gehört? Nein? Hmm…wie sieht es mit “Nausicaä”, “Prinzessin Mononoke”, “Laputa”, “Mein Nachbar Totoro” aus? Aha, da klingelt also etwas! Richtig, Studio Ghibli zeichnet für die oben genannten und noch weitere Meisterwerke verantwortlich. In Mitaka, Tokyo, befindet sich das Studio Ghibli Museum, “Museo D’Arte Ghibli”.

Zu den Studio Ghibli Filmen will ich an dieser Stelle nicht viel erzählen, außer: schaut sie euch an! Da ich der Magie der Filme verfallen bin, war ein Besuch des Museums selbstverständlich und siehe da, ich bin ausnahmsweise nicht alleine dorthin gereist! JEDER liebt Studio Ghibli Filme, daher wollte Emi, die Oberschülerin, die ab und zu bei Iijimas arbeitet, mich begleiten. Nach zwei Stunden im Zug und dem üblichen Umsteigestress in Yokohama bzw. in Shinjuku, inklusive stickiger Luft im Zug (schwüles Wetter), spuckte mich die Blechschlange in Mitaka aus. Dort traf ich Emi vor dem Bahnhof, wo inmitten der unscheinbaren Busse ein gelber, als nekobasu (Katzenbus) angemalter Bus auf die Gäste des Museums wartete. Eine perfekte Einstimmung auf das Museum, sozusagen. Nach kurzer Fahrt fanden wir uns schon vor dem Eingang des Museums, das schön in den Inokashira Park eingebettet ist und sich somit, in der Tradition der Filme, in einem tollen natürlichen Umfeld befindet. Es lugt quasi geheimnisvoll zwischen Bäumen hervor.

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Wie ihr sehen könnt, ist das Gebäude ganz und gar nicht alltäglich gestaltet. Als das Museum im Jahr 2001 eröffnet wurde, hatte einer der Gründer von Studio Ghibli, Hayao Miyazaki, ganz bestimmte Vorstellungen von seinem Museum, wie es sein muss und was dort ausgestellt werden soll. Nachlesen kann man das auf der Webseite des Museums. Recht hat der Mann!

Leider ist es nicht erlaubt, im Museum Fotos oder Videoaufnahmen zu machen, aber ich konnte nicht anders und habe mich über das Verbot hinweggesetzt. Die Fotos mache ich mit meiner Uraltkamera, die alles andere als geeignet ist für aus der Hüfte oder unauffällig geschossene Bilder, aber was soll’s…besser als nichts, oder? Zum Museum: das Motto des Museums lautet “Meigo ni narou yo, isshoni.”, was soviel bedeutet wie “Lasst uns gemeinsam zu verlorenen Kinder werden”. Das ist ein zentrales Motiv in vielen Ghibli Filmen, in denen Kindern aus ihrer alltäglichen Welt in eine Welt der Magie, der Fabelwesen, der spirituellen und übernatürlichen Dinge versetzt werden. Mit genau dieser Absicht ist auch das Museum gestaltet worden. Es gibt keinen vorgegebenen Weg, auf dem man durch die Ausstellungen geschleust wird, sondern man erkundet es völlig frei und, was es besonders sympathisch macht, es richtet sich vor allem an die kleinen Besucher, die Kinder. Es kommt des Öfteren vor, dass sich Erwachsene bücken müssen, weil Durchgänge oder Treppen für Kinder gestaltet wurden, nicht für Erwachsene.

This is the Kind of Museum I Want to Make!

A museum that is interesting and which relaxes the soul
A museum where much can be discovered
A museum based on a clear and consistent philosophy
A museum where those seeking enjoyment can enjoy, those seeking to ponder can ponder, and those seeking to feel can feel
A museum that makes you feel more enriched when you leave than when you entered!

To make such a museum, the building must be…
Put together as if it were a film
Not arrogant, magnificent, flamboyant, or suffocating
Quality space where people can feel at home, especially when it’s not crowded
A building that has a warm feel and touch
A building where the breeze and sunlight can freely flow through

Das ist die Philosophie Miyazakis, die hinter dem Museum steht, und die man in soooo vielen kleinen Details finden kann, großartig! Alles ist mit einer derartigen Liebe zum Detail gestaltet worden, dass man unweigerlich lächeln muss, wenn man all wieder etwas aus den unterschiedlichen Filmen entdeckt hat. Überall gibt es kleine Kläppchen, Türchen, Spalten oder Fenster, die nicht zwangsläufig beschriftet sind…man sieht sie und fragt sich, was sich dahinter wohl verbergen mag. Neugier und Entdeckungslust sind hier die Stichwörter. Spielerisch wird hier über die Geschichte des Studio Ghibli, die Filme, über Technik, Animation, Inspirationsquellen und vieles mehr informiert. Das Tolle daran ist, dass es funktioniert! Erwachsene und Kinder staunen gleichermaßen, schauen sich neugierig um und ständig hört man irgendjemanden sagen, wie toll das doch alles sei. Richtig! Alleine der Anblick des großen Plüsch-nekobasu, auf und in dem sich Kinder lachend tummeln, ist den Eintritt wert gewesen. Mir persönlich hat die Ausstellung mit den Räumen, die die Schaffung eines Animationsfilms zeigen sollen, am besten gefallen. Die Räume sollen den Eindruck erwecken, als hätte gerade jemand, der in diesen Räumen lebt und arbeitet, am Schreibtisch gesessen, Tee getrunken und an einer Animation gearbeitet. Überall stehen Bücher, hängen Bilder und Zeichnungen an den Wänden, Modelle von Flugzeugen hängen von der Decke, alte Fotos stehen in Rahmen, von denen der Lack abblättert, auf antiken Möbeln. Man kann alles berühren, die Bücher nehmen und darin blättern, Notizen entdecken, kleine Skizzen, beschriftet in verschiedenen Sprachen, Englisch, Japanisch, Französisch, Italienisch. Pinsel liegen herum, Farbtabellen, wunderschön gezeichnete Storyboards, während daneben ein uralter Projektor eine Endlosanimation eines Pferdes zeigt. Erklärungen sind als Notizen vollkommen in die Umgebung integriert, so dass man nie den Eindruck hat, sich in einem Museum zu befinden, sondern gerade bei jemandem (Miyazaki) zu Hause zu Besuch zu sein und in seiner Wohnung zu stöbern scheint, während man auf eine Tasse Tee wartet.

Hier mal ein paar Eindrücke:

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Genial, oder? Den Kindern macht es auch Spaß!

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Alles wird wunderbar veranschaulicht, greifbar gemacht. Danach gingen wir aufs Dach hinauf, wo wir einen großen Roboter von Laputa gesehen haben.

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Yap! Emi und ich mit Roboter! Weitere Ausstellungen sind z.B. das “Little Louvre”, in dem besonders bekannte Werke im Kleinformat reproduziert wurden und hier ausgestellt werden. Im internen Kino werden Kurzfilme des Studio Ghibli gezeigt, die man nirgendwo sonst sehen kann. Man bekommt beim Eintritt ins Museum eine kleine Eintrittskarte für das interne Kino. Die Karte besteht aus 3 Einzelbildern einer klassischen 35mm Filmrolle, jeweils von unterschiedlichen Ghibli Filmen. Ich hatte 3 Bilder aus Totoro, während Emi 3 Bilder aus dem Abspann von Laputa bekam. Wiederum ein nettes Detail, das aber, mit all den anderen Kleinigkeiten, in der Summe das Gesamterlebnis soooo viel besser macht.

Zu sehen gab es “mei to koneko basu”, “Mei und der Kätzchenbus”. Erzählt wurde die Geschichte von Mei aus “Mein Nachbar Totoro”, die ein Karamelbonbon essen will und dadurch einen kleinen Katzenbus anlockt. Nachts kehrt dieser zurück und nimmt Mei mit auf eine Reise, auf der sie den Vater und Mutter des Kätzchenbus trifft, sowie viele andere… es gibt sogar einen Katzenzug! Sie alle reisen zu einem Ziel, der Katzenbus-Oma, die in ihren Ausmaßen riesig ist und die Passagiere aller anderen Katzenbusse und Züge aufnimmt. Mei gibt auch ihr ein Karamelbonbon, woraufhin alle lachen, weil es der Oma so schmeckt. Am Ende fliegt die Oma mit allen Passagieren in Richtung All davon, während Mei mit dem Kätzchenbus nach Hause zurückkehrt. 13 Minuten voller Magie. Ihr merkt schon, ich bin begeistert gewesen, genau wie Emi-chan und vermutlich der Rest der Besucher auch. Klein, aber fein, das trifft es hier mal wieder ganz gut. Weitere Eindrücke könnt ihr euch in der Galerie anschauen, zudem habe ich noch ein Video von einem famosen Animationskreisel gemacht:

Video: Magie! (10 MB)

Nachdem wir uns alles angeschaut hatten, haben wir noch brav auf einen Platz im Museumscafé gewartet, und auch hier wieder: Liebe zum Detail:

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Tja, was soll ich dazu noch sagen? Wer mal in Tokyo ist und sich für die Filme interessiert, der sollte einen Abstecher machen. Wer sich nicht für die Filme interessiert oder sie noch nicht gesehen hat, der sollte das schleunigst ändern.

Am Abend war dann Abschiedsparty angesagt, und zwar meine eigene. Jo, nachdem ich jetzt über 2 Monate hier war und in der Zwischenzeit z.B. Kayo, Tomoko, Benoit, Toshie, Boat, Lily, Masami, Takeuchi-san, Louie und andere kamen bzw. gingen, werde ich jetzt auch mal zu neuen Abenteuern aufbrechen. Für mich persönlich habe ich den Entschluß getroffen, Ende Juli wieder nach Deutschland zurückzukehren. Obwohl es mir hier gut gefallen hat, möchte ich noch mehr vom Land sehen und werde deshalb am 1.6. erstmal nach Kyoto reisen und dort eine kleine Reunion mit Yvonne starten. Von da aus wird es wohl nach Nara, Osaka und dann zur Familie von Shiho nach Kurose in der Nähe von Hiroshima gehen. Vielleicht reicht die Zeit auch noch für einen Abstecher nach Okinawa, da ich da unbedingt noch hin wollte…Paradies und so :D

Ich muss an dieser Stelle mal ein ganz dickes Lob an die Iijimas loswerden. Die ersten beiden WWOOF Hosts kann ich eigentlich getrost vergessen, denn dort ging es vor allem um eins: billige Arbeitskraft, und zwar meine. Bei Iijimas ist das anders. Extrem freundliche Menschen, die wirklich einen Austausch wollen, die Interesse zeigen, _extrem_ großzügig sind und sich um das Wohlbefinden der Gäste/WWOOFer sorgen. Tausend Dank, Iijima-san! Auf den Fotos des Abschiedsessens ist er nicht zu sehen, weil er momentan im Krankenhaus liegt und sich von einer Schulter-OP erholt.

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Eine in der Zahl stark geschrumpfte Truppe posiert noch mal zum Abschied. Also, den nächsten Eintrag wird es wohl aus Kyoto geben. Freut euch auf Tempelaction ;)

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Miami? Die Erklärung dazu folgt später. Zuerst zu etwas anderem: ich hatte letztens doch scheinbar zu schnell über den Japanischen Straßenverkehr geurteilt und ihn als langweilig abgestempelt…völlig zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte! Auf der Suche nach einer neuen Kamera führte mich mein Weg mit dem Scooter nach Kurihama und danach nach Yokohama, wo ich mich bei Yodobashi Camera, Yamada Denki und anderen Läden nach einer Kamera umsah. Aber in Japan ist es wie in Deutschland. Große Ketten wie Yodobashi oder Yamada sind nicht wirklich günstig, genau wie Saturn oder MediaMarkt bei uns. Mit Internetpreisen können die in keinster Weise mithalten und günstig könnte ich eine Kamera nur in Akihabara bekommen, aber das kostet mich 2000Yen alleine für die Fahrt, also nicht wirklich sinnvoll. Dennoch stellte sich die Reise nach Yokohama als überaus gute Entscheidung heraus, denn auf dem Rückweg nach Miurakaigan geriet ich mitten in den japanischen Feierabendverkehr = Stau. Die Straßen waren voll bis obenhin, aber das ist, wenn man Verkehrsregeln als Vorschläge, nicht als Gesetze auffasst, kein Problem. Andere Japaner auf ihren Rollern bzw. Motorrädern rauschten an mir vorbei, also hängte ich mich hinter die. Mann, was war das für ein Spaß! Mit 8 Leuten jagten wir kreuz und quer durch den Stau…rechts, links, Gegenverkehr, Ampeln - alles unwichtig. Total verrückt…so viele Verkehrsregeln habe ich im ganzen Leben vorher nicht mißachtet. Einer der Japaner ist mit seiner supercoolen Zweitakt-Honda-NSR so geil abgegangen - und hat dabei noch ne Kippe geraucht und mit einer Hand gelenkt hahaha. Jaja, total dumm und nicht lustig, diese Sache. Aber der ein oder andere wird das nachvollziehen können ;)

So, nun zu Miami! Ich war natürlich nicht in Miami, sondern nur auf Enoshima, eine kleine Insel in der Nähe von Fujisawa. Von sich selbst behauptet die Gemeinde Fujisawa, die als Partnerstadt Miami hat, selbiger stark zu ähneln, vor allem, was die Atmosphäre betrifft. Ich war bisher noch nicht in Miami, aber ich wage das einfach mal sehr, sehr stark zu bezweifeln. Fujisawa ist eine nette Stadt an der Küste, mit vielen kleinen Cafes entlang der Küstenstraße, aber mehr auch nicht. Dennoch verschlägt es jedes Jahr circa. 8 Millionen Touristen nach Fujisawa bzw. Enoshima. 1995 waren es wohl schon mal 13 Millionen und die Zahl der Touristen sinkt weiter. Ich kann den Grund dafür verstehen. Enoshima ist eine nette, sehr kleine Insel, die im Wesentlichen aus einer Schreinanlage besteht, sowie weiteren Attraktionen wie Aussichtsturm, botanischer Garten und vielen kleinen Restaurants bzw. Souvenirshops. Über die Schönheit der Insel kann man durchaus geteilter Meinung sein, besonders wenn man an einem Wochenende dorthin kommt. Wenn man sich als Autofahrer durch den Stau gekämpft hat und den Weg über die 600 Meter lange Brücke, die Fujisawa und Enoshima verbindet, gefunden hat, vergeblich nach einem Parkplatz gesucht hat und wieder zurück über die Brücke gefahren ist, dann kann man sich in das Getümmel stürzen. So sieht der Eingang zu dem Schreingelände aus:

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Ups. Ich hatte wohl nicht als einziger die Idee, am Wochenende hierher zu kommen.

Wohlan, rein ins Getümmel! Der Weg zur Schreinanlage führt einige steile Treppen hinauf, weshalb hier drei Rolltreppen gebaut wurden, die die Landschaft schön verunstalten. Verrückt, eine Anlage so zu verschandeln und dann auch noch 300Yen für die Benutzung der Rolltreppen zu verlangen, aber lange nicht so verrückt, wie diese auch zu benutzen, was die Mehrzahl der Leute tat! Egal, ich nahm die Treppe und kam dabei auf den Gedanken, dass bei der Errichtung des Schreins im Jahr 853 und bei dessen weiteren Ausbau nicht an die Mode unserer Zeit gedacht wurde. Man möge es mir verzeihen, aber sommerliche Temperaturen und steile Treppen = pants galore :) Ich habe den Verdacht, dass der ein oder andere Japaner deshalb länger an den Treppen verweilte als unbedingt notwendig.

Der Schrein selbst besteht aus 3 einzelnen Schreinen. Wer mehr über den Schrein erfahren möchte, der sollte hier nachlesen. Der wichtigste Teil ist der Hetsunomiya-Schrein, in dem die Göttin Benten (oder auch Benzaiten) verehrt wird. Es gibt 3 besonders wichtige Benten Schreine in Japan, dies ist einer davon. Verliebte schreiben hier ema, um für gemeinsames Glück zu beten.

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Hetsunomiya und ema in selbigem.

Die anderen zwei Schreine gestalten sich relativ unspektakulär. Die anderen Attraktionen, wie z.B. der Aussichtsturm, sind zwar okay, aber 500Yen Eintritt für den Turm und den kleinen Garten, der ihn umgibt, sind zu viel, außerdem wirkt der Turm, der mich an die dreibeinigen Herrscher (ich meine nicht Männer im Allgemeinen) denken ließ, völlig deplatziert auf der Insel. Überhaupt hält sich die landschaftliche Schönheit in Grenzen, zu industrialisiert und von Touristikindustrie beeinflusst wirkt das Ganze. Was soll’s, das Wetter war schön und eine tolle Besonderheit hat die Insel doch zu bieten.

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Der Aussichtsturm und darunter eine Aussicht auf Fujisawa.

Wie Miami sieht das wohl nicht aus. Aber zu der Besonderheit. Der Legende nach wurde Enoshima wie folgt geschaffen: Ein fünfköpfiger Drache lebte einst in den bodenlösen Sümpfen der Region um Fukusaka, Kamakura, und terrorisierte die Bewohner. Dieser Ort wurde von den Einwohnern “Koshigoe” genannt, weil der Drache ihre Kinder stahl. Dichte Wolken umgaben “Koshigoe”, die Erde bebte ständig. Eines Tages erschien ein himmlisches Geschöpf, eine Göttin, woraufhin sich die Wolken lichteten und eine Insel erschien, Enoshima. Der Drache verliebte sich in die Göttin und machte ihr den Hof, aber sie lehnte ab, da er in der Vergangenheit so viel Schlechtes getan hatte. Daraufhin änderte der Drache sich und tat fortan Gutes, bis er Erfolg bei der Göttin hatte und ewige Liebe die beiden verband.

Romantisch, ne? Aus diesem Grund hat die Gemeinde Fujisawa eine Glocke errichtet, die an diese Legende erinnern soll. Für Verliebte ist dies ein Ort, an dem man ein Schloß aufhängt, auf das man die Namen schreibt, gemeinsam die Glocke läutet und somit die eigene Liebe auf ewig hält. Tausende Schlösser hängen überall auf der Insel, die meisten natürlich um die Glocke herum. Man kann sogar seinen Namen auf einer Plakette verewigen lassen.

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Die Drachenglocke und Schlösser.

Zum Abschluß des Tages relaxte ich noch an der Küste von Enoshima, wo sich viele Leute tummeln und die Aussicht genießen, etwas trinken, angeln oder einfach nur - wie ich - andere Leute anschauen.

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Jo, das war Enoshima. Für einen Tagesausflug, wenn man in der Nähe wohnt, ist es empfehlenswert. Eine weite Anreise lohnt dafür aber eher nicht und schon gar nicht mit dem Auto, wie der endlose Stau auf der zweispurigen Küstenstraße zeigte. Weitere Eindrücke gibt es in der Galerie zu sehen, vor allem lustige Warnschilder mit Tieren :)

Ach ja, eins noch am Rande. Das beste Bier, das ich bisher in Japan getrunken habe, ist Enoshima Bier! 650Yen kostet die Flasche, aber dafür ist es auch meilenweit von den gräßlichen happoshus entfernt. Sehr lecker! Dazu einen takosenbei, eine Art Esspapier mit plattgepressten Oktopus darin, und schon hat man ein Abendessen.

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Ich hätte nicht gedacht, dass ich das sagen würde, aber: lecker!

Ich musste das kaufen, weil die Zubereitung so lustig aussah. Die Leute, die in der Bude gearbeitet haben, haben einen toughen Job. Man gießt etwas Teig auf eine flache Heizplatte, legt zwei Oktopussies (hahaha) rein, dann wird eine andere Heizplatte wie bei einem Waffeleisen darauf gedrückt und mit ganz viel Kraft zusammengeschraubt. Daraufhin wird noch Druckluft hineingepresst, wodurch der Teig “fluffig” gemacht wird, aber auch gleichzeitig so richtig die Fetzen fliegen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die gesamte Bude, die Leute, alles hinter dem Tresen war von Teig und Oktopusfetzen übersät! Aus diesem Grund waren die Wände, Möbel etc. mit Wegwerffolien überzogen und die Angestellten trugen wohl wasserdichte Klamotten. Nichtsdestotrotz wage ich zu bezweifeln, dass man den Oktopusgeruch am Abend noch irgendwie loswird, oder dass die Bude jemals einen Nachmieter haben wird. Da hilft nur noch Brandrodung. Aber Achtung, denn viele Warnschilder weisen darauf hin:

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Waldbrandgefahr!

In diesem Sinne:

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Sommerliche Grüße!

P.S.: Kurze Zeit später gab es hier einen Taifun. Das war interessant und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich wirklich Respekt vor einer Naturgewalt, dabei war es nur ein kleiner Taifun und nicht ein Monster wie z.B. Nargis über Burma.

Miami?

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Huch, keine Fotos? Um es vorweg zu nehmen: die wird es vorerst nicht mehr geben, denn ich Trottel habe es geschafft, meine wunderschöne Kamera zu vertanzen…ja, wieder ist etwas verlustig gegangen, dieses Mal leider meine Kamera. Da fällt mir nur ein:

 

Facepalm! Alt, aber treffend. Wahlweise auch ein beliebiges anderes.

Wie kann man so bescheuert sein? Ich hatte schon am Anfang ein ungutes Gefühl mit der Kamera in der Tasche, da die Kamera zierlich in ihren Ausmaßen ist. Fuck, nun ist es passiert. Das ist nicht nur wegen des Geldes schade, sondern auch wegen der Bilder und Videos, die ich gemacht und euch gerne gezeigt hätte. Wer es beim Titel schon erahnt hat…ich habe mich erneut in das Nachtleben Tokyos gestürzt und einen Club besucht, in dem eine Psytrance Party angekündigt war. Der Abend fing toll an, denn ich habe in einem Supermarkt im Bahnhof Shinagawa eine Ecke mit deutschen Bieren entdeckt und mir ein Gaffel, sowie ein Warsteiner gegönnt. Ach herrlich, das war mal eine willkommene Abwechslung zu den abscheulichen happoshus, die ich davor getrunken hatte – und von denen ich keine Bilder mehr habe :)

Zum Club: den habe ich erst gar nicht gefunden, befindet sich der Eingang doch in einem unscheinbaren Hochhausfoyer, zusammen mit Namensschildern diverser Firmenbüros. Der Club ist tatsächlich im 6. Stock eines Hochhauses! Umso mehr war ich überrascht, als sich der Aufzug im 6. Stock öffnete und ich mich in einem plüschigen, 70er Jahre, aber auch irgendwie futuristisch anmutenden Eingangsbereich wiederfand. Rein ins Vergnügen, wie immer sehr nette Leute und der Türsteher freute sich umso mehr, als ich im das Bier, das er bei der Kontrolle übersehen hatte, zur Verköstigung schenkte. Der Stil des Eingangsbereiches setzte sich im Innern fort. Der Club hatte 3 Etagen, mit einer Bühne und Tanzebene im unteren Bereich, einer Empore mit superbequemen Sesseln und Sofas im gleichen Stockwerk wie der Eingangsbereich, und einer weiteren Empore mit Bar im „dritten Stock“. Vielleicht war das früher mal ein Theater oder ein altes Kino, auf jeden Fall gefiel es mir hier auf Anhieb, weshalb ich auch begeistert Fotos machte. Es waren nur wenige Leute da, aber ich war auch ziemlich früh dran. Zum Glück kann ich nur sagen, denn „Cozy“, der erste DJ, legte so ein endgeiles Set auf, der absolute Wahnsinn. Zum Glück machte der seinem Namen nicht alle Ehre, denn wenn ich aus 5 GB Darkpsy und dunkel angehauchtem Full-On meine besten Tracks raussuchen würde, dann käme das nicht annähernd an das Set heran, das Cozy auflegte. Die Leute von Yabai Records haben es einfach drauf, wie, direkt im Anschluss an Cozy, B-55 erneut unter Beweis stellte. B-55 habe ich ja schon auf dem Nagisa gesehen, und auch wenn sein Set zu einem großen Teil dem des Nagisas glich, war es wieder super! Der Laden füllte sich merklich und die Stimmung war bestens, das Publikum bunt gemischt und wild tanzend. Soweit, so gut. Weiter ging es mit DJ Yuko, der mir nicht bekannt war, aber alleine dafür, dass er mein Lieblingslied von Absolum, sowie Phyx und Penta spielte, gebührt ihm mein ewiger Dank. Als nächstes war Mad Hatter an der Reihe, ein Brasilianer, und da fing der Abend an, merkwürdig zu werden. Zuerst bemerkte ich den Verlust der Kamera, was mich für kurze Zeit ob meiner eigenen Dummheit unfassbar wütend werden ließ. Als ich mich wieder beruhigt hatte und wieder tanzte, rempelte mich ein kleiner Japaner an, wobei ich mir nichts dachte. Der kam aber wieder und wollte allen Ernstes eine Prügelei anfangen, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht habe ich mich zu lange mit einem Mädel unterhalten, auf das er ein Auge geworfen hatte. Auf jeden Fall nahm er mit theatralischer Geste seine Sonnenbrille ab – wohl ein Zeichen dafür, dass er jetzt bereit war oder so haha. Die Sonnenbrille hätte er lieber auf der Nase lassen sollen, denn so konnte jeder in den weit aufgerissenen Augen sehen, dass der Junge nicht nur durch Luft und Liebe so „gut“ drauf kam. Wie dem auch sei, meine Wut kehrte gerade wie Phönix aus der Asche zurück, mindestens ebenso heiß lodernd. Schon erschien ein Schwarm seiner Freunde, die mich sehr höflich darum baten, doch ein Stückchen von dem Typen wegzugehen. Der Freundlichkeit der jungen Menschen und dem guten Aussehen der beschwichtigend auf mich einredenden Japanerin hat es der Typ zu verdanken, dass er den Abend nicht als Fantastic-Four-Reed-Richards-lookalike mit verbogenen Gliedmaßen beendet hat. Mal ehrlich, das war kein Russe auf Tilidin und auch nicht der Standard Violent Dancer Muskelatze aus dem Hardcoremetier, sondern ein Wicht, dem die Drogen vorgaukelten, mehr zu sein als er war/ist.

Zurück zur Musik und zum weiteren Verlauf bzw. Ende des Abends. Mad Hatter und vor allem der nächste Act, Last Men Standing, ein Duo aus Ibiza, spielten das, was ich bisher noch nicht so gehört hatte und über das ich bisher nur in Foren gelesen hatte: Full-On-Pop. Konnte ich die Kritik vieler Leute in Foren bis dahin nicht nachvollziehen, ab da konnte ich es. Immer der ewig gleiche Beat mit billigen Melodien, ohne wirkliche Innovation und, noch viel schlimmer, Abwechslung. Die Menge sah das anders und feierte 2,5 Stunden lang ab, was das Zeug hielt. Mir hat das nicht so richtig gefallen. Um Punkt 6 Uhr war Schluss, wie immer in Japan bei solchen Partys. Die offizielle After-Party in einem Club in Shinjuku wollte ich mir deshalb auch nicht geben, trotz der drängenden Aufforderung der japanischen „Party-Freunde“…ein „special set“ der Last Men Standing hat mich alles andere als gereizt. In der Yamanote-Linie folgte die obligatorische Verschlaf-Runde, soll heißen: Shinagawa verpennt, ein Mal im Kreis durch Tokyo gefahren und es dann beim nächsten Versuch geschafft, wach zu sein. So gegen 10 Uhr kam ich wieder in Miurakaigan an. Wieder einmal schmeckte McDonalds so gut wie noch nie zuvor. Heiße Cheeseburger helfen über einiges hinweg, so zu dem Zeitpunkt auch über den Ärger mit der Kamera. Außerdem ist ein ordentliches food coma beste Vorbereitung für einen regenerierenden Schlaf, den ich auch dringend nötig hatte. In diesem Sinne: gute Nacht.

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