Archiv für 18. Juni 2008

Während meiner Zeit in Kurose habe ich den ein oder anderen Abstecher in Richtung Hiroshima gemacht. Traurige Berühmtheit hat Hiroshima dadurch erlangt, dass es die erste Stadt war, über der eine Atombombe gezündet wurde, wie bestimmt jeder von euch weiß. Was vielleicht nicht jeder weiß, ist, dass sich Hiroshima seitdem als Friedensstadt versteht, deren Aufgabe es ist, für die Abschaffung aller Atomwaffen auf der Welt zu sorgen und den Weltfrieden herbeizuführen. Erinnerungen an jenen verheerenden Montag, 6. August 1945, an dem “Little Boy” die Stadt und einen Großteil der Bevölkerung binnen Sekunden vernichtete, kann man quasi an jeder Ecke in Hiroshima finden. Sei es der Brunnen vor dem Bahnhof, der die Form eines Atompilzes hat, oder ein Musikfestival, das den Namen “Big Bang” trägt, man wird überall daran erinnert, dass hier ein weiteres Stück unrühmliche Menschheitsgeschichte geschrieben wurde.

Das bekannteste aller Mahnmale dürfte der A-Bomb Dome sein:

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Von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden, soll er den Menschen als Erinnerung an das Geschehene, aber auch gleichzeitig als Mahnung, dass sich die Menschheit durch die Existenz von Nuklearwaffen permanent am Abgrund befindet, dienen. Eingebettet ist die Atombombenkuppel in den Friedenspark, ein Gebiet, in dem lauter verschiedene Monumente stehen, die an diverse Aspekte der Bombardierung erinnern sollen. Eine sehr gute Übersicht könnt ihr unter folgendem Link finden:

Virtueller Rundgang durch den Friedenspark Hiroshima

Die Seite ist wirklich sehr gut gemacht und bietet mehr Informationen, als alle Karten/Guides, die man so in Hiroshima bekommen kann. Ich fange mit meinem Rundgang mal am südlichsten Punkt an, sozusagen auf der entgegengesetzten Seite der Atombombenkuppel. Heute werde ich den ganzen Kram mal wieder ausführlicher beschreiben, vor allem auch, was mir nicht so gut an der ganzen Nummer gefallen hat.

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Diese Torbögen sind die neueste “Attraktion” im Friedenspark. Das Wort “Frieden” ist in 49 Sprachen in sie eingraviert.

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Diese Statue, “Mutter mit Kind im Sturm”, soll Liebe symbolisieren, die allen Widrigkeiten trotzt.

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Das Hauptgebäude des Friedensmuseums, entworfen von Kenzo Tange, der damit seine internationale Karriere begründete. Wegen des starken Regens habe ich mir erstmal die Ausstellung innen angeschaut. Mit den zwei folgenden Links kann man sich den Besuch des Museums beinahe sparen, da man sich beim ersten Link nicht nur das gesamte Museum inkl. fast aller Exponate anschauen kann, sondern beim zweiten Link einen fantastischen Einblick in die Geschehnisse bekommt, die zur Entstehung der Atombombe führten.

Sixty years ago this month, the United States dropped atomic bombs on Hiroshima and Nagasaki, the Soviet Union declared war on Japan, and the Japanese government surrendered to the United States and its allies. The nuclear age had truly begun with the first military use of atomic weapons. With the material that follows, the National Security Archive publishes the most comprehensive on-line collection to date of declassified U.S. government documents on the atomic bomb and the end of the war in the Pacific. Besides material from the files of the Manhattan Project, this collection includes formerly “Top Secret Ultra” summaries and translations of Japanese diplomatic cable traffic intercepted under the “Magic” program. Moreover, the collection includes for the first time translations from Japanese sources of high level meetings and discussions in Tokyo, including the conferences when Emperor Hirohito authorized the final decision to surrender.

Das Material, das von der NSA zur Verfügung gestellt wird, enthält verschiedene Briefe, Auszüge aus Tagebüchern usw., unter anderem der damaligen Entscheidungsträger in der US-Regierung. Im Museum sind diese nur zum Teil ausgestellt, aber dort kann man sie nicht nur als Originalscan, sondern vor allem ohne Wertung einer der beteiligten Seiten betrachten. Wer schon immer mal wissen wollte, was in den Köpfen der Mächtigen damals vor sich ging, dem sei die Seite wärmstens ans Herz gelegt.

Das Friedensmuseum von Hiroshima - Ein virtueller Rundgang

Das Ende des 2. WK und Abwurf der Atombomben - Aus dem Archiv der NSA

Wo ich gerade mal dabei bin, möchte ich noch eine Empfehlung für einen ungewöhnlichen Film aussprechen, der auf den Namen Trinity And Beyond hört. Trinity war der Name des Testortes, an dem die erste Atombombe der Welt zur Detonation gebracht wurde:

The Ultimate Film about Weapons of Mass Destruction!

On July 16, 1945, at a site called Trinity, a plutonium bomb was assembled and brought to the top of a tower. The bomb was detonated, producing an intense flash and a fireball that expanded to 600 meters in two seconds. The explosive power was equivalent to 18.6 kilotons of TNT. It grew to a height of more than 12 kilometers, boiling up in the shape of a mushroom. Forty seconds later, the blast of air from the bomb reached the observation bunkers, along with a long and deafening roar of sound. And so began the ATOMIC AGE…

Fünfminütiger Trailer zum Film

Der Film gibt einzigartige Einblicke in die Enstehung der Atombombe, in die Abwürfe der beiden Bomben auf Hiroshima und Nagasaki, sowie verschiedene Atombombentests, die über die Jahrzehnte hinweg weltweit durchgeführt wurden. Die musikalische Untermalung erfolgt durch das Moskauer Symphonie Orchester und macht den Film, der an sich schon eine gute Dokumentation ist, zu einem audiovisuellen Kunstwerk. Wenn ihr die Gelegenheit habt, dann schaut ihn euch auf jeden Fall mal an.

Zum Museum: Audioguides werden in vielen Sprachen angeboten, so auch auf Deutsch. In verschiedene thematische Bereiche eingeteilt, startet man mit einer Ausstellung zur Geschichte der Stadt Hiroshima vor der Bombardierung, danach erfolgt eine Beschreibung der Entwicklung der Atombombe sowie des Tages der Detonation und deren Folgen, die wiederum in verschiedene Bereiche eingeteilt sind: Schäden durch Hitze, Druck, Strahlung usw.

Ich will gar nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern sofort sagen, was mir an der ganzen Sache nicht gepasst hat. Das, was das Museum erreichen möchte und weshalb auch die meisten der zahlreichen Schulklassen im Museum sind, ist “Friedenserziehung”, wie dort gesagt wird. Meiner Meinung nach sind aber Atomwaffen und deren Folgen zu sehr im Fokus der verschiedenen Ausstellungen. Dass Atomwaffen schreckliche Waffen sind und die Menschheit vernichten können, steht außer Frage, dafür braucht eigentlich kein halbwegs gebildeter Mensch eine solche Ausstellung. Jedoch wird in dem Museum der Eindruck erweckt, als würde die Abschaffung aller Atomwaffen automatisch so etwas wie den Weltfrieden herbeiführen, was das erklärte Ziel der Stadt Hiroshima ist. Selbst wenn alle Atomwaffen der Welt abgeschafft würden, käme man dem Weltfrieden, der imho nicht erreichbar ist, nur minimal näher.

Ein deutlich besserer Weg wäre es, wenn man in dem Museum erläutern würde, WARUM Nationen überhaupt in den zweiten Weltkrieg eingetreten sind, wie es dazu kommen konnte, damit man nicht Fehler der Vergangenheit wiederholt. Über internationale Politik, Verständnis anderer Kulturen und Länder, wird so gut wie kein Wort verloren, dafür das Leiden und die heldenhafte Tapferkeit der Bevölkerung Hiroshima mit so viel Pathos in den Vordergrund gesetzt, dass es schon wieder einen fiesen Beigeschmack bekommt. Es ist ebenfalls nicht sonderlich hilfreich, wenn man dabei die vielen koreanischen und chinesischen Opfer, die sich zum Zeitpunkt der Detonation als Zwangsarbeiter in Hiroshima befanden, durch den nahezu immer gleich formulierten Satz so erwähnt werden, dass es aufgesetzt wirken muss. Dazu passt auch, dass z.B. das Denkmal für die koreanischen Opfer sich zunächst außerhalb des inneren, zentralen Bereichs des Friedensparks befand, bevor es aufgrund heftiger Proteste an einen anderen Standort im Innern des Parks verlegt wurde.

Friedenserziehung bedeutet meiner Meinung nach nicht, dass man beigebracht bekommt, dass mit der Abschaffung fürchterlicher Waffen Weltfrieden erreicht werden kann. Wie Einstein schon sagte, “Ich weiß nicht, mit welchen Waffen wir im dritten Weltkrieg kämpfen werden, aber ich weiß, mit welchen im vierten: Mit Keulen und Steinen.“, wird deutlich, dass Atomwaffen zwar das Potential haben, die Menschheit zurück in die Steinzeit zu bomben, Gewalt und Krieg damit aber sicher kein Ende haben werden. Das ist alles nicht neu, aber mich hat die Art und Weise, wie sich das Museum als Mittel zur Friedenserziehung versteht und der gewählte Ansatz bzw. die Umsetzung in Form der verschiedenen Ausstellungen nicht überzeugen können, nein, man begeht meiner Meinung nach sogar Fehler, die das Gegenteil erreichen. So stellt man die Entscheidung der Amerikaner, Japan mit Atomwaffen zu bombardieren, als überflüssig und unnötig dar, da Japan eh soweit war, zu kapitulieren. Dieses gilt unter den meisten Historikern als anerkannt, wie man anhand der Dokumente aus dem NSA Archiv oben für sich selbst nachlesen kann. Wenn man jedoch in der Ausstellung auf die Darstellung dieser “überflüssigen” Entscheidung deutlich mehr Aufmerksamkeit verwendet und im Gegenzug den japanischen Angriff auf Pearl Harbour und japanisches Wirken in der Mandschurei und Korea mal eben so nebenher als geschehen schildert, dann erzeugt man damit doch schon wieder neue Ressentiments gegenüber den Amerikanern. Frei nach dem Motto: wie konnten die bloß?

Abgesehen davon sind die Ausstellungen natürlich interessant und informativ sowie in ihrer Darstellung teilweise drastisch, wie ihr anhand einiger Fotos erkennen könnt. Detailliertere Beschreibungen zu den Bildern habe ich in der Galerie hinzugefügt.

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Viel Betrieb herrscht im Museum.

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Friedenserziehung.

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Friedenserziehung.

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Einzelschicksale werden dargestellt, z.B. Opfer mit Foto und Kleidung, die sie trugen.

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Ja, heute besitzen einige Länder Atomwaffen.

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Bilder des Atompilzes, aufgenommen von verschiedenen Menschen, an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten.

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Das sind Papierkraniche, die Sasaki Sadako gefaltet hat. Sadako war zwei Jahre alt, als die Bombe abgeworfen wurde. Durch die erlittene Strahlungsdosis erkrankte sie an Leukämie, woran sie im Alter von 10 Jahren starb. Einer alten Geschichte zu Folge hat man einen Wunsch frei, wenn man 1000 Papierkraniche faltet. Sadako faltete jeden Tag Kraniche und erreichte die Zahl von 1000 und faltete anschließend weiter, starb aber dennoch im gleichen Jahr. Sadakos Schicksal wurde in ganz Japan bekannt und von da an schickten Kinder aus dem ganzen Land Kraniche, die sie an Sadakos Stelle gefaltet hatten. Heute treffen Millionen Papierkraniche aus der ganzen Welt in Hiroshima ein, wie ich später noch an einer anderen Stelle zeigen werde. Die Kugel, in der die Kraniche ausgestellt sind, ist ebenfalls erwähnenswert. Je nachdem, wie man die Glaskugel betrachtet, entsteht durch das Licht und dessen Reflexion ein “Atompilz” innerhalb der Kugel.

In der Galerie habe ich noch Fotos weiterer Exponate inkl. Erklärung, schaut sie euch einfach an.

Ich bin ja nicht aus Zucker, deshalb habe ich mich, dem fiesen Regen zum Trotz, wieder in den Park begeben, um mir weitere Monumente anzuschauen. Unweit des Museums befindet sich der Cenotaph, in dem die Namen aller bekannten Opfer enthalten sind. Wenn man durch den Cenotaph schaut, dann kann man im Norden die Flamme des Friedens und die Atombombenkuppel sehen, südlich davon das Friedensmuseum.

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Der Cenotaph.

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Die Flamme des Friedens. Symbolisiert werden hier zwei Hände, die, an den Handgelenken zusammengepresst und mit den Handflächen nach oben zeigend, nach Wasser betteln, so wie es nach der Explosion viele Menschen taten. Die Flamme in der Mitte soll so lange brennen, bis alle Atomwaffen abgeschafft worden sind.

Rechts davon befindet sich die Gedenkhalle für die Opfer der Atombombe. Herzstück dieser Anlage ist der runde Hauptraum, in dem ein 360° Panorama von Hiroshima nach der Explosion befindet. In der Mitte steht ein runder Sockel, der eine Uhr darstellen soll, die um 8.15 Uhr, der Zeitpunkt der Detonation, stehen geblieben war. Über diesem Sockel befindet sich ein Licht, dass die Bombe darstellen soll. Das Panorama besteht aus über 140.000 Teilen, was wiederum für die Zahl der Opfer steht.

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Raum, Uhr.

Im nächsten Raum gibt es eine Videowand, auf der Namen und Fotos von Opfern nach Zufallsprinzip eingeblendet werden. Hier kann man auch an mehreren Computern nach Personen forschen, die als Opfer der Atombombenexplosion registriert wurden.

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Wenn Opfer Namen und Gesichter bekommen, dann wird die Tragweite einer solchen Tragödie immer bewusster, aber das dürfte bei allen Kriegs-/Katastrophenopfern gleich sein. Im nächsten Raum kann man sich noch das ein oder andere “Hörspiel” anhören, das die Ereignisse jenes 6. August verdeutlichen soll, aber das sei nur Leuten empfohlen, die meinen, dass in Michael Bays “Pearl Harbor” Pathos nur in homöopathischen Dosen enthalten sei…ich habe die Kopfhörer jedenfalls schnell beiseite gelegt.

Da habe ich mir lieber das Kinderdenkmal angeschaut, das der oben bereits erwähnten Sasaki Sadako gewidmet ist. Hintergründe zu Sadakos Geschichte und Erbe könnt ihr hier, hier und hier nachlesen. Gerade für Kinder unter dem Aspekt der Friedenserziehung erscheint mir das als deutlich sinnvollere Alternative, zumindest besser, als schockierende Fotos zu zeigen und mit dem erhobenen Zeigefinger vor Atomwaffen zu warnen.

Für japanische Kinder in der Region scheint ein Besuch der Statue mit anschließendem Gebet dort ein fester Bestandteil der Schulzeit zu sein, wie mir gesagt wurde. Auch am Tag meines Besuches waren viele Kinder dort, beteten zusammen, hielten kurze Reden und spendeten Papierkraniche.

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Das Kinderdenkmal im Friedenspark, Schüler. Die Statue auf der Spitze soll Sadako sein, die einen Kranich hochhält.

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Papierkraniche.

Ein Video von Kindern, die eine Rede gehalten haben, könnt ihr euch auch noch anschauen.

Video: Kinder beten vor dem Kinderdenkmal bzw. Sadakos Statue 20 MB

Hach ja, die lieben Kinder. Die restlichen Sachen könnt ihr euch in der Galerie anschauen und dort die Erklärungen lesen…wenn überhaupt jemand bis hierhin gelesen hat, haha. Nach der ernsten Thematik noch etwas zur Auflockerung…Fabian, hier das Bild, das ich nur für dich gemacht habe:

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Ein Japaner mit Geschmack! Das ist doch dein Lieblingsverein, oder?

Peace and out.

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