Archiv für 22. Juni 2008

Für meinen Japanaufenthalt hatte ich mir vorgenommen, das berühmte “floating torii”, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Japans, unbedingt mit meinen eigenen Augen zu sehen. Heute war es soweit, denn mit Noriyaki, Sumiko und Sono bin ich nach Miyajima gefahren. Miyajima heißt eigentlich Itsukushima und ist eine kleine Insel vor Hiroshima, die vor allem für den Itsukushima-jinja und insbesondere für das otorii bekannt ist. Damit ihr wisst, wovon ich rede, hier schon mal ein Vorabbild, allerdings noch aus der Ferne aufgenommen.

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Na, wer erkennt es?

Nach Miyajima setzt man von Hiroshima aus mit einer Fähre über. In Miyajima angekommen, wird man in der Regel nicht nur von Massen anderer Touristen empfangen, sondern auch von vielen Rehen, die, wie in Nara am Kofuku-ji und Todai-ji auch, frei herumlaufen. Die Miyajima-Truppe unterscheidet sich aber insofern, dass sie deutlich forscher um Essen “bittet”, als die Kollegen aus Nara. Das bekam Frau Moritaka auch direkt zu spüren, denn in einem unachtsamen Moment offenbarte sie den anwesenden Rehen und Hirschen, dass sie (meine) leckeren Reisbällchen in einer Tasche mit sich führte. Die Rehe schubsten sie daraufhin herum, wie eine Truppe Halbstarker den Klassendeppen auf dem Schulhof. Die Plastikbox mit den Bällchen wurde ruck-zuck zerfetzt, was einer anderen Touristin so gar nicht gefiel und sie deshalb Frau Moritaka auch noch beschimpfte, weil es ja ihre Schuld sei und nicht die der Tiere, die ja nicht denken können. Cool war, dass Herr Moritaka völlig gelassen in die Gruppe der tobenden Rehe ging, die Plastikschachtel wegnahm und in den Müll beförderte…eiskalt, der Mann.

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Hier pirschen sich die Rehe an Frau Moritaka, die hinter dem Geländer steht, heran.

Von dem wütenden Rehemob habe ich ein Video gemacht:

Video: Wütende Rehe kämpfen um Reisbällchen (22 MB)

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Herr Moritaka (mit zwei Schirmen in der Hand!) geht einfach in die Gruppe der Rage-Rehe und nimmt die Plastikschachtel weg. Impressive!

Jaja, da muss man schon aufpassen. Lustig finde ich auch den Hinweis, dass die Rehe ja alles essen würden und deshalb keine gegessenen Fährentickets oder Bahntickets erstattet werden :D

Mit leicht strapazierten Bauchmuskeln gingen wir zum Itsukushima-jinja, doch bevor ich ein Bild vom otorii aus der Nähe posten werde, möchte ich hier eine herbe Kritik an der Verwaltung von Miyajima loswerden. Überall in Japan, an jeder noch so blöden Stelle, stehen Warnschilder, die vor JEDEM Scheiß warnen, aber an den Stufen, die hier auf Miyajima zum Meer herunterführen, da steht kein Warnschild. Das Wetter war zwar regnerisch, wie zur Regenzeit zu erwarten war, aber warm war es trotzdem und deshalb wollte ich durch das Meer zum otorii gehen. Dumm nur, dass die vier Stufen zum Meer glatter als die Haut von Cate Blanchett in Herr der Ringe waren. Ich meine, kaum hatte ich einen Fuß darauf gesetzt, segelte ich auch schon in klassischer Cartoon-Slapstick-Manier in einem hohen Bogen auf die Treppe, auf der ich ungebremst und hart aufschlug, weil ich in der einen Hand eine Wasserflasche, in der anderen Hand meine Kamera hielt. Zum Glück bin ich nicht mit dem Kopf aufgeschlagen, sondern nur mit dem Rest des Körpers…meine Wirbelsäule scheint noch kräftig genug zu sein, um das nur mit einem heißen Schmerzblitz wegzustecken, und Wut läßt ja so manchen Schmerz vergessen.

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Die Stairs of Pain…hütet euch vor ihnen und springt lieber die paar Zentimeter hinunter, falls ihr mal dort sein solltet.

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Aua 1, 2 und 3. Das Bein war ganz schön dick, aber der Ellbogen tat am meisten weh…Ellbogen sollte man generell lieber nachrangig verwenden, wenn es darum geht, einen Sturz abzubremsen. Nicht so gut war auch, dass ich meine Kamera zum wiederholten Mal auf einer Oberfläche zum plötzlichen Stopp brachte, deren Härtegrad jenen der Kamera überstieg…mit anderen Worten: die Kamera fokussiert seitdem nur noch nach Zufallsprinzip. Davon lasse ich mir den Spaß aber sicher nicht verderben, eigene Dummheit muss halt auch mal weh tun, daher next stop: Itsukushima-jinja respektive otorii!

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\o/

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V.l.n.r.: otorii, Sono, Noriyaki, Sumiko, Wolle.

Trotz diesigen Wetters, Ebbe und drohendem Regen, ein großartiger Anblick und ein tolles Gefühl, es mit eigenen Augen zu sehen und durch das Meer zu ihm zu gehen. Wie genial es erst sein muss, wenn man auf der Insel übernachtet und den Sonnenuntergang dort sieht, oder den in der Nacht beleuchteten Itsukushima-jinja betrachten kann, während man in yukata und geta gekleidet durch die Gassen flaniert, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Ich muss eigentlich unbedingt noch mal hierher kommen, am besten zur Zeit eines der vielen Festivals oder einfach nur an einem sonnigen Tag, wenn gerade Flut ist und man vom Berg Misen auf der Insel einen grandiosen Blick auf die setonaikai haben kann.

Im Itsukushima-jinja hatte ich so richtig Glück, denn dort wurde gerade eine klassische Shinto-Hochzeit abgehalten. Die Leute, die dort geheiratet haben, müssen auf jeden Fall stinkreich gewesen sein, denn eine Hochzeit im Itsukushima-jinja gehört zu den begehrsten und mit Abstand teuersten Möglichkeiten, in Japan zu heiraten. Vielleicht habe ich also einer Promi-Hochzeit beigewohnt?! Wer weiß das schon, aber interessant war es allemal.

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Schön!

Neben dem Itsukushima-jinja gibt es noch weitere Tempel und Schreine auf Miyajima, zum Beispiel den Daigan-ji, den ich auch noch besuchte. Hier befindet sich eine der drei bekanntesten Statuen von Benzaiten, von der ich ja schon öfters erzählt hatte. Im Daigan-ji gibt es noch eine imposante Statue des Feuergotts, der auf den Namen Agni hört, wie ich glaube.

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Daigan-ji.

Ansonsten haben wir uns nur noch die Senjokaku, die Halle der 1000 Tatamimatten, und die fünfstöckige Pagode angeschaut. Toyotomi Hideyoshi veranlasste einst den Bau der großen Senjokaku, allerdings wurde diese nach seinem Tod nicht fertiggestellt.

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Senjokaku.

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Na Kleine, da musst du dich aber noch anstrengen, wenn du so ein guter Tourist werden willst wie ich :)

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Denn ich bin KANKOU-MAN, der Super-Tourist!

Weitere Fotos von Miyajima gibt es in der Galerie. Der anhaltende Regen vertrieb die nicht so ganz begeisterten Begleiter von Kankou-man Wolle von der Insel, aber wer weiß, vielleicht kehre ich ja noch mal hierher zurück?!

Tschüß, liebes Weltkulturerbe!

Ach ja, hier noch ein Link zur Homepage von Miyajima, wo man viele weitere Informationen über die Sehenswürdigkeiten, Festivals usw. bekommen kann: Link

Miyajima

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