Archiv für 4. Juni 2008

Kyoto, Teil 3 = Tempelmarathon, Teil 3. Auch am dritten Tag änderte sich nicht sonderlich viel am grundlegenden Programm für Kyoto, d.h. es war Sightseeing angesagt, und zwar wiederum für den ganzen Tag. Ach, nicht ganz, denn am Morgen regnete es erstmal, weshalb ich erst gegen Mittag losging. Dafür wurde es um so schneller richtig schön schwül, denn Kyoto ist für seine Killerhitze im Sommer berühmt-berüchtigt. Dabei ist es hier noch nicht einmal Sommer, sondern noch japanischer Frühling. Für mich als an deutsches Klima gewöhnten Menschen ist das allerdings schon die reinste Waschküche…ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, wie man noch mal 10-15 Grad mehr bei noch höherer Luftfeuchtigkeit ertragen soll.

Zum Glück befand bzw. befindet sich das erste Ziel, der Shimogamo-jinja, mitten in einem urwüchsigen Wald. Der Schrein gehört zu den ältesten überhaupt und wird auf das 2. Jh. vor Christus datiert. In dem Wald ringsherum wurden bei Ausgrabungen Fundstücke aus der Yayoi-Zeit entdeckt und zudem gilt der Wald als naturbelassen, d.h. er wurde nicht in seiner jetzigen Form gepflanzt, sondern entwickelte sich ohne wesentliche Eingriffe von Menschenhand. Den Status des Weltkulturerbe hat er sich verdient, ist das Gelände doch eine Augenweide und die Einbettung in den dichten Wald grandios.

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Warum die Krähenfiguren dort stehen weiß ich übrigens nicht. Wer mehr über die Geschichte, die verschiedenen Nebenschreine, matsuri und so weiter erfahren will, der kann den Link oben klicken, ansonsten gibt es noch weitere Fotos in der Galerie. Insgesamt ein supertoller Ort und absolut empfehlenswert. Übrigens war es eine sehr schlechte Idee, festes Schuhwerk anzuziehen und nicht ein Tanktop mitgenommen zu haben, denn es wurde ganz schön heiß.

Dank der fiesen Hitze habe ich auch beim zweiten Stopp, Chion-in, mich länger aufgehalten, als ich das eigentlich wollte. Zu reizvoll war die Aussicht, im Schatten rumzuliegen. Der Chion-in ist ein wichtiger Tempel der Jodo Shinshu, eine Schule des Buddhismus (des reinen Landes). Es heißt, dass Honen Shonin, Gründer der Jodo Shinshu, in diesem Tempel während der Hyakuman Nembutsu, eine Million Rezitationen des nembutsu, in diesem Tempel gewohnt hat. Eine Million Rezitationen? Na, hoffentlich hatte er ein Glas Wasser zur Hand und jemanden, der für ihn eine Strichliste gemacht hat. Der Überlieferung nach herrschte zu dieser Zeit eine Welle von Epidemien, die mit der Beendigung der eine Million Rezitationen des nembutsu ebenfalls aufhörte.

Ob das alles stimmt, das weiß ich nicht; sicher ist aber, dass an jedem 15. eines Monats auf dem Tempelgelände ein großer Flohmarkt stattfindet, der ziemlich beliebt zu sein scheint, vor allem aufgrund seiner entspannten Atmosphäre. Die meisten der Stände werden von Studenten der Universität Kyoto betrieben, die quasi auf der anderen Straßenseite liegt. Das Gelände an sich ist eigentlich “nichts besonderes”, sprich es gibt keine herausragenden Gärten oder so…dafür wird aber auch kein Eintritt verlangt, was von Studenten ebenfalls genutzt wird, um dort rumzuhängen.

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So sieht es im Chion-ji aus. Ein netter Ort, zudem liegt er auf dem Weg zum Ginkaku-ji, der eines der Hauptziele der meisten Touristen in Kyoto ist. Da ich ein guter Tourist bin, war jener Ginkaku-ji auch das nächste X auf meiner Karte. Das kann man auch ganz gut an den Massen an Menschen erkennen, die sich den Weg zum Ginkaku-ji hinauf drängen. Die Geschäfte entlang des Weges sind aber cool und bieten die üblichen Touristenfallen, aber auch höherwertige Waren und mehr als genug leckere Süßigkeiten. Die gefüllten Windbeutel in dem letzten Laden auf der linken Seite kann ich nur jedem ganz warm ans Herz legen!

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Fächer gab es in Hunderten verschiedener Muster, Formen und Farben, genau wie lauter leckere und ausgefallene Süßigkeiten.

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Das Logo des Ladens mit den Windbeuteln, in denen bestimmt ein ganzer Vanillepudding versteckt ist!

Für die neugierigen unter euch bietet die Webseite des Ginkaku-ji viele gute Informationen und eine virtuelle Tour an. Im Gegensatz zu vielen anderen englischsprachigen Webangeboten der verschiedenen Sehenswürdigkeiten Kyotos ist diese sehr gut gemacht und einen Besuch wert. Aber zurück zum Ginkaku-ji: wer einen silbernen Tempel erwartet, quasi als Gegenstück zum goldenen Kinkaku-ji, der wird enttäuscht sein. Nix ists mit Silber! Im Gegenteil…man konnte nicht einmal den Pavillon in seiner hölzernen, braun-weißen Pracht erleben, da dieser momentan von einem - silbernen - Gerüst umgeben ist. Das Dach und große Teile der Struktur sind über die Jahrhunderte so marode geworden, dass sie dringend eine Restauration benötigen, die leider zum Zeitpunkt meines Besuchs stattfand. Nichtsdestotrotz ist der Ginkaku-ji genial…der Sandgarten und die restliche Gartenanlage sind unglaublich schön. Ich würde gerne einmal den Sandgarten sehen, wenn er das Mondlicht auf die umliegenden Gebäude reflektiert. Der Anblick muss Atem beraubend sein.

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Der silberne Pavillion in all seiner Pracht…fast.

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Der Sandgarten und der restliche Garten des Ginkaku-ji entschädigten aber mehr als genug für den eingerüsteten Pavillon. Bermerkenswert war weiterhin, dass ich mich auch hier im Ginkaku-ji wieder mit Schulklassen ablichten lassen sollte :-D Tja ja…I’m popular with the kids!

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Sooo popular, no? Hello Yvonne :-D

Der Ginkaku-ji war also spektakulär. Voll mit Vanillepudding und Windbeutelmasse habe ich dann den Pfad der Philosophie beschritten. Nicht, weil ich in Verdauungsstarre angefangen habe, wirr zu fantasieren, sondern weil der Weg, der vom Ginkaku-ji entlang eines kleinen Flußes in Richtung Süden führt, so heißt: tetsugaku no michi. Seinen Namen hat er durch den berühmten japanischen Philosophen Nishida Kitaro erhalten, der hier oft spazieren ging. Auch wenn man sich für Philosophie kein Stück interessiert, sollte man den Weg auf jeden Fall entlang wandern, weil er nämlich extrem idyllisch und ruhig ist. Die vielen kleinen Cafés und Geschäfte, die beinahe durchweg hochwertige Handarbeiten verkaufen, laden zum Zwischenstopp ein, während auf der Ostseite z.B. der Honen-ji ein sehr lohnenswertes Ziel ist. Zur Zeit der Kirschblüte ist der tetsugaku no michi sicher der absolute Hammer, aber ebenso sicher dürfte es dann mit der Idylle vorbei sein.

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Der Eingang zum Honen-ji.

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Im Honen-ji.

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Idylle, lauter kleine Geschäfte, Cafés und interessante Häuser…das erwartet einen entlang des tetsugaku no michi. Hier lässt es sich definitiv aushalten, zudem wurden Erinnerungen an Kamakura wach. Noch mehr Bilder vom tetsugaku no michi, Honen-ji, Otoyo-jinja und so gibt es in der Galerie. Sightseeing war damit für diesen Tag beendet, denn ich mußte zum Bahnhof, um Yvonne dort abzuholen. Ja genau, es war eine Reunion des Dynamischen Duos angesagt. Mehr dazu aber beim nächsten Eintrag. Einen habe ich aber noch:

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Tiere warnen vor den Gefahren Japans: Hund (mit Helm), Affen, Elefant, Papagei (mit Helm). Dieses Mal geht es wieder um Waldbrand. Schade, ich verpeilte es, das Schild darüber mit aufs Foto zu bekommen, denn dort war die eigentliche Nachricht abgebildet: Kinder, falls ihr einen Waldbrand entdeckt, dann ruft alle zusammen “FEUER!!!”

So, bis dann.

Kyoto, Teil 3

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