Miami? Die Erklärung dazu folgt später. Zuerst zu etwas anderem: ich hatte letztens doch scheinbar zu schnell über den Japanischen Straßenverkehr geurteilt und ihn als langweilig abgestempelt…völlig zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte! Auf der Suche nach einer neuen Kamera führte mich mein Weg mit dem Scooter nach Kurihama und danach nach Yokohama, wo ich mich bei Yodobashi Camera, Yamada Denki und anderen Läden nach einer Kamera umsah. Aber in Japan ist es wie in Deutschland. Große Ketten wie Yodobashi oder Yamada sind nicht wirklich günstig, genau wie Saturn oder MediaMarkt bei uns. Mit Internetpreisen können die in keinster Weise mithalten und günstig könnte ich eine Kamera nur in Akihabara bekommen, aber das kostet mich 2000Yen alleine für die Fahrt, also nicht wirklich sinnvoll. Dennoch stellte sich die Reise nach Yokohama als überaus gute Entscheidung heraus, denn auf dem Rückweg nach Miurakaigan geriet ich mitten in den japanischen Feierabendverkehr = Stau. Die Straßen waren voll bis obenhin, aber das ist, wenn man Verkehrsregeln als Vorschläge, nicht als Gesetze auffasst, kein Problem. Andere Japaner auf ihren Rollern bzw. Motorrädern rauschten an mir vorbei, also hängte ich mich hinter die. Mann, was war das für ein Spaß! Mit 8 Leuten jagten wir kreuz und quer durch den Stau…rechts, links, Gegenverkehr, Ampeln - alles unwichtig. Total verrückt…so viele Verkehrsregeln habe ich im ganzen Leben vorher nicht mißachtet. Einer der Japaner ist mit seiner supercoolen Zweitakt-Honda-NSR so geil abgegangen - und hat dabei noch ne Kippe geraucht und mit einer Hand gelenkt hahaha. Jaja, total dumm und nicht lustig, diese Sache. Aber der ein oder andere wird das nachvollziehen können ;)

So, nun zu Miami! Ich war natürlich nicht in Miami, sondern nur auf Enoshima, eine kleine Insel in der Nähe von Fujisawa. Von sich selbst behauptet die Gemeinde Fujisawa, die als Partnerstadt Miami hat, selbiger stark zu ähneln, vor allem, was die Atmosphäre betrifft. Ich war bisher noch nicht in Miami, aber ich wage das einfach mal sehr, sehr stark zu bezweifeln. Fujisawa ist eine nette Stadt an der Küste, mit vielen kleinen Cafes entlang der Küstenstraße, aber mehr auch nicht. Dennoch verschlägt es jedes Jahr circa. 8 Millionen Touristen nach Fujisawa bzw. Enoshima. 1995 waren es wohl schon mal 13 Millionen und die Zahl der Touristen sinkt weiter. Ich kann den Grund dafür verstehen. Enoshima ist eine nette, sehr kleine Insel, die im Wesentlichen aus einer Schreinanlage besteht, sowie weiteren Attraktionen wie Aussichtsturm, botanischer Garten und vielen kleinen Restaurants bzw. Souvenirshops. Über die Schönheit der Insel kann man durchaus geteilter Meinung sein, besonders wenn man an einem Wochenende dorthin kommt. Wenn man sich als Autofahrer durch den Stau gekämpft hat und den Weg über die 600 Meter lange Brücke, die Fujisawa und Enoshima verbindet, gefunden hat, vergeblich nach einem Parkplatz gesucht hat und wieder zurück über die Brücke gefahren ist, dann kann man sich in das Getümmel stürzen. So sieht der Eingang zu dem Schreingelände aus:

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Ups. Ich hatte wohl nicht als einziger die Idee, am Wochenende hierher zu kommen.

Wohlan, rein ins Getümmel! Der Weg zur Schreinanlage führt einige steile Treppen hinauf, weshalb hier drei Rolltreppen gebaut wurden, die die Landschaft schön verunstalten. Verrückt, eine Anlage so zu verschandeln und dann auch noch 300Yen für die Benutzung der Rolltreppen zu verlangen, aber lange nicht so verrückt, wie diese auch zu benutzen, was die Mehrzahl der Leute tat! Egal, ich nahm die Treppe und kam dabei auf den Gedanken, dass bei der Errichtung des Schreins im Jahr 853 und bei dessen weiteren Ausbau nicht an die Mode unserer Zeit gedacht wurde. Man möge es mir verzeihen, aber sommerliche Temperaturen und steile Treppen = pants galore :) Ich habe den Verdacht, dass der ein oder andere Japaner deshalb länger an den Treppen verweilte als unbedingt notwendig.

Der Schrein selbst besteht aus 3 einzelnen Schreinen. Wer mehr über den Schrein erfahren möchte, der sollte hier nachlesen. Der wichtigste Teil ist der Hetsunomiya-Schrein, in dem die Göttin Benten (oder auch Benzaiten) verehrt wird. Es gibt 3 besonders wichtige Benten Schreine in Japan, dies ist einer davon. Verliebte schreiben hier ema, um für gemeinsames Glück zu beten.

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Hetsunomiya und ema in selbigem.

Die anderen zwei Schreine gestalten sich relativ unspektakulär. Die anderen Attraktionen, wie z.B. der Aussichtsturm, sind zwar okay, aber 500Yen Eintritt für den Turm und den kleinen Garten, der ihn umgibt, sind zu viel, außerdem wirkt der Turm, der mich an die dreibeinigen Herrscher (ich meine nicht Männer im Allgemeinen) denken ließ, völlig deplatziert auf der Insel. Überhaupt hält sich die landschaftliche Schönheit in Grenzen, zu industrialisiert und von Touristikindustrie beeinflusst wirkt das Ganze. Was soll’s, das Wetter war schön und eine tolle Besonderheit hat die Insel doch zu bieten.

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Der Aussichtsturm und darunter eine Aussicht auf Fujisawa.

Wie Miami sieht das wohl nicht aus. Aber zu der Besonderheit. Der Legende nach wurde Enoshima wie folgt geschaffen: Ein fünfköpfiger Drache lebte einst in den bodenlösen Sümpfen der Region um Fukusaka, Kamakura, und terrorisierte die Bewohner. Dieser Ort wurde von den Einwohnern “Koshigoe” genannt, weil der Drache ihre Kinder stahl. Dichte Wolken umgaben “Koshigoe”, die Erde bebte ständig. Eines Tages erschien ein himmlisches Geschöpf, eine Göttin, woraufhin sich die Wolken lichteten und eine Insel erschien, Enoshima. Der Drache verliebte sich in die Göttin und machte ihr den Hof, aber sie lehnte ab, da er in der Vergangenheit so viel Schlechtes getan hatte. Daraufhin änderte der Drache sich und tat fortan Gutes, bis er Erfolg bei der Göttin hatte und ewige Liebe die beiden verband.

Romantisch, ne? Aus diesem Grund hat die Gemeinde Fujisawa eine Glocke errichtet, die an diese Legende erinnern soll. Für Verliebte ist dies ein Ort, an dem man ein Schloß aufhängt, auf das man die Namen schreibt, gemeinsam die Glocke läutet und somit die eigene Liebe auf ewig hält. Tausende Schlösser hängen überall auf der Insel, die meisten natürlich um die Glocke herum. Man kann sogar seinen Namen auf einer Plakette verewigen lassen.

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Die Drachenglocke und Schlösser.

Zum Abschluß des Tages relaxte ich noch an der Küste von Enoshima, wo sich viele Leute tummeln und die Aussicht genießen, etwas trinken, angeln oder einfach nur - wie ich - andere Leute anschauen.

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Jo, das war Enoshima. Für einen Tagesausflug, wenn man in der Nähe wohnt, ist es empfehlenswert. Eine weite Anreise lohnt dafür aber eher nicht und schon gar nicht mit dem Auto, wie der endlose Stau auf der zweispurigen Küstenstraße zeigte. Weitere Eindrücke gibt es in der Galerie zu sehen, vor allem lustige Warnschilder mit Tieren :)

Ach ja, eins noch am Rande. Das beste Bier, das ich bisher in Japan getrunken habe, ist Enoshima Bier! 650Yen kostet die Flasche, aber dafür ist es auch meilenweit von den gräßlichen happoshus entfernt. Sehr lecker! Dazu einen takosenbei, eine Art Esspapier mit plattgepressten Oktopus darin, und schon hat man ein Abendessen.

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Ich hätte nicht gedacht, dass ich das sagen würde, aber: lecker!

Ich musste das kaufen, weil die Zubereitung so lustig aussah. Die Leute, die in der Bude gearbeitet haben, haben einen toughen Job. Man gießt etwas Teig auf eine flache Heizplatte, legt zwei Oktopussies (hahaha) rein, dann wird eine andere Heizplatte wie bei einem Waffeleisen darauf gedrückt und mit ganz viel Kraft zusammengeschraubt. Daraufhin wird noch Druckluft hineingepresst, wodurch der Teig “fluffig” gemacht wird, aber auch gleichzeitig so richtig die Fetzen fliegen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die gesamte Bude, die Leute, alles hinter dem Tresen war von Teig und Oktopusfetzen übersät! Aus diesem Grund waren die Wände, Möbel etc. mit Wegwerffolien überzogen und die Angestellten trugen wohl wasserdichte Klamotten. Nichtsdestotrotz wage ich zu bezweifeln, dass man den Oktopusgeruch am Abend noch irgendwie loswird, oder dass die Bude jemals einen Nachmieter haben wird. Da hilft nur noch Brandrodung. Aber Achtung, denn viele Warnschilder weisen darauf hin:

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Waldbrandgefahr!

In diesem Sinne:

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Sommerliche Grüße!

P.S.: Kurze Zeit später gab es hier einen Taifun. Das war interessant und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich wirklich Respekt vor einer Naturgewalt, dabei war es nur ein kleiner Taifun und nicht ein Monster wie z.B. Nargis über Burma.

Miami?

47 Fotos

6 Antworten zu “Miami?”
  1. surfschwede sagt:

    Takosenbei….. pfff, das krieg doch jeder runter. Do it oldboy like !!! :)

    Ich warte auf entsprechende Fotos ;)

    Hau rein.

  2. admin sagt:

    Habe ich natürlich gemacht. Mein takosenbei wurde so zubereitet: ich habe den Teig und den Oktopus in den Mund genommen, dann einen Fön verschluckt und dazu die Pressluftflasche wie der weiße Hai rein ins Maul. Strom ein, die Alte aus dem Laden hat mit ihrer Flinte die Pressluftflasche zerschossen und fertig war mein takosenbei. Leider konnte ich die Kamera dabei nicht mehr halten, sonst gäbe es Fotos. Next time!

  3. hardgainer sagt:

    bwuhahahahahahahahahahaha….. sehr lustig!!! So kennt man dich :-) Und beim nächsten mal hälst du bei dieser Aktion die Kamera, ok? ;-)
    Schön wieder was von dir zu lesen!! Das mißachten von Verkehrsregeln hat dir doch bestimmt spaß gemacht… du alter Hells Angel *lol*

    Auch sehr lustig:
    Ich hatte heute einen Bewerber interviewt, der drei Jahre in Japan gearbeitet und gelebt hat!!
    Durch deine ausführlichen Reiseberichte konnte ich mitreden und kannte mich voll aus :-)))
    Also wiedermal ein lob an dich…geiler Blog ;-)

  4. Jean sagt:

    Hey,
    endlich wieder Bilder inkl. Reisebericht ;-) Dieses Takosenbei sieht echt ein wenig seltsam aus, aber wenn es schmeckt! Nette Geschichte übrigens mit den Typen, welche dieses Teufelszeug herstellen. Das Wetter sieht ja sehr gut bei Dir aus, aber wir sind nicht neidisch, denn hier in Kölle ist die Sonne auch ganz lieb zu uns… schnief ;-)

  5. Hye-Jin sagt:

    Ja, Koreaner und Japaner verstehen sich auch!!!
    Nur ICH PERSÖNLICH mag sie halt nicht!!! :)

    LG Pass auf dich auf!!!

  6. Giraffe sagt:

    OMg, ich seh die Luf auf deinen Fotos stehen…bin in sweet Sydney…love it.
    Komm her, hier kannste auch jap. reden und essen…

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