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Neuer Tag, neue Tour. Im 99 Yen Shop um die Ecke wurde der Tag mit einem schönen Kaffee eingeläutet…heute zwar kein Dosenkaffee, aber dafür auch leckerer als die meisten der 90-Prozenter.

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Eine freche “Anlehnung” an das Starbucks Logo außen, innen ein guter Milchkaffee. Für 99 Yen fast ein Geschenk!

Über unser erstes Ziel, Sanjusangen-do, hatte ich, bis auf eine Empfehlung Sebimarus, vorher nichts gehört, Yvonne ebenso. Umso erstaunter war ich, als auf dem großen Parkplatz vor dem Sanjusangen-do Busse in Massen geparkt hatten. Es musste also schon etwas Besonderes im Sanjusangen-do auf uns warten. Kurz nach dem Eintritt fällt einem sofort die enorme Haupthalle auf, die das längste Holzgebäude Japans ist. 16 Meter hoch, 24 Meter breit und 120 Meter lang…eindrucksvoll!

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Das war schon nicht schlecht. Vom Eingang aus links gesehen befindet sich noch ein Garten, der sich ebenfalls sehen lassen kann.

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Schöner Ort, gute Laune, gutes Wetter, guter Tag.

Sanjusangen-do übrigens, weil es 33 Zwischenräume zwischen den Säulen des Gebäudes gibt. 33 ist im Buddhismus eine besondere Zahl, weil Kannon dem Lotus Sutra nach in 33 verschiedenen Gestalten erscheinen werde, um alle Wesen zur Erlösung zu führen. 33 ist auch die Zahl der Wächtergottheiten, die den Buddha auf dem Berg Sumeru beschützen sollen, wenn ich das richtig verstanden habe. Wer Lust hat, der kann ja mal danach googl…ach ne, ixquicken oder irgendeine andere Suchmaschine nutzen :)

Draußen war schon mal alles gut, nun nahmen wir uns das Innere vor. Es kommt vor, dass man Dinge sieht, die so beeindruckend sind, dass es einem die Sprache verschlägt. Als Yvonne und ich das Innere der Haupthalle betraten, passierte genau das. In der Halle herrschte Stille, obwohl es rappelvoll war und lauter Schulklassen, sowie Familien mit Kindern unterwegs waren. Alle waren von dem Anblick der Statuen umgehauen. Das letzte Mal, dass ich so beeindruckt war, war in Nikko, als ich die drei riesigen Buddhastatuen in der Sanbutsu-do des Rinno-ji gesehen hatte.

Zur Erklärung: in der Halle stehen 1001 Statuen von Kannon, Buddha des Mitgefühls. In der Mitte thront eine sehr große Statue Kannons, die vom berühmten Bildhauer Tankei, der wiederum Sohn des - noch berühmteren Unkei - war, angefertigt wurde, und zwar im Alter von 82 (!) Jahren, zwei Jahre vor seinem Tod. Wer die Statue sieht, der kann das eigentlich nicht glauben, mich eingeschlossen. Zur Rechten und Linken der großen Statue stehen jeweils 500 weitere Statuen, alle (!) mit unterschiedlichen Gesichtern. Besucher machen sich einen Spaß daraus, in den Gesichtern Ähnlichkeiten zu Bekannten zu entdecken. Zusätzlich zu den 1001 Statuen Kannons stehen noch 28 Wächterfiguren vor den anderen Statuen. “Eingerahmt” sind die Wächter durch Raijin (rechts), Gott des Donners, und Fujin (links), Gott des Windes. Links von Raijin befindet sich Agyo, einer der Nio, die zwei Könige, über die ich schon öfters geschrieben habe bzw. Fotos gepostet habe. Rechts von Fujin befindet sich dementsprechend Ungyo, der zweite der Nio. Zwischen beiden stehen die anderen Wächtergottheiten, jeweils in ein paar Metern Abstand voneinander.

Obwohl es verboten war, dort Fotos zu machen, habe ich mit Yvonnes Kompaktkamera ein paar Fotos aus der Hüfte geschossen, bis ich die Aufmerksamkeit der Mönche auf mich zog und das lieber unterlassen habe.

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Agyo, einer der Nio.

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Zwei der Wächtergottheiten, im Hintergrund seht ihr stehende Figuren Kannons. Achtet bitte auf die Augen der Wächtergottheiten, für die Edelsteine verwendet wurden, um sie lebensecht wirken zu lassen. Wahnsinn! Ich habe nicht so viele Fotos machen können, deshalb schaut euch unbedingt die Fotos an, die ihr unter folgendem Link finden könnt. Fotos von der großen Kannonstatue könnt ihr auf der dritten Seite bewundern.

Link: Fotogalerie Sanjusangen-do

Wer diesen Ort sieht und nicht beeindruckt ist, mit dem stimmt etwas nicht…das mag ich fast garantieren. Die Halle, die ursprünglich 1164 erbaut wurde, einem Feuer zum Opfer fiel und 1266 wieder erbaut wurde, war früher sogar noch imposanter, da die Decke ein einziges riesiges Gemälde war, das aber über die Jahrhunderte verwitterte. An manchen Stellen kann man noch Reste erkennen, die einen Eindruck vermitteln, was für ein unfassbares Gesamtkunstwerk dieser Ort gewesen sein muss, ach Quatsch, immer noch ist. Für mich ist es allerdings völlig unbegreiflich, warum er nicht auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbe steht…noch nicht. Es wird wohl momentan eine Aufnahme geprüft.

Damit war aber noch nicht Schluss mit den beeindruckenden Daten um den Sanjusangen-do. Auf der langen Terrasse des Sanjusangen-do wurde über viele Jahrhunderte Bogenschusswettbewerbe ausgetragen. Da es zu lange dauert, das hier mit eigenen Worten zu erklären, kopiere ich den Text von wikipedia.de hier rein:

“Der Tempel ist aus der Geschichte berühmt für seine als Tōshiya (通し矢, wörtl. “Pfeile, die das Ziel treffen”) bekannten Wettkämpfe im Bogenschießen mit dem japanischen Langbogen. Diese fanden jährlich im Mai auf der 2,5 m breiten, nur 5,5 m hohen und 120 m langen Westveranda auf der Rückseite des Tempels statt. Die Schützen schossen dabei vom Südende der Veranda auf ein an der Nordseite als Ziel angebrachtes Tuch, hier befand sich auch das Kampfgericht, das die gültigen Treffer anzeigte.

Es waren Wettkämpfe über 100 Pfeile oder 1.000 Pfeile sowie Wettkämpfe über die halbe Distanz und die volle Länge der Veranda (118 m Schussdistanz) üblich. Bei Letzteren musste ein einzelner Schütze innerhalb 24 Stunden so viele Pfeile wie möglich ins Ziel bringen. Dieser Wettkampf dauerte von 6 Uhr abends eines Tages bis zum Abend des nächsten Tages. Bei Nacht wurde die Veranda von mehreren Feuern vor dem Tempel erleuchtet, die von Feuerwehrleuten bewacht wurden. Alle 500 Treffer machte der Schütze eine kurze Pause und wurde durch Anfeuerungsrufe der Zuschauer belohnt.

Dieser erstmals 1606 ausgetragene Wettkampf galt als außerordentlich anspruchsvoll, da neben den Belastungen durch die lange Dauer des Wettkampfes die niedrige Veranda zu einer sehr flachen Flugbahn und daher zur Verwendung starker Bögen und einer speziellen Schießtechnik zwang.

Rekordhalter aller Zeiten ist der damals 22-jährige Wasa Daihachiro im Jahre 1686 mit 13.053 Pfeilen, von denen 8.133 ihr Ziel erreichen. Dies ergibt rechnerisch eine unglaubliche Schussfrequenz von ca. 10 Pfeile/min., bei denen jedoch die Teepausen nach 500 Schuss noch nicht herausgerechnet sind. Den zweiten Platz hält der Samurai Hoshino (10.542 Pfeile, 8.000 Treffer).

Auch heute noch wird unter gleichem Namen auf dem Tempelgelände jedes Jahr ein bekannter Kyūdō-Wettkampf veranstaltet, aus denkmalschützerischen Gründen allerdings im Hof neben der Haupthalle und nur über 60 m Distanz (”Enteki”). Eine Demonstration des Tōshiya in seiner ursprünglichen Form findet jährlich Mitte Januar statt.”

Ein Video zu einer der Veranstaltungen der Vergangenheit, sowie ein kurzes Video, das das Innere mit den Statuen zeigt, findet ihr unter den folgenden Links:

Link: Bogenschußfestival im Sanjusangen-do
Link: Die 1001 Statuen Kannons im Sanjusangen-do

Wie unschwer zu erkennen ist, hat es mir der Sanjusangen-do sehr angetan, genau wie dir Sebimaru! Yvonne war ebenfalls begeistert und so gingen wir weiter zum nächsten Ziel, dem weitaus bekannteren Kiyomizu-dera. Rechts vom Anfang des Kiyomizu-michi, der zum Kiyomizu-dera hinauf führt, befindet sich noch der wenig beachtete Otani Honbyo, der vor allem deshalb von Interesse ist, weil er die Gräber von Shinran Shonin, seines Zeichens immerhin Gründer der Jodo Shinshu, und den Äbten des Higashi-Hongan-ji beherbergt.

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Im Otani Honbyo.

Nach dem kurzen Abstecher und einem kurzen Fußmarsch durch enge, von Touristen und Bussen verstopfte Straßen, erreichten wir den Kiyomizu-dera. Der Kiyomizu-dera gehört sicher zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Kyoto, wenn nicht gar von ganz Japan. Das Motiv der Terrasse der Haupthalle und Kyoto im Hintergrund ist gewiß eines der am meisten fotografierten Motive in Japan. So sieht das aus:

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Zur Zeit der Kirschblüte kann man an diesem Ort vermutlich kein Bein auf den Boden bringen, so voll wird es da sein.

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Ja, auch ich war da. So, nun noch kurz zu den anderen Stellen im Kiyomizu-dera. Kurz vor der Haupthalle befinden sich Replikas dreier Stücke, wie sie angeblich Benkei getragen haben soll. Die Geschichte um Benkei alleine strotz nur so vor Coolness, deshalb musste ich mich auch unbedingt an ihnen versuchen. Bei den drei metallenen Gegenständen handelt es sich um geta (traditionelle japanische Sandalen), die zwar nicht so richtig schwer waren, als Schuhe aber eher ungeeignet sind :-D. Weiterhin gab es zwei Stäbe, von denen ich den ersten, kleineren, ohne Probleme noch mit einem Arm anheben konnte. Den zweiten aber, ein Speer, den Benkei als Wanderstab benutzt haben soll, konnte ich nicht anheben, trotz Aufbietung der, nach langer Zeit ohne Training ordentlich geschwundenen Körpermasse und -kraft. Das Teil wiegt mindestens 140 kg, wenn nicht mehr, denn bei einer Internetrecherche bin ich auf ein Bodybuildingforum gestoßen, in der ganz andere Gestalten von ihren Mißerfolgen beim Versuch, den Speer zu heben, berichteten.

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Ich glaube, dass ich da so etwas wie “Ey, Alter, WTF?” gesagt habe. Mit dem Gefühl einer leicht angeknacksten Bandscheibe gingen wir in einen Nebenschrein, der sich auf dem Gelände befindet. Im Jishu-jinja tummeln sich vor allem junge Leute, die dort dafür beten, mit ihrem Schwarm zusammen zu kommen bzw ihn/sie an sich zu binden. Dazu werden allerlei Glücksbringer angeboten, die das Doppelte der sonst üblichen Preise kosten. Tja, mit der Einsamkeit der Menschen bzw. der Sehnsucht/Liebe kann man schon eine ganze Menge Geld machen, vor allem (Achtung, böse!) in Japan. Als besondere Attraktion befinden sich hier zwei “Liebessteine”. Diese zwei Steine sind in etwa 18 Meter voneinander entfernt. Wer es schafft, vom einen Stein loszugehen und mit geschlossenen Augen der Weg zum anderen Stein zu finden, der wird in Zukunft die Liebe seines Lebens finden. Wer es nicht ohne Hilfe, sprich Anweisungen eines Dritten, schafft, der wird auch die Liebe seines Lebens nur durch einen Vermittler finden können. Soweit zum Aberglauben, nun zu den Fotos bzw. dem Video. Ja, auch ich habe das zur Freude Yvonnes gemacht!

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Ob der Hammer wohl bei mir wirkt?

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Lesen könnt ihr ja :)

Welchen Ausgang hat wohl mein Versuch genommen?

Wolle und die Liebessteine (4 MB)

Jaja, lacht ruhig :)

Massen an Touristen hin oder her, es war auf jeden Fall interessant im Kiyomizu-dera. Wie es sich gehört, haben wir mit vielen anderen Leuten noch angestanden, um Wasser aus dem Wasserfall zu trinken, dem der Kiyomizu-dera seinen Namen verdankt, denn kiyomizu bedeutet so viel wie “klares Wasser”. Wenn all die Wünsche, die ich an den verschiedenen Schreinen und Tempeln geäußert habe, in Erfüllung gehen sollten, dann freue ich mich schon arg auf die Zukunft! Fotos inkl. Erklärung gibt es wie immer in der Galerie.

Oh, fast hätte ich vergessen, es zu erwähnen: der Kiyomizu-dera ist Weltkulturerbe :-)

Der nächste Tempel, Chion-in, ist zwar kein Weltkulturerbe, muss sich aber ganz bestimmt nicht verstecken, was im Falle des San-mon auch schwierig wäre, gehört es mit 24 Meter Höhe, über 50 Meter Breite und über 70.000 Dachschiefern zu den größten in ganz Japan.

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Das gewaltige San-mon markiert den Eingang zum Chion-in, der der Haupttempel der Jodo Shu ist, was man aber alles auf der Seite, die ich oben als Link angegeben habe, prima nachlesen kann. Das Gelände ist sehr groß und beherbergt lauter interessante Dinge, so z.B. die über 74 Tonnen schwere Glocke, die die größte Japans ist. Bei der alljährlichen Neujahrszeremonie, die in Japan live im Fernsehen übertragen wird, benötigt es nicht weniger als 17 Mönche, um die Monsterglocke mit dem Monsterschlegel (?) zum Läuten zu bringen. Nicht 1 Mal, nicht 10 Mal, 108 Mal wird die Glocke geläutet, was, wie mir Herr Moritaka erklärte, die Gesamtheit aller Dinge symbolisieren soll. 6 Sinne des Menschen mal 6 Richtungen mal 3 Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) ergibt 108 Glockenschläge. Bermerkenswert ist auch der Regenschirm, der beim Bau der großen Miei-do vergessen wurde und seitdem über Jahrhunderte an der gleichen Stelle verwittert. Über den Regenschirm wird gesagt, dass er von einem Meister der Zimmermannskunst dort vergessen wurde, aber weil der Regenschirm in Verbindung mit Wasser gebracht wird, gilt er als Schutz des Tempels vor Feuer.

Ein nettes Detail ist auch der Holzboden, der die Miei-do umgibt und weitere Teile des Tempelkomplex miteinander verbindet. “Nachtigallboden” wird er deshalb genannt, weil jeder Schritt auf dem Boden ein Geräusch hinterlässt, der an das Singen einer Nachtigall erinnern soll. Sinn und Zweck der Maßnahme ist Sicherheit…durch die unvermeidbaren Geräusche, die durch die spezielle Bauweise des Bodens entstehen, sollte vor Einbrechern und Dieben gewarnt werden.

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Die Miei-do, in der sich das Bildins Honen Shonins befindet.

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So sieht es in er Miei-do aus.

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Der vergessene Regenschirm.

Dank der blöden Öffnungszeiten konnten wir uns nicht mehr die Gärten und die anderen Sehenswürdigkeiten im Chion-in anschauen, deshalb klickt auf den Link, wenn ihr da weitere Informationen und Bilder drüber haben wollt.

Viel Zeit blieb auch nicht mehr, um den benachbarten Nanzen-ji aufzusuchen, weil die Mönche auch hier nicht länger als bis 17 Uhr arbeiten wollen :-) Der Nanzen-ji gilt als der wichtigste Zen Buddhismus Tempel der Welt, stand und steht vom Rang her in einer eigenen Klasse, über dem Gozan-System von Kyoto bzw. Kamakura. In aller Eile rannten Yvonne und ich die Stufen hinauf, um noch etwas vom Tempel zu Gesicht zu bekommen, was mehr oder weniger von Erfolg gekrönt war. Von den vielen Sehenswürdigkeiten waren die meisten schon geschlossen, so dass wir die Gebäude nur von außen sehen und die Gärten nicht mehr betreten konnten. Was mich verdutzt hat, war das Aquädukt, das sich auf dem Gelände befand. Die untergehende Sonne tauchte den Tempel des Südens in ein tolles Licht, deshalb waren Yvonne und ich uns einig: kimochiiii!

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Im Nanzen-ji, Aquädukt usw.

Schöner Sonnenuntergang, aber keine Ruhe für das dynamische Sightseeing-Duo. Eine letzte Mission wartete noch auf uns an diesem Tag: der Heian-jingu. Erbaut im Jahr 1895, gehört er zu den neuesten religiösen Stätten in Kyoto. Seine Gebäude sind im Stil dem alten Kaiserpalast nachempfunden, der im 13. Jh. zerstört wurde, allerdings nur in 2/3 der ursprünglichen Größe. In allen Informationsbroschüren steht, dass man auf keinen Fall den Garten vermissen soll, denn der soll besonders toll sein, selbst im Sommer durch seine Lilien und Seerosen Eindruck machen. Tjaaa…nun waren wir zwar 25 Minuten vor Schließung des Schreins dort, aber da die lustigen Mönche 30 Minuten für die Besichtigung des Gartens veranschlagen, wird der Garten schon 30 Minuten vor dem Tempeleingang verschlossen. AAAAAAARRRRG! Fünf Minuten zu spät! Yvonne und ich gaben uns alle Mühe, uns gegenseitig davon zu überzeugen, dass das nicht so schlimm sei, aber ein Blick auf die Übersichtskarte im Schrein machte diese Versuche schnell zunichte, zu schön sieht der Garten schon auf der Übersichtskarte aus. Naja, ändern konnten wir eh nichts dran, und so haben wir noch die restlichen Sonnenstrahlen auf dem großen Platz des Heian-jingu genossen.

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Im Heian-jingu.

Ein besonderes Schmankerl ist das torii, das das größte in Japan ist. 25 Meter hoch ist es; der oberste Torbogen misst 33 Meter.

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So, das war es schon mit Kyoto. Eine unglaublich tolle Stadt mit so viel zu entdecken, dass man Wochen, wenn nicht gar Monate bräuchte, um die besten Sachen ordentlich würdigen zu können. Kyoto ist meine bisherige Nummer 2 in Japan, nach Kamakura. Kyoto hat zwar (deutlich) mehr an kulturellen Attraktionen zu bieten, aber vielleicht werde ich alt und schätze deshalb die Ruhe in Kamakura mehr, außerdem liegen Yokohama und Tokyo nicht weit entfernt von Kamakura…falls man mal genug von Strand und schönen Wäldern hat und es Beton-Neonlicht-Mix sein muss :-)

Wir verabschiedeten uns noch von Taniguchi-san, der, da bin ich mir fast sicher, der netteste Mensch ist, den ich je getroffen habe, zumindest fremden Menschen gegenüber…wir waren zwar Gäste, aber das ging weit über professionelle Freundlichkeit hinaus und kam von Herzen. Beeindruckend.

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Sayonara, Taniguchi-san, sayonara, Kyoto. Schön war es mit euch!

Kyoto, Teil 5

64 Fotos

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Wie ich schon geschrieben habe, war es zu einer Wiedervereinigung des dynamischen Sightseeing-Duos gekommen! Yvonne kam für einen Kurztrip aus Sapporo vorbei und wir gingen wieder gemeinsam auf Tour, wie schon in Nikko und Tokyo zuvor. Angefangen haben wir mit einem Besuch beim Kamigamo-jinja, der zweite Teil des Kamo-jinja. Den anderen Teil, Shimogamo-jinja, hatte ich am Vortag noch alleine besucht. Der Kamigamo-jinja ist laut der Webseite der älteste Schrein in Kyoto und seine Gründung datiert ungefähr 100 Jahre vor der des Shimogamo-jinja. Er befindet sich ebenfalls auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten. Was mir bei den meisten Schreinen, so auch beim Kamigamo-jinja, auffällt, ist, dass die Einbettung in die umliegende Natur meist harmonischer wirkt, als es bei vielen buddhistischen Tempeln der Fall ist. Vielleicht gefallen sie mir deshalb so gut.

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Guten Morgen! Ganz schön dunkel, ne? Ja, das Wetter schien es nicht so gut mit uns zu meinen, denn schnell zogen dunkle Wolken auf.

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Tatezuna im Kamigamo-jinja. Auf diese konischen Hügel, die die Berge hinter dem Kamigamo-jinja symbolisieren, sollen Gottheiten herabsteigen.

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Ema im Kataoka-jinja, ein Nebenschrein des Kamigamo-jinja. Hier bittet man darum, einen Partner zu finden bzw. die/den Auserwählte/n an sich binden zu können. Yvonne hat dort Zeit und Geld investiert, während ich das mal geskippt habe :-)

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Die meisten Schreine besitzen eine Atmosphäre, die Naturverbundenheit ausdrückt. Der Kamigamo-jinja bildet da keine Ausnahme.

Dem geneigten Marathon-touristen wird in Kyoto ordentlich unter die Arme gegriffen, und zwar in Form des Tagestickets für die örtlichen Busse. Für 500 Yen kann man den ganzen Tag hin und her kurven, was Yvonne und ich voll ausgenutzt haben. Obwohl ich den Kinkaku-ji bzw. Rokuon-ji schon gesehen hatte, zahlte ich die 400 Yen Eintritt gerne noch mal. Dieses Mal war wieder die Hölle los! Touristen drängten sich in Massen auf dem Gelände, was in Warteschlangen vor dem “scenic spot” resultierte, da jeder ein Foto von sich vor dem goldenen Pavillion haben wollte.

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Auch ich wartete artig, bis ich an der Reihe war. Die Aufschrift auf meinem Fächer würde zwar Gegenteiliges vermuten lassen, aber die ist so etwas wie das Gegenstück zu Shirts mit der Aufschrift “Zicke”, nur dass die Aufschrift auf meinem Fächer - der ein Geschenk ist (danke, Tomoko) - folgendes bedeutet: 不良中年, gelesen furyou chuunen, “Rowdy im mittleren Alter” “Tunichtgut mittleren Alters”. Tomoko fand das lustig und treffend; ich finde es zumindest lustig ;-)

Vor dem Kinkaku-ji erhielt Yvonne wieder eine willkommene Gelegenheit, Spott über mich ergehen zu lassen, da mich mal wieder eine Schulklasse ansprach, um Fotos mit mir zu machen bzw. eine Umfrage durchzuführen. Wieder interessierte man sich für meine Gedanken zum Thema Frieden, worauf ein kurzer Plausch über Hobbies und favorisierte Sportarten folgte. Rührend war, dass die Kids noch winkend neben dem Bus liefen, als dieser bereits losgefahren war hehe.

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Fragestunde mit Wolle.

Next stop: Ryoan-ji. Auch den hatte ich bereits besucht, aber was soll’s. Ein Weltkulturerbe kann man sich ruhig zwei Mal anschauen. Der Kölner Dom beeindruckt ja auch jedes Mal aufs neue. Wie schon im Kinkaku-ji war es hier brechend voll…dieses Mal konnte man sich entspanntes Liegen auf den Holzplanken abschminken, was man auf dem Foto gut erkennen kann.

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Der Steingarten bleibt in seiner schlichten Schönheit davon aber unberührt.

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Dieses Mal tauchte Co Bao am Treffpunkt auf!

Auch nach dem zweiten Besuch bleibt die Empfehlung bestehen: der Ryoan-ji rockt. Bei meinem ersten Trip in diesen Bereich Kyotos war ich spät dran, verpasste somit den Zugang zum benachbarten Ninna-ji, was Yvonne und ich aber jetzt nachholen wollten. Blöd war, dass wir durch den plötzlich stark werdenden Regen gezwungen waren, uns trotz der mitgebrachten Regenschirme erst mal unterzustellen. Der Ninna-ji ist ein weiterer der insgesamt 17 Orte mit Weltkulturerbestatus, überraschenderweise sogar ohne Eintrittsgebühr! Wenn man durch das imposante Nio-mon das Gelände dieses wichtigen Tempel des Shingon Buddhismus betritt, sieht man erst mal, wie groß und weitläufig er angelegt ist. Den Eintritt für den Garten bzw. den Palast haben wir uns gespart, den Gang über den gesamten Rest des Tempelgeländes trotz des Regens nicht.

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Das imposante Nio-mon und das nationale Kulturgut, Kon-do. Das Nio-mon gehört zu den größten in Kyoto und hat seinen Namen von den beiden Königen, Nio, die meine favorisierten Wächtergottheiten sind. Wegen des anhaltenden Regens verirrten sich nur wenige Touristen in das weitläufige Gelände. Auch Yvonne und ich hielten es nicht sooo lange aus, weil es angenehmeres gibt, als sich vollregnen zu lassen, selbst für Hardcore-Touristen wie uns. Der Bus brachte uns zum Kitano-Tenman-gu, seines Zeichens der Hauptschrein aller Tenman-gu, in denen Sugawara no Michizane bzw. er in deifizierter Form als Tenjin eingeschreint ist. Für die, die nicht auf die Links klicken wollen, eine kurze Erklärung: Sugawara no Michizane (bzw. Tenjin), dessen Geschichte wirklich interessant ist, gilt in Japan als kami (Gottheit) der Gelehrsamkeit, Kalligraphie und als Schutzgottheit der Gelehrten und Schreiber. Aus diesem Grund beten in Tenman-gu vor allem Schüler und Studenten um erfolgreiche Teilnahme an Aufnahmeprüfungen oder generell für Prüfungen.

Yvonne und ich legten einen Zwischenstopp in einem Restaurant ein, um dem fiesen Regen zu entkommen. Aber statt nachzulassen, wurde der Regen nur noch stärker. Zusammen mit Schulklassen stellten wir uns unter, warteten eine Regenpause ab und vertrieben uns die Zeit damit, Mücken kaputt zu schlagen.

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Ja, es hat krass geregnet.

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In einer Regenpause ging es fix zur Haupthalle, wo Schüler und Schülerinnen brav für Erfolg in der Schule beteten. Hehe, an dem Schrein habe ich mich auch mal verbeugt ;-) Eine Schulklasse saß in der Haupthalle, wo ein Shintopriester für sie betete. Gut fand ich den Satz des Priesters, als er für die ichinensei der Grundschule, also für die i-Männchen, betete und den Rat erteilte, “jaa, ichinensei, ganbatte kudasai”. Jo, sind ja nur 12 Jahre, die sie durchhalten müssen :-D Bei der Menge an Schülern, die vermutlich alltäglich durch den Schrein geschleust wird, fleißig ema schreibt und omamori sowie omikuji kauft, muß es dem Schrein eigentlich ziemlich gut gehen. Da wird viel Geld mit Angst gemacht! ;-)

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Sorry Andi, sie wird nicht über 18 sein.

Weiter ging es mit dem Tenryu-ji, der einer der Haupttempel des Rinzai Buddhismus ist, zudem der Tempel im obersten Rang des Gozan Systems von Kyoto, UND - wer hätte das gedacht - Weltkulturerbe ist. Berühmt ist er vor allem für seinen herausragenden Garten, der seine jetzige Form bereits seit dem 14. Jh. bewahrt hat. Zack, wieder 500 Yen weg, aber auch dieses Mal waren die prächtig investiert, ist der Garten doch einer der besten, wenn nicht der beste, den ich bisher gesehen habe. Yvonne und ich haben uns einen ungünstigen Zeitpunkt für einen Besuch ausgesucht…natürlich sieht im Frühling und vor allem im Herbst hier alles unfassbar prächtig aus, aber auch im Sommer kann man hier eigentlich ajisai bewundern, nur waren wir dafür zu früh dran. Egal, der Tempel und sein Garten bekommt unser beider Gütesiegel.

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Das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Gartens, der sich noch deutlich weiter in den Berg hinein ausdehnt. Richtig gut war der Bambuswald, Sagano, der unmittelbar angrenzt. “Richtige” Bambuswälder gibt es nur noch wenige in Japan, vor allem solch schöne eher selten. Die gesamte Gegend hier wird Arashiyama genannt, bietet noch deutlich mehr Attraktionen, nur muss man bei einem Zeitraum von 5 Tagen für eine Stadt wie Kyoto Abstriche machen…es ist schlicht unmöglich, alles zu sehen, nicht zuletzt deshalb, weil die Öffnungszeiten der verschiedenen Sehenswürdigkeiten die Sightseeing-Touren noch erschweren und zwangsweise verkürzen. Als wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof machten, hatten die meisten Tempel geschlossen, deshalb fuhren wir zu einer urbanen Sehenswürdigkeit, das Stadtviertel Gion.

In Gion kann man an verschiedenen Stellen einen Eindruck davon bekommen, wie es in Kyoto vor langer Zeit ausgesehen haben muss, da viele alte Häuser erhalten sind. Die Ponto-cho, eine kleine, enge Straße, in der sich Restaurants und Teehäuse aneinander reihen, beleuchtet durch die charakteristischen Laternen, ist sehr sehenswert und vermittelt gerade am Abend eine besondere Atmosphäre. Auch die anderen Bereiche von Gion wissen sehr zu gefallen. Entlang der Hauptstraße, Shijo-dori, findet man sehr viele Geschäfte, die hochwertige Handwerkskunst anbieten, beispielsweise Kimonos, Papier oder berühmte (und teure) Kosmetika. Gion ist zudem das Zentrum der japanischen Geisha Kultur und tatsächlich habe ich sogar eine sehen können, wie sie sich mit ihrer Gehilfin auf den Weg in ein Teehaus machte. Schusselig wie ich bin, habe ich nur gegafft, anstatt sie um ein gemeinsames Foto zu bitten oder sie wenigstens alleine zu fotografieren :-(

Die Restaurants und Teehäuser in dieser Gegend sind teilweise unglaublich teuer, was einem beim Blick auf den Aushang schon mal leicht verdutzen kann. Bei den ganz edel aussehenden Orten hängt erst gar kein Menü oder eine Preistafel in irgendeiner Form aus…sicher nicht ohne Grund. In solch ein Lokal ist die Geisha auch verschwunden, Chance verpasst! Wer es lieber etwas “entspannter” bzw. preiswerter mag, dem wird hier aber auch fündig. Ein paar Restaurants erscheinen ausländischen Gästen gegenüber besonders offen zu sein, was angesichts der Vielzahl der Ausländer nicht weiter verwunderlich erscheint. In Gion sieht es z.B. so aus:

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Oben ist die Hauptstraße zu sehen, während das untere Bild eine etwas abgelegenere Nebenstraße zeigt, in der sich die besonders brutal teuren Läden und die besonders brutal hübschen Frauen befanden. Fotos gibt es von denen nicht, Andi, weil letzten Endes doch so etwas wie Schamgefühl in mir verblieben zu sein scheint :-)

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Weitere Impressionen…auf dem untersten Foto ist die Ponto-cho zu sehen.

Zum Abschluß des Tages haben wir noch einen Blick auf den Yasaka-jinja geworfen, der auch mal Gion-jinja genannt wurde und so etwas wie der Schutzschrein von Gion ist.

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Damit neigte sich ein weiterer Tag in Kyoto seinem Ende zu. Flip-Flops sind noch immer keine Wanderschuhe, festes Schuhwerk bei dem Regen, verbunden mit relativ warmen Temperaturen, keine Alternative…eine Fußmassage würde jetzt wahrscheinlich meinen Kopf explodieren lassen. Kyoto ist eine tolle Stadt.

Kyoto, Teil 4

66 Fotos

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Kyoto, Teil 3 = Tempelmarathon, Teil 3. Auch am dritten Tag änderte sich nicht sonderlich viel am grundlegenden Programm für Kyoto, d.h. es war Sightseeing angesagt, und zwar wiederum für den ganzen Tag. Ach, nicht ganz, denn am Morgen regnete es erstmal, weshalb ich erst gegen Mittag losging. Dafür wurde es um so schneller richtig schön schwül, denn Kyoto ist für seine Killerhitze im Sommer berühmt-berüchtigt. Dabei ist es hier noch nicht einmal Sommer, sondern noch japanischer Frühling. Für mich als an deutsches Klima gewöhnten Menschen ist das allerdings schon die reinste Waschküche…ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, wie man noch mal 10-15 Grad mehr bei noch höherer Luftfeuchtigkeit ertragen soll.

Zum Glück befand bzw. befindet sich das erste Ziel, der Shimogamo-jinja, mitten in einem urwüchsigen Wald. Der Schrein gehört zu den ältesten überhaupt und wird auf das 2. Jh. vor Christus datiert. In dem Wald ringsherum wurden bei Ausgrabungen Fundstücke aus der Yayoi-Zeit entdeckt und zudem gilt der Wald als naturbelassen, d.h. er wurde nicht in seiner jetzigen Form gepflanzt, sondern entwickelte sich ohne wesentliche Eingriffe von Menschenhand. Den Status des Weltkulturerbe hat er sich verdient, ist das Gelände doch eine Augenweide und die Einbettung in den dichten Wald grandios.

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Warum die Krähenfiguren dort stehen weiß ich übrigens nicht. Wer mehr über die Geschichte, die verschiedenen Nebenschreine, matsuri und so weiter erfahren will, der kann den Link oben klicken, ansonsten gibt es noch weitere Fotos in der Galerie. Insgesamt ein supertoller Ort und absolut empfehlenswert. Übrigens war es eine sehr schlechte Idee, festes Schuhwerk anzuziehen und nicht ein Tanktop mitgenommen zu haben, denn es wurde ganz schön heiß.

Dank der fiesen Hitze habe ich auch beim zweiten Stopp, Chion-in, mich länger aufgehalten, als ich das eigentlich wollte. Zu reizvoll war die Aussicht, im Schatten rumzuliegen. Der Chion-in ist ein wichtiger Tempel der Jodo Shinshu, eine Schule des Buddhismus (des reinen Landes). Es heißt, dass Honen Shonin, Gründer der Jodo Shinshu, in diesem Tempel während der Hyakuman Nembutsu, eine Million Rezitationen des nembutsu, in diesem Tempel gewohnt hat. Eine Million Rezitationen? Na, hoffentlich hatte er ein Glas Wasser zur Hand und jemanden, der für ihn eine Strichliste gemacht hat. Der Überlieferung nach herrschte zu dieser Zeit eine Welle von Epidemien, die mit der Beendigung der eine Million Rezitationen des nembutsu ebenfalls aufhörte.

Ob das alles stimmt, das weiß ich nicht; sicher ist aber, dass an jedem 15. eines Monats auf dem Tempelgelände ein großer Flohmarkt stattfindet, der ziemlich beliebt zu sein scheint, vor allem aufgrund seiner entspannten Atmosphäre. Die meisten der Stände werden von Studenten der Universität Kyoto betrieben, die quasi auf der anderen Straßenseite liegt. Das Gelände an sich ist eigentlich “nichts besonderes”, sprich es gibt keine herausragenden Gärten oder so…dafür wird aber auch kein Eintritt verlangt, was von Studenten ebenfalls genutzt wird, um dort rumzuhängen.

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So sieht es im Chion-ji aus. Ein netter Ort, zudem liegt er auf dem Weg zum Ginkaku-ji, der eines der Hauptziele der meisten Touristen in Kyoto ist. Da ich ein guter Tourist bin, war jener Ginkaku-ji auch das nächste X auf meiner Karte. Das kann man auch ganz gut an den Massen an Menschen erkennen, die sich den Weg zum Ginkaku-ji hinauf drängen. Die Geschäfte entlang des Weges sind aber cool und bieten die üblichen Touristenfallen, aber auch höherwertige Waren und mehr als genug leckere Süßigkeiten. Die gefüllten Windbeutel in dem letzten Laden auf der linken Seite kann ich nur jedem ganz warm ans Herz legen!

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Fächer gab es in Hunderten verschiedener Muster, Formen und Farben, genau wie lauter leckere und ausgefallene Süßigkeiten.

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Das Logo des Ladens mit den Windbeuteln, in denen bestimmt ein ganzer Vanillepudding versteckt ist!

Für die neugierigen unter euch bietet die Webseite des Ginkaku-ji viele gute Informationen und eine virtuelle Tour an. Im Gegensatz zu vielen anderen englischsprachigen Webangeboten der verschiedenen Sehenswürdigkeiten Kyotos ist diese sehr gut gemacht und einen Besuch wert. Aber zurück zum Ginkaku-ji: wer einen silbernen Tempel erwartet, quasi als Gegenstück zum goldenen Kinkaku-ji, der wird enttäuscht sein. Nix ists mit Silber! Im Gegenteil…man konnte nicht einmal den Pavillon in seiner hölzernen, braun-weißen Pracht erleben, da dieser momentan von einem - silbernen - Gerüst umgeben ist. Das Dach und große Teile der Struktur sind über die Jahrhunderte so marode geworden, dass sie dringend eine Restauration benötigen, die leider zum Zeitpunkt meines Besuchs stattfand. Nichtsdestotrotz ist der Ginkaku-ji genial…der Sandgarten und die restliche Gartenanlage sind unglaublich schön. Ich würde gerne einmal den Sandgarten sehen, wenn er das Mondlicht auf die umliegenden Gebäude reflektiert. Der Anblick muss Atem beraubend sein.

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Der silberne Pavillion in all seiner Pracht…fast.

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Der Sandgarten und der restliche Garten des Ginkaku-ji entschädigten aber mehr als genug für den eingerüsteten Pavillon. Bermerkenswert war weiterhin, dass ich mich auch hier im Ginkaku-ji wieder mit Schulklassen ablichten lassen sollte :-D Tja ja…I’m popular with the kids!

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Sooo popular, no? Hello Yvonne :-D

Der Ginkaku-ji war also spektakulär. Voll mit Vanillepudding und Windbeutelmasse habe ich dann den Pfad der Philosophie beschritten. Nicht, weil ich in Verdauungsstarre angefangen habe, wirr zu fantasieren, sondern weil der Weg, der vom Ginkaku-ji entlang eines kleinen Flußes in Richtung Süden führt, so heißt: tetsugaku no michi. Seinen Namen hat er durch den berühmten japanischen Philosophen Nishida Kitaro erhalten, der hier oft spazieren ging. Auch wenn man sich für Philosophie kein Stück interessiert, sollte man den Weg auf jeden Fall entlang wandern, weil er nämlich extrem idyllisch und ruhig ist. Die vielen kleinen Cafés und Geschäfte, die beinahe durchweg hochwertige Handarbeiten verkaufen, laden zum Zwischenstopp ein, während auf der Ostseite z.B. der Honen-ji ein sehr lohnenswertes Ziel ist. Zur Zeit der Kirschblüte ist der tetsugaku no michi sicher der absolute Hammer, aber ebenso sicher dürfte es dann mit der Idylle vorbei sein.

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Der Eingang zum Honen-ji.

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Im Honen-ji.

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Idylle, lauter kleine Geschäfte, Cafés und interessante Häuser…das erwartet einen entlang des tetsugaku no michi. Hier lässt es sich definitiv aushalten, zudem wurden Erinnerungen an Kamakura wach. Noch mehr Bilder vom tetsugaku no michi, Honen-ji, Otoyo-jinja und so gibt es in der Galerie. Sightseeing war damit für diesen Tag beendet, denn ich mußte zum Bahnhof, um Yvonne dort abzuholen. Ja genau, es war eine Reunion des Dynamischen Duos angesagt. Mehr dazu aber beim nächsten Eintrag. Einen habe ich aber noch:

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Tiere warnen vor den Gefahren Japans: Hund (mit Helm), Affen, Elefant, Papagei (mit Helm). Dieses Mal geht es wieder um Waldbrand. Schade, ich verpeilte es, das Schild darüber mit aufs Foto zu bekommen, denn dort war die eigentliche Nachricht abgebildet: Kinder, falls ihr einen Waldbrand entdeckt, dann ruft alle zusammen “FEUER!!!”

So, bis dann.

Kyoto, Teil 3

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