Archiv für 9. Juni 2008

Heute war ein komischer Tag. Das Wetter war meistens diesig und schwül, nur am Hafen gab es einen schon fast zu kühlen Wind. Los ging es mit dem Shitenno-ji, der der älteste (offiziell etablierte) Tempel Japans zu sein scheint, gegründet im Jahr 593 von niemand geringerem als Shotoku Taishi himself! Von der vergangenen Pracht ist nur wenig übrig, was vor allem daran liegt, dass der Tempel mitten in der Betonwüste Osakas beheimatet ist und selbst nur wenig Grünflächen bietet. Die Gebäude sind im Laufe der Jahrhunderte mehrfach fast komplett zerstört worden, zuletzt während der Einäscherung Osakas im 2. WK. Nun bestehen die meisten Einrichtungen des Tempels aus modernen Materialien, sprich sie sind aus Beton nachgebaut worden. Dies geschah zwar detailgetreu, aber nichtsdestotrotz wirkt der Tempel irgendwie hässlich, die beiden Wächterfiguren eingeschlossen. Zugegeben, den neuen Garten, der nicht schlecht sein soll, haben wir beide nicht besucht. Was gibt es sonst noch bemerkenswertes? Ach ja, das torii aus Stein ist das älteste in Japan, errichtet 1294, und Schildkröten gibt es dort zuhauf.

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Das älteste aus Stein gefertigte torii Japans, erbaut 1294.

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Im Shitenno-ji. Unten seht ihr eine der künstlichen Inseln mit lauter Schildkröten darauf.

In der noch verbliebenen Zeit nach dem Besuch des Shitenno-ji haben Yvonne und ich die Gegend Tempozan besucht, die nahe beim Hafen Osaka liegt. Dort gibt es verschiedene Attraktionen zu besuchen, z.B. das Riesenrad, das mal das höchste der Welt war. 112,5 Meter hoch und 100 Meter im Durchmesser sind zwar sehr stattlich, aber die vollmundige Ankündigung, nun das größte Riesenrad der Welt zu betreten, stimmt nicht mehr so ganz, weil einige Konkurrenten aus dem eigenen Land mittlerweile ein paar Meter höher bzw. größer im Durchmesser sind. Macht ja nix, wir hatten auch so einen wunderbaren Blick auf das…äh…wunderschön diesige Osaka mit all dem schönen Beton, der tagsüber nicht so erfreulich wirkt wie noch in der Nacht zuvor. Jaja, so ist das halt…die Nacht macht einige Dinge schöner, als sie es am nächsten Tag sind, nicht wahr? Weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend sind das Aquarium Osaka, das zu den größten und schönsten der Welt gehören soll, aber die 2000 Yen Eintritt haben wir beide nicht gezahlt, weil wir auch nicht mehr so richtig Zeit hatten, auch nicht für das Suntory Museum, das direkt daneben liegt.

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Riesenrad, Blick über die Stadt vom Riesenrad aus, Osaka Aquarium.

In der Touristenfalle neben dem Riesenrad habe ich mich tatsächlich von einem Ninja belabern lassen, 500 Yen für das tolle Ninjahaus auszugeben, was, nachdem ich es besucht hatte, im Nachhinein als die schlechteste Geisterbahn der Welt bewertet werden muss. Kann sich jemand an die Simpsonsfolge erinnern, in der der alte Typ Bart und Lisa bequatscht, die ach so tolle Geisterbahn zu besuchen und ihnen somit ihr Geld abluchst? Bart und Lisa fahren mit der Geisterbahn, die natürlich der absolute Müll ist. Als sie die Bahn verlassen, entschuldigt sich der Alte und schämt sich, “Tut mir leid, Kinder!”. Ich vermute mal, dass es die japanische Art der Entschuldigung ist, zig Mal “arigatou gozaimashita” zu rufen und noch für ein Foto zu posieren. Totaler Schrott!

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Ninja, Wolle, posierend vor dem schlechtesten Ninjahaus der Welt

Aufgemuntert hat mich danach eine Reihe von lustigen Schildern. Wer kann mir den Satz auf dem Schild der Pachinko-Halle erklären?

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Ich verstehe es nicht.

Die beiden Schilder mit dem Affen und den anderen Tieren, die ordentliches Benehmen in der Bahn erläutern, sind mal wieder ganz große Kunst.

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Doch es hilft alles nichts, time to say goodbye, dieses Mal aber wirklich. Yvonne wollte ihren Flieger nach Sapporo nicht noch mal verpassen, deshalb wurde zeitig tschüss gesagt. Yvonne ist ein sehr netter Mensch und ein guter Freund geworden. Danke und vielleicht sieht man sich ja noch mal wieder, vielleicht in Taiwan, vielleicht in Deutschland, vielleicht in Japan oder sonstwo…die Welt ist klein.

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So Yvonne, I wonder whether this is correct, but I’ll just give it a try: 藕断丝连. 谢谢.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit, Zeit totzuschlagen, mal hier, mal da, denn mein Bus, der mich nach Hiroshima bringen würde, fuhr erst gegen 23:50 in der Nähe des Bahnhofs Osaka ab. Am Ende quartierte ich mich in einer Bar ein, in der ich, als ich meinen Laptop auspackte, um mal ein paar Fotos zu sortieren, Mails zu schreiben und Einträge vorzubereiten, verwundert angeschaut wurde. Macht ja nix, erst recht nicht, wenn dazu Ol’ Blue Eyes aus den Lautsprechern tönt, die nette Dame am Tisch gegenüber mehr Augenkontakt mit mir als mit ihrem deutlich älteren Begleiter hat und der Vodka straight einer von der guten Sorte ist.

Bis dann! In Hiroshima. Kurose.

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