Archiv für 3. Juni 2008

Auf auf, weiter geht’s! Kyoto hat viel zu bieten, vor allem an der Tempelfront. Nicht weniger als 17 Stätten mit dem Status des Weltkulturerbe gibt es in Kyoto zu besichtigen. Eine davon, der Nishi Hongan-ji, konnte ich bereits gestern abhaken, für heute hatte ich mir drei weitere vorgenommen. Doch der Reihe nach. Unweit meines ryokan befindet sich der Tempelkomplex des Daitoku-ji, in dem es weitere interessante Subtempel zu besichtigen galt. Insgesamt 22 Subtempel hat der Daitoku-ji, der zu der Schule des Rinzai-Zen gehört. Von den 22 Subtempeln kann man nur die wenigsten besichtigen. Angefangen habe ich mit dem Daisen-in, der als einer der wichtigsten Subtempel gilt. Für mich war er jedoch eine herbe Enttäuschung, da man 500 Yen Eintritt zahlen muss, erst im Tempel darauf hingewiesen wird, dass man keine Fotos machen darf, und der Steingarten, für den der Tempel so berühmt ist, viel von seiner Schönheit eingebüßt hatte. Das Dach des Tempels wurde zu dem Zeitpunkt restauriert, weshalb in dem Steingarten und rings um das Hauptgebäude herum hässliche Stützen von Baugerüsten das Gesamtbild komplett verschandelten. Von Rabatten hatten die Mönche dort auch nichts gehört, wa? Egal, ich habe trotzdem Fotos gemacht, und zwar von den Gärten vor dem Daisen-in und vom Innern der Haupthalle.

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Voller Tatendrang am Morgen. Hier bin ich gerade an einem der Eingänge des Daitoku-ji Tempelkomplexes.

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Einer der Gärten, die sich so am Wegesrand tummeln und nicht mal zu den erwähnenswerten gehören, sprich man zahlt keinen Eintritt.

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Buh! Im Innern der Haupthalle des Daisen-in. Restaurierungsarbeiten durchzuführen und dennoch 500 Yen Eintritt zu verlangen ist nicht nett.

Nach der Enttäuschung namens Daisen-in ging es weiter in Richtung Ryogen-in. Auf dem Weg dorthin konnte ich noch die Hauptgebäude des Daitoku-ji bewundern, von denen mir auf mindestens ebenso wundersame Weise die Fotos abhanden gekommen sind. Macht ja nix…oder doch? Der Ryogen-in war im Gegensatz zum Daisen-in eine Wohltat mit seinen sehr stilvollen Gärten, die zudem auch nicht von Besuchern überrannt waren. Hier ließ es sich ausshalten und deswegen habe ich mir erstmal 15 Minuten Moos angeschaut. Klingt blöd, kann aber wirklich erfrischend (anders) sein.

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Zwei Impressionen aus dem Ryogen-in.

Voller Moos..äh Ruhe im Kopf ging es dann weiter zum Zuiho-in. Tja, welches Wort soll ich verwenden? Wunderschön habe ich schon so oft als Bezeichnung für die Qualitäten der verschiedenen Orte, an denen ich bisher war, verwendet. Aber es trifft nun mal zu…erneut.

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Wenn man sich ein bißchen mit den Details der Zen-Philosophie, die hinter der Art und Weise steht, wie die Tempel und Gärten angelegt wurden, beschäftigt, dann wird man mit netten Einsichten belohnt. Bevor man im Zuiho-in das eigentliche Tor zum Tempel durchschreitet, hat man einen kleinen Eingangsgarten durchquert, durch dessen Wege man insgesamt drei Mal “gedreht” wurde. Damit soll man daran erinnert werden, dass man gereist und nun angekommen ist und man dadurch beim geistigen Schritt von einer äußeren, formalen Welt hin zu einer inneren, spirituellen Welt unterstützt wird. Im Zuiho-in finden sich auch viele Hinweise auf den Einfluß des Christentums, das durch Spanier und Portugiesen in der Mitte des 16. Jh. in Japan bekannt wurde. Der Gründer des Tempels Otomo Sorin, konvertierte damals zum Christentum. Fast wie bei Dan Brown kann man in einem der Gärten, dem Garten des Kreuzes, in den Steinen, die sich dort befinden, ein asymmetrisches Kreuz entdecken, wenn man von der südöstlichen Seite auf den Steingarten schaut. In der Verlängerung der Vertikalachse des “Kreuzes”, hinter dem eigenen Standpunkt, befindet sich eine Steinlaterne, unter der eine Marienstatue vergraben ist. Spannend, oder?

Weil ich mich zu lange dort aufhielt, wurde die Zeit knapp und ich musste mich beeilen, um das angestrebte Programm erfüllen zu können. Den Koto-in ließ ich im wahrsten Sinne des Wortes links liegen, aber am Grab von Murasaki Shikibu, das in einem Hinterhof verborgen lag, habe ich mich unbedingt kurz verbeugen müssen. Danke, Madame, für dieses tolle Buch. Die englische Übersetzung von Seidensticker kann man hier herunterladen. Dieses Jahr ist außerdem das 1000-jährige (!) Jubiläum des Genji Monogatari. Ein guter Zeitpunkt, um sich eine deutsche Übersetzung zu kaufen!

Kultur en masse also in Kyoto, nun aber wieder Weltkultur, besser gesagt Weltkulturerbe. Eines der bekanntesten Fotomotive Japans dürfte mit Sicherheit der goldene Pavillion sein, der Kinkaku. Informell wird der Tempel, in dem er steht, als Kinkaku-ji bezeichnet, aber eigentlich ist es der Rokuon-ji. Haare will ich aber nicht spalten, aber dafür ein paar Fotos rausrücken.

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Ha! Na, wer hat davon schon mal ein Foto gesehen? Der Kinkaku gehört zu den Hauptattraktionen in Kyoto, deshalb werden die Touristen auch mit Muldenkippern herangekarrt.

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Sehr viele Schulklassen wurden hier im Minutentakt an den “scenic spots” vorbeigeschleust. Schnell posiert, ein V gemacht, und weiter ging es im Text. Mit der Truppe hier musste ich posieren, weil die mich kakkoiiiiii, also cool, fanden. Lol. Insgesamt ist der Rokuon-ji eine schöne Anlage, wenn man sich mit den Massen an Touristen arrangieren kann.

Allzu viel Zeit habe ich mir dort aber nicht gegönnt, sondern mich zum Nachbartempel, Ryoan-ji, aufgemacht. Der ist, ebenso wie der Rokuon-ji, Weltkulturerbe und besonders für seinen Steingarten berühmt. Da wurde auch nicht zuviel versprochen, denn der Ryoan-ji war nach dem Fushimi Inari der bisherige Höhepunkt in Kyoto. Solche Orte kann man schlecht beschreiben, man muss eigentlich mal dort gewesen sein und die Atmosphäre in sich aufsaugen. Glücklicherweise waren verhältnismäßig wenige Touristen da, deshalb habe ich dort auch entspannt, mich auf die Holzplanken des Tempels gelegt und den Steingarten angeschaut.

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Bam! Der Ryoan-ji kann einiges! Ich empfehle, entweder morgens früh oder am späten Nachmittag dorthin zu gehen, damit man die Massen an Touristen vermeiden kann und die Atmosphäre des Gartens besser auf sich wirken lassen kann. Weitere Fotos dieses tollen Tempels gibt es in der Galerie. Wer den Witz mit der Pagode versteht, der kann sich getrost zu den guten Menschen auf diesem Planeten zählen.

Durch den längeren Aufenthalt im Ryoan-ji, gepaart mit den nicht touristenfreundlichen Öffnungzeiten buddhistischer Tempel, konnte ich vom Ninna-ji, der ein paar Hundert Meter weiter “die Straße runter” zu finden ist, nur noch das imposante, aber leider geschlossene San-mon fotografieren. Ebenfalls ein Weltkulturerbe, werde ich ihn mir halt an einem anderen Tag anschauen, schließlich habe ich noch ein bissl Zeit.

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Einer der beiden Nio, zwei Könige, die als Wächterfiguren an den Eingängen von vielen buddhistischen Tempeln stehen. Die hätte ich gerne als Freunde.

Für den Rest des Tages machte ich noch einen SEHR ausgedehnten Spaziergang im kaiserlichen Park von Kyoto, der den Kaiserpalast umgibt. Der Park misst immerhin 1,3 x 0,7 Kilometer und ist somit mehr als groß genug, um mal eben mit dem Hündchen Gassi zu gehen. Um die späte Tageszeit war der Park fast menschenleer, nur hier und da verirrte sich mal ein Jogger in das riesige Gelände, oder eine der Polizeistreifen fuhr aufreizend langsam an mir vorbei, wobei ich genau gemustert wurde. Man ist ja schließlich in Alarmbereitschaft wegen des Terrors!

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Das Gelände ist wirklich riesig! Den Palast kann man nur besichtigen, wenn man sich vorher, ähnlich wie in Tokyo, anmeldet und seine persönlichen Daten wie Ausweisnummer usw. angibt. Da hatte ich gerade keine Lust zu, mal abgesehen davon, dass es schon zu spät dafür war. Übrigens hätte selbst der gute alte Snake hier mit seinem Radar arge Probleme, unentdeckt durchzukommen. Das Gelände ist mit Kameras verseucht! Im Park selber kann man prima joggen oder Baseball spielen, Tennisplätze gibt es ebenfalls. Die Tennisplätze waren total überfüllt, aber es war lustig zu sehen, wie die Oberschülerinnen aufhörten zu spielen und kicherten, weil ich am Zaun stand und zuschaute. Jede schickte die nächste vor, dass sie doch spielen möge…hahaha! Kein Witz! Jaja…immer diese Ausländer, ne.

Nach gefühlten 50 km Fußmarsch in Flip-Flops kehrte ich ziemlich platt in mein ryokan zurück.

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Gute Nacht!

Kyoto, Teil 2

49 Fotos

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