Archiv für 7. Juni 2008

Kyoto hatten wir hinter uns gelassen, unser neues Basiscamp in Osaka aufgeschlagen, um von da aus die Region weiter zu erkunden. Ungefähr eine Stunde von Osaka entfernt liegt Nara, das ebenfalls mal die Hauptstadt Japans war, und zwar noch vor Kyoto. Aus diesem Grund finden sich in Nara viele besonders alte Sehenswürdigkeiten, von denen der Todai-ji mit dem Daibutsu sicher die bekanntesten sind. Doch bevor wir uns im Zentrum Naras umsahen, haben wir einen Abstecher zum Horyu-ji gemacht. Der Tempel gehört zu den ältesten und wichtigsten Japans, zudem ist er Japans erstes Weltkulturerbe. Die fünfstöckige Pagode gilt als das älteste Holzgebäude der Welt, so ist das Holz der zentralen Stützsäule im Jahr 594 gefällt worden, wie eine Analyse ergab. Wer mehr erfahren möchte, sollte auf die Links klicken. Ein paar der Gebäude werden gerade restauriert, deshalb konnte man sich nicht alles anschauen, aber das, was zu sehen gab, war toll und rechtfertigte den Preis von 1000 Yen, da im Preis auch der Eintritt in das Museum inbegriffen war, in dem viele Nationalschätze Japans zu bestaunen sind.

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Diese beiden Gebäude, Kon-do und Gojun-to, gelten als die ältesten Holzgebäude der Welt.

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Oben seht ihr das Shakyamuni-trio, darunter die Halle von Prinz Shotokus Seele. Komisch, dass sich dort nicht so viele Leute aufhielten, gehört er doch mit Sicherheit zu den wichtigsten Personen der japanischen Geschichte.

Wie waren ziemlich früh am Horyu-ji und verließen den Tempelkomplex gerade zur richtigen Zeit, bevor der Strom der Touristen einsetzte. Der Zug brachte uns entlang der Küste wieder zurück nach Nara, wo wir uns auf den Weg zum zentralen Tempelkomplex bzw. Nara-Park machten.

Eine Besonderheit des Nara-Parks ist, dass dort Unmengen von Rehen und Hirschen frei herumlaufen. Die Tiere gelten als Boten der Götter, sind aber vor allem als Fotomotiv für die Touris interessant. An vielen Stellen kann man besondere Kekse kaufen, die man an die Viecher verfüttern kann. Man sollte dabei aber nicht die Gier der Tiere unterschätzen…mit ruhigem Abwarten ist es da nicht weit her. Sobald jemand Kekse in der Hand hat, strömen die Tiere in Gruppen herbei, was auf manch einenl bedrohlich wirken kann, da sie ab und zu beissen. Ich habe jedenfalls noch nie so oft das Wort “kowaiii” gehört, verbunden mit spitzen Schreien hochhackig besohlter, japanischer Frauen, unterbrochen von lautem Gelächter japanischer Männer. Hehe, ich fand es auch witzig, Yvonne ebenfalls.

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Der Typ war zu cool und benutzte seinen Hund als Kopfkissen.

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Haha, kowaaaiii! Ja lauf nur, ich bekomme deinen Keks schon noch!

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Die fünfstöckige Pagode des Kofuku-ji ist mit knapp über 50 Metern die zweithöchste Japans.

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Die Foto-Love-Story von Yvonne und dem Hirsch!

Lustig war das. Weiter ging es zum Hauptziel, der Todai-ji. Der Todai-ji ist gleich in mehrerer Hinsicht beeindruckend. Er gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Tempeln Japans, weshalb es vor Touristen dort nur so wimmelte. Besonders bekannt ist er wegen der riesigen Buddhastatue, Daibutsu, die immer hin 30m hoch ist (mit Sockel), aus Bronze ist und ca. 450 Tonnen wiegt. Nicht minder imposant ist die Haupthalle, Daibutsu-den, in der sich die Statue befindet: sie ist das größte Holzgebäude der Welt, dabei besitzt sie nur zwei Drittel ihrer ursprünglichen Größe! Unvorstellbare Ausmaße eigentlich, vor allem wenn man bedenkt, dass damals noch zwei über 100 Meter hohe Pagoden die Haupthalle zur Linken und Rechten säumten. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass der Bau des Tempels damals die Ressourcen Japans fast vollständig erschöpfte und den Staat an den Rand des Ruins trieb. Dass er Weltkulturerbe ist, dürfte klar sein.

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Touristen drängen sich wie blöde auf dem Weg zum Eingang des Todai-ji, zwischendrin auch ein paar Rehe.

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Das große Nandai-mon, in dem sich wieder Statuen der Nio befinden, geschaffen vom Meister Unkei. Über 8 Meter sind sie groß!

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Die Daibutsu-den.

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Daibutsu! Um einen Größenvergleich zu liefern…die Finger haben in etwa die Größe eines Erwachsenen!

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Aus einer anderen Perspektive.

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Komoku-ten, einer der vier Könige des Himmels, in diesem Falle der des Westens.

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Das Modell des Tempels, wie er früher mal ausgesehen hat.

Der Todai-ji mit Daibutsu-den und Daibutsu gehört zu den Orten, die man gesehen haben muss, um sie glauben zu können. Beschreibungen und Fotos können, ähnlich wie im Sanjusangen-do, nicht wiedergeben, wie es wirklich vor Ort ist, welche Atmosphäre herrscht und wie beeindruckend es eigentlich ist. Ganz, ganz großes Tennis wird hier geboten!

Ein netter Gag am Rande ist eine Säule, in der sich unten ein Loch befindet, das die Größe der Nasenlöcher des Daibutsu haben soll. Wenn man es schafft, durch das Loch zu kriechen, dann wird man im nächsten Leben die Erleuchtung erfahren. Der Glaube daran lässt manche allzu optimistisch werden, weshalb öfters Leute aus dem Loch befreit werden müssen. Kinder schaffen es in der Regel, dadurch zu kriechen…in der Regel, aber nicht immer, wie diese Fotos beweisen:

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Haha, Endstation Fat Kid Camp! Ich habe es übrigens auch nicht geschafft :-D

Voller Ehrfurcht vor der unglaublichen Leistung der Erbauer des Todai-ji, verließen wir selbigen in Richtung Nigatsu-do. Der Nigatsu-do ist ein Subtempel des Todai-ji, von dem man einen schönen Blick auf Nara hat. Bis auf eine große Anzahl an Kindergartenkindern verlief sich kaum jemand dorthin…unverständlicherweise.

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Der Blick von der Veranda des Nigatsu-do auf Nara. Das Dach der Daibutsu-den ist gut zu sehen.

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Kindergartenkinder, die schön nach Farben in Gruppen eingeteilt waren :-)

Nicht weit vom Nigatsu-do befindet sich der Kasuga-taisha, der Weltkulturerbe ist und zu den wichtigsten Schreinen Japans zählt. Berühmt ist er vor allem für seine Architektur, so hat der Baustil Taisha-zukuri seinen Namen vom Kasuga-taisha. Weiterhin bekannt ist er für die sehr große Anzahl an Bronze- und Steinlaternen, sowie für das Kasuga-matsuri, das eins der drei wichtigsten Feste Japans ist. Wie auch bei vielen anderen Schreinen ist die Einbettung in den Berg hier wieder grandios gelungen, so dass der Spaziergang durch die verwinkelten Wege und unzähligen Nebenschreine ein Erlebnis ist. Wie geil muss das erst sein, wenn zwei Mal im Jahr ALLE Laternen erleuchtet sind, beim setsubun und beim o-bon Fest nämlich.

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Im Kasuga-taisha, darunter ein kleiner Teil der steinernen Laternen außerhalb des Hauptgebäudes.

Damit war der Tag in Nara fast zu Ende…wir gingen wieder zurück in die Stadt zum Bahnhof, sozusagen in den Sonnenuntergang hinein, wie Lucky Lucke.

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Nara ist also auch ein schönes Plätzchen und jedem nur wärmstens ans Herz zu legen. Ein Tagestrip lohnt sich auf jeden Fall, sei es von Kyoto oder von Osaka aus…ach alleine für Todai-ji und Kasuga-taisha lohnt es sich schon, die Zeit und das Geld zu investieren.

Zurück in Osaka haben Yvonne und ich uns noch mal im Süden Osakas herumgetrieben und uns das Nachtleben angeschaut. Die Gegend dort vibriert förmlich vor Energie, vor allem um Ebisu-bashi herum. Diese Brücke wird auch gerne als Nampa-bashi bezeichnet, weil hier so offensiv angegraben wird :-D Vor ungefähr fünf Monaten war ich schon mal hier, zu Beginn meines Japanaufenthalts. Es war ein komisches Gefühl, jetzt noch mal da zu sein…

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Mir gefiel es wieder super…ich liebe diesen Blade Runner Stil! Ein Video habe ich auch noch gemacht:

Video: Partymeile Osakas: ebisu-bashi (16 MB)

Westlich davon liegt Amerika-mura, ein Bereich Osakas, der vor allem bei den jungen Leuten und fashionistas extrem beliebt ist, weil sich hier viele trendige Läden befinden. Hier wird zwischen trendigen Shops gepost, was das Zeug hält. Dazu gibt es noch den Sankaku-koen, einen “Betonpark”, der eigentlich nur ein dreieckiger Platz ist, auf dem ach so coole Leute rumhängen. Ich stellte fest, dass ich aus dem Alter raus bin, aber lustig anzuschauen war es allemal, vor allem weil die “coolen” Skater dort mit ihrem “Können” die Girlies beeindruckt haben, obwohl - wie so oft, wie bei den Posern in Köln auch - nicht mal der Kickflip klappt :-D Irgendwie hat sich in all den Jahren, seitdem ich in Deutschland skatete, doch recht wenig am grundlegenden Prinzip geändert haha. Das Beste an dem Platz war eine Psytrance-Party, die in einem Club unmittelbar neben dem Sankaku-koen stattfand. Aber schaut euch einfach die Videos an:

Video: Coole Kids sind cool (10 MB)
Video: Psytrance Party neben der Straße (8 MB)

Osaka ist schon eine coole Stadt, die besonders abends an Schönheit gewinnt, weil die Betonwüste in gleißendes Neonlicht getaucht wird. In der Galerie gibt es noch viele, viele andere Fotos vom heutigen Tag, schaut einfach mal rein. Bis dann!

Nara

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