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Geschrieben von: admin in Allgemein
Einen Tag haben wir noch in Shinjuku und Ikebukuro verbracht, da noch Schuhe erworben werden mussten. Für mich selbst habe ich als Andenken einen Fächer gekauft. Der letzte Samstag in Japan war der bis dahin heißeste Tag des Jahres in Japan, mit stellenweise 38°C im Schatten in Tokyo, gepaart mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. An diesem Tag starben einige ältere Menschen, ein komplettes Baseballteam erlitt einen Hitzeschlag und bei vielen weiteren lautete die Diagnose entweder Sonnenstich oder Dehydrierung. So las ich es zumindest in der Zeitung. Kein Wunder, sage ich da nur.
Am frühen Abend, als wir nach Shinjuku zurückkehrten, sahen wir, wie eine junge Frau auf dem Rand eines Blumenkübels saß, mit dem Oberkörper aber nach hinten gekippt war und halb im Busch lag. Komisch sah das aus, aber es saßen und standen viele Leute daneben, also dachten wir, dass sie vielleicht tatsächlich nur müde wurde und ihre Freunde neben ihr waren. Als wir nach 20 Minuten wieder aus einem Kaufhaus kamen, lag sie immer noch in der gleichen Position wie vorher da, also konnte da etwas nicht stimmen. Ich fragte die Leute, die daneben saßen, ob das ihre Freundin sei, was sie verneinten. Sie meinten allerdings, dass sie bestimmt in Ordnung sei und nur schlafe. Ähm, nein? Wer schläft schon eine halbe Stunde in einem Busch, mitten in Shinjuku, die Louis Vitton Taschen und weitere Einkaufstaschen schön aufgereiht? Richtig, vermutlich kaum jemand.
Die junge Frau war eine von vielen Japanerinnen, die mit Jeansgröße Null viel zu dünn sind, ihre Streichholzbeine auf übelst hochhackige Schuhe stellen und mit derart vielen Einkaufstaschen behangen sind, dass sie einem anatolischen Muli Konkurrenz machen könnten. Nun kann man darüber streiten, ob das überhaupt sein muss, aber gänzlich unstrittig dürfte es sein, dass es unklug ist, das bei 35-38°C im Schatten zu machen. Fashion victim oder style victim, das bekommt hier eine ganz andere Bedeutung. Diese junge Japanerin war auf jeden Fall völlig weggetreten, denn sie reagierte nicht auf meine Ansprechversuche, nicht mal auf leichte Klapser ins Gesicht oder starkes Rütteln. Ein Blick unter die Augenlider zeigte, dass ihre Augen vollkommen glasig waren und keinerlei Pupillenreaktion zu sehen war. Ich sagte einem anderen Mädel, dass sie sofort den Arzt rufen solle, was sie auch tat. Plötzlich waren rings um uns herum lauter Leute da. Vorher hatte sich niemand um sie gekümmert, aber jetzt konnten alle gaffen. Das Übelste war, dass eine andere junge Frau, die ich schon vorher neben der Bewusstlosen gesehen hatte, sich als Krankenschwester entpuppt hat. Sie konnte dann mehr oder weniger erste Hilfe leisten, ihren Puls und Blutdruck bestimmen, was sie alles an telefonisch an den Notarzt weitergab. Mit meinem neu erworbenen Fächer sorgte ich für Frischluft, bis zuerst die Feuerwehr eintraf. Weder die Feuerwehr noch der nachfolgend eingetroffene Notarzt konnten sie wieder zu Bewusstsein bringen, also wurde sie liegend abtransportiert.
Bah, diese Teilnahmslosigkeit und Wegsehmentalität, die in Tokyo zum Alltag gehört, die ging mir so auf den Sack. Immer schön das Image und die Coolness waren, bloss nicht hinschauen oder etwas vermeintlich Peinliches machen, ne? Da lässt eine Krankenschwester eine Frau mindestens 30 Minuten rumliegen und macht erst etwas, nachdem sich zwei dusselige Ausländer zuerst um die Frau gekümmert haben. Wer weiß, wie lange das Mädel vorher schon im Busch lag, bevor Frederick und ich dort vorbeikamen? Dumm genug, dass wir (ich) nicht sofort die Leute daneben gefragt haben, ob sie Freunde der Frau sind, aber für mich war der Gedanke absurder, dass jemand die Frau unbeachtet dort liegen lässt, als dass die sich tatsächlich bei diesen krassen Temperaturen so ausruht. Ätzend, total ätzend.
Man kann es sicher heraushören, Tokyo mag ich nicht wirklich. Ich habe mich gefragt, ob Tokyo repräsentativ für Japan sein könnte, aber ich war insgesamt nur ungefähr einen Monat dort und vielleicht kann ich mir kein Urteil erlauben, weder über Tokyo noch über Japan :). Urteil ist wahrscheinlich eh das falsche Wort, belassen wir es bei einer Meinung. Meiner Meinung nach ist Tokyo für gar nichts repräsentativ, außer für sich selbst. Für mich ist es, so interessant, vielfältig, modern und einzigartig es sein mag, Weltstadt hin oder her, eine lebensfeindliche Umgebung, deren Energie raubender Charakter sich in den zig Tausenden ausgemergelten Gesichtern der Pendler widerspiegelt. Komisch, dass mein Rat lautet, es unbedingt mal gesehen haben zu müssen.

Noch einmal Shinjuku bei Nacht. Hinter mir (ich habe das Foto gemacht) war die Stelle, wo die Frau im Busch lag.
Frederick und ich haben am letzten Abend eigentlich nur noch eine Tour durch Restaurants gemacht und gegessen bis zum Umfallen. Das japanische Essen werde ich definitiv vermissen, denn so gesund habe ich mich das letzte Mal vor zehn Jahren gefühlt. Im Shinjuku Sports Center, das die beste Spielhalle ist, die ich je gesehen habe, wurde an diesem Tag noch der brandneue Street Fighter IV Automat aufgestellt, den ich mir natürlich anschauen bzw. spielen musste. Was für ein geiles Spiel!


Kitty!

Der Narita Express kommt gleich.
Die Nacht habe ich fast durchgemacht, weil ich mit der allerersten Bahn zum Flughafen Narita fahren musste. Aufgrund einer kleinen Fehlplanung musste Frederick noch einen Tag alleine in Tokyo verbringen. Von Narita aus ging es zunächst nach Seoul, von da aus weiter nach Frankfurt. Ein Tipp an dieser Stelle: Asiana Airlines ist eine tolle Airline, sehr günstig und eine der wenigen Fluglinien, die bei skytrax 5 Sterne erhalten haben. Der Service ist super, das Essen wirklich gut (vor allem das koreanische Menü) und der Komfort für die Economy Klasse sehr gut.
Damit ging ein halbes Jahr in Japan für mich zu Ende. Wie war es denn nun? Es war ziemlich intensiv. Ich habe sehr viel gesehen, sehr viele Leute getroffen, Freunde gefunden und noch mehr gelernt. Wirklich zusammenfassen kann und will ich es nicht, außer: Licht und Schatten, wobei z.B. die Tatsache, dass ich wieder zurück nach .de musste, auch als Schatten gewertet werden kann. Das ist so allgemein, dass es auf alles zutrifft, aber eben auch auf meinen Japanaufenthalt, deshalb ist mein letztes Foto auf japanischem Boden auch das hier gewesen. Jeder, der sich den ganzen Kram, den ich hier geschrieben habe, durchgelesen hat, kann sich selbst ein Bild davon machen, in welchem Verhältnis Licht und Schatten zueinander stehen.

Leichter zusammenfassen lässt sich da mein Blog. Ich war am Anfang skeptisch, ob ich das hier überhaupt machen sollte, war aber der Meinung, dass meine Familie und Freunde so am besten sehen können, was ich so in Japan mache und dass es gegenüber vielen einzelnen Mails Zeit spart. Mittendrin habe ich gemerkt, dass es mir auch einfach Spaß gemacht hat. Wenn es euch auch Spaß gemacht hat, hier zu lesen und Fotos anzuschauen, dann freut mich das. Nichtsdestotrotz ist das hier der letzte Eintrag, denn die Japan-Reise ist zu Ende, folglich auch der Japan-Blog.
Zahlen:
6 Monate
59 Einträge habe ich geschrieben
185 Kommentare gab es dazu
2443 Bilder habe ich auf 50 Galerien verteilt
9379 Besuche der Seite gab es
21016 Seiten wurden dabei abgerufen
400248 Anfragen wurden dabei gestellt
82249276 Kilobyte Traffic wurden dadurch verursacht
Mehr, als ich jemals gedacht hätte hehe. Lustig ist auch, dass Leute aus vielen verschiedenen Ländern kamen und durch Suchen nach Begriffen wie “Jean Claude Van Damme” auf meiner Seite gelandet sind. Lol.
Bedanken muss ich mich auch noch, am allermeisten natürlich bei meiner Familie, ohne die das alles logischerweise kaum möglich gewesen wäre: Danke! Dann bei meinen Freunden, also bei euch. Diese zwei “Dinge” haben mir am meisten in Japan gefehlt.
Von den Leuten, die ich in Japan kennengelernt habe, bin ich einigen zu sehr viel Dank verpflichtet, aber ohne hier irgendeine Rangfolge anzugeben: Noriaki, Sumiko, Sono, Keisuke, Akemi, Tadashi, Kohei, Yvonne, Lanna, Judith, Yumiko, Satoshi, Tomoko, Toshie, Sarah, Noriyaki, Zenryu, Ken, Benoit, Ben, Ai, Taniguchi, Yohei, Emi, Mi, Ami, Ania, Tuomo, Takeuchi, Naka, Nao, Shinpei, Kayo, Lili, Ryu, Louie, Boat und noch einige mehr, aber mein Namensgedächtnis ist wirklich nicht das beste, deshalb sorry an dieser Stelle an diejenigen, die ich vergessen habe. Ein paar von euch werde ich bestimmt noch mal wiedersehen, denn die Welt ist klein.
In diesem Sinne, さよなら。
Epilog:
Puh, 9 Stunden Unterschied, wieder ein Zeitsprung. Warum ist es eigentlich in Frankfurt am Flughafen so laut und warum müssen die Deutschen so schreien? Warum kann sich niemand in einer ordentlichen Reihe anstellen? Könnte die Tusse am Informationsschalter mal ein bisschen freundlicher sein? Ich habe schließlich Geld für den Flug bezahlt! Kulturschock mal anders.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Was in “Aliens“, der immer mal wieder den Spitzenplatz auf der Liste meiner Lieblingsfilme innehält (jedes Mal, wenn ich ihn wieder angeschaut habe), von der kleinen Newt über die fiesen Xenomorphen gesagt wird, das trifft in Japan auf…hm, wie soll ich es bloß formulieren? Leicht beschönigend ausgedrückt könnte man von schlechten Manieren sprechen, die sich nachts verstärkt zeigen und lauter Jekylls zu Hydes werden. Weniger euphemistisch gesagt kommen nachts die Asis aus ihren Löchern, aber dazu später mehr. Das wird übrigens ein langer Eintrag und es gibt viel zu lesen, aber es sind auch zum Teil dramatische Sachen passiert…
Asis, ja, die gibt es hier auch. Je später der Abend wird, je größer der Alkoholgehalt im Blut wird, desto mehr scheint die Zurückhaltung, die tagsüber von den meisten Menschen an den Tag gelegt wird, einer Verhaltensweise zu weichen, die auf mich wie ein Akt der Befreiung und des Trotzes wirkt. Die unwirkliche Stille z.B., die tagsüber in übervollen Bahnen herrscht, weicht lautem Gelächter und laut geführten Gesprächen, besonders seitens angetrunkener sararimen. Es wird auch nicht mehr auf den Boden geschaut, sondern man spürt, wie man gemustert wird. Wo sonst unterwürfig „Ah! Sumimasen“ gesagt wird, wenn man sich neben jemanden in der Bahn setzt oder die Leute sich selbst schmal machen, um Platz für andere Fahrgäste zu schaffen, da lässt man sich nun geschafft in die Sitze fallen, in denen der eigene Körper möglichst Platz raubend platziert wird.
In einem Fall setzte sich ein Typ derartig breitbeinig hin, dass rechts und links neben ihm jeweils mindestens ein Platz verloren ging. Ein anderer sarariman, der in die Bahn kam, wollte sich hinsetzen, hatte aber zu wenig Platz. Anstatt „sumimasen“ konnte man „MOVE! FUUUUCK! ASSHOLE!“ vernehmen, was erstens ungewöhnlich war, weil ich noch nie einen Japaner in stark Akzent belastetem Englisch habe fluchen hören, und zweitens, weil der Typ auf der Bank nur gelangweilt schaute, um sich danach noch breiter zu machen. Der andere sarariman setzte sich dennoch dorthin, mit merkwürdig verschränkten Beinen, weil er sonst keinen Platz gehabt hätte, tippte manisch auf seinem Handy herum und hatte dabei die ganze Zeit einen Ausdruck kalter, unterdrückter Wut in seinen Augen. Ich dachte mir, dass dieser Typ sicher das Potential hat, der nächste Irre zu sein, der mit einem Auto in eine Menschenmenge fährt und danach wahllos um sich sticht.
Dieses Ereignis passierte auf der Fahrt nach Shibuya, wo wir uns den Club Asia ausgesucht hatten, um noch mal tanzen zu gehen. Das Ausgehviertel in Shibuya ist besonders bei jungen Leuten sehr beliebt. Neben vielen, vielen Bars, Restaurants und Clubs existiert hier eine hohe Konzentration von Love Hotels. Love Hotel Hill, so heißt das Gebiet, das auf einem kleinen Hügel liegt und in dem sich zig Love Hotels befinden. Man sollte das mal gesehen haben. Praktisch ist es allemal, denn so muss man nicht mit dem Taxi oder einer der ersten Bahnen weit nach Hause reisen und sich dort in jeder-hört-alles-Wohnungen bemühen, leise zu sein, sondern kann sich ganz nach dem Motto „raus aus der Disse, rein in die Kiste“ in einem der nahe gelegenen Love Hotels einnisten und einen „3 hour rest“ buchen
Das Womb, eine der ältesten und besten Adressen für elektronische Musik in Tokyo, hatte an diesem Tag leider geschlossen, aber der Club Asia liegt ganz in der Nähe, also gingen wir dorthin. Oh Wunder, es war wieder ein Psytrance-Abend, zumindest auf der Haupttanzfläche. So weit, so gut. Das Set von Cozy war wieder mal brillant, was die Leute zwei Stunden lang ausrasten ließ. Ab 4 Uhr sollte dann Uni, die ich schon auf dem Nagisa Festival gesehen hatte, live spielen. Dazu wurde auf der Bühne allerlei Instrumentarium aufgebaut, denn Psytrance live mit Band und Percussion zu spielen ist schon ziemlich aufwändig. Plötzlich fingen neben mir Leute an zu husten und zu kotzen, was mich reichlich irritierte. Ich schwitzte zwar, aber so schlimm war es auch nicht und mein Deo hatte noch nicht versagt.
Als immer mehr Leute in Richtung Ausgang drängten und auch bei mir ein Brennen im Hals und in den Augen einsetzte, Cozy ungläubig schaute und alle irgendwie ratlos schienen, war klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Jemand hatte scheinbar irgendein Gas in dem rappelvollen Club freigesetzt. Die Party war natürlich sofort zu Ende und alle Gäste mussten den Club verlassen. Es dauerte ziemlich lange, bis die Feuerwehr und die Polizei vor Ort waren. Draußen vor dem Club versammelten sich alle Leute und blockierten die Straße, was bestimmt nicht hilfreich war. Frederick und ich waren gerade nicht in der Stimmung, nach Hause gehen zu wollen, also versuchten wir, noch in andere Clubs zu kommen, aber ringsherum wurden alle anderen Clubs abgeriegelt.

Leute drängeln sich nach dem “Attentat” vor dem Club Asia.

Frederick fürchtet sich vor dem Giftgas.

Ich habe währenddessen die Wand gegenüber phatt gebombt.

R2-D2s der Feuerwehr gehen in den Club.
Für uns war es definitiv zu früh, um nach Ueno zum Hotel zurückzukehren, also machten wir uns auf die Suche nach anderen Läden, in denen noch elektronische Musik gespielt wurde. Als wir aus einem Fast-Food Laden kamen, wurden wir Zeuge, wie sich ein paar Halbstarke rumschubsten und markige Sprüche machten. Plötzlich fiel der erste Schlag und ruck-zuck war eine Keilerei entbrannt. Nun bin ich der Meinung, dass wenn ein paar Asis sich prügeln, es immer den richtigen trifft, deshalb unternahmen Frederick und ich zunächst auch nichts, sondern aßen unsere Burger und sahen zu, zumal es nicht übel zur Sache ging. Das änderte sich aber schlagartig, als fünf der Typen der einen Gruppe einen ihrer Freunde zurückließen. Der wiederum sah sich nun sieben anderen Leuten alleine gegenüber und wurde auf einmal _richtig_ verdroschen. Wenn man große Töne gespuckt und eine Schlägerei gestartet hat, als Folge derer man eine blutige Lippe kassiert, dann ist das eine Sache. Einen am Boden liegenden wehrlosen Typen zu treten und dessen Kopf als Fußball zu missbrauchen, das ist etwas völlig anderes.
Es standen so viele Leute herum, aber niemand hat etwas gemacht. Die Freundin des Opfers schrie und weinte, bat die Schläger, aufzuhören, was sie nicht taten. Erst als Frederick und ich dorthin rannten, schauten die Leute irritiert und ließen verwundert von dem Typen ab. Der Versuch, mit dem Opfer zu reden, war nicht von Erfolg gekrönt, denn dessen Bewusstsein war längst nicht mehr zu Gast in unserer Welt. Ich redete auf die Freundin ein, dass sie endlich einen Notarzt und die Polizei rufen solle, was sie dann auch tat. Frederick hielt derweil die Schläger-Atzen zurück, aber niemand sonst half uns. Als die Polizei endlich anrückte, zog sich einer der Schläger-Spastis demonstrativ sein Shirt aus, woraufhin man den mit Tattoos übersäten Oberkörper sehen konnte. Ganz normal war der nicht, denn die immer zahlreicher werdende Polizei unternahm nichts, außer ihn und seine Freunde zurückzudrängen. In der Zwischenzeit kam ein anderer Typ und setzte den zusammengeschlagenen jungen Japaner in ein Taxi, in dem er zusammen mit seiner Freundin auf und davon fuhr.
Ich war ziemlich fassungslos, dass die Polizei nichts unternahm, denn der Tätowierte schlug sogar Polizisten ins Gesicht, die aber nicht wirklich darauf reagierten. Wenn der Wicht das in Deutschland gemacht hätte, dann wäre der schneller mit dem Gesicht auf dem Boden und den Armen hinter dem Rücken mit Kabelbindern verschnürt gewesen, als er hätte gucken können. Frederick war ebenfalls ziemlich aufgebracht und versuchte dem Polizisten zu sagen, dass der Tätowierte der Hauptschläger gewesen war und zeigte dabei auf den Typen. Sinnlos, denn um das Englisch des Polizisten war es nicht zum Besten bestellt. Der Tätowierte und seine Freunde wiederum beschimpften uns danach als verdammte Ausländer, dass wir verschwinden sollten und so weiter. Der Hammer war aber, dass der Polizist, nachdem er es nicht auf die Kette bekommen hatte, meinen Ausweis zu entziffern, mir riet, mit dem Taxi auf dem schnellsten Wege zurück ins Hotel zu fahren und besser nicht mehr nach Shibuya zu kommen. Ich meine WTF!? Was ist das für ein Scheiß? Wir mussten einsehen, dass es wirklich nichts bringt und weil der Tätowierte sich partout nicht beruhigen wollte, war der Vorschlag des Polizisten vielleicht sogar ein weiser Rat. Dass die Jungs feige Ratten waren, hatten sie ja schon zu Genüge demonstriert, ebenso wie die ringsherum stehenden Gaffer. Ob der Penner und seine Kumpels nun zur Yakuza gehörten oder nicht, ist mir eigentlich egal, aber dass die anderen Passanten und selbst die Polizei feige und teilnahmslos waren, das hat mich geärgert. Wir sind mit dem Taxi zum Hotel gefahren, allerdings nicht ohne uns umzuschauen, ob uns jemand verfolgte. So nahm der Tag einen äußerst unerfreulichen Ausgang.
Am nächsten Tag machten wir nicht viel, weil wir uns erstmal ausschlafen mussten. Abends war nur ein Bummel durch Ikebukuro angesagt, wo wir so taten, als würden wir zu der schier unendlich großen Gruppe von Agent Smiths gehören. Gemeint sind die sarariman, aka „The Suits“, die Anzüge. Heerscharen zumeist in schwarze Anzüge gewandeter Japaner kehren abends in Restaurants oder izakaya ein, in denen je nach Wochentag zum Teil heftig gebechert wird. Wir entdeckten einen supercoolen Laden, den der Kölner wahrscheinlich als Eckkneipe beschreiben würde. Von den vielen Bars, izakaya usw., die ich in Japan gesehen habe, gefiel mir dieser Laden am besten. Die Leute waren total entspannt, hatten sichtlich viel Spaß, die Bedienungen waren nicht auf den Mund gefallen und hatten mehr als die üblichen Floskeln drauf. So kann man es an einem warmen Sommerabend in Tokyo auf jeden Fall aushalten.


Guter Laden!


Agent Smiths verschwinden in der Dunkelheit der Matrix.
Ausgeruht und voller Energie trafen wir am nächsten Tag Ania am Kaminari-mon in Asakusa. Ania hatte den Senso-ji noch nicht gesehen, deshalb gingen wir noch mal zusammen dorthin. Hölle! Da war so der Teufel los, das gibt’s gar nicht. An dem Tag war dort der berühmte hozuki-Markt, deshalb war es rappelvoll. Hozuki, dem ein oder anderen vielleicht als Lampionblume bekannt, wurden dort in rauen Mengen verkauft. Da der Markt nur ein Mal pro Jahr stattfindet, kommen derartig viele Menschen zum Senso-ji, der eh schon eine der Hauptattraktionen Tokyos ist. Ein bizarres und witziges Bild bot sich im Hauptgebäude des Senso-ji, wo die Menschen beten wollten. Normalerweise wirft man Geld in eine Truhe und betet dann, aber weil so viele Leute da waren und der Weg nach vorne zu der Truhe mehr oder weniger blockiert war, warfen die Leute von hinten Geldmünzen in ein Netz in der Hoffnung, dass erstens die Münze das Netz überhaupt trifft, zweitens vom Netz in die Truhe purzelt. Einige vor allem ältere Leute bewiesen dabei mangelndes Geschick, so dass so manche Münze am Hinterkopf eines nichts Böses ahnenden Menschen einschlug. So stressend die Menschenmassen waren, so interessant war es auch. Ania war begeistert und meinte, dass die gesamte Gegend um Shitamachi, sozusagen das alte Tokyo, die beste sei, in der sie bisher gewesen war. Ich kann auch nur jedem einen Besuch dieses Teils Tokyos empfehlen.


Wer Frederick und Ania findet, der darf sie behalten.

Hang loose, dude.
Für uns bedeutete der Tag zudem, dass wir umziehen mussten, nämlich nach Shinjuku, wo wir ein neues Hotel gefunden hatten. 10 Minuten zu Fuß vom JR Bahnhof Shinjuku entfernt, kann man eigentlich kaum näher am pulsierenden Tag- und Nachtleben Tokyos wohnen. Ich behaupte einfach mal, dass es an den hohen Temperaturen tagsüber lag, dass wir vom Nachtleben mal wieder mehr zu erzählen haben hahaha. Dazu aber später mehr.
Nach so viel Urbanität, die Frederick in den letzten Tagen zu sehen bekam, war es an der Zeit für etwas anderes. Ich wollte ihm unbedingt Kamakura zeigen, die Stadt, die mir die liebste unter all denen, die ich in Japan gesehen hatte, ist. So richtig viel will ich an dieser Stelle nicht mehr zu Kamakura oder den einzelnen Orten erzählen, weil ich das schon in früheren Einträgen getan habe:
Einträge:
Kamakura
Kamakura, Teil 2
Kamakura, Teil 3
Galerien:
Kamakura, Teil 1
Kamakura, Teil 2
Kamakura, Teil 3
Kamakura ist einfach toll. Fahrt hin und schaut es euch selbst an. Frederick und ich haben uns ein Fahrrad geliehen und sind so zwischen den verschiedenen Orten hin und her gegurkt. Das erste Ziel war der Hasedera, in dem ich auch schon zwei Mal war. Der “Temple of a flower and a view” machte seinem Namen wieder alle Ehre, vor allem weil zu dieser Zeit dort die Ajisai blühen. Ajisai, oder auch Hydrangea, aka Hortensie. Ich bin zwar kein Blumenkind und habe auch keinen grünen Daumen, aber gefallen hat es mir trotzdem, Frederick wohl auch.

Vor dem Eingang zum Hasedera.

Frederick quält eine Statue Jizos mit der chinesischen Wasserfolter, was zu einigen Extrarunden auf dem Weg ins Nirvana führen wird.

Ja, Ajisai gibt es hier zuhauf!

Hehe…die Kinder sind ganz schön mutig gewesen. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass in der gesamten Shonan Kaigan Region die Adler das sagen haben und dass sie nicht ungefährlich sind, aber die Kids hier ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie ignorierten die Warnschilder und wollten die Adler sogar anlocken, was ich in Anbetracht der Größe des Adlers auf dem Bild schon fast im Bereich des Leichtsinns verorten möchte. Egal, die Kinder hatten ihren Spaß, wenn sie “kowai! kowai!” riefen und die Adler über sie hinweg flogen.
Der nächste Stopp, an dem wir unsere Fahrräder abstellten, war der Daibutsu.


Sehr beeindruckend, beinahe so beeindruckend wie die sommerlichen Kleidungsgewohnheiten mancher Japanerinnen.
Vom Daibutsu aus mussten wir uns einen “Berg” hinauf quälen um in den nördlichen Teil Kamakuras zu gelangen, in dem die wichtigsten Zen-Tempel zu finden sind. Schwitzend kamen wir im Kencho-ji an, der zusammen mit seinem Schutzschrein Hanso-bo zu den wichtigsten Zen-Tempeln der Stadt gehört.


Die Orte müssten eigentlich den aufmerksamen Lesern bekannt vorkommen
Schön entspannt konnten wir danach zum Engaku-ji rollen. Wenn man vom Bahnhof Kamakura zum Nordbahnhof Kamakura fährt, dann befindet sich auf der rechten Seite zwischen Kencho-ji und Engaku-ji gelegen ein kleiner Laden, in dem senbei verkauft werden. Superlecker sind die und die Leute, die dort arbeiten, sind absolut herzlich, also fahrt mal da vorbei und bestellt Grüße von Wolle aus Deutschland hehe.
Der Zelda-ji, wie ich den Engaku-ji auch nenne, war wieder großartig. Als ich sah, dass dort in einer Nebenanlage gerade Kyûdô praktiziert wurde, fragte ich freundlich nach, ob ich von ihnen Fotos machen dürfe. Daraufhin wurden Frederick und ich zu den Bogenschützen gebeten, uns wurde die ganze Anlage gezeigt und erklärt und selbst der Meister kümmerte sich persönlich um uns. Besonders stolz war man auf die Bögen von Eugen Herrigel, ein deutscher Philosoph, der oft in dieser Schule zu Gast war. Überhaupt gab es schon einige berühmte Besucher im Engaku-ji und in dieser Schule, so wurde mir z.B. ein Foto von Helmut Kohl gezeigt, wie er mit dem Meister posierte. Ein lustiges Bild übrigens, weil unser Helmut ja von eher massiger Statur ist, während der Meister, wie auf dem Foto unschwer zu erkennen ist, zu der hageren Sorte gehört.

Herrigel was here.

Waren die nett!
Normalerweise hat man zu diesem Bereich des Engaku-ji keinen Zutritt und man kann auch nicht einfach so Mitglied in dieser Kyudo-Schule werden. Umso größer war meine Freude darüber, dass uns alles erklärt und gezeigt wurde. Das sind die Momente, die ich in Japan besonders zu schätzen gelernt habe. Diese Momente bemerkenswerter Gastfreundlichkeit, die ich vor allem in den ländlichen Gebieten angetroffen habe.
Dass ich diese Gastfreundlichkeit mal wieder in Kamakura erfuhr, verstärkte meine Liebe zu dieser Stadt nur noch mehr und bestätigte mich in der Meinung, dass es die beste Stadt Japans ist. Vier Tempel hatten wir nun schon gesehen und so entschlossen wir uns, nur noch den wichtigsten Schrein Kamakuras zu besichtigen, schließlich sind wir beide im Urlaub und da muss man ja nicht jeden Tag Powersightseeing machen, so wie ich es eigentlich sonst die meiste Zeit gemacht habe. Der Tsurugaoka Hachiman-gu gefiel Frederick am besten, glaube ich.


Die Rückgabefrist für unsere Fahrräder zwang uns zum Bahnhof zurückzukehren, der Tag in Kamakura war damit jedoch noch nicht beendet. Mit dem Bus ging es noch zum Strand, wo wir es uns im Sand gemütlich machten. Der Himmel zog sich zu, die schwüle Hitze blieb aber und so war das Wasser eine willkommene Abkühlung für die müden Füße. Der Strand von Kamakura ist weitläufig und jetzt im Sommer sind dort viele Strandrestaurants und Bars aufgebaut, in denen den Blick aufs Meer sowie die Brandung genießen kann, während man sich japanische, thailändische oder indische Spezialitäten einverleibt oder ein paar Drinks genießt. Der Strand bleibt lange flach, man kann also weit ins Meer hineingehen. Da es das erste Mal war, dass ich im Sommer in Kamakura war, war ich vom Strand mit den vielen Bars und Restaurants noch begeisterter als vorher, also wurden erneut Punkte auf dem Kamakura-Coolnesskonto verbucht.


Ein Essen in einem Restaurant beendete den Tag in Kamakura. Tonkatsu und soba wurden serviert, dazu das leckere Kamakura Bier, das tatsächlich nach Bier schmeckt und nicht an eins der grässlichen happoshus erinnert. Zurück in Tokyo haben wir uns noch die Ginza bei Nacht und das Gebiet um den Hauptbahnhof Tokyo angesehen. Die Ginza mag an Bedeutung für das Luxusshopping verloren haben, da die Konkurrenz in anderen Stadtvierteln erstarkt ist, aber das teuerste Nachtleben findet hier statt. Im einem Guide las ich, dass nur die Leute mit quasi unlimitierten Spesenkonten hier in den Toplokalen Eintritt erhalten und es für Ausländer quasi aussichtslos ist, überhaupt dort hineingelassen zu werden. Meine CC von der DKB ist nicht mal von güldener Farbe, deshalb konnte ich das getrost vergessen.
Zuletzt sind wir noch zum Tokyo International Forum, das in der Nähe des Bahnhofs Tokyo liegt, gefahren. Auch dort war ich schon, aber nur tagsüber. Die wundervoll futuristische Architektur des Glas- und Stahlpalastes ist nachts noch mal schöner anzuschauen, weil sie ins rechte Licht gerückt wird, siehe Fotos.

Die Ginza bei Nacht.


So sieht das Tokyo International Forum in der Nacht aus.
Mann, Mann, irgendwie habe ich schon zu viel geschrieben, oder? Oh weh, es kommt noch mehr! Mein letztes Wochenende in Japan begann mit einem Abschied, dieses Mal von Ania. Wir trafen Ania, die Verstärkung in Gestalt einer 1,90m großen Superblondine aus Polen mitbrachte, und gingen noch mal nach Akihabara. Es war schon witzig zu sehen, wie viele japanische Männer gestarrt haben, denn 127 cm lange und miniberockte Beine in Kombination mit Haaren, die so blond sind, dass sie in der Sonne blendend wirken, sieht man wirklich nicht oft in Japan. Sayonara, Ania!
Wie könnte es anders sein, ich muss noch etwas über Shinjuku bei Nacht erzählen, um den Bogen zum Titel des Eintrags wieder zu spannen. Atzen! Vielleicht ist das der falsche Ausdruck, aber so viele zerstörte Leute wie in Tokyo habe ich abends bzw. nachts noch nirgendwo anders gesehen. Schnapsleichen oder kotzende Leute findet man überall, wirklich krass. Die Leute pennen an jeder Ecke, ganz gleich ob in der Hocke, an ein Schaufenster gelehnt, auf dem Boden liegend oder auf dem Tisch im Fast-Food Restaurant um die Ecke. Durch die frühe Abfahrzeit der letzten Bahn sind die Feiergewohnheiten in Tokyo meiner Meinung nach auch etwas anders. Hier wird viel früher mit dem Feiern/Ausgehen/Trinken begonnen, das Ganze meines Erachtens nach heftiger gemacht, um so gegen 0.30 Uhr mit der letzten Bahn noch nach Hause zu kommen. Aus diesem Grund sieht es nachts um 23.30 Uhr an vielen Plätzen schon so aus wie vor dem Teatro oder dem Roxy in Köln um 9 Uhr morgens. Dafür ist von 19-23 Uhr am Wochenende hier so der Teufel los, wie sonst beim Karneval in Köln. Auch hier gilt wieder, dass man es gesehen haben muss, um es zu glauben. Der Abend begann vor einem der vielen Läden, in denen Tierwelpen verkauft werden. Jedes der Welpen würde es problemlos auf www.cuteoverload.com schaffen, aber ich kann dem nichts abgewinnen. Bei dem krassen Lärm und den dauernd blinkenden Neonlichtern ist es kein Wunder, dass die Viecher alles andere als glücklich wirkten. Schaut euch die Fotos an:



Süss? Hier, der nächste Kollege hat schon keine Lust mehr und nagt das Stromkabel an, damit er seiner Existenz ein Ende setzen kann.

Bis 22 Uhr kann man Powershopping in fast allen Läden betreiben, in manchen sogar rund um die Uhr, so z.B. bei Don Quichotte, wo es vom Billig-Sake über Waschmaschinen bis hin zu Rolex-Uhren wirklich alles zu kaufen gibt…abgefahren. In den vielen kleinen Gassen und Straßen von Shinjuku, hauptsächlich in Kabuki-cho (ichome, nichome und sanchome) findet man so ziemlich alles, was man im „pink“-Bereich verorten kann. Über die meisten Sachen will und sollte ich an dieser Stelle besser nichts erzählen, sondern empfehle den geneigten Personen, diverse Läden selber auszuprobieren haha. Dabei sollte man beachten, dass in nichome die Schwulen- und Lesbenszene beheimatet ist, also nicht wundern, wenn man dort in Bars nur Männer sieht ^^. Zu den meisten Clubs gehobeneren Niveaus (die, in die die surreal hübschen Frauen gehen) hat man leider als Ausländer kaum Zutritt. Vielleicht wäre es einfacher, wenn man es in Begleitung eines Japaners oder einer Japanerin versuchen würde, aber alleine hat man oftmals keine Chance auf Eintritt…die Einheimischen dort scheinen lieber unter sich feiern zu wollen. So oder so, wenn man will, dann bekommt man die Nacht in Shinjuku auf jeden Fall rum, erst recht, wenn man es nicht weit bis zu seinem Hotel hat. In den frühen Morgenstunden ändert sich das Bild des lärmenden und pulsierenden Viertels dagegen völlig.

Es wird Nacht in Shinjuku.

Auch für Frauen gibt es Host-Clubs.

Allmählich wird es richtig voll.

Jetzt ist es voll.


So sehen die Typen aus, die versuchen, Leute in Bars oder Clubs zu locken.
Was bleibt? Müll. Krähen, Tauben, Müll. Und Wracks. Also menschliche Wracks, Reste, Opfer, Überbleibsel des alltäglichen Nachtlebenwahnsinns, der sich in Shinjuku abspielt. Ach, und etwas, das vermutlich so mit das Seltenste ist, was es in Tokyo gibt, kann man dann auch in Shinjuku erleben: Stille. Sonntagsmorgens ist es einfach nur ruhig, vielleicht für eine Stunde zwischen 6 und 7 Uhr, wie ihr anhand der Fotos erkennen könnt. Damit war auch der Tag bzw. die Nacht für Frederick und mich beendet.

Krähen, die Herren Tokyos, haben ihre Handlanger, die Tauben, in die abgelegeneren Ecken Shinjukus geschickt.

Stellvertretend für erschöpfte “Partygänger”…



I Am Legend. Toll!
Guten Morgen…schlaft gut.
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Geschrieben von: admin in Allgemein
Da war es mir ja fast schon peinlich, beim letzten Mal so viele Videospielmetaphern verwendet bzw. Parallelen gezogen zu haben, doch was mache ich? Richtig, ich schiebe sofort weitere hinterher. Prinzessin Peach ist diejenige Person, die Mario und Luigi in den meisten Spielen retten müssen. Gerettet haben wir zwar niemanden, aber doch eine “Prinzessin” getroffen, hahaha. “Sorry Mario, but your princess is in another castle!”, nur das wir sie nicht in einem Schloss getroffen haben, sondern in einem Hostessen-Club und sie nicht auf den Namen Peach hört, sondern Ania heißt. Ania haben wir auf einer unserer Forschungssxkursionen in traditionelle japanische Vergnügungsviertel kennengelernt, als wir zum Thema “heftige Feierei in Shinjuku und Roppongi” eine Feldstudie durchführten.
Unsere Prinzessin war froh, mal mit jüngeren Ausländern quatschen zu können und sich nicht immer von alten japanischen Geschäftsleuten ansabbern zu lassen, weshalb sie sich in den nächsten Tagen bei unseren Sightseeing-Aktivitäten anschließen wollte. Irgendwie ist das schon verrückt und seltsam, nicht wahr? Egal, sympathisch ist sie allemal, unsere Peach, deshalb waren wir ab jetzt tagsüber erstmal als Trio unterwegs. Unser erstes Ziel war Tokyo Midtown, ein Komplex mit Mischnutzung, der nicht mal einen Kilometer Luftlinie von Roppongi Hills entfernt ist. Das Konzept, das hinter Tokyo Midtown steht, ist folgendes:
“Tokyo Midtown is a composite urban district with a new style. It comprises a package of six buildings set amongst lush greenery. This town features a variety of facilities such as stores, restaurants, offices, hotels and museums, surrounded by greenery. These resonate with each other to provide your urban life with a superior quality of everyday living. Art is alive in every corner of the town to welcome the visitors, as it is also a key factor in the proliferation of Japanese designs around the world.”
Ach ja, was soll ich dazu sagen? Entworfen wurde der Großteil von Ando Tadao…mehr muss man dazu schon fast nicht sagen. Alles sieht toll aus, wirkt sehr elegant und ansprechend, aber schon fast klinisch rein, was auch auf die Parks rundherum zutrifft. Keine der Grünflächen darf man betreten und dementsprechend sehen sie auch aus…der Rasen wirkt so exakt gemäht, als hätte ein Chirurg ihn mit einem Skalpell gemäht. Dass der Hauptturm der sechs Gebäude der höchste Wolkenkratzer Tokyos ist, hat mich nicht beeindruckt. Richtig toll fanden wir allerdings den Fuji Xerox Art Space in den ersten zwei Stockwerken. Hier gab es die gesamte Produktpalette von Fuji Film (Fotografie) zu bewundern, aber richtig genial waren die Foto-Ausstellungen. Die Fotos zum Thema “Unsere Erde” waren extrem faszinierend und von hypnotischer Schönheit, genau wie die Mitarbeiterin an der Information. Mal wieder ein “Oh Mist ich starre ja mit geöffnetem Mund”-Moment, aber davon hatte ich schon so viele in Japan, dass es mir nicht mehr peinlich ist hehe. Luigi und Peach waren gleichermaßen interessiert und deshalb verbrachten wir schon ein bisschen Zeit hier.

Luigi und Peach schauen sich Fotos an, die von irgendwelchen Leute eingesendet wurden.

Eines der Fotos aus der Ausstellung “Unsere Erde”. Leider hing direkt daneben ein Schild, dass darauf hinwies, dass man hier keine Fotos machen darf. Schade.

Frederick und Ania im Fuji Xerox Art Space.
Weiter ging es in der Galeria, die den siebenstöckigen Haupteinkaufskomplex von Tokyo Midtown darstellt. Viele Geschäfte gehobenen Preisniveaus finden sich hier, aber auch ein paar edle Restaurants und ein Geschäft, das nur die Weine von Francis Ford Coppola anbietet. Dominiert wird die Eingangshalle von einer extravaganten Brunneninstallation…schick, schick!


Ach ja, was kostet die Welt?
Danach haben wir eigentlich nur im Park entspannt, da wir in letzter Zeit die Nacht zum Tage gemacht haben. Wie gesagt, so nett der Park angelegt sein mag, auf mich persönlich hat er zu klinisch, zu perfekt gewirkt, als dass man hier wirklich hätte entspannen können. Einige wenige Menschen hielten sich nicht an das Verbot, den Rasen nicht zu betreten und legten sich in die Sonne. Ich glaube, das waren Ausländer! Immer diese verdammten Ausländer! Es war nirgendwo ein Schild zu sehen, dass man nicht in die kleinen Bäche gehen durfte, also suchte ich dort Abkühlung und natürlich ein nettes Fotomotiv für uns.

Oh wie cool!

Park, im Hintergrund der höchste Wolkenkratzer Tokyos.

Mario mit Prinzessin. Bowser…äh Luigi hat das Foto gemacht.

Danach war Luigi an der Reihe
Übel heiß und schwül war es, deshalb hielt sich unser Tatendrang auch stark in Grenzen. Am liebsten hätte ich mich zu den Kindern gesellt, die an einem der Springbrunnen des Parks spielten und sich Abkühlung verschafften.

Ja genau, das macht Spaß, also wollte Onkel Wolfgang auch mal.

Ein paar weitere Fotos von Ania und uns gibt es noch in der Galerie.
Yah, langsam mussten wir schon zurückschlendern, denn der Tag begann spät für uns und Anias Arbeitstag fängt i.d.R. um 18 Uhr an, weil dann die ersten japanischen Geschäftsleute in die Clubs strömen. Von da an war our princess in another castle und Mario & Luigi wieder als Duo unterwegs. Wir gingen wieder zu Roppongi Hills, da wir bei unserem ersten Besuch zu spät kamen, um noch auf das Skydeck des Mori Towers gehen zu können. Das Skydeck ist nichts anderes als der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Gebäudes, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Zunächst bummelten wir noch durch Roppongi Hills, wo sich u.a. die Zentrale von TV Asahi befindet. Ich war zwar schon mal da, aber mein alter Kumpel Doraemon arbeitet dort und Frederick sollte ihn auch mal kennenlernen. Doraemon ist mehr als nur eine Mangafigur, er ist so etwas wie ein nationales Kulturgut und scheint allgegenwärtig zu sein, genau wie Hello Kitty. Es war also unsere Pflicht, zu einer Audienz bei ihm einzukehren und ein kleines Ständchen mit ihm zu singen. Mist, ich hätte ein paar dorayaki kaufen und als Souvenir mitbringen sollen…

Rock on, dude!

Nanu?
Jaja, für alberne Sachen werde ich wohl nie zu alt, was?
Wo wir gerade beim Fernsehen sind: Um Hape Kerkeling zu zitieren, “Kinder und Tiere gehen immer”, wie er in “Kein Pardon” sagte. Vielleicht ist das eine Journalistenregel, wer weiß, aber sie scheint zu stimmen, denn vor dem Kimonogeschäft neben TV Asahi konnte ich folgende Szenerie beobachten:

Ich glaube, der Hund ruft “Hilfe!”.

Zwei Hunde waren es, hier der Größere von beiden. Junge, was für ein Brummer. Aber was ist das überhaupt für eine Rasse? Sieht irgendwie wie ein Pudel aus, der in einem chinesischen Leistungszentrum für Leichtathletinnen bearbeitet wurde. Auf jeden Fall bekommt man damit eine Menge Aufmerksamkeit geschenkt, so wie die Speisekarte eines Edelrestaurants um die Ecke Aufmerksamkeit meinerseits erfuhr:

Ja was denn nun? Englisch? Italienisch? Englisch und Französisch? Italienisch und Französisch? Nur Französisch? Eine Kombination sollte es schon sein, denn eine Portion Nudeln und Schmerz möchte ich nicht so gerne bestellen. Hach ja, es hört sich vermutlich authentisch exotisch an und Image ist ja bekanntlich alles, besonders in Roppongi Hills.
So, genug gelästert, ab auf das Skydeck! Wiederum gibt es Bilder von Tokyo bei Dunkelheit, aber lasst Euch sagen, dass es nochmal etwas gänzlich anderes ist, wenn man auf dem Dach eines Wolkenkratzers steht und einen solchen Ausblick genießen kann, als wenn man durch ein Fenster blickt, so groß es auch sein mag.


Mit Sternschnuppe (vielleicht auch nur ein Flugzeug :)). Ihr dürft Euch trotzdem alle etwas wünschen.


Geil…da spielte es keine Rolle, dass der Ausblick der gleiche wie gestern war.
Das Mori Museum haben wir dieses Mal ebenfalls besucht, zum Glück. Als wir dort waren, gab es eine Ausstellung zur Geschichte des Turner Preises, eine der wichtigsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst und der wichtigste Kunstpreis Großbritanniens. Recht bekannt ist das Werk “Mother and Child, Divided.” von Damien Hirst, der 1995 den Turner Preis erhielt. Ein Profilaufschnitt von Kühen in einem mit Formaldehyd gefüllten Glascontainer ist vermutlich nicht jedermanns Sache, was so manches leicht angewidertes Gesicht erklären würde. Sehr gut gefallen hat mir die Videoinstallation des Preisträgers von 1996, Douglas Gordon. Sie heißt “Confessions of a Justified Sinner” und zeigt eine Szene aus dem Klassiker “Dr. Jekyll und Mr. Hyde”, von der ein Ausschnitt vergrößert, in der Abspielgeschwindigkeit verlangsamt und mit einem Filter verändert wurde, was zumindest auf mich sehr hypnotisch wirkte. Fotos durfte man nicht machen, aber als im Terrorjahr 1977 geborenes Kind liess ich mich davon nicht abhalten und schoss ein Foto aus der Hüfte. Weitere Fotos sowie ein Interview mit den Machern der Ausstellung könnt ihr hier nachlesen.


Impressive.
Tja, was sollten wir mit dem angebrochenen Tag nun anfangen? Alles klar, eine weitere Party musste her. Dieses Mal wollten wir aber “richtig” Party machen, also mit Musik und Tanz, ne? Unsere Wahl fiel auf das ageHa. ageHa ist eine der größten Discos bzw. Veranstaltungshallen Tokyos und liegt ziemlich weit außerhalb. Nach einer abenteuerlichen Taxifahrt mit einem Fahrer, der einen Polizisten nach dem Weg fragen musste (!), kamen wir dort an, nur um eine Schlange von Menschen zu sehen, die locker über 200 Meter lang war. Dazu kam eine dermaßen schwüle Hitze, dass Frederick und ich schon keinen Bock mehr hatten und unverrichteter Dinge wieder gingen. An dem Abend sollte dort House, Trance und Psytrance (\o/) gespielt werden, deshalb waren wir auch enttäuscht, dass wir nicht dabei waren. Wir gingen zurück zum Bahnhof…Bahnen fuhren natürlich nicht mehr und so setzten wir uns mit ein paar Bier auf eine Grünfläche. Vom ageHa aus drangen immer wieder Jubelschreie und Partygeräusche zu uns herüber, während alle paar Minuten der kostenlose Shuttle-Bus, der zwischen dem ageHa und Shibuya verkehrte, eine neue Ladung Partymenschen herankarrte. Wir schauten noch mal dort vorbei und siehe da, es stand kaum jemand vor dem Eingang! Rein da! Das ageHa ist, wie gesagt, groß! Elf verschiedene Räume/Bars/Säle warten auf Gäste, unter anderem sogar ein Swimmingpool. Gäste waren in rauen Mengen vorhanden, genau wie tolle Stimmung. Der Techno/House Kram war mir zu lahm, genau wie der Anfang des Psytrance-Sets im Zelt, was eher Progressive war. Ab 3.30 Uhr wurde dann aber feinster Morning Full-On gespielt, weshalb die Menge im Zelt schön tobte und lauter Leute aus der großen Hauptarena rüberkamen. Fotos gibt es nicht, da ich nicht schon wieder eine Kamera wegtanzen wollte. Um 6 Uhr war der Spaß leider schon wieder vorbei, wie immer in den großen Clubs und Discos Japans, aber gut war es!
Ich wurde zudem schlagartig wach, als ich auf dem Weg zum Bahnhof feststellte, dass mein Reisepass noch in einem Schließfach an der Garderobe war! Nach einem Sprint zurück zum ageHa, inklusive Adler, den ich die Treppe zum Eingang herunter gemacht habe, konnte ich den Reisepass erleichtert in meinen - nun leicht blutigen - Hände halten. Irgendwie hat sich die letzte Stufe der Treppe bewegt, sonst wäre ich doch nicht gestürzt
Für das ageHa sprechen Mario & Luigi also eine Empfehlung aus. Wer sich einer herausragenden Reizüberflutung aussetzen möchte, der sollte an einem Tag, an dem Bikini Pool Party ist, dorthin gehen
Am nächsten (selben, nur gegen 14 Uhr) Tag trafen wir Ania wieder und schauten uns mit ihr kurz Akihabara an, das für die beiden sicher weniger interessant war, als es für mich jedes Mal wieder ist. The woman of matchless beauty ist und bleibt genau das, schon alleine wegen dieser Wanddekoration:



Spaß in und vor Yodobashi-Akiba.
Der nächste Abstecher führte uns nach Harajuku, was das Einkaufsmekka für junge Leute in Tokyo ist. Ohne viel dazu zu erzählen…Bilder sagen manchmal eben doch mehr als Worte…




Einfach nur heftig, oder doch…

…fuckin’ destroy glamorous? Das muss jeder für sich entscheiden.
Ein ausgiebiger Bummel in Harajuku nimmt ganz schön Zeit in Anspruch und plötzlich war der Nachmittag vorbei, was zu einer Beinahe-Panikreaktion bei Ania führte, die auf dem schnellsten Weg zur Wohnung zurückkehren musste. Ich könnte mich arg täuschen, aber für mich riecht diese ganze Sache, inklusive Widersprüche, in die sie sich verstrickt hat, nach einer abgeschwächten Form von Menschenhandel. Traurige Geschichte, aber da kann man nichts machen.
Wir sind noch mal zurück nach Akihabara gefahren und haben uns dort ein paar der Fetischläden angesehen, denn das ist auch Teil der japanischen Kultur und es mussten Geschenke für die daheim gebliebenen Freunde gekauft werden. Zum Abschluß noch zwei Bilder von müden Kriegern:

Müder Krieger #1 nach einem langen Tag.

Müder Krieger #2 nach zu vielen Spielen, in denen er der eigenen Geschichte nicht mehr folgen konnte (Nerd-Humor, muss nicht jeder verstehen.)
Abayo.
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