Märchenland? In letzter Zeit ist hier nicht sonderlich viel passiert…Arbyte halt, ne? An meinem freien Tag habe ich mich dieses Mal auf den Weg nach Mitaka gemacht, ungefähr 20 Minuten mit der Chuo-Linie von Shinjuku aus entfernt. Mitaka? Nie gehört? Ich auch nicht. Aber vielleicht hat der ein oder andere ja schon mal etwas von Studio Ghibli gehört? Nein? Hmm…wie sieht es mit “Nausicaä”, “Prinzessin Mononoke”, “Laputa”, “Mein Nachbar Totoro” aus? Aha, da klingelt also etwas! Richtig, Studio Ghibli zeichnet für die oben genannten und noch weitere Meisterwerke verantwortlich. In Mitaka, Tokyo, befindet sich das Studio Ghibli Museum, “Museo D’Arte Ghibli”.

Zu den Studio Ghibli Filmen will ich an dieser Stelle nicht viel erzählen, außer: schaut sie euch an! Da ich der Magie der Filme verfallen bin, war ein Besuch des Museums selbstverständlich und siehe da, ich bin ausnahmsweise nicht alleine dorthin gereist! JEDER liebt Studio Ghibli Filme, daher wollte Emi, die Oberschülerin, die ab und zu bei Iijimas arbeitet, mich begleiten. Nach zwei Stunden im Zug und dem üblichen Umsteigestress in Yokohama bzw. in Shinjuku, inklusive stickiger Luft im Zug (schwüles Wetter), spuckte mich die Blechschlange in Mitaka aus. Dort traf ich Emi vor dem Bahnhof, wo inmitten der unscheinbaren Busse ein gelber, als nekobasu (Katzenbus) angemalter Bus auf die Gäste des Museums wartete. Eine perfekte Einstimmung auf das Museum, sozusagen. Nach kurzer Fahrt fanden wir uns schon vor dem Eingang des Museums, das schön in den Inokashira Park eingebettet ist und sich somit, in der Tradition der Filme, in einem tollen natürlichen Umfeld befindet. Es lugt quasi geheimnisvoll zwischen Bäumen hervor.

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Wie ihr sehen könnt, ist das Gebäude ganz und gar nicht alltäglich gestaltet. Als das Museum im Jahr 2001 eröffnet wurde, hatte einer der Gründer von Studio Ghibli, Hayao Miyazaki, ganz bestimmte Vorstellungen von seinem Museum, wie es sein muss und was dort ausgestellt werden soll. Nachlesen kann man das auf der Webseite des Museums. Recht hat der Mann!

Leider ist es nicht erlaubt, im Museum Fotos oder Videoaufnahmen zu machen, aber ich konnte nicht anders und habe mich über das Verbot hinweggesetzt. Die Fotos mache ich mit meiner Uraltkamera, die alles andere als geeignet ist für aus der Hüfte oder unauffällig geschossene Bilder, aber was soll’s…besser als nichts, oder? Zum Museum: das Motto des Museums lautet “Meigo ni narou yo, isshoni.”, was soviel bedeutet wie “Lasst uns gemeinsam zu verlorenen Kinder werden”. Das ist ein zentrales Motiv in vielen Ghibli Filmen, in denen Kindern aus ihrer alltäglichen Welt in eine Welt der Magie, der Fabelwesen, der spirituellen und übernatürlichen Dinge versetzt werden. Mit genau dieser Absicht ist auch das Museum gestaltet worden. Es gibt keinen vorgegebenen Weg, auf dem man durch die Ausstellungen geschleust wird, sondern man erkundet es völlig frei und, was es besonders sympathisch macht, es richtet sich vor allem an die kleinen Besucher, die Kinder. Es kommt des Öfteren vor, dass sich Erwachsene bücken müssen, weil Durchgänge oder Treppen für Kinder gestaltet wurden, nicht für Erwachsene.

This is the Kind of Museum I Want to Make!

A museum that is interesting and which relaxes the soul
A museum where much can be discovered
A museum based on a clear and consistent philosophy
A museum where those seeking enjoyment can enjoy, those seeking to ponder can ponder, and those seeking to feel can feel
A museum that makes you feel more enriched when you leave than when you entered!

To make such a museum, the building must be…
Put together as if it were a film
Not arrogant, magnificent, flamboyant, or suffocating
Quality space where people can feel at home, especially when it’s not crowded
A building that has a warm feel and touch
A building where the breeze and sunlight can freely flow through

Das ist die Philosophie Miyazakis, die hinter dem Museum steht, und die man in soooo vielen kleinen Details finden kann, großartig! Alles ist mit einer derartigen Liebe zum Detail gestaltet worden, dass man unweigerlich lächeln muss, wenn man all wieder etwas aus den unterschiedlichen Filmen entdeckt hat. Überall gibt es kleine Kläppchen, Türchen, Spalten oder Fenster, die nicht zwangsläufig beschriftet sind…man sieht sie und fragt sich, was sich dahinter wohl verbergen mag. Neugier und Entdeckungslust sind hier die Stichwörter. Spielerisch wird hier über die Geschichte des Studio Ghibli, die Filme, über Technik, Animation, Inspirationsquellen und vieles mehr informiert. Das Tolle daran ist, dass es funktioniert! Erwachsene und Kinder staunen gleichermaßen, schauen sich neugierig um und ständig hört man irgendjemanden sagen, wie toll das doch alles sei. Richtig! Alleine der Anblick des großen Plüsch-nekobasu, auf und in dem sich Kinder lachend tummeln, ist den Eintritt wert gewesen. Mir persönlich hat die Ausstellung mit den Räumen, die die Schaffung eines Animationsfilms zeigen sollen, am besten gefallen. Die Räume sollen den Eindruck erwecken, als hätte gerade jemand, der in diesen Räumen lebt und arbeitet, am Schreibtisch gesessen, Tee getrunken und an einer Animation gearbeitet. Überall stehen Bücher, hängen Bilder und Zeichnungen an den Wänden, Modelle von Flugzeugen hängen von der Decke, alte Fotos stehen in Rahmen, von denen der Lack abblättert, auf antiken Möbeln. Man kann alles berühren, die Bücher nehmen und darin blättern, Notizen entdecken, kleine Skizzen, beschriftet in verschiedenen Sprachen, Englisch, Japanisch, Französisch, Italienisch. Pinsel liegen herum, Farbtabellen, wunderschön gezeichnete Storyboards, während daneben ein uralter Projektor eine Endlosanimation eines Pferdes zeigt. Erklärungen sind als Notizen vollkommen in die Umgebung integriert, so dass man nie den Eindruck hat, sich in einem Museum zu befinden, sondern gerade bei jemandem (Miyazaki) zu Hause zu Besuch zu sein und in seiner Wohnung zu stöbern scheint, während man auf eine Tasse Tee wartet.

Hier mal ein paar Eindrücke:

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Genial, oder? Den Kindern macht es auch Spaß!

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Alles wird wunderbar veranschaulicht, greifbar gemacht. Danach gingen wir aufs Dach hinauf, wo wir einen großen Roboter von Laputa gesehen haben.

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Yap! Emi und ich mit Roboter! Weitere Ausstellungen sind z.B. das “Little Louvre”, in dem besonders bekannte Werke im Kleinformat reproduziert wurden und hier ausgestellt werden. Im internen Kino werden Kurzfilme des Studio Ghibli gezeigt, die man nirgendwo sonst sehen kann. Man bekommt beim Eintritt ins Museum eine kleine Eintrittskarte für das interne Kino. Die Karte besteht aus 3 Einzelbildern einer klassischen 35mm Filmrolle, jeweils von unterschiedlichen Ghibli Filmen. Ich hatte 3 Bilder aus Totoro, während Emi 3 Bilder aus dem Abspann von Laputa bekam. Wiederum ein nettes Detail, das aber, mit all den anderen Kleinigkeiten, in der Summe das Gesamterlebnis soooo viel besser macht.

Zu sehen gab es “mei to koneko basu”, “Mei und der Kätzchenbus”. Erzählt wurde die Geschichte von Mei aus “Mein Nachbar Totoro”, die ein Karamelbonbon essen will und dadurch einen kleinen Katzenbus anlockt. Nachts kehrt dieser zurück und nimmt Mei mit auf eine Reise, auf der sie den Vater und Mutter des Kätzchenbus trifft, sowie viele andere… es gibt sogar einen Katzenzug! Sie alle reisen zu einem Ziel, der Katzenbus-Oma, die in ihren Ausmaßen riesig ist und die Passagiere aller anderen Katzenbusse und Züge aufnimmt. Mei gibt auch ihr ein Karamelbonbon, woraufhin alle lachen, weil es der Oma so schmeckt. Am Ende fliegt die Oma mit allen Passagieren in Richtung All davon, während Mei mit dem Kätzchenbus nach Hause zurückkehrt. 13 Minuten voller Magie. Ihr merkt schon, ich bin begeistert gewesen, genau wie Emi-chan und vermutlich der Rest der Besucher auch. Klein, aber fein, das trifft es hier mal wieder ganz gut. Weitere Eindrücke könnt ihr euch in der Galerie anschauen, zudem habe ich noch ein Video von einem famosen Animationskreisel gemacht:

Video: Magie! (10 MB)

Nachdem wir uns alles angeschaut hatten, haben wir noch brav auf einen Platz im Museumscafé gewartet, und auch hier wieder: Liebe zum Detail:

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Tja, was soll ich dazu noch sagen? Wer mal in Tokyo ist und sich für die Filme interessiert, der sollte einen Abstecher machen. Wer sich nicht für die Filme interessiert oder sie noch nicht gesehen hat, der sollte das schleunigst ändern.

Am Abend war dann Abschiedsparty angesagt, und zwar meine eigene. Jo, nachdem ich jetzt über 2 Monate hier war und in der Zwischenzeit z.B. Kayo, Tomoko, Benoit, Toshie, Boat, Lily, Masami, Takeuchi-san, Louie und andere kamen bzw. gingen, werde ich jetzt auch mal zu neuen Abenteuern aufbrechen. Für mich persönlich habe ich den Entschluß getroffen, Ende Juli wieder nach Deutschland zurückzukehren. Obwohl es mir hier gut gefallen hat, möchte ich noch mehr vom Land sehen und werde deshalb am 1.6. erstmal nach Kyoto reisen und dort eine kleine Reunion mit Yvonne starten. Von da aus wird es wohl nach Nara, Osaka und dann zur Familie von Shiho nach Kurose in der Nähe von Hiroshima gehen. Vielleicht reicht die Zeit auch noch für einen Abstecher nach Okinawa, da ich da unbedingt noch hin wollte…Paradies und so :D

Ich muss an dieser Stelle mal ein ganz dickes Lob an die Iijimas loswerden. Die ersten beiden WWOOF Hosts kann ich eigentlich getrost vergessen, denn dort ging es vor allem um eins: billige Arbeitskraft, und zwar meine. Bei Iijimas ist das anders. Extrem freundliche Menschen, die wirklich einen Austausch wollen, die Interesse zeigen, _extrem_ großzügig sind und sich um das Wohlbefinden der Gäste/WWOOFer sorgen. Tausend Dank, Iijima-san! Auf den Fotos des Abschiedsessens ist er nicht zu sehen, weil er momentan im Krankenhaus liegt und sich von einer Schulter-OP erholt.

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Eine in der Zahl stark geschrumpfte Truppe posiert noch mal zum Abschied. Also, den nächsten Eintrag wird es wohl aus Kyoto geben. Freut euch auf Tempelaction ;)

3 Antworten zu “Märchen no kuni”
  1. surfschwede sagt:

    Der Roboter ist cool! Wünsch dir eine gute Reise und viel Spass weiterhin.

  2. admin sagt:

    Danke, du alda Hesse! Bald rocken wir wieder zusammen :D

  3. hardgainer sagt:

    Hey Mozart-san,

    es war schön mal wieder mit dir zu chatten!!!
    Der Robotor ist wirklich seht geil… muss ich mir auch mal einen basteln *lol*
    Wünsche dir eine angenehme weiterreise und pass auf dich auf ;-)

    Grüsse aus Köln
    Jörg

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