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Familie und Freunde, die habe ich in Japan bisher besonders vermisst. Es wurde also Zeit, dass endlich Verstärkung aus Deutschland den Weg nach Japan fand, denn im letzten Level meines Japanaufenthalts wartete der Obergegner schlechthin: Tokyo.

Um mal einen Vergleich zu bringen, den nur wenige verstehen werden, weil er sich auf ein Videospiel bezieht. Er mag reichlich abgedreht sein, aber auch meiner Meinung nach recht treffend: Tokyo ist wie DoDonPachi Dai Ou Jou (怒首領蜂 大往生).

Um das Ganze mal kurz zu erklären. DoDonPachi Dai Ou Jou ist ein Videospiel, genauer gesagt ein Shoot ‘em up, das für seinen wahnwitzigen Schwierigkeitsgrad berühmt-berüchtigt ist. In einem Video, in dem gezeigt wird, wie jemand das Spiel durchspielt, heisst es zu Beginn “This game distressed most of the players.”, was, wenn man es auf Tokyo beziehen würde, sicher auch auf den urbanophilsten Menschen der Welt zutreffen würde, wenn er sich nur lange genug in Tokyo aufhielte. Die zweite Parallele zwischen dem Spiel und meinem Tokyoaufenthalt ist, dass man, wenn man die erste Runde überstanden hat, eine zweite Runde mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad spielen muss, damit sich am Ende das wahre Gesicht, der wahre Obergegner des Spiels zeigt. Meine zweite Runde in Tokyo war schwieriger als die erste, da ich in der ersten Runde schon “distressed” wurde, in der zweiten aber erschwerte Bedingungen hinzukamen, z.B. konstant über 30°C im Schatten bei übler Luftfeuchtigkeit - japanische Regenzeit eben. Die dritte Parallele resultiert aus den ersten beiden Gegebenheiten: wenn man nicht gerade Stress in extremen Ausprägungen gewohnt ist, dabei über ausgeprochen gute Wahrnehmungs- und Koordinationsfähigkeiten sowie einen gewissen Grad der Immunität gegenüber audiovisuellen Reizen von allen Seiten verfügt, kommt man nicht weit, was wiederum dazu führt, dass man im Spiel ständig Credits nachwerfen muss, es also Geld kostet. Das Angebot ist groß, aber alles ist teuer. Ja, so empfinde ich Tokyo. Es mag unüblich sein, mit einem Fazit zu beginnen, noch dazu mit einem so merkwürdigen, aber wer die folgenden Einträge, die gleichzeitig die letzten Einträge dieses Blogs sein werden, liest und sich dabei an DoDonPachi Dai Ou Jou erinnert, der wird es um so besser verstehen.

Um noch eine weitere Videospielmetapher (ja, ich bin ein Nerd) zu benutzen: Mario ist ohne Luigi nur die Hälfte wert, deshalb besuchte mich mein jüngerer Bruder Frederick (Luigi), damit wir zusammen als die Super Schrö Bros. die verschiedenen Level von Tokyo als Team meistern konnten. Unser Hotel lag im Stadtteil Ueno, 7-10 Minuten vom Bahnhof entfernt. Um Frederick einen kleinen Überblick zu verschaffen, zeigte ich ihm zunächst die Gegend um unser Hotel, danach die Gebiete, die sich in unmittelbarer Nähe zu den größten Bahnhöfen entlang der Yamanote-sen, die die wichtigste Bahnlinie Tokyos ist, befinden. Die erste Station war dementsprechend Asakusa, das ich bereits mehrfach besucht habe, wie ich hier und hier geschrieben hatte. Wieder einmal schaute ich mir die Zentrale der Asahi Brauerei an, bevor ich Frederick den Senso-ji mit Kaminari-mon und Nakamise zeigte.

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Die Zentrale der Asahi Brauerei.

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Frederick vor dem Kaminari-mon, das den Eingang zum Senso-ji markiert, der der älteste Tempel Tokyos ist. Kaum in Japan und schon kann er das V!

Nachdem wir in den vielen Geschäften der Nakamise gestöbert und allerlei Tand gekauft hatten, machten wir uns auf den Weg zur Ginza, wo mal wieder fleißig Window-Shopping betrieben wurde. Wie zu erwarten war, gefiel Frederick besonders der Skyline GT-R, der im Nissan Showroom auf der Ginza zu sehen war. Kauf ihn dir und leih ihn mir, Luigi!

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Das ist mal ‘ne ordentliche Tröte! Damit kann man vortrefflich eine Krachschneise in die Wälder des Sauerlandes schlagen!

Über die Ginza und ihre Ansammlung von Konsum-Kathedralen wie z.B. Mitsukoshi habe ich ebenfalls schon berichtet und Fotos gepostet. Doch Tokyo wäre nicht Tokyo, wenn es nicht beinahe alles im Überfluss gäbe, so auch Konsum-Kathedralen. Die stehen nämlich auch noch in rauen Mengen in Stadtteilen wie z.B. Harajuku, Shinjuku und Shibuya. Auf Shibuya war mein Bruder schon ziemlich gespannt, unter anderem weil sich dort einer der bekanntesten Plätze der Welt befindet, die berühmte Diagonalquere, die so gerne von Medien als Bild genutzt wird, wenn man Tokyo als eine Stadt der Betriebsamkeit, Geschäftstüchtigkeit und Enge zeigen, sowie die hohe Bevölkerungsdichte der Megastadt darstellen möchte. Pro Ampelphase können sich in den frühen Abendstunden bis zu 15.000 Menschen auf dieser Kreuzung tummeln, was eigentlich absurd ist. Man stelle sich vor, dass sich auf dieser einzelnen Kreuzung zwischen den Straßen Sentaa-gai und Bahnhofsstraße die gesamte Bevölkerung der Kernstadt Meschede (mein Heimatort) trifft - verrückt. Wer sich das nicht vorstellen kann, der möge die Bilder zur Veranschaulichung betrachten:

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Und das ist noch nicht mal voll!

DoDonPachi ist ein sogenanntes “bullet hell shoot ‘em up”, weil sich so viele Geschosse auf dem Bildschirm befinden, dass es die wahre Hölle ist. Auch diese Kreuzung in Shibuya ist eine bullet hell, nur dass die Geschosse die Japaner sind. Ausweichen ist möglich, aber man muss sehr gut sein und über abenteuerlich schnelle Reflexe verfügen, zudem darf man sich nicht durch die konstante Beschallung der vielen Lautsprecher sowie das, durch die große Anzahl der Monitore verursachte, Effektgewitter ablenken lassen. Augen- und Ohrenkrebs wären eventuell die Folge, zart besaitete Menschen würden mindestens mit Kopfschmerz reagieren, Agoraphobiker würden hier ihren zu Realität gewordenen Albtraum erleben. Da es die zweite - und somit schwierigere - Runde Tokyo war, kam als erschwerende Bedingung quälende Hitze hinzu, was selbst einen relativ erfahrenen und durchschnittlich talentierten Spieler wie mich, in einen Zustand der Gereiztheit versetzte…ich war distressed. Für Luigi…äh, ich meine Frederick, war es die erste Runde Tokyo, deshalb war er davon begeistert…noch.

Mich persönlich begeistert an Shibuya vor allem dies: die Geschichte von Hachiko. DAS sind die Dinge, die MICH interessieren, nicht bis ins Schwachsinnige übersteigerter Konsumwahn, der scheinbar in Tokyo zum Credo geworden ist, das in Hunderten der erwähnten Konsum-Kathedralen von Millionen Gläubiger gelebt, ach was, zelebriert wird. Vielleicht habe ich mir in dem Moment zu viele Gedanken darüber gemacht, auf jeden Fall habe ich es wieder versäumt, ein Foto der Statue Hachikos zu machen, deshalb muss ein Bild aus den Commons von Wikipedia reichen:

Guter Hund, gute Geschichte.

Am nächsten Tag war es so heiß, dass wir nicht in die Stadt wollten, sondern uns den Stadtteil Odaiba vorgenommen hatten. Odaiba ist eine Manifestation vieler Dinge, z.B. ursprünglich der Angst Japans vor zu starkem Einfluß westlicher Mächte, dann des Größenwahns zur Zeit der Bubble-Economy, schlußendlich in seiner jetzigen Form ist es eine Manifestation des Fortschrittsglaubens und des tatsächlichen technologischen Fortschritts, der Platznot, der Wirtschafts- und Innovationskraft Japans, und zugleich Zukunftsvision (oder Spielwiese) von Städteplanern und Architekten. Zehn Milliarden Dollar kostete der Bau der künstlichen Insel, auf der sich viele unterschiedliche Attraktionen befinden. Die für uns wichtigste Attraktion war zunächst der einzige Sandstrand, den Tokyo zu bieten hat. Der Stern knallte unbarmherzig auf uns herab und kaum ein Wölkchen war da, um uns Schatten zu spenden. Mit einem eiskalten Bier, ein paar Reisbällchen und ohne T-Shirt stellte sich fast “normales” Urlaubsflair ein, fernab von den Menschenmassen der Zentren.

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Als es uns dann doch zu heiß wurde, hielten wir uns an den Rat eines Kolumnisten von metropolis.co.jp, der empfahl: Do as the Tokyotes do. Was machen Tokyoter bei solch einer Hitze? Sie suchen Zuflucht in riesigen Kühlschränken, die auch Kaufhäuser genannt werden. Mario und Luigi wählten, wie könnte es anders sein, als Zufluchtsort die Sega Joypolis. Die Sega Joypolis ist nicht bloß eine Spielhalle, sondern ein überdachter Vergnügungspark, der in einen Einkaufskomplex eingebettet ist. Die Automaten bzw. Fahrgeschäfte, die sich dort befinden, sind meistens ziemlich gut, aber alles andere als billig. Wie war das doch gleich mit den Credits, die man immer nachwerfen muss? Tokyo bietet SEHR VIEL, aber billig kommt kaum etwas daher. Frederick und ich haben trotzdem das ein oder andere Spiel gewagt. Bei Out Run 2 SP haben Michael und Ralf Schumacher (wir) den Japanern erst mal gezeigt, wo fahrerisch der Hammer hängt und die Meute abgehängt.

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Bei diesem Spiel musste man lediglich auf die Figuren, die auf den Boden projeziert wurden, treten, um sie zu erwischen. Die Kinder hatten reichlich Spaß mit dieser ebenso simplen wie packenden Spielidee.

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Initial D4 Arcade Stage punktete mit den Originalautos, die auf aufwändigen Hydraulikbühnen platziert waren. Das hat Laune gemacht…

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…ebenso wie Out Run 2 SP, bei dem wir den Rest der Bande abgezockt haben.

Nach vielen vergnüglichen Spielen bei nicht so vergnüglicher Lärmkulisse machten wir uns auf den Weg nach draußen und siehe da, es war tatsächlich spürbar angenehmer geworden und nicht mehr so brutal heiß. Wir bummelten weiter durch Odaiba, schauten uns FujiTV an, bewunderten die Skyline von Shinagawa, wanderten noch weiter nach Palette Town und und und.

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FujiTV Gebäude.

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WTF NEW YORK? Nein, dieser Anblick bietet sich bei Sonnenuntergang von Odaiba aus. Ja, es steht ein Nachbau der Freiheitsstatue dort.

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Jo, einheimische Geschöpfe weiblichen Geschlechts waren des Öfteren ein Hingucker. Gut, dass die Lumix LX-2 ein Weitwinkelobjektiv hat.

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Ein Blick auf Odaiba, darunter Palette Town, ein riesiger Einkaufskomplex, komplett mit Riesenrad und allem Schnick-Schnack.

Von Odaiba aus fuhren wir mit der Monorailbahn ein Stück zurück, stiegen ein Mal um und landeten zunächst in Shinjuku. Im Westteil von Shinjuku befindet sich das äußerst imposante Rathaus der Stadt, der Tokyo Metropolitan Government Tower. Mit 243 Metern Höhe war es mal das höchste Gebäude Tokyos, aber es ist immer noch das höchste Rathaus der Welt. Die Anlage besteht aus drei Türmen, von denen der Tower No. 1 der höchste ist. Frederick und ich wollten dort die Möglichkeit nutzen, einen kostenlosen und tollen Blick über die Stadt zu erhaschen. Geöffnet ist das Observationsstockwerk bis 23 Uhr, wobei der letzte Einlass unten um 22.30 Uhr ist. Wir hetzten über den riesigen Vorplatz auf den Eingang zu, wobei wir schon von den zwei Sicherheitsleuten beobachtet wurden. Wir wurden dann von eben jenen Sicherheitsleuten darauf aufmerksam gemacht, dass es nun schon 22.33 Uhr sei, und wir deshalb nicht mehr hineingelassen werden könnten. Selbst eine kleine Notlüge, dass es unser letzter Tag in Tokyo sei, brachte nicht den gewünschten Einlass, sondern nur eine Entschuldigung, dass es den beiden um so mehr Leid tue, dass sie uns nicht hereinlassen können, wir aber jederzeit wieder Tokyo besuchen könnten. Junge, sei lieber froh, dass ich nicht nochmal komme, denn wenn ich noch mal wiederkomme, dann mit einer ganzen Wagenladung Faust im Gepäck!

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Wolkenkratzer, Wut, Wolfgang.

Egal, es gibt noch andere Möglichkeiten, einen Blick auf Tokyo bei Nacht zu bekommen, also auf nach Roppongi. Roppongi ist eine zwiespältige Angelegenheit. Tagsüber weiß z.B. Roppongi Hills, ein hypermoderner Gebäudekomplex mit Mischnutzung, der u.a. mit hochklassigen und hochpreisigen Geschäften eher die wohlhabendere Kundschaft anspricht, zu begeistern. Zentrum von Roppongi Hills ist der Mori Tower, der mit 54 Stockwerken eine Höhe von ca. 240 m erreicht. Für die Kleinigkeit von vier Milliarden Dollar ist der Komplex aus dem Boden gestampft worden, in dem sich Büros von Firmen wie Yahoo!, Lehman Brothers, Goldman Sachs, Konami und anderen befinden, vier Wohntürme mit insgesamt 793 Luxusapartments exklusivsten Wohnraum bieten, aber auch viele offene Flächen und Gärten für Freiraum und die nötige Auflockerung sorgen. Kurzum, Roppongi ist eines der vielen Zentren Tokyos, eine Stadt in einer Megastadt. Roppongi Hills ist wiederum eine kleine Stadt für sich, innerhalb von Roppongi…allerdings nur für betuchte Menschen. Deshalb ist der Komplex auch nicht ohne Kritiker, denn die Vision des Erbauers Mori Minoru sah vor, eine Stadt in der Stadt zu bauen, die Familien Lebensraum bieten soll, damit sie aus den Vororten näher zu den Zentren wohnen können, um die Zeit des Pendelns zu reduzieren. Damit sollte eine Erhöhung der Lebensqualität erreicht und Tokyo attraktiver gemacht werden. Durch die exorbitanten Preise, die Konzentration von Geschäften mit Luxusartikeln, die enorme Lärmbelästigung durch die vielen, zum Teil riesigen Lautsprecherinstallationen und Bildschirme, sowie die mangelnde Barrierefreiheit in Kombination mit der labyrinthartigen Struktur, machen Roppongi Hills zu einem streitbaren Objekt, erst recht, weil für dessen Bau eine Menge alte, traditionelle Bebauung sowie viel Grünfläche weichen musste. Eine Serie von Unglücksfällen, darunter auch ein Todesfall, die durch die automatischen Türen verursacht wurde, sorgte ebenfalls für negative Publicity. Nicht mal einen Kilometer Luftlinie entfernt befindet sich zudem Tokyo Midtown, ein ähnlicher Komplex mit Mischnutzung, der außerdem das höchste Gebäude Tokyos vorweisen kann.

Als ich das erste Mal in Roppongi war, hat mich aber der Mori Tower mit seinem Tokyo City View, dem Skydeck, sowie dem Mori Kunstmuseum begeistern können, also bin ich auch mit Frederick wieder dorthin gegangen. Der Blick, den man aus dem 52. Stockwerk des Mori Towers bei Nacht hat, lässt vergessen, dass die Stadt, die 200 Meter weiter unten sich in jede Richtung weiter erstreckt, als der eigene Blick reicht, mehr Moloch oder Biest als Schönheit ist. Ich hatte es schon mal gesagt, aber es sollte einfach immer Nacht in Tokyo sein.

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Eindrücke aus dem Tokyo City View.

Nachts dagegen zeigt Roppongi ein ganz anderes Gesicht, dessen Schönheit ganz im Auge des Betrachters liegt. Roppongi ist einer der Stadtteile mit dem aktivsten Nachtleben, geprägt von einer Vielzahl an Clubs, Restaurants und Love Hotels, aber noch mehr durch Etablissements, die eher dem Rotlichtbereich zuzuordnen sind. Hostessen-Bars, Sex-Kinos und “Bordelle” findet man hier zuhauf, ähnlich wie in den Stadtteilen Shinjuku und Ikebukuro. Der Unterschied zu den beiden genannten Vierteln besteht darin, dass sich in Roppongi besonders viele Ausländer herumtreiben. Viele der Bars, Restaurants und Clubs richten sich explizit an Ausländer, was man besonders daran merkt, dass man plötzlich ganz viele Freunde hat. Diese “Freunde” sind Afro-Amerikaner, die jeden Mann, der nur annähernd nach Kaukasier, ach, jeden, der nicht asiatisch aussieht, ansprechen, meistens mit “Hey friend, where are you from? Nice to meet you! You like girls? Japanese girls? You want to see some Japanese titties?”. “Ja, klar!”, habe ich dann meistens gesagt, “Aber ich will nicht dafür bezahlen!”. Man sollte aber die Hartnäckigkeit der “Kollegen” nicht unterschätzen, denn die laufen schon mal ein paar Hundert Meter mit einem und hören einfach nicht auf zu labern und zu nerven. Das macht einen Besuch in Roppongi bei Nacht _enorm_ anstrengend. Wer auf Nachtleben steht, der sollte einen Besuch aber dennoch riskieren :) Ach ja, wenn man Roppongi Station verlässt und nach rechts auf die Hauptstraße von Roppongi geht, dann befindet sich nach ca. 500 Metern auf der rechten Seite an einer Kreuzung, im ersten Stock gelegen, ein koreanisches Restaurant, das so wahnsinnig leckeres Essen macht, dass ich es fast nicht glauben konnte…nur für den Fall, dass mal jemand von euch sich dorthin verirren sollte.

Die ein oder andere Bar haben wir auch besucht und natürlich die letzte Bahn verpasst, weshalb wir einfach die Nacht in Roppongi verbracht haben und morgens gegen 8 Uhr wieder zurück ins Hotel gefahren sind. Die Zeit haben wir in vielen verschiedenen Plätzen totgeschlagen, unter anderem auch in Hostessen-Clubs. Was sind überhaupt Hostessen-Clubs? Um das mal kurz zu erläutern: Für den Eintritt in Hostessen-Clubs zahlt man, je nach Klasse, Verhältnis zu demjenigen, der einen hineinlocken will, und je nach eigenem Verhandlungsgeschick, einen bestimmten Preis, für den man in der Regel während eines bestimmten Zeitraums so viel trinken kann, wie man will - oder kann, manchmal alle Getränke auf der Karte, manchmal nur eine Auswahl. Beispielsweise zahlt man 3000 Yen und kann dafür zwei Stunden lang trinken. Das hört sich günstig an, aber es wäre ja nicht eine Hostessen-Clubs, wenn es dort nicht Hostessen gäbe.

Hostessen sind Angestellte des jeweiligen Clubs, die sich, sobald ein Gast einen Club betritt, zu den Gästen setzen und mit ihnen reden. Es wird erwartet, dass man den Hostessen Drinks kauft, und das ist das, was ins Geld geht und womit der jeweilige Club Geld verdient. Da kostet eine Flasche Wein halt mal 20000 Yen…nur so als Beispiel. Je nach Club wird unterschiedlich darauf reagiert, wenn man sagt, dass man lieber nur selbst trinken möchte, ohne irgendjemandem irgendetwas zu kaufen. Hehe, zum Beispiel kann es sein, dass der zwei Meter große “Freund” von vorher sagt, dass man jetzt besser schnell das Etablissement verlassen und besser nicht auf seinem Recht bestehen solle, die zwei Stunden Freigetränke auszunutzen. Mein Rat wäre, das auch zu tun, aber so etwas passiert nur in schlechten Clubs, glaube ich. Andererseits kann man tatsächlich viel Spaß dort haben und ähh…interessante, hm, schräge Leute kennenlernen, aber das ist eine andere Geschichte, die im nächsten Eintrag erzählt werden wird. Ach ja, um noch einem Missverständnis vorzubeugen: Hostessen |= Prostituierte, zumindest nicht immer, hehe…eindeutige Angebote wird man manchmal dennoch bekommen.

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Viel zu schnell vergeht die Zeit hier in Kurose! Der Zeitpunkt der Rückkehr nach Deutschland rückt immer näher, doch vor der Heimkehr war noch ein Homerun der anderen Art angesagt: Baseball! Baseball gehört zu den beliebtesten Sportarten in Japan und auch ich wollte unbedingt mal ein Spiel im Stadion anschauen. Zusammen mit Herrn Moritaka und Sono bin ich ins altehrwürdige Hiroshima Stadion gegangen, um einem Spiel der Hiroshima Toyo Carp gegen die Yomiuri Giants beizuwohnen. Zuvor hatten wir uns noch den Film Yasukuni angeschaut, um den es in Japan sehr viel kontroverse Diskussionen gab, teilweise Kinos sogar die Aufführung absagten, weil sie Angriffe ultra-nationalistischer Elemente fürchteten. Wie ich im Eintrag über meinen Besuch im Friedenspark von Hiroshima schon geschrieben hatte, scheint es in Japan Probleme mit der Verarbeitung bzw. bereits dem bloßen Eingeständnis bestimmter Punkte der eigenen Geschichte zu geben, Stichwort Nanking, Korea und so weiter. Der Film hat für mich persönlich zwar keine neuen Erkenntnisse bezüglich der Problematik um den Yasukuni-Schrein gebracht und auch die Proteste seitens verschiedener Politiker und Ultra-Nationalisten waren so überraschend wie ein Sonnenaufgang, aber polemisch möchte ich an dieser Stelle nicht werden. Wer Interesse an der Geschichte des Yasukuni-Schreins und der Diskussionen um ihn hat, sowie sich ein eigenes Urteil bilden möchte, der kann den Wikipedia-Artikel lesen, bei dem vor allem die weiterführenden Links interessant, wenn auch nicht erschöpfend sind.

Yasukuni-Schrein

Hier noch ein paar Seiten, die Informationen zu dem Film und Interviews mit seinem chinesischen Regisseur beinhalten.

Wikipedia Artikel zum Film
Interview mit Regisseur Li
Japan Times Artikel zum Film

Starker Tobak, wenn man sich damit beschäftigt, aber nicht das, wonach mir der Sinn stand. Man möge es mir verzeihen, aber Baseball und Bier übten deutlich mehr Anziehungskraft auf mich aus :)

Das letzte Mal, dass ich in einem Stadion war, liegt schon Ewigkeiten zurück…es müsste 1991 gewesen sein, beim 2:3 von Dortmund gegen Bayern hehe (Fabian, du Fußball-Nerd!). Eigentlich unverständlich, denn die Atmosphäre in Stadien gefällt mir ganz gut, so auch beim Spiel der Carp gegen die Giants. Das Wetter sah zwar nach Regen aus, was aber den Fans den Spaß am Spiel nicht verleidete. Die Baseballregeln kannte ich, nicht aber die “Jubelregeln”, sprich die Rituale der Carp-Fans, wie jeder Spieler anzufeuern war, wann aufgestanden werden musste usw. Ich habe mich daher auf die einfachen Sachen beschränkt und überließ die komplexeren Sachen lieber Sono. Ab dem dritten Inning oder so war es eh egal, da ich mich darauf konzentrieren musste, eine Asahi Bier Pappunterlage als Dach zu benutzen, um mich vor dem Regen einigermaßen zu schützen. Zwecklos, denn die meisten Japaner hatten Schirme und Regencapes mitgebracht. Das Problem bei der Kombination von abschüssigen Zuschauerrängen und der Verwendung von Regenschirmen ist, dass das Wasser von den Schirmen der hinteren Ränge nach vorne abläuft, in diesem Falle von dem Schirm des Pärchens hinter mir auf meinen Rücken und in meine Hose. Die Entschuldigungen seitens des Pärchens kamen mir mindestens so ritualisiert vor wie die Gesänge im Stadion, nur deutlich leidenschaftsloser vorgetragen. Was soll’s, es war Regenzeit und deshalb nicht wirklich kalt.

Das Spiel anzuschauen hat ziemlich viel Spaß gemacht. Besonders die Gesänge der Fans und die friedliche Stimmung haben es mir angetan. Ein Baseballnachmittag ist hier quasi ein Ausflug für die ganze Familie, Picknick eingeschlossen. Die Carp holten einen Rückstand gegen die Giants auf, was für eine Party auf den Rängen sorgte, zumindest bis zum siebten Inning, in dem das Spiel wegen starken Regens beim Stand von 6 - 6 abgebrochen wurde. Regen hin oder her, unterhaltsam war es allemal, erst recht weil es die letzte Saison des alten Stadions ist, das einem modernen Neubau weichen muss.

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Ja, am Ende hat es übel geregnet, weshalb sich auch der kleine Hardcore-Fan hier in den Katakomben versteckte, genau wie ich. Ein paar Videos habe ich auch noch gemacht. Für diejenigen, die Probleme beim Abspielen der Videos haben, hier noch mal der Hinweis auf den VLC Player, den man kostenlos herunterladen kann und der, wenn es auch nicht der beste Player am Markt ist, sicher 1000 Mal besser ist, als der Windows Media Player oder der Quicktime-Rotz von Apple.

VLC Player Download für Windows, MacOS, UNIX basierte Systeme und andere Frickel-OSs

Video: Ceremony of banging the plastic toys (5 MB)
Video: Homerun! Freude bei den Carp Fans (11 MB)
Video: Regen, verdammt! (9,5 MB)

Nach dem Spiel hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, mit anderen Fans vor dem Stadion rumzulungern, um ein Autogramm zu erhaschen, doch ich bin leicht zu beeindrucken (nicht) und deshalb haben mir ein T-Shirt der Carp, ein Baseball und ein Lärminstrument als Mitbringsel gereicht. Witzig, so ein Stadionbesuch. Ein paar Tage zuvor war ich mit Sono schon mal in Hiroshima, da war aber Shopping angesagt. Eigentlich wollte ich nur Phantomshopping betreiben, nach dem Motto “das würde mir gefallen und sogar gut stehen, wenn ich Geld hätte und es kaufen würde”.

Eine Shoppingtour in Japan unterscheidet sich nach meinem Empfinden in vielen Punkten von einem Einkauf in Deutschland, von denen die zwei wichtigsten die folgenden sind: Service und Preis. Wenn man in Japan in ein Geschäft kommt, dann wird man von allen Angestellten freundlichst begrüßt, selbst in “coolen” Läden und Boutiquen, die Produkte gehobener Qualität und Luxusmarken verticken. Davon sollte sich das Verkaufspersonal in deutschen Läden in den meisten Fällen eine dicke Scheibe, am besten ein fettes Endstück, abschneiden, denn in Deutschland könnte man oftmals den Eindruck bekommen, dass das Verkaufspersonal Kundschaft gegenüber eine Mischung aus Langeweile und Arroganz demonstrieren muss, weil es ja selbst mindestens so hip, teuer oder obercool wie die im Geschäft angebotene Kleidung ist. Dabei kann man beobachten, wie eben jene Arroganz und Coolness proportional zum Image der angebotenen Marken zunimmt. Aber das ist ja auch klar, denn ist man im kik-Textildiscount schlicht Verkäufer(-in), so ist man im Armani-Laden um die Ecke bestimmt schon Shop Assistant Sales Compartment…oder so. Solch ein Verhalten wird man in geschätzten 97,489% der japanischen Geschäfte nicht ausmachen können, ganz im Gegenteil.

Der zweite wichtige Unterschied ist der Preis. In Deutschland habe ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass beispielsweise die Preise für Kleidung übel angestiegen sind. Sicher ist der Teuro dafür verantwortlich! Scherz beiseite, meine letzte Diesel-Jeans, für deren Kauf ich eigentlich einen Boxhieb verdient habe, hat 170€ gekostet. Vergleiche ich die Preise für unterschiedliche Produkte mit japanischen Preisen, liegen die deutschen Preise oftmals doppelt so hoch! Kameras, Konsolen, Kleidung, Schuhe…es erscheint mir gleichermaßen unfassbar wie unverschämt, dass ich für Nike bzw. Adidas Schuhe in Deutschland über 200€ bzw. 170€ zahlen soll, wenn sie in Japan für weniger als die Hälfte verschleudert werden, schließlich wurden sie von den gleichen pakistanischen Kinderhänden gefertigt. Mal abgesehen davon kaufe ich ja eh kein Adidas oder Nike ^^.

Am Ende ist es für mich eine Ray-Ban Sonnenbrille geworden. Der Verkäufer im Laden schwebte wie ein Schatten hinter mir her, bettete jede Brille, die Sono und ich uns ansahen und für halbwegs tauglich befanden, auf ein Kissen und trug selbiges hinter mir her. Er wurde zudem nicht müde, mir zu sagen, wie cool ich damit aussähe, “Beckham! Beckham!”, worin er vom Rest des Verkaufspersonals mit “Kakkoi! Kakkoi!” unterstützt wurde. Wenn ich die Brille nicht gekauft hätte, wäre ich vermutlich von meinem schlechten Gewissen ob der nicht durch einen Einkauf belohnten Serviceleistung bis an mein Lebensende gequält worden. Umgerechnet 65€ wurden für die Brille fällig. Ich bezweifele mal stark, dass ich in Deutschland dafür fündig geworden wäre. Haha, eine kurze Recherche bei einem Internetanbieter hat einen Preis von 140€ ergeben, ohne Versandkosten. Lol?

Etwas Lustiges habe ich noch entdeckt. Bestimmt habt ihr schon mal etwas von Graniph gehört oder den Namen schon mal irgendwo gelesen. Graniph ist ein japanisches Designstudio, das vor allem für seine T-Shirts bekannt ist, in Japan 70 Shops hat und auch in vielen anderen Ländern der Welt vertreten ist. Die Shirts gefallen mir ziemlich gut, die Qualität ist über jeden Zweifel erhaben und der Preis fair. Bestellen kann man auch über das Internet im Graniph Shop. Auf der Seite gibt es auch lauter News rund um Themen wie Design, Illustration, Fotografie etc., so wird z.B. auf die c/o pop und eine weitere Ausstellung in Köln hingewiesen. Was ist daran lustig? Naja, Deutsch scheint momentan hip zu sein, deshalb werden gerne Aufdrücke in Deutsch verwendet. Das an sich wäre nicht witzig, aber wenn man sich die Aufdrücke mal durchliest…herrje was habe ich gelacht. Auf korrektes Deutsch wird, ebenso wie hier im Blog, wenig Wert gelegt. Vielmehr wirken die Sätze so, als hätte jemand altavista babelfish oder irgendeine andere Internetseite zur Übersetzung verwendet. Haar sträubende Konstruktionen, abstruse Mischungen aus Deutsch und Englisch, sowie teilweise Wörter, die man keiner Sprache zuordnen kann, kommen dabei heraus. Manchmal sind die Wörter korrekt geschrieben, aber völlig ohne Zusammenhang verwendet, fast wie bei den Regeln des Black Metals, nach denen Albumtitel aus drei völlig unzusammenhängenden Wörtern bestehen müssen. Nur wenn Zitate, beispielsweise von Goethe, verwendet werden, ist der Aufdruck richtig. Hier ein Beispiel:

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OMG IST DAS GROSSARTIG!

Ja, da hatte ich meinen Spaß. Was gab es sonst noch Interessantes zu sehen? Sonntags ist auf jeden Fall einiges los in Hiroshima. Die ganze Stadt scheint einkaufen zu gehen, was man in der überdachten Hondori auch bestens tun kann.

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Wo viele Menschen sind, wird man auch immer welche finden, die Publikum brauchen, so auch in Hiroshima. Auf dem Platz vor PARCO, ein riesiges Kaufhaus, tanzte eine Truppe Rockabilly Fans und lebte seine Vorstellung der amerikanischen Fifties/Sixties, inklusive Tolle, Kamm etc., wie die Fotos/Videos beweisen:

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Yeah!

Video: Lasst die Röcke fliegen, Mädels! (9 MB)
Video: Coole Dudes rocken (19 MB)
Video: Woah! Tanz oder Stunt? (16 MB)

Sonntage in Hiroshima machen also Spaß. Auf der Rückfahrt habe ich noch kurz auf der Autobahn angehalten, um u.a. folgendes Foto zu machen:

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Joar hier gefällt es mir.

Ansonsten habe ich noch eine weitere Schule besucht, dieses Mal war es eine Grundschule. Wieder habe ich Deutschland kurz vorgestellt, mit den Kindern über meine und ihre Hobbies geredet und Fragen beantwortet. Nach ein paar Spielen in der Klasse haben wir noch zusammen Mittag gegessen und danach Fußball, Basketball und Völkerball gespielt. Außerdem wurde ich von vielen Kindern als menschliche Kletter- und Hüpfburg mißbraucht! Zum Dank und als Erinnerung an den Tag bekam ich von jedem Kind einen Brief und ein Bild, was wirklich herzallerliebst war.

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Schröjahr-sensei beim Unterricht.

Super war auch der Nachmittag bei einer Teezeremonie-Meisterin. Mir wurde gezeigt, wie eine traditionelle Teezeremonie abläuft und ich kann euch sagen, dass korrektes Verhalten bei so einer Zeremonie geübt werden muss, von der Leidensfähigkeit, die man mitbringen sollte, ganz zu schweigen. Die Sitzposition ist auf jeden Fall nichts für Vaters Sohn.

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Tee!

Leider, leider ging die Zeit in Kurose viel zu schnell vorbei. Ein tolles Abschiedsessen bei Tadashi-san und Akemi-san, noch ein paar Abende mit den Moritakas, und schon hatte sich die tollste Zeit, die ich bisher in Japan hatte, ihrem Ende genähert. Ich kann nicht sagen, wie ich mich jemals angemessen dafür bedanken könnte, so gastfreundlich wie die Moritakas, Noriaki, Sumiko, Shiho (in Deutschland), Sono, Keisuke und Pele, sowie all ihre Bekannten und Freunde waren.

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Danke, Pele!

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Danke, Sono!

Ich wäre gerne noch (sehr) viel länger in Kurose geblieben, aber ich freute mich auch sehr darauf, meinen Bruder Frederick in Tokyo zu treffen. Ja, die letzten Tage meines Japanaufenthalts werde ich in Tokyo verbringen. Der Nachtbus von Hiroshima nach Tokyo sollte mich in 12 Stunden wieder in diesem Moloch absetzen, um meinen Bruder am Bahnhof Ueno zu treffen. Mal sehen, was die 10 Tage mit ihm so bringen werden.

Sayonara, liebe Moritakas, sayonara Kurose :-|

Homerun

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Für meinen Japanaufenthalt hatte ich mir vorgenommen, das berühmte “floating torii”, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Japans, unbedingt mit meinen eigenen Augen zu sehen. Heute war es soweit, denn mit Noriyaki, Sumiko und Sono bin ich nach Miyajima gefahren. Miyajima heißt eigentlich Itsukushima und ist eine kleine Insel vor Hiroshima, die vor allem für den Itsukushima-jinja und insbesondere für das otorii bekannt ist. Damit ihr wisst, wovon ich rede, hier schon mal ein Vorabbild, allerdings noch aus der Ferne aufgenommen.

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Na, wer erkennt es?

Nach Miyajima setzt man von Hiroshima aus mit einer Fähre über. In Miyajima angekommen, wird man in der Regel nicht nur von Massen anderer Touristen empfangen, sondern auch von vielen Rehen, die, wie in Nara am Kofuku-ji und Todai-ji auch, frei herumlaufen. Die Miyajima-Truppe unterscheidet sich aber insofern, dass sie deutlich forscher um Essen “bittet”, als die Kollegen aus Nara. Das bekam Frau Moritaka auch direkt zu spüren, denn in einem unachtsamen Moment offenbarte sie den anwesenden Rehen und Hirschen, dass sie (meine) leckeren Reisbällchen in einer Tasche mit sich führte. Die Rehe schubsten sie daraufhin herum, wie eine Truppe Halbstarker den Klassendeppen auf dem Schulhof. Die Plastikbox mit den Bällchen wurde ruck-zuck zerfetzt, was einer anderen Touristin so gar nicht gefiel und sie deshalb Frau Moritaka auch noch beschimpfte, weil es ja ihre Schuld sei und nicht die der Tiere, die ja nicht denken können. Cool war, dass Herr Moritaka völlig gelassen in die Gruppe der tobenden Rehe ging, die Plastikschachtel wegnahm und in den Müll beförderte…eiskalt, der Mann.

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Hier pirschen sich die Rehe an Frau Moritaka, die hinter dem Geländer steht, heran.

Von dem wütenden Rehemob habe ich ein Video gemacht:

Video: Wütende Rehe kämpfen um Reisbällchen (22 MB)

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Herr Moritaka (mit zwei Schirmen in der Hand!) geht einfach in die Gruppe der Rage-Rehe und nimmt die Plastikschachtel weg. Impressive!

Jaja, da muss man schon aufpassen. Lustig finde ich auch den Hinweis, dass die Rehe ja alles essen würden und deshalb keine gegessenen Fährentickets oder Bahntickets erstattet werden :D

Mit leicht strapazierten Bauchmuskeln gingen wir zum Itsukushima-jinja, doch bevor ich ein Bild vom otorii aus der Nähe posten werde, möchte ich hier eine herbe Kritik an der Verwaltung von Miyajima loswerden. Überall in Japan, an jeder noch so blöden Stelle, stehen Warnschilder, die vor JEDEM Scheiß warnen, aber an den Stufen, die hier auf Miyajima zum Meer herunterführen, da steht kein Warnschild. Das Wetter war zwar regnerisch, wie zur Regenzeit zu erwarten war, aber warm war es trotzdem und deshalb wollte ich durch das Meer zum otorii gehen. Dumm nur, dass die vier Stufen zum Meer glatter als die Haut von Cate Blanchett in Herr der Ringe waren. Ich meine, kaum hatte ich einen Fuß darauf gesetzt, segelte ich auch schon in klassischer Cartoon-Slapstick-Manier in einem hohen Bogen auf die Treppe, auf der ich ungebremst und hart aufschlug, weil ich in der einen Hand eine Wasserflasche, in der anderen Hand meine Kamera hielt. Zum Glück bin ich nicht mit dem Kopf aufgeschlagen, sondern nur mit dem Rest des Körpers…meine Wirbelsäule scheint noch kräftig genug zu sein, um das nur mit einem heißen Schmerzblitz wegzustecken, und Wut läßt ja so manchen Schmerz vergessen.

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Die Stairs of Pain…hütet euch vor ihnen und springt lieber die paar Zentimeter hinunter, falls ihr mal dort sein solltet.

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Aua 1, 2 und 3. Das Bein war ganz schön dick, aber der Ellbogen tat am meisten weh…Ellbogen sollte man generell lieber nachrangig verwenden, wenn es darum geht, einen Sturz abzubremsen. Nicht so gut war auch, dass ich meine Kamera zum wiederholten Mal auf einer Oberfläche zum plötzlichen Stopp brachte, deren Härtegrad jenen der Kamera überstieg…mit anderen Worten: die Kamera fokussiert seitdem nur noch nach Zufallsprinzip. Davon lasse ich mir den Spaß aber sicher nicht verderben, eigene Dummheit muss halt auch mal weh tun, daher next stop: Itsukushima-jinja respektive otorii!

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V.l.n.r.: otorii, Sono, Noriyaki, Sumiko, Wolle.

Trotz diesigen Wetters, Ebbe und drohendem Regen, ein großartiger Anblick und ein tolles Gefühl, es mit eigenen Augen zu sehen und durch das Meer zu ihm zu gehen. Wie genial es erst sein muss, wenn man auf der Insel übernachtet und den Sonnenuntergang dort sieht, oder den in der Nacht beleuchteten Itsukushima-jinja betrachten kann, während man in yukata und geta gekleidet durch die Gassen flaniert, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Ich muss eigentlich unbedingt noch mal hierher kommen, am besten zur Zeit eines der vielen Festivals oder einfach nur an einem sonnigen Tag, wenn gerade Flut ist und man vom Berg Misen auf der Insel einen grandiosen Blick auf die setonaikai haben kann.

Im Itsukushima-jinja hatte ich so richtig Glück, denn dort wurde gerade eine klassische Shinto-Hochzeit abgehalten. Die Leute, die dort geheiratet haben, müssen auf jeden Fall stinkreich gewesen sein, denn eine Hochzeit im Itsukushima-jinja gehört zu den begehrsten und mit Abstand teuersten Möglichkeiten, in Japan zu heiraten. Vielleicht habe ich also einer Promi-Hochzeit beigewohnt?! Wer weiß das schon, aber interessant war es allemal.

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Schön!

Neben dem Itsukushima-jinja gibt es noch weitere Tempel und Schreine auf Miyajima, zum Beispiel den Daigan-ji, den ich auch noch besuchte. Hier befindet sich eine der drei bekanntesten Statuen von Benzaiten, von der ich ja schon öfters erzählt hatte. Im Daigan-ji gibt es noch eine imposante Statue des Feuergotts, der auf den Namen Agni hört, wie ich glaube.

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Daigan-ji.

Ansonsten haben wir uns nur noch die Senjokaku, die Halle der 1000 Tatamimatten, und die fünfstöckige Pagode angeschaut. Toyotomi Hideyoshi veranlasste einst den Bau der großen Senjokaku, allerdings wurde diese nach seinem Tod nicht fertiggestellt.

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Senjokaku.

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Na Kleine, da musst du dich aber noch anstrengen, wenn du so ein guter Tourist werden willst wie ich :)

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Denn ich bin KANKOU-MAN, der Super-Tourist!

Weitere Fotos von Miyajima gibt es in der Galerie. Der anhaltende Regen vertrieb die nicht so ganz begeisterten Begleiter von Kankou-man Wolle von der Insel, aber wer weiß, vielleicht kehre ich ja noch mal hierher zurück?!

Tschüß, liebes Weltkulturerbe!

Ach ja, hier noch ein Link zur Homepage von Miyajima, wo man viele weitere Informationen über die Sehenswürdigkeiten, Festivals usw. bekommen kann: Link

Miyajima

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