Archiv für 11. Mai 2008

Huch, keine Fotos? Um es vorweg zu nehmen: die wird es vorerst nicht mehr geben, denn ich Trottel habe es geschafft, meine wunderschöne Kamera zu vertanzen…ja, wieder ist etwas verlustig gegangen, dieses Mal leider meine Kamera. Da fällt mir nur ein:

 

Facepalm! Alt, aber treffend. Wahlweise auch ein beliebiges anderes.

Wie kann man so bescheuert sein? Ich hatte schon am Anfang ein ungutes Gefühl mit der Kamera in der Tasche, da die Kamera zierlich in ihren Ausmaßen ist. Fuck, nun ist es passiert. Das ist nicht nur wegen des Geldes schade, sondern auch wegen der Bilder und Videos, die ich gemacht und euch gerne gezeigt hätte. Wer es beim Titel schon erahnt hat…ich habe mich erneut in das Nachtleben Tokyos gestürzt und einen Club besucht, in dem eine Psytrance Party angekündigt war. Der Abend fing toll an, denn ich habe in einem Supermarkt im Bahnhof Shinagawa eine Ecke mit deutschen Bieren entdeckt und mir ein Gaffel, sowie ein Warsteiner gegönnt. Ach herrlich, das war mal eine willkommene Abwechslung zu den abscheulichen happoshus, die ich davor getrunken hatte – und von denen ich keine Bilder mehr habe :)

Zum Club: den habe ich erst gar nicht gefunden, befindet sich der Eingang doch in einem unscheinbaren Hochhausfoyer, zusammen mit Namensschildern diverser Firmenbüros. Der Club ist tatsächlich im 6. Stock eines Hochhauses! Umso mehr war ich überrascht, als sich der Aufzug im 6. Stock öffnete und ich mich in einem plüschigen, 70er Jahre, aber auch irgendwie futuristisch anmutenden Eingangsbereich wiederfand. Rein ins Vergnügen, wie immer sehr nette Leute und der Türsteher freute sich umso mehr, als ich im das Bier, das er bei der Kontrolle übersehen hatte, zur Verköstigung schenkte. Der Stil des Eingangsbereiches setzte sich im Innern fort. Der Club hatte 3 Etagen, mit einer Bühne und Tanzebene im unteren Bereich, einer Empore mit superbequemen Sesseln und Sofas im gleichen Stockwerk wie der Eingangsbereich, und einer weiteren Empore mit Bar im „dritten Stock“. Vielleicht war das früher mal ein Theater oder ein altes Kino, auf jeden Fall gefiel es mir hier auf Anhieb, weshalb ich auch begeistert Fotos machte. Es waren nur wenige Leute da, aber ich war auch ziemlich früh dran. Zum Glück kann ich nur sagen, denn „Cozy“, der erste DJ, legte so ein endgeiles Set auf, der absolute Wahnsinn. Zum Glück machte der seinem Namen nicht alle Ehre, denn wenn ich aus 5 GB Darkpsy und dunkel angehauchtem Full-On meine besten Tracks raussuchen würde, dann käme das nicht annähernd an das Set heran, das Cozy auflegte. Die Leute von Yabai Records haben es einfach drauf, wie, direkt im Anschluss an Cozy, B-55 erneut unter Beweis stellte. B-55 habe ich ja schon auf dem Nagisa gesehen, und auch wenn sein Set zu einem großen Teil dem des Nagisas glich, war es wieder super! Der Laden füllte sich merklich und die Stimmung war bestens, das Publikum bunt gemischt und wild tanzend. Soweit, so gut. Weiter ging es mit DJ Yuko, der mir nicht bekannt war, aber alleine dafür, dass er mein Lieblingslied von Absolum, sowie Phyx und Penta spielte, gebührt ihm mein ewiger Dank. Als nächstes war Mad Hatter an der Reihe, ein Brasilianer, und da fing der Abend an, merkwürdig zu werden. Zuerst bemerkte ich den Verlust der Kamera, was mich für kurze Zeit ob meiner eigenen Dummheit unfassbar wütend werden ließ. Als ich mich wieder beruhigt hatte und wieder tanzte, rempelte mich ein kleiner Japaner an, wobei ich mir nichts dachte. Der kam aber wieder und wollte allen Ernstes eine Prügelei anfangen, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht habe ich mich zu lange mit einem Mädel unterhalten, auf das er ein Auge geworfen hatte. Auf jeden Fall nahm er mit theatralischer Geste seine Sonnenbrille ab – wohl ein Zeichen dafür, dass er jetzt bereit war oder so haha. Die Sonnenbrille hätte er lieber auf der Nase lassen sollen, denn so konnte jeder in den weit aufgerissenen Augen sehen, dass der Junge nicht nur durch Luft und Liebe so „gut“ drauf kam. Wie dem auch sei, meine Wut kehrte gerade wie Phönix aus der Asche zurück, mindestens ebenso heiß lodernd. Schon erschien ein Schwarm seiner Freunde, die mich sehr höflich darum baten, doch ein Stückchen von dem Typen wegzugehen. Der Freundlichkeit der jungen Menschen und dem guten Aussehen der beschwichtigend auf mich einredenden Japanerin hat es der Typ zu verdanken, dass er den Abend nicht als Fantastic-Four-Reed-Richards-lookalike mit verbogenen Gliedmaßen beendet hat. Mal ehrlich, das war kein Russe auf Tilidin und auch nicht der Standard Violent Dancer Muskelatze aus dem Hardcoremetier, sondern ein Wicht, dem die Drogen vorgaukelten, mehr zu sein als er war/ist.

Zurück zur Musik und zum weiteren Verlauf bzw. Ende des Abends. Mad Hatter und vor allem der nächste Act, Last Men Standing, ein Duo aus Ibiza, spielten das, was ich bisher noch nicht so gehört hatte und über das ich bisher nur in Foren gelesen hatte: Full-On-Pop. Konnte ich die Kritik vieler Leute in Foren bis dahin nicht nachvollziehen, ab da konnte ich es. Immer der ewig gleiche Beat mit billigen Melodien, ohne wirkliche Innovation und, noch viel schlimmer, Abwechslung. Die Menge sah das anders und feierte 2,5 Stunden lang ab, was das Zeug hielt. Mir hat das nicht so richtig gefallen. Um Punkt 6 Uhr war Schluss, wie immer in Japan bei solchen Partys. Die offizielle After-Party in einem Club in Shinjuku wollte ich mir deshalb auch nicht geben, trotz der drängenden Aufforderung der japanischen „Party-Freunde“…ein „special set“ der Last Men Standing hat mich alles andere als gereizt. In der Yamanote-Linie folgte die obligatorische Verschlaf-Runde, soll heißen: Shinagawa verpennt, ein Mal im Kreis durch Tokyo gefahren und es dann beim nächsten Versuch geschafft, wach zu sein. So gegen 10 Uhr kam ich wieder in Miurakaigan an. Wieder einmal schmeckte McDonalds so gut wie noch nie zuvor. Heiße Cheeseburger helfen über einiges hinweg, so zu dem Zeitpunkt auch über den Ärger mit der Kamera. Außerdem ist ein ordentliches food coma beste Vorbereitung für einen regenerierenden Schlaf, den ich auch dringend nötig hatte. In diesem Sinne: gute Nacht.

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