Was in “Aliens“, der immer mal wieder den Spitzenplatz auf der Liste meiner Lieblingsfilme innehält (jedes Mal, wenn ich ihn wieder angeschaut habe), von der kleinen Newt über die fiesen Xenomorphen gesagt wird, das trifft in Japan auf…hm, wie soll ich es bloß formulieren? Leicht beschönigend ausgedrückt könnte man von schlechten Manieren sprechen, die sich nachts verstärkt zeigen und lauter Jekylls zu Hydes werden. Weniger euphemistisch gesagt kommen nachts die Asis aus ihren Löchern, aber dazu später mehr. Das wird übrigens ein langer Eintrag und es gibt viel zu lesen, aber es sind auch zum Teil dramatische Sachen passiert…
Asis, ja, die gibt es hier auch. Je später der Abend wird, je größer der Alkoholgehalt im Blut wird, desto mehr scheint die Zurückhaltung, die tagsüber von den meisten Menschen an den Tag gelegt wird, einer Verhaltensweise zu weichen, die auf mich wie ein Akt der Befreiung und des Trotzes wirkt. Die unwirkliche Stille z.B., die tagsüber in übervollen Bahnen herrscht, weicht lautem Gelächter und laut geführten Gesprächen, besonders seitens angetrunkener sararimen. Es wird auch nicht mehr auf den Boden geschaut, sondern man spürt, wie man gemustert wird. Wo sonst unterwürfig „Ah! Sumimasen“ gesagt wird, wenn man sich neben jemanden in der Bahn setzt oder die Leute sich selbst schmal machen, um Platz für andere Fahrgäste zu schaffen, da lässt man sich nun geschafft in die Sitze fallen, in denen der eigene Körper möglichst Platz raubend platziert wird.
In einem Fall setzte sich ein Typ derartig breitbeinig hin, dass rechts und links neben ihm jeweils mindestens ein Platz verloren ging. Ein anderer sarariman, der in die Bahn kam, wollte sich hinsetzen, hatte aber zu wenig Platz. Anstatt „sumimasen“ konnte man „MOVE! FUUUUCK! ASSHOLE!“ vernehmen, was erstens ungewöhnlich war, weil ich noch nie einen Japaner in stark Akzent belastetem Englisch habe fluchen hören, und zweitens, weil der Typ auf der Bank nur gelangweilt schaute, um sich danach noch breiter zu machen. Der andere sarariman setzte sich dennoch dorthin, mit merkwürdig verschränkten Beinen, weil er sonst keinen Platz gehabt hätte, tippte manisch auf seinem Handy herum und hatte dabei die ganze Zeit einen Ausdruck kalter, unterdrückter Wut in seinen Augen. Ich dachte mir, dass dieser Typ sicher das Potential hat, der nächste Irre zu sein, der mit einem Auto in eine Menschenmenge fährt und danach wahllos um sich sticht.
Dieses Ereignis passierte auf der Fahrt nach Shibuya, wo wir uns den Club Asia ausgesucht hatten, um noch mal tanzen zu gehen. Das Ausgehviertel in Shibuya ist besonders bei jungen Leuten sehr beliebt. Neben vielen, vielen Bars, Restaurants und Clubs existiert hier eine hohe Konzentration von Love Hotels. Love Hotel Hill, so heißt das Gebiet, das auf einem kleinen Hügel liegt und in dem sich zig Love Hotels befinden. Man sollte das mal gesehen haben. Praktisch ist es allemal, denn so muss man nicht mit dem Taxi oder einer der ersten Bahnen weit nach Hause reisen und sich dort in jeder-hört-alles-Wohnungen bemühen, leise zu sein, sondern kann sich ganz nach dem Motto „raus aus der Disse, rein in die Kiste“ in einem der nahe gelegenen Love Hotels einnisten und einen „3 hour rest“ buchen
Das Womb, eine der ältesten und besten Adressen für elektronische Musik in Tokyo, hatte an diesem Tag leider geschlossen, aber der Club Asia liegt ganz in der Nähe, also gingen wir dorthin. Oh Wunder, es war wieder ein Psytrance-Abend, zumindest auf der Haupttanzfläche. So weit, so gut. Das Set von Cozy war wieder mal brillant, was die Leute zwei Stunden lang ausrasten ließ. Ab 4 Uhr sollte dann Uni, die ich schon auf dem Nagisa Festival gesehen hatte, live spielen. Dazu wurde auf der Bühne allerlei Instrumentarium aufgebaut, denn Psytrance live mit Band und Percussion zu spielen ist schon ziemlich aufwändig. Plötzlich fingen neben mir Leute an zu husten und zu kotzen, was mich reichlich irritierte. Ich schwitzte zwar, aber so schlimm war es auch nicht und mein Deo hatte noch nicht versagt.
Als immer mehr Leute in Richtung Ausgang drängten und auch bei mir ein Brennen im Hals und in den Augen einsetzte, Cozy ungläubig schaute und alle irgendwie ratlos schienen, war klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Jemand hatte scheinbar irgendein Gas in dem rappelvollen Club freigesetzt. Die Party war natürlich sofort zu Ende und alle Gäste mussten den Club verlassen. Es dauerte ziemlich lange, bis die Feuerwehr und die Polizei vor Ort waren. Draußen vor dem Club versammelten sich alle Leute und blockierten die Straße, was bestimmt nicht hilfreich war. Frederick und ich waren gerade nicht in der Stimmung, nach Hause gehen zu wollen, also versuchten wir, noch in andere Clubs zu kommen, aber ringsherum wurden alle anderen Clubs abgeriegelt.
Leute drängeln sich nach dem “Attentat” vor dem Club Asia.
Frederick fürchtet sich vor dem Giftgas.
Ich habe währenddessen die Wand gegenüber phatt gebombt.
R2-D2s der Feuerwehr gehen in den Club.
Für uns war es definitiv zu früh, um nach Ueno zum Hotel zurückzukehren, also machten wir uns auf die Suche nach anderen Läden, in denen noch elektronische Musik gespielt wurde. Als wir aus einem Fast-Food Laden kamen, wurden wir Zeuge, wie sich ein paar Halbstarke rumschubsten und markige Sprüche machten. Plötzlich fiel der erste Schlag und ruck-zuck war eine Keilerei entbrannt. Nun bin ich der Meinung, dass wenn ein paar Asis sich prügeln, es immer den richtigen trifft, deshalb unternahmen Frederick und ich zunächst auch nichts, sondern aßen unsere Burger und sahen zu, zumal es nicht übel zur Sache ging. Das änderte sich aber schlagartig, als fünf der Typen der einen Gruppe einen ihrer Freunde zurückließen. Der wiederum sah sich nun sieben anderen Leuten alleine gegenüber und wurde auf einmal _richtig_ verdroschen. Wenn man große Töne gespuckt und eine Schlägerei gestartet hat, als Folge derer man eine blutige Lippe kassiert, dann ist das eine Sache. Einen am Boden liegenden wehrlosen Typen zu treten und dessen Kopf als Fußball zu missbrauchen, das ist etwas völlig anderes.
Es standen so viele Leute herum, aber niemand hat etwas gemacht. Die Freundin des Opfers schrie und weinte, bat die Schläger, aufzuhören, was sie nicht taten. Erst als Frederick und ich dorthin rannten, schauten die Leute irritiert und ließen verwundert von dem Typen ab. Der Versuch, mit dem Opfer zu reden, war nicht von Erfolg gekrönt, denn dessen Bewusstsein war längst nicht mehr zu Gast in unserer Welt. Ich redete auf die Freundin ein, dass sie endlich einen Notarzt und die Polizei rufen solle, was sie dann auch tat. Frederick hielt derweil die Schläger-Atzen zurück, aber niemand sonst half uns. Als die Polizei endlich anrückte, zog sich einer der Schläger-Spastis demonstrativ sein Shirt aus, woraufhin man den mit Tattoos übersäten Oberkörper sehen konnte. Ganz normal war der nicht, denn die immer zahlreicher werdende Polizei unternahm nichts, außer ihn und seine Freunde zurückzudrängen. In der Zwischenzeit kam ein anderer Typ und setzte den zusammengeschlagenen jungen Japaner in ein Taxi, in dem er zusammen mit seiner Freundin auf und davon fuhr.
Ich war ziemlich fassungslos, dass die Polizei nichts unternahm, denn der Tätowierte schlug sogar Polizisten ins Gesicht, die aber nicht wirklich darauf reagierten. Wenn der Wicht das in Deutschland gemacht hätte, dann wäre der schneller mit dem Gesicht auf dem Boden und den Armen hinter dem Rücken mit Kabelbindern verschnürt gewesen, als er hätte gucken können. Frederick war ebenfalls ziemlich aufgebracht und versuchte dem Polizisten zu sagen, dass der Tätowierte der Hauptschläger gewesen war und zeigte dabei auf den Typen. Sinnlos, denn um das Englisch des Polizisten war es nicht zum Besten bestellt. Der Tätowierte und seine Freunde wiederum beschimpften uns danach als verdammte Ausländer, dass wir verschwinden sollten und so weiter. Der Hammer war aber, dass der Polizist, nachdem er es nicht auf die Kette bekommen hatte, meinen Ausweis zu entziffern, mir riet, mit dem Taxi auf dem schnellsten Wege zurück ins Hotel zu fahren und besser nicht mehr nach Shibuya zu kommen. Ich meine WTF!? Was ist das für ein Scheiß? Wir mussten einsehen, dass es wirklich nichts bringt und weil der Tätowierte sich partout nicht beruhigen wollte, war der Vorschlag des Polizisten vielleicht sogar ein weiser Rat. Dass die Jungs feige Ratten waren, hatten sie ja schon zu Genüge demonstriert, ebenso wie die ringsherum stehenden Gaffer. Ob der Penner und seine Kumpels nun zur Yakuza gehörten oder nicht, ist mir eigentlich egal, aber dass die anderen Passanten und selbst die Polizei feige und teilnahmslos waren, das hat mich geärgert. Wir sind mit dem Taxi zum Hotel gefahren, allerdings nicht ohne uns umzuschauen, ob uns jemand verfolgte. So nahm der Tag einen äußerst unerfreulichen Ausgang.
Am nächsten Tag machten wir nicht viel, weil wir uns erstmal ausschlafen mussten. Abends war nur ein Bummel durch Ikebukuro angesagt, wo wir so taten, als würden wir zu der schier unendlich großen Gruppe von Agent Smiths gehören. Gemeint sind die sarariman, aka „The Suits“, die Anzüge. Heerscharen zumeist in schwarze Anzüge gewandeter Japaner kehren abends in Restaurants oder izakaya ein, in denen je nach Wochentag zum Teil heftig gebechert wird. Wir entdeckten einen supercoolen Laden, den der Kölner wahrscheinlich als Eckkneipe beschreiben würde. Von den vielen Bars, izakaya usw., die ich in Japan gesehen habe, gefiel mir dieser Laden am besten. Die Leute waren total entspannt, hatten sichtlich viel Spaß, die Bedienungen waren nicht auf den Mund gefallen und hatten mehr als die üblichen Floskeln drauf. So kann man es an einem warmen Sommerabend in Tokyo auf jeden Fall aushalten.
Guter Laden!
Agent Smiths verschwinden in der Dunkelheit der Matrix.
Ausgeruht und voller Energie trafen wir am nächsten Tag Ania am Kaminari-mon in Asakusa. Ania hatte den Senso-ji noch nicht gesehen, deshalb gingen wir noch mal zusammen dorthin. Hölle! Da war so der Teufel los, das gibt’s gar nicht. An dem Tag war dort der berühmte hozuki-Markt, deshalb war es rappelvoll. Hozuki, dem ein oder anderen vielleicht als Lampionblume bekannt, wurden dort in rauen Mengen verkauft. Da der Markt nur ein Mal pro Jahr stattfindet, kommen derartig viele Menschen zum Senso-ji, der eh schon eine der Hauptattraktionen Tokyos ist. Ein bizarres und witziges Bild bot sich im Hauptgebäude des Senso-ji, wo die Menschen beten wollten. Normalerweise wirft man Geld in eine Truhe und betet dann, aber weil so viele Leute da waren und der Weg nach vorne zu der Truhe mehr oder weniger blockiert war, warfen die Leute von hinten Geldmünzen in ein Netz in der Hoffnung, dass erstens die Münze das Netz überhaupt trifft, zweitens vom Netz in die Truhe purzelt. Einige vor allem ältere Leute bewiesen dabei mangelndes Geschick, so dass so manche Münze am Hinterkopf eines nichts Böses ahnenden Menschen einschlug. So stressend die Menschenmassen waren, so interessant war es auch. Ania war begeistert und meinte, dass die gesamte Gegend um Shitamachi, sozusagen das alte Tokyo, die beste sei, in der sie bisher gewesen war. Ich kann auch nur jedem einen Besuch dieses Teils Tokyos empfehlen.
Wer Frederick und Ania findet, der darf sie behalten.
Hang loose, dude.
Für uns bedeutete der Tag zudem, dass wir umziehen mussten, nämlich nach Shinjuku, wo wir ein neues Hotel gefunden hatten. 10 Minuten zu Fuß vom JR Bahnhof Shinjuku entfernt, kann man eigentlich kaum näher am pulsierenden Tag- und Nachtleben Tokyos wohnen. Ich behaupte einfach mal, dass es an den hohen Temperaturen tagsüber lag, dass wir vom Nachtleben mal wieder mehr zu erzählen haben hahaha. Dazu aber später mehr.
Nach so viel Urbanität, die Frederick in den letzten Tagen zu sehen bekam, war es an der Zeit für etwas anderes. Ich wollte ihm unbedingt Kamakura zeigen, die Stadt, die mir die liebste unter all denen, die ich in Japan gesehen hatte, ist. So richtig viel will ich an dieser Stelle nicht mehr zu Kamakura oder den einzelnen Orten erzählen, weil ich das schon in früheren Einträgen getan habe:
Kamakura
Kamakura, Teil 2
Kamakura, Teil 3
Galerien:
Kamakura, Teil 1
Kamakura, Teil 2
Kamakura, Teil 3
Kamakura ist einfach toll. Fahrt hin und schaut es euch selbst an. Frederick und ich haben uns ein Fahrrad geliehen und sind so zwischen den verschiedenen Orten hin und her gegurkt. Das erste Ziel war der Hasedera, in dem ich auch schon zwei Mal war. Der “Temple of a flower and a view” machte seinem Namen wieder alle Ehre, vor allem weil zu dieser Zeit dort die Ajisai blühen. Ajisai, oder auch Hydrangea, aka Hortensie. Ich bin zwar kein Blumenkind und habe auch keinen grünen Daumen, aber gefallen hat es mir trotzdem, Frederick wohl auch.
Vor dem Eingang zum Hasedera.
Frederick quält eine Statue Jizos mit der chinesischen Wasserfolter, was zu einigen Extrarunden auf dem Weg ins Nirvana führen wird.
Ja, Ajisai gibt es hier zuhauf!
Hehe…die Kinder sind ganz schön mutig gewesen. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass in der gesamten Shonan Kaigan Region die Adler das sagen haben und dass sie nicht ungefährlich sind, aber die Kids hier ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie ignorierten die Warnschilder und wollten die Adler sogar anlocken, was ich in Anbetracht der Größe des Adlers auf dem Bild schon fast im Bereich des Leichtsinns verorten möchte. Egal, die Kinder hatten ihren Spaß, wenn sie “kowai! kowai!” riefen und die Adler über sie hinweg flogen.
Der nächste Stopp, an dem wir unsere Fahrräder abstellten, war der Daibutsu.
Sehr beeindruckend, beinahe so beeindruckend wie die sommerlichen Kleidungsgewohnheiten mancher Japanerinnen.
Vom Daibutsu aus mussten wir uns einen “Berg” hinauf quälen um in den nördlichen Teil Kamakuras zu gelangen, in dem die wichtigsten Zen-Tempel zu finden sind. Schwitzend kamen wir im Kencho-ji an, der zusammen mit seinem Schutzschrein Hanso-bo zu den wichtigsten Zen-Tempeln der Stadt gehört.
Die Orte müssten eigentlich den aufmerksamen Lesern bekannt vorkommen
Schön entspannt konnten wir danach zum Engaku-ji rollen. Wenn man vom Bahnhof Kamakura zum Nordbahnhof Kamakura fährt, dann befindet sich auf der rechten Seite zwischen Kencho-ji und Engaku-ji gelegen ein kleiner Laden, in dem senbei verkauft werden. Superlecker sind die und die Leute, die dort arbeiten, sind absolut herzlich, also fahrt mal da vorbei und bestellt Grüße von Wolle aus Deutschland hehe.
Der Zelda-ji, wie ich den Engaku-ji auch nenne, war wieder großartig. Als ich sah, dass dort in einer Nebenanlage gerade Kyûdô praktiziert wurde, fragte ich freundlich nach, ob ich von ihnen Fotos machen dürfe. Daraufhin wurden Frederick und ich zu den Bogenschützen gebeten, uns wurde die ganze Anlage gezeigt und erklärt und selbst der Meister kümmerte sich persönlich um uns. Besonders stolz war man auf die Bögen von Eugen Herrigel, ein deutscher Philosoph, der oft in dieser Schule zu Gast war. Überhaupt gab es schon einige berühmte Besucher im Engaku-ji und in dieser Schule, so wurde mir z.B. ein Foto von Helmut Kohl gezeigt, wie er mit dem Meister posierte. Ein lustiges Bild übrigens, weil unser Helmut ja von eher massiger Statur ist, während der Meister, wie auf dem Foto unschwer zu erkennen ist, zu der hageren Sorte gehört.
Herrigel was here.
Waren die nett!
Normalerweise hat man zu diesem Bereich des Engaku-ji keinen Zutritt und man kann auch nicht einfach so Mitglied in dieser Kyudo-Schule werden. Umso größer war meine Freude darüber, dass uns alles erklärt und gezeigt wurde. Das sind die Momente, die ich in Japan besonders zu schätzen gelernt habe. Diese Momente bemerkenswerter Gastfreundlichkeit, die ich vor allem in den ländlichen Gebieten angetroffen habe.
Dass ich diese Gastfreundlichkeit mal wieder in Kamakura erfuhr, verstärkte meine Liebe zu dieser Stadt nur noch mehr und bestätigte mich in der Meinung, dass es die beste Stadt Japans ist. Vier Tempel hatten wir nun schon gesehen und so entschlossen wir uns, nur noch den wichtigsten Schrein Kamakuras zu besichtigen, schließlich sind wir beide im Urlaub und da muss man ja nicht jeden Tag Powersightseeing machen, so wie ich es eigentlich sonst die meiste Zeit gemacht habe. Der Tsurugaoka Hachiman-gu gefiel Frederick am besten, glaube ich.
Die Rückgabefrist für unsere Fahrräder zwang uns zum Bahnhof zurückzukehren, der Tag in Kamakura war damit jedoch noch nicht beendet. Mit dem Bus ging es noch zum Strand, wo wir es uns im Sand gemütlich machten. Der Himmel zog sich zu, die schwüle Hitze blieb aber und so war das Wasser eine willkommene Abkühlung für die müden Füße. Der Strand von Kamakura ist weitläufig und jetzt im Sommer sind dort viele Strandrestaurants und Bars aufgebaut, in denen den Blick aufs Meer sowie die Brandung genießen kann, während man sich japanische, thailändische oder indische Spezialitäten einverleibt oder ein paar Drinks genießt. Der Strand bleibt lange flach, man kann also weit ins Meer hineingehen. Da es das erste Mal war, dass ich im Sommer in Kamakura war, war ich vom Strand mit den vielen Bars und Restaurants noch begeisterter als vorher, also wurden erneut Punkte auf dem Kamakura-Coolnesskonto verbucht.
Ein Essen in einem Restaurant beendete den Tag in Kamakura. Tonkatsu und soba wurden serviert, dazu das leckere Kamakura Bier, das tatsächlich nach Bier schmeckt und nicht an eins der grässlichen happoshus erinnert. Zurück in Tokyo haben wir uns noch die Ginza bei Nacht und das Gebiet um den Hauptbahnhof Tokyo angesehen. Die Ginza mag an Bedeutung für das Luxusshopping verloren haben, da die Konkurrenz in anderen Stadtvierteln erstarkt ist, aber das teuerste Nachtleben findet hier statt. Im einem Guide las ich, dass nur die Leute mit quasi unlimitierten Spesenkonten hier in den Toplokalen Eintritt erhalten und es für Ausländer quasi aussichtslos ist, überhaupt dort hineingelassen zu werden. Meine CC von der DKB ist nicht mal von güldener Farbe, deshalb konnte ich das getrost vergessen.
Zuletzt sind wir noch zum Tokyo International Forum, das in der Nähe des Bahnhofs Tokyo liegt, gefahren. Auch dort war ich schon, aber nur tagsüber. Die wundervoll futuristische Architektur des Glas- und Stahlpalastes ist nachts noch mal schöner anzuschauen, weil sie ins rechte Licht gerückt wird, siehe Fotos.
Die Ginza bei Nacht.
So sieht das Tokyo International Forum in der Nacht aus.
Mann, Mann, irgendwie habe ich schon zu viel geschrieben, oder? Oh weh, es kommt noch mehr! Mein letztes Wochenende in Japan begann mit einem Abschied, dieses Mal von Ania. Wir trafen Ania, die Verstärkung in Gestalt einer 1,90m großen Superblondine aus Polen mitbrachte, und gingen noch mal nach Akihabara. Es war schon witzig zu sehen, wie viele japanische Männer gestarrt haben, denn 127 cm lange und miniberockte Beine in Kombination mit Haaren, die so blond sind, dass sie in der Sonne blendend wirken, sieht man wirklich nicht oft in Japan. Sayonara, Ania!
Wie könnte es anders sein, ich muss noch etwas über Shinjuku bei Nacht erzählen, um den Bogen zum Titel des Eintrags wieder zu spannen. Atzen! Vielleicht ist das der falsche Ausdruck, aber so viele zerstörte Leute wie in Tokyo habe ich abends bzw. nachts noch nirgendwo anders gesehen. Schnapsleichen oder kotzende Leute findet man überall, wirklich krass. Die Leute pennen an jeder Ecke, ganz gleich ob in der Hocke, an ein Schaufenster gelehnt, auf dem Boden liegend oder auf dem Tisch im Fast-Food Restaurant um die Ecke. Durch die frühe Abfahrzeit der letzten Bahn sind die Feiergewohnheiten in Tokyo meiner Meinung nach auch etwas anders. Hier wird viel früher mit dem Feiern/Ausgehen/Trinken begonnen, das Ganze meines Erachtens nach heftiger gemacht, um so gegen 0.30 Uhr mit der letzten Bahn noch nach Hause zu kommen. Aus diesem Grund sieht es nachts um 23.30 Uhr an vielen Plätzen schon so aus wie vor dem Teatro oder dem Roxy in Köln um 9 Uhr morgens. Dafür ist von 19-23 Uhr am Wochenende hier so der Teufel los, wie sonst beim Karneval in Köln. Auch hier gilt wieder, dass man es gesehen haben muss, um es zu glauben. Der Abend begann vor einem der vielen Läden, in denen Tierwelpen verkauft werden. Jedes der Welpen würde es problemlos auf www.cuteoverload.com schaffen, aber ich kann dem nichts abgewinnen. Bei dem krassen Lärm und den dauernd blinkenden Neonlichtern ist es kein Wunder, dass die Viecher alles andere als glücklich wirkten. Schaut euch die Fotos an:
Süss? Hier, der nächste Kollege hat schon keine Lust mehr und nagt das Stromkabel an, damit er seiner Existenz ein Ende setzen kann.
Bis 22 Uhr kann man Powershopping in fast allen Läden betreiben, in manchen sogar rund um die Uhr, so z.B. bei Don Quichotte, wo es vom Billig-Sake über Waschmaschinen bis hin zu Rolex-Uhren wirklich alles zu kaufen gibt…abgefahren. In den vielen kleinen Gassen und Straßen von Shinjuku, hauptsächlich in Kabuki-cho (ichome, nichome und sanchome) findet man so ziemlich alles, was man im „pink“-Bereich verorten kann. Über die meisten Sachen will und sollte ich an dieser Stelle besser nichts erzählen, sondern empfehle den geneigten Personen, diverse Läden selber auszuprobieren haha. Dabei sollte man beachten, dass in nichome die Schwulen- und Lesbenszene beheimatet ist, also nicht wundern, wenn man dort in Bars nur Männer sieht ^^. Zu den meisten Clubs gehobeneren Niveaus (die, in die die surreal hübschen Frauen gehen) hat man leider als Ausländer kaum Zutritt. Vielleicht wäre es einfacher, wenn man es in Begleitung eines Japaners oder einer Japanerin versuchen würde, aber alleine hat man oftmals keine Chance auf Eintritt…die Einheimischen dort scheinen lieber unter sich feiern zu wollen. So oder so, wenn man will, dann bekommt man die Nacht in Shinjuku auf jeden Fall rum, erst recht, wenn man es nicht weit bis zu seinem Hotel hat. In den frühen Morgenstunden ändert sich das Bild des lärmenden und pulsierenden Viertels dagegen völlig.
Es wird Nacht in Shinjuku.
Auch für Frauen gibt es Host-Clubs.
Allmählich wird es richtig voll.
Jetzt ist es voll.
So sehen die Typen aus, die versuchen, Leute in Bars oder Clubs zu locken.
Was bleibt? Müll. Krähen, Tauben, Müll. Und Wracks. Also menschliche Wracks, Reste, Opfer, Überbleibsel des alltäglichen Nachtlebenwahnsinns, der sich in Shinjuku abspielt. Ach, und etwas, das vermutlich so mit das Seltenste ist, was es in Tokyo gibt, kann man dann auch in Shinjuku erleben: Stille. Sonntagsmorgens ist es einfach nur ruhig, vielleicht für eine Stunde zwischen 6 und 7 Uhr, wie ihr anhand der Fotos erkennen könnt. Damit war auch der Tag bzw. die Nacht für Frederick und mich beendet.
Krähen, die Herren Tokyos, haben ihre Handlanger, die Tauben, in die abgelegeneren Ecken Shinjukus geschickt.
Stellvertretend für erschöpfte “Partygänger”…
I Am Legend. Toll!
Guten Morgen…schlaft gut.











































Einträge (RSS)
5. August 2008 an 11:26
Hey Wolle, Du hast nicht zu viel versprochen, die Hündchens sidn wirklich sehr süß, vor allem der braune Doggy auf dem ersten Hundebild
6. August 2008 an 10:31
Hehe ja, cuteoverload, nicht wahr? Aber glaub mir, du und Swantje, ihr hättet euch wirklich aufgeregt darüber, denn das war wirklich Mitleid erregend. Vielleicht gehört das aber auch zur Masche, ne
Kauft die armen, kleine, süßen Hündchen!